Management

White Paper der HSMA: Wie Hotels sich gegen Cyberangriffe wappnen müssen

Die Bedrohung durch Cyberangriffe in der Hotellerie nimmt spürbar zu – und zwingt Betriebe in der DACH-Region zum Umdenken. Was lange als technisches Randthema galt, entwickelt sich zunehmend zu einer zentralen Managementaufgabe. Die zunehmende Digitalisierung, komplexe IT-Strukturen und der Umgang mit sensiblen Gästedaten machen Hotels zu attraktiven Zielen für Cyber-Kriminelle. Ein aktuelles White Paper der HSMA Deutschland zeigt, wie gross die Risiken sind – und warum Cybersicherheit zur strategischen Priorität werden muss.

Digitalisierung als Einfallstor

Die Digitalisierung hat den Hotelbetrieb effizienter, vernetzter und kundenorientierter gemacht. Gleichzeitig ist mit dieser Entwicklung jedoch auch die Angriffsfläche deutlich gewachsen. Buchungssysteme, Zahlungsplattformen, Cloudlösungen und Schnittstellen zu Online-Reiseportalen bilden heute das digitale Rückgrat vieler Betriebe – und genau diese Infrastruktur wird zunehmend zur Zielscheibe von Cyberkriminellen.

Die Zahl der dokumentierten Vorfälle steigt, ebenso die Professionalität der Angriffe. Von Phishing-Mails über manipulierte Zahlungsaufforderungen bis hin zu kompromittierten Buchungssystemen reicht die Bandbreite. Besonders kritisch: Viele dieser Angriffe erfolgen nicht spektakulär, sondern im Verborgenen – und werden oft erst spät erkannt.

Sensible Daten als strategisches Risiko

Hotels verarbeiten täglich hochsensible Daten. Kreditkarteninformationen, Passdaten oder Bewegungsprofile von Gästen sind für Angreifer besonders wertvoll. Gleichzeitig arbeiten viele Betriebe mit fragmentierten IT-Strukturen und zahlreichen externen Schnittstellen.

Diese Kombination macht die Branche besonders anfällig. Regionen mit hoher touristischer Frequenz und internationalem Gästemix stehen dabei besonders im Fokus von Cyberkriminellen. Für Hotels in Deutschland, Österreich und der Schweiz bedeutet das: Cybersicherheit ist nicht nur eine technische Herausforderung, sondern ein zentraler Faktor für Vertrauen, Reputation und wirtschaftliche Stabilität.

Der Mensch als grösste Schwachstelle

Neben technischen Lücken bleibt der Faktor Mensch eine der grössten Herausforderungen. Mitarbeitende an Rezeption oder im Backoffice arbeiten häufig unter Zeitdruck – ein idealer Ansatzpunkt für Angreifer.

Typische Szenarien sind gefälschte Supportanfragen, manipulierte Bewerbungen oder der sogenannte „Chef-Trick“, bei dem sich Täter als Geschäftsleitung ausgeben. Auch scheinbar harmlose Situationen – etwa USB-Sticks von Gästen oder E-Mail-Anhänge unbekannter Absender – bergen erhebliche Risiken.

Die zentrale Erkenntnis: Viele erfolgreiche Angriffe beginnen nicht mit Technologie, sondern mit gezielter Manipulation von Menschen.

Technische Mindeststandards als Pflichtprogramm

Das White Paper der HSMA definiert klare technische Mindestanforderungen. Dazu gehören insbesondere Multi-Faktor-Authentifizierung für alle relevanten Systeme, eine saubere Nutzerverwaltung ohne Sammelzugänge sowie die konsequente Trennung von Gäste- und internen Netzwerken.

Ergänzend sind regelmässige Softwareupdates, professionelle Sicherheitslösungen und die kontinuierliche Überprüfung bestehender Systeme erforderlich. Bereits einzelne Schwachstellen können ausreichen, um den gesamten Hotelbetrieb zu beeinträchtigen oder im Extremfall lahmzulegen.

Risiken entlang der gesamten Wertschöpfungskette

Cybersecurity endet nicht an der eigenen Rezeption. Hotels sind Teil komplexer digitaler Ökosysteme mit zahlreichen externen Partnern – von Channel-Managern über Zahlungsdienstleister bis hin zu Softwareanbietern.

