hotel inside tag

Newsletter

Werden auch Sie ein Insider!

Folgen Sie uns

Kommentar von Hans r. Amrein

Die ewige Frage: Sind Hotel-Sterne überhaupt noch relevant?

Ich treffe einen Hotelier in Zürich. Er führt ein 4-Sterne-Haus – mit Erfolg. Wir sprechen über Strategie und Positionierung des Hauses, Gästeerlebnisse, Online-Bewertungen – und Hotel-Klassifizierungen. Ich treffe einen Hotelier in Bern. Er führt ein 3-Sterne-Haus – mit Erfolg. Schon nach wenigen Minuten sprechen wir über die Relevanz von Hotel-Sternen. Ich spreche mit einem Hotelier in Genf. Er führt ein renommiertes 5-Sterne-Haus – mit Erfolg. Und wir sprechen über die aktuellen Neuerungen der Hotelstars Union (HSU). Die Vereinigung, im Jahr 2009 gegründet und in 21 europäischen Staaten aktiv, hat vor wenigen Tagen den neuen Kriterienkatalog zur Hotelklassifizierung für 2025 bis 2030 verabschiedet.

Was haben die drei Hoteliers aus Zürich, Bern und Genf gemeinsam? Sie glauben (nicht mehr) an die Hotelklassifizierung – auch wenn die Hotelstars Union die Kriterien nun alle fünf bis sechs Jahre überprüft und laufend den Bedürfnissen der Gäste und des Marktes anpasst. „Hotel-Sterne sind ein Auslaufmodell, sie verlieren immer mehr an Bedeutung“, so der Genfer Luxushotelier. „Von einheitlichen, gesamteuropäischen Klassifizierungskriterien sind wir noch weit entfernt, deshalb machen Hotelsterne keinen Sinn“, so der 3-Sterne-Hotelier aus Bern. „Wichtige Länder wie Italien oder Frankreich halten sich nicht an die einheitlichen Kriterien der Hotelstars Union, deshalb sind die Sterne für den internationalen Gast kein Thema mehr“, so der 4-Sterne-Hotelier aus Zürich.

Richtig ist: Der Prozess der Konsensfindung und Harmonisierung der Positionen aller HSU-Mitgliedsverbände war ein „komplexes Unterfangen, das einige Anstrengungen und Kooperation erforderte“, so HSU-Präsident Markus Luthe.

Mit anderen Worten: Die HSU gibt sich alle Mühe, die Klassifizierungskriterien laufend anzupassen, die Branchenstandards durchzusetzen und die Hotelverbände auf einen gemeinsamen Nenner einzuschwören. Leider halten sich, wie oben erwähnt, längst nicht alle Verbände daran. Ich spreche aus langjähriger Erfahrung: Wenn ich in Italien in einem 4-Sterne-Hotel absteige, entsprechen Standards, Zimmerausstattung und Serviceleistungen in der Regel einem 3-Sterne-Haus. Und ein 3-Sterne-Hotel in Frankreich entspricht in der Regel einem 2-Sterne-Betrieb. Von „einheitlichem Kriterienkatalog“ kann keine Rede sein!

Ich teile die Meinung der oben zitierten Hoteliers aus Zürich, Bern und Genf trotzdem nicht. Mag sein, dass immer mehr (jüngere) Gäste die Sterne kaum mehr beachten – und Hotels primär nach Online-Bewertungen auswählen. Aber Hotel-Sterne sind und bleiben so etwas wie eine Bewertungsgrundlage. Kommt hinzu, dass sich der Gast unter einem 4-Sterne-Haus konkret etwas vorstellen kann. Er kennt intuitiv die Standards und weiß, was er in einem „First-Class-Hotel“ erwarten darf. Dasselbe gilt für 5-Sterne-Häuser und Resorts. 5 Sterne bedeuten Luxus und ein entsprechendes Preisniveau.

Wenn ich den neuen Klassifizierungskatalog der Hotelstars Union anschaue, komme ich zum Schluss: Ja, Hotel-Sterne machen Sinn. Denn die Kriterien sind mehrheitlich relevant und führen dazu, dass Hotels für den Gast transparenter werden und das Qualitätsniveau steigt. Quizfrage: Was wäre denn die Alternative zu den Sternen? Sorry, aber die Online-Gästebewertungen sind es nicht. Dass sich Hotels in Italien oder Frankreich nicht an die Standards der HSU halten, ist nicht das Problem der Hotelstars Union, sondern der Verbände, welche die Kriterien nicht durchsetzen.

