Die Hotellerie befindet sich weltweit in einem tiefgreifenden technologischen Wandel. Frage: Welchen Einfluss haben Digitalisierung und KI auf die Bestell- und Bezahlprozesse in der Hotellerie und Gastronomie? Mit welchen Transformationen müssen Hotels in naher Zukunft rechnen? Darüber spricht Stefan Bezold, Vice President Sales International bei der Schweizer Futurelog AG, im Interview mit Rolf Westermann (ahgz). Futurelog ist Teil der Mövenpick-Holding.

Stefan Bezold, Sie sprechen regelmäßig mit Entscheidungsträgern in der Hotellerie über die Digitalisierung von Prozessen. Wie hat sich die Akzeptanz für Cloud-Technologien entwickelt?
Die Hotellerie befindet sich weltweit in einem tiefgreifenden technologischen Wandel: Weg von veralteten On-Premise-Lösungen hin zu flexiblen, cloudbasierten Systemen. Während sich dieser Wandel in Bereichen wie PMS, POS, RMS und CRS bereits etabliert hat, erleben wir nun auch im E-Procurement eine rasante Entwicklung. Futurelog spielt hierbei eine Schlüsselrolle, indem wir veraltete Systeme ersetzen und von Anfang an in neue Implementierungen eingebunden werden. Die treibenden Faktoren sind der wachsende Bedarf an Effizienzsteigerung und Automatisierung – insbesondere aufgrund steigender Personalkosten, Inflation im F&B-Sektor und des anhaltenden Fachkräftemangels.

Gibt es regionale Unterschiede in der Digitalisierung der Einkaufsprozesse?
Ja, die Digitalisierung verläuft regional unterschiedlich. Im DACH-Raum sind Einkaufsprozesse hochgradig strukturiert und optimiert, während in Regionen mit niedrigeren Lohnkosten, wie dem Nahen Osten, der Druck zur vollständigen Digitalisierung geringer ist. In Asien dominieren mobile Lösungen: Bestellungen und Prozesssteuerungen erfolgen nahezu ausschließlich über Smartphones und Tablets. Futurelog unterstützt diesen Ansatz mit einer nativen App, die auch offline mit vollem Funktionsumfang genutzt werden kann.
Datenschutz und Cloud-Sicherheit sind zentrale Themen. Wie gehen Sie damit um?
Futurelog setzt auf eine enge Partnerschaft mit Microsoft und hostet seine Lösungen in einem der modernsten europäischen Rechenzentren in Amsterdam. Diese Infrastruktur gewährleistet höchste Sicherheits-, Stabilitäts- und Performance-Standards – weit über das hinaus, was mit On-Premise-Systemen erreicht werden kann.

Futurelog hat eine beeindruckende Entwicklung hinter sich. Was genau macht Ihr Unternehmen?
Futurelog ist der führende Anbieter cloudbasierter Procure-to-Pay-Lösungen für die Hotellerie und Gastronomie. Wir digitalisieren und automatisieren den gesamten Beschaffungsprozess – von der Bestellung beim Lieferanten über die Lieferung und den Wareneingang bis hin zur Rechnungsstellung und nahtlosen Integration in Finanzbuchhaltungssysteme. Mit modernster KI-Technologie ermöglichen wir signifikante Kosteneinsparungen, reduzieren manuelle Arbeitsschritte und verbessern Entscheidungsgrundlagen durch Echtzeit-Analysen und Reporting. Unsere Lösung ist vollständig cloudbasiert, offline-fähig und nahtlos mit Finanzbuchhaltungs- und POS-Systemen integrierbar. Darüber hinaus unterstützt Futurelog nachhaltige Einkaufspraktiken und gewährleistet die Einhaltung regulatorischer Anforderungen.

Wie global ist Futurelog aufgestellt?
Futurelog ist international tätig und in Europa, dem Mittleren Osten und Südostasien stark vertreten. In jedem Land arbeiten wir mit führenden Lieferanten aus dem F&B- und Non-Food-Sektor zusammen. Besonders in der DACH-Region haben wir eine hohe Marktdurchdringung erreicht: Mehr als 60% der großen Hotelketten vertrauen auf uns.
Warum ist die Digitalisierung des Einkaufs für Hotels essenziell?
Effizienz und Kostensenkung sind entscheidend für den Hotelbetrieb. Veraltete, papierbasierte Prozesse oder ineffiziente Systeme können den Betrieb erheblich verlangsamen. Futurelog optimiert den gesamten Beschaffungsprozess, reduziert Kosten nachhaltig und sorgt für eine transparente Datenbasis über Bestellungen, Lieferdokumente und Rechnungen.
Welche konkreten Vorteile bietet Futurelog den Unternehmen?
Futurelog bietet einen klaren Wettbewerbsvorteil durch vollständige Automatisierung und intelligente Prozessoptimierung. Manuelle Arbeitsschritte werden reduziert, Zeit- und Kosteneinsparungen maximiert und die Einkaufsstrategie durch präzise Echtzeit-Analysen verbessert. Unsere Plattform integriert sich nahtlos in bestehende Systeme, nutzt KI für Einkaufsverhalten-Analysen und liefert Optimierungspotenziale durch Kostenvergleiche, Volumenbündelung oder effizientere Bestellprozesse. Zudem ermöglichen wir flexible Einkaufsstrategien, eine transparente Lieferantenanbindung und nachhaltige Einkaufsentscheidungen.