Viele Sicherheitsprobleme entstehen genau an diesen Schnittstellen. Entsprechend wichtig ist eine sorgfältige Auswahl und kontinuierliche Überprüfung von Technologiepartnern. Klare Verantwortlichkeiten und definierte Meldewege im Falle von Sicherheitsvorfällen werden damit zu einem zentralen Bestandteil moderner Hotelorganisation.

Mehr Transparenz und Austausch in der Branche

Ein weiteres Problem: Viele Hotels kommunizieren Sicherheitsvorfälle nicht öffentlich – aus Angst vor Reputationsschäden. Dadurch geht jedoch wertvolles Wissen verloren, das anderen Betrieben helfen könnte.
Branchenverbände wie die HSMA plädieren deshalb für mehr Transparenz und einen intensiveren Austausch. Cybersecurity wird zunehmend zur Gemeinschaftsaufgabe, bei der gemeinsame Standards und geteilte Erfahrungen entscheidend sind.

Cybersicherheit wird zur Chefsache

Das zentrale Fazit ist eindeutig: Cybersicherheit darf nicht länger als reines IT-Thema betrachtet werden. Sie gehört in die Verantwortung der Geschäftsführung und muss integraler Bestandteil des strategischen Risikomanagements sein.

Für Hotels in der DACH-Region bedeutet das konkret: klare Verantwortlichkeiten, regelmässige Risikoanalysen, Schulung der Mitarbeitenden und belastbare Notfallpläne. Absolute Sicherheit gibt es nicht – entscheidend ist, wie gut ein Betrieb auf den Ernstfall vorbereitet ist.

Damit entwickelt sich Cybersicherheit zu einem der zentralen Zukunftsthemen der Branche – vergleichbar mit Themen wie Brandschutz, Versicherung oder Compliance.

Wenn Hacker einchecken: Wie Hotels Opfer von Cyberkriminalität werden

Cyberangriffe auf Hotels sind längst keine abstrakte Gefahr mehr, sondern konkrete Realität. Internationale Vorfälle und erste bekannte Fälle in der DACH-Region zeigen, wie anfällig die Branche ist. Von Datenlecks über Ransomware-Angriffe bis hin zu manipulierten Buchungsprozessen – die Bandbreite der Angriffe wächst. Gleichzeitig steigt die Zahl der Vorfälle weltweit kontinuierlich, was den Handlungsdruck für Hotelbetreiber deutlich erhöht.

Prominente internationale Fälle

Zu den bekanntesten Cybervorfällen in der Hotellerie zählt der massive Datenhack bei Marriott International. Dabei wurden über mehrere Jahre hinweg Daten von rund 500 Millionen Gästen kompromittiert – darunter Passnummern, Kontaktdaten und teilweise Zahlungsinformationen. Der Fall gilt bis heute als einer der grössten Datenskandale der Branche.

Auch die InterContinental Hotels Group (IHG) war Ziel von Cyberangriffen. In mehreren Fällen kam es zu Systemausfällen und Beeinträchtigungen bei Buchungs- und Zahlungssystemen. Solche Angriffe zeigen, dass selbst grosse internationale Ketten mit umfangreichen IT-Ressourcen nicht immun sind.

Ein weiteres Beispiel ist die nordische Hotelgruppe Nordic Choice Hotels, bei der ein Angriff zu Störungen im gesamten Betrieb führte – inklusive Ausfällen von Schliesssystemen und Kassensystemen.

Cyberangriffe in der DACH-Region

Auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz häufen sich die Fälle – wenn auch oft weniger öffentlich bekannt. Mehrere mittelständische Hotels wurden in den vergangenen Jahren Opfer von Ransomware-Angriffen, bei denen Systeme verschlüsselt und erst gegen Lösegeld wieder freigegeben wurden.

In Deutschland sorgten Fälle für Aufmerksamkeit, bei denen Angreifer über kompromittierte E-Mail-Konten Gäste dazu brachten, Zahlungen auf falsche Konten zu leisten. Besonders perfide: Die Kommunikation erfolgte teilweise über echte Buchungsdaten, wodurch die Täuschung schwer erkennbar war.

Auch Schweizer Betriebe berichten zunehmend von Phishing-Kampagnen und Angriffen über Buchungsplattformen. Branchenverbände gehen davon aus, dass die Dunkelziffer deutlich höher liegt, da viele Vorfälle aus Angst vor Reputationsschäden nicht öffentlich gemacht werden.

