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Kommentar von Hans r. Amrein

Was hat Andreas Züllig als Verbandspräsident tatsächlich bewegt?

Man konnte es in allen Fachblättern, in der Tages- und Sonntagspresse, im Blick und sogar in der Schweizer Illustrierten (Homestory) nachlesen: Andreas Züllig, 65-jährig, verheiratet mit Claudine Züllig, Vater von zwei erwachsenen Söhnen, Hotelier und Unternehmer in der Lenzerheide im Kanton Graubünden und leidenschaftlicher Konfitüren-Macher, tritt Ende Dezember als Präsident des Branchenverbandes HotellerieSuisse zurück. Neun Jahre lang stand der gebürtige Ostschweizer an der Spitze der Verbandsleitung.

Ein Verbandspräsident tritt zurück? Und jetzt? Ich hätte nie gedacht, dass dieser Rücktritt – aufgrund der so genannten Amtszeitbeschränkung – ein derart grosses Medienecho auslöst. Normalerweise sorgt das Gastgewerbe für eher negative oder sogar despektierliche Storys und Schlagzeilen in der allgemeinen Publikumspresse. Und jetzt plötzlich Lobeshymnen auf den Verbandspräsidenten landauf und landab – vom Appenzell bis in die Romandie. Was ist los mit den Medien? Oder anders gefragt: Warum kommt Andy Züllig bei den Journalistinnen und Medienmachern derart gut an?

Zur Erinnerung: Als Guglielmo L. Brentel vor etwa zehn Jahren den Verband führte, verfassten die Medien in schöner Regelmässigkeit Schlagzeilen unter dem Motto: «Unfreundliche Schweizer Hotels stehen im Schatten der herzlichen Österreicher» (BZ), oder «Hoteliers in der Krise. Kein Wunder, denn sie sind zu teuer» (TA). Oder ein Beispiel aus dem Blick (2009): «Eidgenossen ziehen Ferien in Österreich vor, denn die Ösis sind herzlicher und besser.»

Mit anderen Worten: Es gab eine Zeit, da hatten die Medien wenig Sympathien für die eidgenössische Beherbergungsindustrie, da standen die Schweizer Hoteliers mehrheitlich im Schatten der «herzlichen Tiroler». Ja, da pilgerten die Schweizer massenhaft über die Grenze in Richtung Vorarlberg und Südtirol, denn da war in Hotels und Gaststätten ja alles besser, freundlicher, authentischer und erst noch viel billiger. Welcher Gasthof in der Schweiz bietet schon eine Sauna – und einen Whirlpool?

Nun, die Zeiten der Glorifizierung unserer Nachbarn im Osten sind definitiv vorbei: Die Schweizer Hotellerie hat in den letzten zehn Jahren markant aufgeholt. Es wurden Millionen und Milliarden investiert – in Zimmer, Hotel-Lobbys, Restaurants, Wellness-Bereiche und Hotelparks. Damit nicht genug: Auch die Servicequalität in den meisten Schweizer Hotels darf sich sehen und erleben lassen. Heute weiss der hinterste und letzte Appenzeller oder Walliser, dass man gegenüber dem Gast offen, freundlich und aufmerksam sein sollte, denn sonst kriegt man (a) kein Trinkgeld und (b) wird uns der Gast untreu – und wandert dann eben ins Südtirol ab…

Was hat das alles mit Andres Züllig zu tun, werden Sie sich fragen? Man könnte sagen, dass es Züllig während seiner Präsidentschaft gelungen ist, die Stimmung im Land zugunsten der Hotellerie positiv zu beeinflussen. Für mich steht fest: Andreas Züllig hatte zu den Medien einen guten Draht. Und die Medien mochten ihn. Hat dies zum Stimmungs- oder Imagewandel geführt?

Andreas Züllig war ein Verbandspräsident, der sachlich, pragmatisch und ausgeglichen argumentierte. Er polarisierte nie, wirkte stets sympathisch und authentisch. Beispiel Corona-Krise. Während Casimir Platzer, der Präsident von Gastrosuisse, in Stammtischmanier auf den Tisch haute und die Politik in Bern mit deftiger Rhetorik herausforderte, blieb Züllig stets ruhig und besonnen, aber in der Sache hart und konsequent. Züllig, seinem Direktor Claude Meier und dem Team der politischen Abteilung des Verbandes ist es in wenigen Jahren gelungen, Bundesbern für die Anliegen der Hotellerie zu sensibilisieren. Die Hoteliers haben heute eine kräftige Stimme im Bundeshaus und bei den Staatsbehörden – auch wenn im nationalen Parlament zu Bern noch immer kein Hotelier sitzt…

Hans R. Amrein
Publizist & Gesellschafter

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