Mein Blick auf die Schweizer Hotellerie zeigt: Die meisten Hotels zwischen Genfer- und Bodensee halten sich an die Klassifizierungskriterien. Extreme Qualitätsunterschiede, wie ich sie in Italien oder Frankreich wahrnehme, existieren in der Schweiz nicht – oder sind nicht so deutlich sichtbar. Die Branchenverbände HotellerieSuisse und GastroSuisse sorgen dafür, dass Hotels die Kriterien auch wirklich umsetzen.

Zuständig für die Klassifizierung sind die Auditoren der Verbände. Ich kenne einige persönlich – und führe laufend Gespräche mit ihnen. Ich habe auch schon Klassifizierungsprozesse in Hotels beobachtet. Mein Eindruck: Die Schweizer Auditoren nehmen ihren Job ernst. Hotels werden kritisch und sachlich begutachtet. Hotels, welche die erforderlichen Punkte nicht erreichen, werden verwarnt. Motto: Wenn du, lieber Hotelier, die Kriterien bis zum Tag X nicht erfüllst, verlierst du deinen Superior-Status – oder sogar einen Stern…

Ich weiß von einem Leadauditor, der sich nicht scheut, selbst renommierte Luxushotels hart zu attackieren, wenn diese die geforderten Standards nicht erfüllen.

PS: Es gibt für mich nur ein Kriterium, das die Sterne-Klassifizierung zweitrangig macht: die Positionierung des Hotels. Einzigartige, klar positionierte Häuser, die sich klar von den Mitbewerbern differenzieren, könnten auf Sterne verzichten. Die Einzigartigkeit eines Hotels lässt die Sterne nicht gerade verglühen, aber sie verlieren an Glanz. Haben Sie gewusst, dass rund zwei Drittel der ca. 4400 Schweizer Beherbergungsbetriebe nicht klar oder gar nicht positioniert sind?

Hans R. Amrein
Publizist & Gesellschafter

Was ist neu bei der HSU-Klassifizierung?

Der neue Klassifizierungskatalog wurde von 247 auf 239 Kriterien reduziert. Einige unbedeutender gewordene Kriterien wurden gestrichen, während andere zur Vereinfachung des Systems konsolidiert wurden. Beispielsweise wurden Empfehlungen für die Matratzenreinigung eingeführt, um gestiegenen Hygieneanforderungen gerecht zu werden und zugleich die Lebensdauer der Matratzen zu verlängern. Außerdem müssen Artikel wie Näh- und Schuhputzzeug nicht mehr verpflichtend auf den Zimmern bereitgestellt werden.

Ein zusätzlicher Wechsel von Bettwäsche und Handtüchern wird nur noch auf ausdrücklichen Wunsch des Gastes durchgeführt. Des Weiteren können Hotels zusätzliche Punkte sammeln, wenn sie ihren CO-Fußabdruck nach internationalem Standard messen. Die Öffnungszeiten von Rezeption und Zimmerservice wurden verkürzt, um dem Arbeitskräftemangel in ganz Europa Rechnung zu tragen.

Auch der Digitalisierung wurde durch die Möglichkeit von vollautomatischen Check-In- und Check-Out-Services bei den neuen Kriterien Rechnung getragen, die insbesondere in den Kategorien „Ein Stern“ und „Zwei Sterne“ die von Mitarbeitenden zu versehenen Rezeptionsdienste ersetzen können. Der Einsatz von Selbstbedienungskiosken hat sich ebenfalls durchgesetzt und ist nun in den neuen Viersterne-Kriterien enthalten, wo sie eine Alternative zu Minibars, Maxibars und Zimmerservice darstellen.

Die HSU-Mitgliedsländer, darunter auch die Schweiz, haben nun bis spätestens 1. Januar 2025 Zeit, den Katalog auf nationaler Ebene umzusetzen.

Über die Hotelstars Union

Unter der Schirmherrschaft von Hotrec Hospitality Europe bilden die Hotelverbände von Armenien, Aserbaidschan, Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Georgien, Griechenland, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, den Niederlanden, Österreich, Polen, Schweden, Schweiz, Slowenien, Tschechien und Ungarn die Hotelstars Union. Sie wurde 2009 gegründet und firmiert seit 2021 als Vereinigung nach belgischem Recht mit Sitz in Brüssel. Die Hotelstars Union stuft Hotels nach einem einheitlichen Kriterienkatalog in bereits 21 europäischen Staaten in Kategorien von 1 bis 5 Hotelsternen ein. Sie bietet in ihren Mitgliedsländern mit über 22.000 klassifizierten Hotels beziehungsweise 1,2 Millionen klassifizierten Hotelzimmern Transparenz, Qualität und Sicherheit für Gäste und Hoteliers.

zur Übersicht