Aktuelle Zahlen und Trends

Aktuelle Studien zeigen, dass die Hotellerie zu den besonders gefährdeten Branchen gehört. Laut verschiedenen Cybersecurity-Analysen ist die Zahl der Angriffe auf den Tourismussektor in den letzten Jahren deutlich gestiegen – teilweise im zweistelligen Prozentbereich pro Jahr.

Ransomware zählt dabei zu den grössten Risiken. Gleichzeitig nehmen Angriffe zu, die gezielt auf Mitarbeitende abzielen, etwa durch Social Engineering oder gefälschte Kommunikationsprozesse. Besonders kritisch ist die Kombination aus hoher Datenverfügbarkeit, internationaler Gästestruktur und oft heterogenen IT-Systemen.

Für die DACH-Region bedeutet dies: Die Wahrscheinlichkeit, selbst betroffen zu sein, steigt – unabhängig von Grösse oder Positionierung des Hotels.

Warum Hotels besonders anfällig sind

Die Struktur der Branche begünstigt Cyberrisiken. Viele Hotels arbeiten mit komplexen Systemlandschaften, zahlreichen Schnittstellen und externen Dienstleistern. Gleichzeitig herrscht im operativen Alltag hoher Zeitdruck, was die Aufmerksamkeit für Sicherheitsrisiken reduziert.

Hinzu kommt: Hotels verarbeiten besonders wertvolle Daten – und bieten damit ein attraktives Ziel für Cyberkriminelle. Die Kombination aus Datenreichtum, Prozesskomplexität und menschlichem Faktor macht die Branche besonders verwundbar.

Fazit: Konkrete Fälle erhöhen den Handlungsdruck

Die Beispiele aus der Praxis zeigen, dass Cyberkriminalität in der Hotellerie kein Zukunftsthema mehr ist. Sie ist Gegenwart – und betrifft Betriebe weltweit ebenso wie Hotels in der DACH-Region.

Für Betreiber bedeutet das: Cybersicherheit muss strategisch gedacht und operativ umgesetzt werden. Die Frage ist nicht mehr, ob ein Angriff erfolgt, sondern wann – und wie gut ein Hotel darauf vorbereitet ist.

HSMA-Geschäftsführerin Anna Heuer.

HSMA Deutschland: Netzwerk und Impulsgeber der digitalen Hotellerie

Die Hospitality Sales & Marketing Association Deutschland e.V. (HSMA) hat sich in den vergangenen Jahren als eine der zentralen Branchenplattformen für die Hotellerie im deutschsprachigen Raum etabliert. Der Verband mit Sitz in Deutschland vernetzt Fach- und Führungskräfte aus den Bereichen Vertrieb, Marketing, Distribution und Digitalisierung. Ziel ist es, den Wissensaustausch innerhalb der Branche zu fördern und praxisnahe Lösungen für aktuelle Herausforderungen zu entwickeln. Dabei versteht sich die HSMA als unabhängiges Netzwerk, das sowohl internationale Trends aufgreift als auch konkrete Handlungsempfehlungen für den deutschsprachigen Markt formuliert.

Mit mehreren hundert Mitgliedern – darunter Individualhotels, Hotelgruppen und Technologiepartner – zählt die HSMA heute zu den einflussreichen Organisationen der Branche. In Fachgruppen und Arbeitskreisen werden Themen wie Revenue Management, Onlinedistribution, CRM, Employer Branding oder zuletzt verstärkt Cybersicherheit bearbeitet. Studien, White Paper und Branchenveranstaltungen liefern regelmässig Impulse für die Weiterentwicklung der Hotellerie. Gerade bei digitalen Themen positioniert sich der Verband zunehmend als wichtiger Sparringspartner für Entscheider.

Besondere Bedeutung kommt der Rolle als Wissensplattform zu: Durch Leitfäden, Best-Practice-Beispiele und den Austausch unter Mitgliedern trägt die HSMA dazu bei, Standards zu etablieren und die Professionalisierung der Branche voranzutreiben. In Zeiten wachsender technologischer Komplexität – etwa durch Cyberrisiken oder datengetriebene Geschäftsmodelle – gewinnt diese Funktion weiter an Gewicht.

www.hsma.de

zur Übersicht