Wie geht Futurelog mit Lieferanten um, die noch nicht Teil der Plattform sind?
Wir bieten zwei Integrationsmöglichkeiten an: Vertragspartner werden vollständig technisch angebunden, während lokale Lieferanten Bestellungen per E-Mail mit PDF-Anhang erhalten. So bleibt die Flexibilität für Hotels gewahrt.
Wie bleibt denn die Entscheidungsfreiheit beim Einkauf erhalten?
Futurelog dient ausschließlich als technologischer Enabler. Die finale Einkaufsentscheidung liegt weiterhin vollständig beim Hotel. Unsere Plattform unterstützt dabei, Prozesse effizienter, transparenter und benutzerfreundlicher zu gestalten.

Futurelog hat 2024 erstmals das Transaktionsvolumen von 1 Milliarde Euro überschritten. Was bedeutet das für die Expansion?
Dieser Meilenstein unterstreicht unsere starke Marktposition und schafft die Grundlage für weiteres Wachstum. Er ermöglicht es uns, verstärkt in Innovationen zu investieren und unsere internationale Expansion gezielt voranzutreiben.
Welche Verantwortung tragen Sie als Vice President International Sales?
Ich verantworte die strategische Weiterentwicklung unseres internationalen Kundenportfolios sowie die Führung und Steuerung unseres globalen Vertriebsteams. Wir sind in mehreren internationalen Standorten präsent – darunter Paris, Mailand, Dubai, Singapur, Antalya, Bangkok und Sydney. Zudem arbeiten wir mit Partnern wie progros und Allinvos zusammen und kooperieren eng mit führenden Lieferanten wie Chefs Culinar und Transgourmet.

Gibt es herausragende und aktuelle Vertragsabschlüsse, die Sie hervorheben möchten?
Wir haben unsere langjährige Partnerschaft mit Accor weiter ausgebaut und einen neuen Rahmenvertrag mit Hilton Supply Management abgeschlossen. Zudem hat sich IHG im Januar 2025 für eine Zusammenarbeit entschieden – mit ersten Projekten in Berlin, Frankfurt, Australien und Neuseeland. Diese Abschlüsse zeigen unser kontinuierliches Wachstum und unsere Marktführerschaft.
Wie gewährleisten Sie denn die erfolgreiche Umsetzung dieser Großprojekte?
Unser globales Team von über 120 Mitarbeitern, ergänzt durch mehr als 50 Technologie-Experten, stellt die erfolgreiche Umsetzung sicher. Zudem bauen wir ein Shared Service Center in Bangkok auf, das Katalogmanagement und 1st-Level-Support übernehmen wird.

Bedienen Sie auch Einzelhotels?
Unser Fokus liegt auf Hotelgruppen. Für kleinere Hotels bieten wir mit progros eine maßgeschneiderte Lösung. Zudem arbeiten wir an einem neuen Konzept, das Einzelhotels über innovative Self-Service-Möglichkeiten an unser System anbindet.
Wie tief ist Futurelog in den deutschsprachigen Markt integriert und wo sehen Sie weiteres Wachstum?
Futurelog ist Marktführer in Deutschland und hat die höchste Marktdurchdringung unter den Hotelketten. Wachstumspotenziale sehen wir insbesondere im Mittleren Osten, Asien und Ozeanien.

Schlussfrage: Welche technologischen Entwicklungen werden die Zukunft des digitalen Einkaufs prägen?
Künstliche Intelligenz wird eine zentrale Rolle spielen. Predictive Procurement, selbstlernende Algorithmen und automatisierte Entscheidungsprozesse werden die Effizienz steigern. Futurelog setzt hier Maßstäbe mit AI-gestützten Lösungen für proaktive Einkaufsoptimierung, smarte Bestellprozesse und dynamische Preisgestaltung. Unser Ziel ist es, die digitale Beschaffung durch modernste Technologien zu revolutionieren und unseren Kunden strategische Wettbewerbsvorteile zu bieten.
Stefan Bezold, vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!

Über Futurelog
Die Futurelog AG wurde 1999 gegründet und ist spezialisiert auf digitale Procure-to-Pay (P2P)-Lösungen für die Hotellerie und Gastronomie. Ihre cloud-basierten Systeme optimieren den gesamten Einkaufsprozess – von der Beschaffung über die Lagerverwaltung bis hin zur Rechnungsbearbeitung.
Mit Hauptsitz in der Schweiz und Standorten in Böblingen bei Stuttgart, Paris, Bangkok, Singapur, Sydney, Dubai sowie neu in Tokio betreut Futurelog mehr als 3000 Hotels und Gastronomiebetriebe weltweit. Das Unternehmen bietet nahtlose, sichere Konnektivität und unterstützt Kunden dabei, ihre P2P-Prozesse effizient zu digitalisieren und zu automatisieren. Futurelog beschäftigt mehr als 220 Mitarbeitende und ist Teil der Mövenpick-Holding. CEO ist Frank Dierberger.

Wer ist Stefan Bezold?
Stefan Bezold entstammt einer fränkischen Hoteliersfamilie und war von Kindesbeinen an von der Branche fasziniert. Seit Ende 2021 ist er bei Futurelog tätig und verantwortet als Vice President Sales International das globale Wachstum, den Vertrieb sowie die Zusammenarbeit mit Lieferanten und Partnern.
Er studierte Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Informatik, Organisation und Steuern an der Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule in Nürnberg und schloss mit Prädikat als Diplom-Betriebswirt (FH) ab. Seine Karriere begann bei hogatex Software GmbH und führte ihn über Amadeus Hospitality zu Infor Hospitality, wo er als Executive Sales Director für die DACH-Region sowie Mittel- und Osteuropa verantwortlich war.
Quelle & Copyright: ahgz online 2025, Hotel Inside. Autor: Rolf Westermann.
Bildlegende Hauptfoto: Stefan Bezold, Vice President Sales International bei der Futurelog AG.
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