Noch vor wenigen Jahren galt SEO – die Suchmaschinenoptimierung – als unverzichtbares Instrument für Hotels, um im digitalen Wettbewerb sichtbar zu bleiben. Keywords, Backlinks, Meta-Texte: Wer die Regeln beherrschte, konnte sich auf ein verlässliches Ranking bei Google verlassen. Doch das Spiel hat sich verändert. Warum? Hotel Inside-Autor Klaus Oegerli berichtet.
Mit dem Aufstieg von Large Language Models (LLMs) wie ChatGPT oder Gemini beginnt eine neue Ära der digitalen Sichtbarkeit: LLMO – Large Language Model Optimization.
Warum SEO an Relevanz verliert
Immer mehr Reisende suchen nicht mehr bei Google, sondern lassen sich Reisepläne direkt von KI-Assistenten erstellen. Diese greifen nicht auf klassische Trefferlisten zurück, sondern auf riesige Sprachmodelle, die Antworten generieren, statt sie zu verlinken. Das bedeutet: Die Sichtbarkeit eines Hotels hängt zunehmend davon ab, ob es „in den Trainingsdaten“ oder „im Prompt-Verlauf“ des Modells auftaucht – nicht mehr davon, ob eine Landingpage sauber optimiert ist.
Was ist LLMO?
LLMO steht für „Large Language Model Optimization“ – die Kunst, Inhalte so zu gestalten, dass sie von Sprachmodellen erkannt, verarbeitet und idealerweise in Antworten integriert werden. Das ist keine klassische SEO-Disziplin. Vielmehr geht es um semantische Relevanz, Authentizität, Quellenvertrauen und Kontextverständnis.
Ein Hotel, das zum Beispiel regelmäßig in hochwertigen redaktionellen Texten, Bewertungen, Reiseberichten oder strukturierten Datenformaten vorkommt, hat eine deutlich höhere Chance, von einem Sprachmodell empfohlen zu werden. Wer hingegen nur auf klassische Keywords setzt, läuft Gefahr, schlicht ignoriert zu werden.
Was Hotels jetzt tun sollten
- Content neu denken:
Statt sich nur auf SEO-optimierte Seiten zu verlassen, sollten Hotels vermehrt auf echten Mehrwert setzen: Inhalte, die von Journalisten, Bloggern oder Reisenden aufgegriffen werden. Glaubwürdigkeit und Kontext sind wichtiger als technische Optimierung.
- Strukturiert kommunizieren:
Maschinen „verstehen“ strukturierte Daten besser. Informationen zu Zimmern, Angeboten oder Services sollten in klaren, maschinenlesbaren Formaten (z. B. Schema.org) bereitgestellt werden.
- Sichtbarkeit in Datenquellen erhöhen:
LLMs greifen auf eine Vielzahl von Quellen zurück – Wikipedia, Reiseblogs, Online-Rezensionen, Fachportale. Wer dort präsent ist, erhöht die Chance, Teil von KI-generierten Empfehlungen zu werden.
- Partnerschaften nutzen:
Hotels sollten gezielt mit Plattformen und Medien zusammenarbeiten, die eine hohe Wahrscheinlichkeit haben, in LLMs zu erscheinen – also nicht nur klassische Buchungsportale, sondern auch kuratierte Inhalteanbieter, Reisemagazine und Metaplattformen mit hoher Autorität.
Fazit
Der Abschied vom klassischen SEO ist kein Verlust – sondern eine Einladung, das eigene Hotel digital neu zu positionieren. Wer frühzeitig versteht, wie Sprachmodelle Informationen verarbeiten, kann sich neue Sichtbarkeit verschaffen – nicht über Algorithmen, sondern über Relevanz. Die Frage ist nicht mehr: Wie komme ich auf Seite eins bei Google? Sondern: Wie werde ich zur Antwort auf eine Reisefrage?
10 LLMO-Tipps für Hotels
1. Setzen Sie auf semantisch reichhaltigen Content.
Verfassen Sie Inhalte mit echtem Informationswert – etwa Geschichten über Ihr Haus, die Region oder besondere Gästeerlebnisse. LLMs bevorzugen kontextreiche Texte gegenüber keyword-lastigen SEO-Texten.
2. Nutzen Sie strukturierte Daten (Schema.org).
Integrieren Sie strukturierte Daten auf Ihrer Website, damit LLMs wie Google Gemini oder ChatGPT Ihre Angebote korrekt erfassen: Zimmerpreise, Verfügbarkeiten, Ausstattung, Lage etc.
3. Lassen Sie sich in qualitativ hochwertigen Portalen erwähnen.
Erwähnungen in Medien wie hotelinside.ch, renommierten Reiseblogs, Online-Reiseführern oder Fachportalen erhöhen Ihre Sichtbarkeit in den Trainingsdaten von Sprachmodellen.
4. Fördern Sie authentische Gäste-Reviews
LLMs ziehen Inhalte aus Bewertungsplattformen heran. Ermuntern Sie Gäste, ausführlich auf Google, TripAdvisor oder HolidayCheck zu schreiben – je detaillierter, desto besser.
5. Pflegen Sie Ihre Wikipedia-Präsenz (indirekt)
Auch wenn Sie keine eigene Wikipedia-Seite haben: Stellen Sie sicher, dass Ihre Destination oder Region dort gut abgedeckt ist – inklusive Nennung Ihres Hotels, wenn es relevant ist.
6. Produzieren Sie eigenen Content mit Storytelling-Ansatz
Starten Sie einen Blog oder eine Rubrik „Erlebnisse im Hotel“ – dort können Sie emotionale Geschichten erzählen, die in KI-Antworten aufgegriffen werden.
7. Veröffentlichen Sie als PDF auffindbare Broschüren, Checklisten oder Guides
Sprachmodelle crawlen öffentlich zugängliche PDFs. Gut geschriebene Infodokumente können es in die Antworten schaffen, wenn Nutzer z. B. nach „Hotel mit besten Wandertipps im Berner Oberland“ fragen.
8. Optimieren Sie Ihre Google Business-Einträge inkl. Q&A-Sektion
KI-Modelle greifen auf öffentliche Q&A-Inhalte zu. Beantworten Sie regelmäßig Fragen zu Ihrem Haus direkt auf Google.
9. Kooperieren Sie mit lokalen Experten und Influencern
Lassen Sie lokale Guides oder Food-Blogger über Ihr Hotel berichten – ihre Inhalte landen häufiger in LLM-Datenpools als Ihre eigenen Werbetexte.
10. Analysieren Sie regelmäßig, ob und wie Ihr Hotel in KI-Antworten erscheint
Fragen Sie Sprachmodelle gezielt: „Was ist das beste Hotel für Familien in Zürich?“ oder „Wo kann man in Bern nachhaltig übernachten?“ – und schauen Sie, ob Sie erwähnt werden. Wenn nicht: analysieren und nachbessern.
Tipp:
Wer jetzt mit LLMO beginnt, hat die Chance, sich frühzeitig zu positionieren – bevor es zum Standard wird. Der nächste Wettbewerb um Sichtbarkeit findet nicht auf Google statt, sondern in der Antwortzeile von ChatGPT & Co.
Hinweis: Das Bild zu diesem Bericht wurde von künstlicher Intelligenz (ChatGPT) realisiert.