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UNO-Studie 2025/26: Reisen bleibt ein globales Grundbedürfnis

Trotz steigender Preise, geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheiten wächst der weltweite Tourismus weiter. Die neuesten Zahlen von UN Tourism zeigen eindrücklich: Internationale Reisen bleiben für Millionen Menschen kein Luxus, sondern ein fest verankerter Bestandteil moderner Lebens- und Wirtschaftssysteme. Wachstum ist die dominante Konstante – wenn auch mit regional unterschiedlichen Ausprägungen und zunehmenden Risiken. Hotel Inside beleuchtet die Hintergründe.

Kurzfassung

1. Der weltweite Tourismus wächst weiter: 2025 wurden rund 1,52 Milliarden internationale Ankünfte gezählt – ein Plus von vier Prozent gegenüber 2024. Für 2026 erwartet UN Tourism ein weiteres Wachstum von drei bis vier Prozent.

2. Europa bleibt die mit Abstand stärkste Tourismusregion der Welt. Mit 793 Millionen Ankünften lag der Kontinent 2025 nicht nur über dem Vorjahr, sondern auch sechs Prozent über dem Vorkrisenniveau von 2019.

3. Afrika verzeichnete mit acht Prozent das stärkste regionale Wachstum. Nordafrika legte sogar um elf Prozent zu, Marokko näherte sich der Marke von 20 Millionen internationalen Gästen.

4. Südamerika setzte markante Akzente: Brasilien war mit einem Plus von 37 Prozent das wachstumsstärkste Reiseland weltweit. Der amerikanische Kontinent insgesamt stagnierte hingegen nahezu.

5. Asien-Pazifik holt weiter auf. Die Region erreichte 91 Prozent des Vorkrisenniveaus, während der Nahe Osten bereits deutlich darüber liegt und 39 Prozent mehr Ankünfte verzeichnet als 2019.

6. Die Tourismuseinnahmen wachsen schneller als die Reisezahlen. Für 2025 werden internationale Einnahmen von 1,9 Billionen US-Dollar geschätzt, inklusive Passagiertransport sogar 2,2 Billionen US-Dollar. Wachstum bleibt robust, ist jedoch zunehmend anfällig für geopolitische Risiken und steigende Kosten.

Hotel Inside Background: Die UNO-Zahlen im Detail

Im Jahr 2025 wurden weltweit rund 1,52 Milliarden internationale Ankünfte gezählt. Das entspricht einem Plus von vier Prozent gegenüber dem Vorjahr und rund 60 Millionen zusätzlichen Reisen. Damit bewegt sich der Tourismus exakt im prognostizierten Korridor. Bemerkenswert ist weniger die Zahl selbst als ihre Robustheit: Trotz höherer Kosten für Transport, Unterkunft und Dienstleistungen blieb die Nachfrage stabil. Erst gegen Jahresende zeigten sich leichte Abschwächungstendenzen – ein erstes Signal, dass auch der Tourismus nicht vollständig immun gegen globale Unsicherheiten ist.

Europa bleibt das Zentrum des globalen Reiseverkehrs

Europa behauptet seine Rolle als weltweit wichtigste Tourismusregion. Mit 793 Millionen internationalen Ankünften entfiel mehr als die Hälfte des globalen Reiseverkehrs auf den Kontinent. Besonders Westeuropa sowie Süd- und Mittelmeer-Europa legten zu und übertrafen teilweise sogar das Vorkrisenniveau von 2019. Gleichzeitig zeigt sich die Erholung nicht überall gleich stark: Zentral- und Osteuropa liegen weiterhin deutlich unter früheren Vergleichswerten. Einzelne Länder wie Island, Norwegen oder Zypern profitieren überdurchschnittlich – ein Hinweis auf die anhaltende Attraktivität stabiler, gut erreichbarer Destinationen.

Amerika stagniert – Brasilien und Afrika setzen Kontrapunkte

Auf dem amerikanischen Kontinent fiel das Wachstum insgesamt verhalten aus. Ein Prozent mehr Ankünfte deuten auf eine gewisse Sättigung hin. Südamerika bildet die Ausnahme: Brasilien ragt mit einem Zuwachs von 37 Prozent als globaler Spitzenreiter heraus, gefolgt von Guyana. Diese Dynamik zeigt, wie stark neue oder wiederentdeckte Destinationen von internationaler Aufmerksamkeit profitieren können.

Afrika wiederum verzeichnete mit acht Prozent das stärkste regionale Wachstum weltweit. Nordafrika, insbesondere Marokko, entwickelte sich zum Zugpferd. Auch südliche Destinationen wie Südafrika oder die Seychellen legten deutlich zu. Der Kontinent holt damit touristisch auf – bleibt aber strukturell weiterhin anfällig für politische und wirtschaftliche Schwankungen.

Asien-Pazifik und Naher Osten: Aufholjagd und Überholung

Asien und der Pazifik setzen ihre Erholung fort. Mit sechs Prozent Wachstum erreichte die Region 91 Prozent des Vorkrisenniveaus. Besonders Nordostasien zeigt kräftige Zuwächse, angeführt von Bhutan, Japan, Sri Lanka und Südkorea. Die Zahlen belegen, dass die lange pandemiebedingte Zurückhaltung nun endgültig überwunden ist.

Der Nahe Osten hingegen hat die Krise längst hinter sich gelassen. Die Region liegt deutlich über dem Niveau von 2019. Länder wie Ägypten und Jordanien profitieren von massiven Investitionen in Infrastruktur und Tourismusangebote – aber auch von geopolitischen Verschiebungen im globalen Reiseverhalten.

Einnahmen wachsen schneller als die Reiselust

Besonders auffällig ist die Entwicklung der Tourismuseinnahmen. Mit geschätzten 1,9 Billionen US-Dollar wuchsen diese stärker als die Ankunftszahlen. Einschließlich Passagiertransport summieren sich die Exporterlöse auf rund 2,2 Billionen US-Dollar. Der Tourismus bleibt damit eine der bedeutendsten globalen Wirtschaftsbranchen – allerdings zunehmend abhängig von zahlungskräftigen Gästen und steigenden Preisen.

Kommentar: Wachstum ja – aber auf wackligem Fundament

Der globale Tourismus wächst weiter, doch die Stabilität dieses Wachstums ist trügerisch. Geopolitische Spannungen, wirtschaftliche Unsicherheiten und steigende Reisekosten bilden ein Risikodreieck, das sich jederzeit zuspitzen kann. UN Tourism bleibt für 2026 vorsichtig optimistisch, doch der Spielraum für weitere Preissteigerungen scheint begrenzt.

Die zentrale Erkenntnis lautet: Reisen bleibt ein globales Grundbedürfnis. Aber je stärker der Tourismus wächst, desto dringlicher wird die Frage nach seiner Widerstandsfähigkeit. Wachstum allein ist kein Qualitätsmerkmal – entscheidend wird sein, wie krisenfest, nachhaltig und sozial verträglich dieses Wachstum künftig gestaltet wird.

Hans R. Amrein

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