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Reports Schweiz

Welche Hotel-Themen erwarten uns 2023?

Welche Themen beherrschen die Schweizer Hotellerie im Jahr 2023 – nach der eigentlichen Pandemie? Norbert Hörburger, Professor an der Tourismushochschule Graubünden, und Fachdozentin Lena Pescia vom Institut für Tourismus und Freizeit blicken in die Zukunft ab 2023.

Autoren/Text: Lena Pescia und Prof. Norbert Hörburger

Die Stadthotellerie hatte in den letzten zwei Pandemie-Jahren – im Vergleich zur Ferienhotellerie – weit mehr unter der Corona-Krise zu leiden. Selbst mit dem Wiedererstarken der Städtereisen ist festzustellen, dass der Strukturwandel auch in der Stadthotellerie angekommen ist und sich die Betriebe auf ein sich dauerhaft verändertes Geschäftsumfeld einstellen müssen. Denn es ist davon auszugehen, dass ein Teil der Businessgäste aufgrund der Substitution von Meetings durch Videokonferenzen zukünftig wegfallen wird. Gleichzeitig wächst das Zimmerangebot in den Städten immer weiter, da derzeit noch viele, sich bereits in Umsetzung befindliche Pipeline-Projekte zur Fertigstellung kommen.

Städte, die über ein vielfältiges kulturelles Angebot verfügen, bieten Hotelbetrieben einen Standortvorteil und damit eine bessere Ausgangslage als reine «Business-Hubs». Dies umso mehr, da Städtereisen in Europa seit diesem Frühjahr (2022) wieder zunehmen, die Reisemöglichkeiten in Asien/China jedoch noch stark eingeschränkt bzw. mit Risiken behaftet sind. Der städtische Freizeittourismus ist ein Boom-Segment und immer mehr Businessgäste entdecken die Möglichkeit, mehr mit ihrer Familie zusammen zu sein, wenn sie gemeinsam auf Tour gehen und das Notwendige mit dem Angenehmen verbinden.

Den Blick auf das Wesentliche gerichtet, erfordert diese Situation also von den Hotels einen Wandel vom Business- zum Erlebnishotel oder das Suchen von Auswegen im Bereich von gemischt genutzten Immobilien mit Serviced Appartements, Ladengeschäften, Praxen oder Büros. Für viele Stadthotels ist es Zeit, über grundlegende Veränderungen nachzudenken. Dies gilt insbesondere für die Vertragsgestaltung zwischen Eigentümern und Betreibern zur faireren Chancen- und Risikoteilung der Betriebs- und Unterhaltskosten.

Zwischen der klassischen Hotellerie und der Parahotellerie bilden sich seit geraumer Zeit immer mehr hybride Formen der Beherbergung, und die Grenzen zwischen den verschiedenen Betriebsstrukturen verschwimmen. Beispiele sind Serviced Appartements, Co-Living-Spaces, Pop-Up-Nutzungen oder Ghost Kitchens. Diese neuen Konzepte vermögen es (je nach Ausgestaltung), neue Gästesegmente anzusprechen und flexibel auf Marktveränderungen zu reagieren – Eigenschaften, die sich während der COVID-Pandemie auszahlten und auch bei Krisen entscheidende Erfolgsfaktoren darstellen dürften.

Die Schweizer Ferienhotellerie konnte in der Pandemiezeit und auch jetzt neue Gäste gewinnen und sich über ein Logiernächte-Plus freuen. Den Blick wiederum auf das Wesentliche gerichtet gilt es nun, diese neuen Gäste zu binden und durch perfekten Service auch weiterhin zu überzeugen. Nicht jeder neue Gast wird zum Stammgast werden, aber viele können mit positiven Erlebnissen von wiederholten Aufenthalten überzeugt werden.  Die (digitale) Mund-zu-Mund-Propaganda ist mehr denn je ein wichtiger Erfolgsfaktor.

Die Corona-Hilfen der öffentlichen Hand haben den Strukturwandel in der Ferienhotellerie so gut wie «eingefroren». Er wird sich aber jetzt, nach Auslaufen der Massnahmen, unvermindert fortsetzen. Da in vielen Destinationen ein Überangebot an Zimmern besteht, droht qualitativ schlechteren Betrieben, welche über geringe freie Finanzmittel verfügen, früher oder später das Aus. Es muss kritisch evaluiert werden, welche Betriebe eine Fortführungsperspektive haben und welche in neuen Eigentums- und Betriebsmodellen aufgehen können. Eine Lösungsmöglichkeit besteht in der Bildung grösserer, attraktiverer, leistungsfähigerer und kostenoptimierter Einheiten. Eine andere erfordert den politischen Willen des Zulassens einer auch tatsächlich umsetzbaren Exit-Lösung im Rahmen einer Anpassung des Zweitwohnungsgesetzes. Eine schnelle Lösung ist hier aber nicht in Sicht.

