hotel inside tag

Newsletter

Werden auch Sie ein Insider!

Folgen Sie uns

Kommentar von Hans r. Amrein

Warum der Lenkerhof so erfolgreich ist

Ich habe den Lenkerhof mal als General Manager geführt. Eine knappe Woche stand ich als «Herr Direktor» in der Hotellobby oder begrüsste die Gäste im Restaurant oder an der Bar. Das war im Sommer 2015. Es war ein Experiment. Fazit: Ich bin als Gastgeber und Hotelier an der Gästefront ungeeignet. Mir fehlt das, was man «Service-Gen» nennt. Ich habe reichlich Mühe, stets lächelnd, zuvorkommend und im «Bella Figura»-Modus Gäste zu empfangen oder Gäste zu verabschieden. Nicht mein Ding.

Ich schreibe lieber über Hotels, teste Hotels, spreche als Dozent oder Referent über Hotels oder führe Debatten über Hotels. Ganz anders tickt Jan Stiller, seit etwa zwölf Jahren General Manager und Gastgeber im Lenkerhof. Jan geht spontan auf die Gäste zu, er strahlt, wenn ein Gast die Lobby betritt, er blüht förmlich auf, wenn die Gäste sein Haus loben. Jan Stiller ist stets präsent im Hotel. Doch er «spielt» nicht den «Herrn Direktor», der steif und mit erhobenem Haupt, im Anzug und mit Hermes-Krawatte, durch die Hotelhalle stolziert. 

Ganz im Gegenteil: Jan Stiller trägt selten Krawatte. Sein Outfit: Jeans und Freizeitveston, offenes Hemd. Seit einigen Monaten trägt er einen Bart. Er könnte auch der Hauswart, Schreiner oder Gärtner sein, denkt man, wenn man ihn nicht kennt. Er füllt eigenhändig Toilettenrollen nach, wenn gerade kein Housekeeping verfügbar ist. Schneit es draussen vor dem Hotel, greift er zur Schneeschaufel und räumt den Schnee bei der Vorfahrt weg. Er trägt gebrauchte Teller in die Küche, schenkt Wein nach, holt Gäste am Bahnhof ab…

Und genauso ungezwungen, spontan, natürlich und locker wie der General Manager, kommt das Hotel rüber. Von steifem Luxus keine Spur. Jan Stiller, seine Partnerin Heike Schmidt und das Lenkerhof-Team schaffen es, dem Gast ein Gefühl zu vermitteln, so dass sich dieser wie «zu Hause» oder «unter guten Freunden» fühlt. Man setzt zwar auf Qualität und Komfort, aber alles kommt frisch, jugendlich und locker hinüber – der Service im Restaurant oder an der Bar, der Check-in-Prozess in der Lobby, die Konversation in der Smokers Lounge…

So gesehen ist der Lenkerhof ein einzigartiges Luxushaus, das eigentlich gar kein Luxushotel ist. Auch die Gäste im Lenkerhof entsprechen – in der Regel – so gar nicht dem klassischen Luxusgast, der im Porsche vorfährt, Rolex trägt, Golfschläger schwingt und Frauen mit Louis Vuitton-Taschen und Cartier-Ohrringen liebt. Nein, der Gast im Lenkerhof erinnert im ersten Moment eher an den Lastwagen- oder Busfahrer, der sich ab und zu ein Wohlfühl-Wochenende mit Freundin oder Gattin leistet. Junge, alte, moderne, stylische, konservative, trendige Gäste: Der Lenkerhof ist kein Mekka der High Society. Lenk ist nicht Gstaad – oder St. Moritz. 

Warum der Lenkerhof als «jugendlichstes Fünfsterne-Hotel der Schweiz» so erfolgreich ist, erfahren Sie im Hotel Inside Talk mit Jan Stiller (vgl. Video).

Hans R. Amrein
Gesellschafter & Chefredaktor

zur Übersicht