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Winterreport aus St. Moritz 2025/26: Wie Milliarden den alpinen Luxus neu definieren

St. Moritz und das Engadin erleben derzeit eine wirtschaftliche Dynamik, die selbst für eine der prestigeträchtigsten Bergdestinationen der Welt außergewöhnlich ist. Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe, Rekordzahlen im Wintertourismus und eine strategische Erneuerung der Infrastruktur prägen ein Gesamtbild, das weit über reine Hotel-Investitionen hinausgeht. Der Hotel Inside-Report analysiert, wie sich die Region ökonomisch transformiert – und warum das Engadin dabei zur Benchmark im alpinen Luxustourismus wird.

Suvretta House.

Es gibt Zeiten, in denen eine Destination nicht nur wächst, sondern sich neu erfindet. St. Moritz befindet sich mitten in einem solchen Prozess. Was oberflächlich wie eine Abfolge von Luxussanierungen wirkt, ist in Wahrheit ein tiefgreifender Strukturwandel, dessen ökonomische und strategische Dimension sich erst bei genauer Betrachtung offenbart.

Die aktuelle Investitionswelle: Ein ökonomisches Signal mit Wirkung

Die Hotellerie im Oberengadin hat in den vergangenen Jahren Investitionen in historischer Höhe ausgelöst. Rechnet man die bekannten Projekte zusammen, entsteht ein Volumen von deutlich über 600 Millionen Franken – eine Größenordnung, die im europäischen Alpenraum ihresgleichen sucht.

Kulm Hotel St. Moritz.

Zu den wichtigsten Vorhaben gehören (Beispiele):

  • Das Badrutt’s Palace Hotel, das mit über 60 Millionen Franken in den neuen Serlas Wing investiert und damit seine Positionierung im globalen Luxussegment weiter schärft.
  • Das Kulm Hotel St. Moritz, das mit 125 Millionen Franken und unter Einbindung von Norman Foster eines der ambitioniertesten Hotelprojekte der Schweiz realisiert.
  • Das Suvretta House, dessen neuer Spa-Bereich einen zweistelligen Millionenbetrag verschlingt – und gleichzeitig ein starkes Commitment zur langfristigen Qualitätsstrategie darstellt.
  • Das Grand Hotel des Bains Kempinski, das mit 17,5 Millionen Euro die Modernisierung von 67 Suiten abgeschlossen hat und nun über 151 vollständig erneuerte Zimmer verfügt.
  • Die Laudinella Hotel Group, die seit 2020 fast 100 Millionen Franken investiert und damit einen wesentlichen Beitrag zur Diversifizierung von St. Moritz Bad leistet.
  • Das Hotel Walther in Pontresina, das seine Infrastruktur seit Jahren in Etappen erneuert und heute zu den modernsten Grandhotels der Region zählt.
  • Der Kronenhof Pontresina, dessen mehrjährige Renovierungsphasen ebenfalls in den zweistelligen Millionenbereich reichen.
  • Waldhaus Sils-Maria: laufende, hohe Investitionen (jährlich).

Diese Zahlen verdeutlichen: St. Moritz erlebt kein kosmetisches Facelift, sondern eine strukturelle Erneuerung seiner Kernleistung – der Luxus- und Premium-Hotellerie.

Badrutt’s Palace Hotel.

Die Bedeutung der Investitionen für den Wirtschaftsraum

Die touristische Wertschöpfung der Region liegt heute bei rund 1,5 Milliarden Franken pro Jahr. Die Luxushotellerie ist dabei der stärkste Multiplikator: Sie generiert überdurchschnittlich hohe Arbeitsplätze pro Bett, erzielt Spitzenwerte beim RevPAR und sorgt über Premium-Gastronomie, Events und Dienstleistungen für eine breite Verteilung der Wertschöpfung. Internationale Studien zeigen, dass jeder im Luxushotelsegment investierte Franken zwischen dem 3‑ und 5‑fachen regionalwirtschaftlichen Effekt auslösen kann. Auf St. Moritz übertragen bedeutet dies: Die aktuelle Investitionswelle erzeugt reale wirtschaftliche Impulse im Milliardenbereich.

Grand Hotel Kronenhof Pontresina.

Ein Wintertourismus, der fast alle Prognosen übertrifft

Die Zahlen der letzten Jahre sprechen eine deutliche Sprache. Die Wintersaison 2023/24 brachte St. Moritz 481.787 Übernachtungen – ein Plus von 3,36 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das gesamte Oberengadin erreichte im Winter 2024/25 sogar 957.170 Logiernächte, was einem Plus von 4,5 Prozent entspricht. Der März 2025 wurde mit über 210.000 Übernachtungen zum stärksten März seit einem Jahrzehnt.