Sowohl die Schweizer Stadt- als auch die Ferienhotellerie sind seit Jahren stark vom Fachkräftemangel betroffen. Die Coronakrise hat die Situation weiter verschärft und noch mehr Arbeitskräfte dazu getrieben, die Branche zu verlassen: Hotelleriesuisse geht laut jüngsten Zahlen vom September 2022 von über 40 000 verlorenen Stellen oder Personen im Gastgewerbe aus. Der Blick der Betriebsinhaber muss also den betriebsinternen Prozessen gewidmet werden, um die Arbeitgeberattraktivität zu steigern, die Mitarbeiterzufriedenheit sicherzustellen und qualifizierte Mitarbeitende langfristig zu binden.

Eine Chance der Betriebsoptimierung besteht im Bereich der Digitalisierung der internen Prozesse. Ziel muss es sein, Mitarbeitende von Standardtätigkeiten zu entlasten, um ihnen Zeit für das Wesentliche zu schaffen: die Kommunikation mit dem Gast! Gelingt dies, trägt die Massnahme nicht nur zur Entlastung (und damit zur höheren Zufriedenheit) der Mitarbeitenden, sondern auch zur Steigerung der Servicequalität am Gast bei.

Durch die Digitalisierung der Warenwirtschaft sowie der Leistungs- und Personaleinsatzplanung können ebenfalls Zeit und Kosten gespart werden. Die Kosteneinsparungen könnten sinnvoll in Lohnerhöhungen investiert werden, was die Branche als Arbeitgeberin attraktiver machen und den Mitarbeitenden zu einem besseren Lebensstandard verhelfen würde. Die digitalen «Helfer» ermöglichen zudem die unkompliziertere und frühere Dienstplanung, was einen Beitrag zur Verbesserung der Work-Life-Balance der Mitarbeitenden leisten kann.

Ebenfalls müssen noch mehr (massgeschneiderte) Aus- und Weiterbildungsformate für geringqualifizierte Berufseinsteiger sowie Quereinsteiger angeboten und für sie passende Karrierepläne entwickelt werden. Die Qualität dieser Bildungsformate wird entscheidend sein, um potenzielle Arbeitskräfte und potenzielle Arbeitgebende dauerhaft zusammenzubringen.

Der Fachkräftemangel muss in den Ferien-Destinationen ebenfalls über die Mitarbeitenden-Unterbringung angegangen werden. Dies ist eine Gemeinschaftsaufgabe von mehreren Hotels mit den jeweiligen Gemeinden. Denkbar wäre im Rahmen eines genossenschaftlichen Modells, speziell gewidmetes Bauland für die Projektvorhaben zur Verfügung zu stellen und durch gemeinschaftliche Beteiligung entsprechende Unterkünfte zu realisieren. Denn es wäre äusserst schade, wenn mühsam aufgebaute Mitarbeitende verloren gingen, weil sie und ihre Familien sich die Lebenshaltung am Arbeitsort finanziell nicht leisten können.

Die Themen im Jahr 2023

Im Jahr 2023 werden die grossen Branchenthemen wie Strukturanpassung, Kostenoptimierung, Digitalisierung und Fachkräftemangel wieder zur Chefsache. Dieser Problemmix mag zwar an den Vierklang Spiel, Spass, Spannung und Schokolade eines bekannten Werbeslogans erinnern, ist aber alles andere als ein süsses Vergnügen. Diesen Herausforderungen muss sich die Hotellerie auf jeder Branchenebene stellen, sei es einzelbetrieblich, im lokalen Verbund, auf Verbandsebene oder in der Politik. Wenn es als Einzelunternehmen nicht geht, müssen sich kooperative, partizipative Projekte diesen Themen gesamtstrategisch und im Miteinander annehmen und die künftig besser ausgestatteten Förderinstrumente des Bundes und der Kantone zusammen mit kompetenten Partnern nutzen.

Die Autoren

Lena Pescia ist Dozentin am Institut für Tourismus und Freizeit der Fachhochschule Graubünden. Prof. Norbert Hörburger ist stellvertretender Leiter Forschung & Dienstleistung am gleichen Institut und ebenfalls Dozent.

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