Die Hotellerie feiert noch immer die falschen Kennzahlen. Nachfrage, Auslastung, ADR, RevPAR – jede Woche werden neue Rekorde gemeldet. Doch eine einfache Frage wird erstaunlich selten gestellt: Wie viel davon bleibt eigentlich übrig? Wenn steigende Umsätze nicht zu steigenden Gewinnen führen, ist es Zeit für ein Umdenken. Die Branche muss endlich lernen, Erfolg nicht am Umsatz, sondern an der Qualität des Gewinns zu messen.
Ich beobachte seit Jahren ein erstaunliches Ritual in der Hotellerie. Wenn Nachfrage, Auslastung oder RevPAR steigen, wird sofort von Erfolg gesprochen. Die Branche klopft sich auf die Schulter, Berichte und Verbandsmitteilungen feiern Rekorde und Präsentationen zeigen steigende Kurven. Doch aus Eigentümerperspektive ist diese Selbstzufriedenheit gefährlich.
Denn Umsatz ist keine Erfolgsgarantie. Umsatz ist nur der Anfang einer Rechnung. Was am Ende zählt, ist der Gewinn – und vor allem die Qualität dieses Gewinns.
Die unbequeme Wahrheit
Viele Hotels verkaufen heute mehr Zimmer zu höheren Preisen als noch vor einigen Jahren. Gleichzeitig explodieren Distributionskosten, Provisionen, Personalkosten, Energiepreise und operative Aufwendungen. Das Ergebnis: Mehr Umsatz, aber oft erstaunlich wenig zusätzlicher Gewinn.
Die Branche spricht ständig über Revenue Management. Doch in Wahrheit bräuchte sie längst etwas anderes: Profit Management.
Revenue Management war nur der Anfang
Revenue Management war eine der wichtigsten Innovationen der modernen Hotellerie. Doch das Denken blieb zu lange auf den Umsatz fokussiert. Die entscheidende Frage lautete immer: Wie maximieren wir den Zimmerpreis?
Die entscheidende Frage der Zukunft lautet jedoch: Wie maximieren wir den Gewinn pro verfügbarem Zimmer?
Die Zukunft heißt Profit Management
Genau dieses Umdenken beginnt sich langsam durchzusetzen. Ein bemerkenswertes Beispiel kommt aus der Schweiz. Der führende Revenue-Management-Anbieter im deutschsprachigen Raum, das Unternehmen HotelPartner, hat den Begriff Revenue Management konsequent weiterentwickelt und spricht inzwischen bewusst von Profit Management.
Der CEO und Gründer Oliver Meyer gehört zu den klugen Köpfen der Branche, die früh erkannt haben, dass die Zukunft nicht im Umsatz liegt, sondern im Profit. In einer Zeit steigender Kosten und zunehmender Distributionskomplexität entscheidet nicht mehr der höchste Zimmerpreis über den Erfolg eines Hotels, sondern die Fähigkeit, aus jedem Umsatz echten Gewinn zu generieren.
Ein Appell an Eigentümer und Betreiber
Ich bin überzeugt: Viele Hotels analysieren ihre Kennzahlen noch immer mit der Logik der Vergangenheit. Man freut sich über steigende RevPAR-Werte und übersieht dabei, dass die Profitabilität gleichzeitig unter Druck gerät.
Eigentümer sollten deshalb eine einfache Frage stellen: Wie viel Gewinn entsteht wirklich aus jedem zusätzlichen Umsatz? Wer diese Frage konsequent stellt, verändert automatisch auch die strategischen Entscheidungen eines Hotels.
Die Branche braucht eine neue Denkweise
Das Thema Profitabilität wird in den kommenden Jahren zu einer der entscheidenden Fragen der Hotellerie. Genau deshalb gibt die Fachplattform Hotel Inside diesem Thema bereits heute viel Raum – im Hotel Inside Club, in der Denkfabrik der Plattform sowie im Rahmen der Hotel Inside Events. Denn ohne offenen Austausch über Profitabilität wird die Branche ihre strukturellen Herausforderungen nicht lösen.
Mein persönlicher Appell an die Branche ist deshalb einfach: Hören wir auf, Umsatz mit Erfolg zu verwechseln. RevPAR ist wichtig. Nachfrage ist wichtig. Aber entscheidend ist am Ende immer nur eines: der Gewinn.
Die Zukunft der Hotellerie gehört nicht den Hotels mit dem höchsten Umsatz. Sie gehört den Hotels mit dem besten Profit.
Hans R. Amrein
Publizist & Gesellschafter