Besonders bemerkenswert ist die Gästezusammensetzung: Während der Schweizer Markt weiterhin stabil wächst (in St. Moritz zuletzt +8,4 %), verzeichnen Übersee-Märkte wie die USA oder Brasilien zweistellige Zuwächse. Diese Märkte sind aufgrund längerer Aufenthalte und höherer Pro-Kopf-Ausgaben volkswirtschaftlich besonders relevant.

Carlton Hotel St. Moritz.

Infrastruktur als strategisches Rückgrat

Parallel zur Hotellerie investiert die Region in grundlegende Infrastruktur. Das Projekt «Nair Pitschen», ein Naturspeichersee zur Beschneiungsoptimierung, ist ein Beispiel für nachhaltige Investitionen mit langfristiger Wirkung. Die geplante Erneuerung der Signalbahn zur 8er-Gondelbahn unterstreicht, wie stark der Fokus auf Effizienz, Sicherheit und Qualitätssteigerung liegt.

Hotel Walther Pontresina.

Die strategische Perspektive

Ökonomisch betrachtet sind diese Maßnahmen keine isolierten Einzelprojekte, sondern Elemente einer klar erkennbaren Transformationsstrategie: Höhere Qualität, stärkere Ganzjahresauslastung, breitere Wertschöpfung, mehr internationale Sichtbarkeit und Nachhaltigkeit als Wettbewerbsfaktor. St. Moritz positioniert sich damit zunehmend in einer eigenen Liga – nicht als klassische Bergdestination, sondern als globales Luxusökosystem.

Als Beobachter der Schweizer Hotellerie fällt mir auf, wie konsequent St. Moritz seine historische Rolle neu interpretiert. Es geht nicht mehr nur um Glanz und Vergangenheit, sondern um Performance, Professionalität und Skalierbarkeit. Die Region hat verstanden, dass Luxus heute datengetrieben ist: Gästeerwartungen verändern sich, Pricing wird analytischer, Nachhaltigkeit wird messbar und der Wert einer Destination definiert sich zunehmend über ihre Fähigkeit, situative Nachfrage in langfristige Loyalität zu überführen.

Die kommenden Jahre werden entscheidend sein. Doch vieles spricht dafür, dass St. Moritz seine Repositionierung nicht nur erfolgreich vollzieht, sondern zum internationalen BestPracticeModell wird.

Zahlen & Fakten: Hotellerie und Wintertourismus St. Moritz / Engadin

Hotellerie – Investitionen (Auswahl)

  • Über 600 Mio. CHF Gesamtinvestitionen in der Luxushotellerie St. Moritz / Engadin (laufend und abgeschlossen).
  • Badrutt’s Palace Hotel: 60 Mio. CHF für Serlas Wing (25 neue Zimmer & Suiten).
  • Kulm Hotel St. Moritz: 125 Mio. CHF für Gesamtumbau (Architektur: Norman Foster).
  • Suvretta House: zweistelliger Mio.-Betrag für neuen 4’600 m² Spa-Bereich.
  • Grand Hotel des Bains Kempinski: 17,5 Mio. EUR für 67 renovierte Suiten (151 Zimmer total erneuert).
  • Laudinella Hotel Group: ca. 100 Mio. CHF Investitionen seit 2020.
  • Grand Hotel Kronenhof Pontresina: mehrjährige Modernisierung (zweistelliger Mio.-Betrag).
  • Hotel Walther Pontresina: kontinuierliche Investitionen in Infrastruktur, Spa & Zimmer.
  • Waldhaus Sils-Maria: laufende, hohe Investitionen (jährlich).

Wintertourismus – Logiernächte

  • Wintersaison Oberengadin 2024/25: 957’170 Logiernächte (+4,5 %).
  • St. Moritz Wintersaison 2023/24: 481’787 Logiernächte (+3,36 %).
  • Stärkster März seit 10 Jahren: 210’000 Logiernächte im März 2025.
  • Schweizer Gäste: +8,4 % Wachstum (St. Moritz, Vorjahr).
  • Übersee-Märkte (USA, Brasilien, Golfstaaten): zweistellige Wachstumsraten.
  • Hohe Wertschöpfung: ca. 1,5 Mrd. CHF touristische Gesamtwirkung im Engadin pro Jahr.

Infrastruktur & Nachhaltigkeit

  • Naturspeichersee Nair Pitschen: nachhaltige Beschneiungsstrategie und Wasserrecycling.
  • Signalbahn: Ersatz durch moderne 8er-Gondel in Planung.
  • Schwerpunkt Nachhaltigkeit: Energieeffizienz, Wasserreduktion, CO₂-Senkung.

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