Im September 2020 eröffnete in Bern-Wankdorf das erste Stay KooooK. Heute ist aus der mutigen Eigenentwicklung von SV Hotel eine mehrfach ausgezeichnete Marke mit fünf Häusern in der Schweiz und in Deutschland geworden. Hotel Inside-Autor und Hotelinvestment-Experte Roland Schwecke weilte soeben im Stay KooooK Bern-City. Sein Fazit: Der eigentliche Erfolg liegt nicht in einzelnen digitalen Tools, sondern in einem konsequent neu gedachten Betriebsmodell – flächeneffizient, kostensensibel, wohnlich und überraschend menschlich.

Es gibt Hotelkonzepte, die vor allem anders aussehen. Und es gibt Konzepte, die anders funktionieren. Stay KooooK gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Schon bevor das erste Haus seine Türen öffnete, wurde das Projekt 2019 von GastroSuisse und der Schweizerischen Gesellschaft für Hotelkredit (SGH) mit dem Hotel Innovations-Award ausgezeichnet. Die Jury erkannte damals genau jene Qualitäten, die heute den Markenkern bilden: die Verbindung unterschiedlicher Übernachtungsformen, das individuelle Gästeerlebnis und ein intelligentes Raumdesign, das sich auf verschiedene Standorte übertragen lässt.

Rund sechs Jahre nach der Eröffnung des ersten Hauses in Bern-Wankdorf lässt sich sagen: Diese frühe Auszeichnung war kein Vorschusslorbeer. Stay KooooK hat eine damals noch junge Entwicklung konsequent vorweggenommen. Reisende wollen heute nicht mehr automatisch einen klassischen Hotelschalter, ein starres Frühstücksritual und standardisierte Abläufe. Viele suchen Freiheit, Selbstbestimmung, eine zentrale Lage und trotzdem das Gefühl, nicht anonym untergebracht zu sein. Genau in dieser Schnittmenge aus Hotel, Serviced Apartment, Co-Living und temporärem Zuhause bewegt sich die Marke.

Bern-City: Der Praxistest
Wie belastbar ein Konzept wirklich ist, zeigt sich nicht in einer Präsentation, sondern im Betrieb. Ich habe das Stay KooooK Bern-City an der Zeughausgasse soeben selbst erlebt – und war beeindruckt. Das Haus mit 85 Zimmern in sechs Kategorien befindet sich in einem teilweise denkmalgeschützten Gebäude mitten in der Berner Altstadt. Historisches Treppenhaus, restaurierte Details und alte Parkettböden treffen auf eine bewusst reduzierte, moderne Hotelwelt. Gerade dieser Kontrast ist spannend: Stay KooooK braucht keinen beliebigen Neubau, um zu funktionieren. Die Marke kann sich in eine anspruchsvolle Bestandsimmobilie einfügen, ohne ihre Identität zu verlieren.
Bern-City ist zudem der Beweis, dass Stay KooooK mehr sein kann als ein reines Longstay-Produkt. Während Bern-Wankdorf mit voll ausgestatteten Studios auf längere Aufenthalte ausgerichtet ist, spricht das City-Haus auch Geschäftsreisende, Wochenendgäste und klassische Städtetouristen an. Das Grundprinzip bleibt gleich: Der Gast erhält nicht einfach ein Zimmer, sondern Zugang zu einem temporären Zuhause mit zusätzlichen gemeinschaftlichen Flächen und hoher persönlicher Freiheit.

Digitalisierung, die wirklich entlastet
Viele Hotels digitalisieren einzelne Prozessschritte und behalten ansonsten den alten Apparat bei. Stay KooooK geht weiter: Hier wurde der Betrieb von Grund auf um die digitale Guest Journey (von Lake Magic) herum entwickelt. Buchung, Registrierung, Check-in, Check-out, Rechnung und digitaler Zimmerschlüssel laufen über die Web-App. Eine klassische Rezeption gibt es nicht. Der Gast entscheidet selbst, wann er ankommt und wann er seine digitalen Schlüssel aktiviert. Während meines Aufenthalts funktionierte dieser Ablauf intuitiv und zuverlässig – ohne Wartezeit, ohne Formularstapel, ohne unnötige Umwege.
Das Entscheidende ist jedoch: Digitalisierung wird nicht mit Beziehungslosigkeit verwechselt. An die Stelle des Front-Office-Schalters tritt der Host. Er hilft, wenn der digitale Check-in hakt, beantwortet Fragen, gibt lokale Tipps und sorgt dafür, dass aus einem automatisierten Ablauf ein gastlicher Aufenthalt wird. Der Host ist damit nicht einfach eine abgespeckte Rezeption, sondern der menschliche Anker des Konzepts. Diese Verbindung aus Selbstbedienung und persönlicher Präsenz ist eine der grössten Stärken von Stay KooooK.

Was sagt SV-Hotelchef Marco Meier zum Konzept?
Marco Meier bringt diese Idee auf den Punkt: «Mit Stay KooooK bringen wir eine neue Art des Aufenthalts in die Städte. Unser Konzept vereint das Beste aus Hotel und Wohnen: ein Zuhause auf Zeit mit smartem Design und einer offenen Community, die viel Wert auf Lifestyle legt. Was uns dabei besonders auszeichnet: Unsere Gäste steuern in der Web-App alles selbst, von der Buchung über den Check-in-Prozess bis zum digitalen Zimmerschlüssel, ganz nach ihrem eigenen Zeitplan.»

Flächeneffizienz als wirtschaftlicher Schlüssel
Aus Sicht eines Hotelexperten ist die Flächeneffizienz besonders bemerkenswert. Stay KooooK denkt nicht in den traditionellen Kategorien von Lobby, Rezeption, Frühstücksraum, Business-Corner und Lounge. Im Gemeinschaftsbereich «The Flat» werden mehrere Funktionen sinnvoll gebündelt: Wohnzimmer, Küche, Essbereich, Arbeitsplatz, Treffpunkt und Rückzugsort. Ein Quadratmeter erfüllt hier nicht nur eine, sondern mehrere Aufgaben. Das ist nicht Verzicht, sondern kluge Verdichtung.
Auch in den Zimmern und Studios wird Fläche intelligent genutzt. In den Longstay-Studios schafft das verschiebbare Wohnelement «The Slide» auf rund 20 Quadratmetern Platz für Schlafen, Arbeiten, Kochen und Wohnen. In Bern-City übernimmt ein eigens entwickeltes Bettenmodul mehrere Funktionen und sorgt dafür, dass kompakte Zimmer trotzdem ordentlich, komfortabel und wohnlich wirken. Die Kunst besteht darin, Fläche zu reduzieren, ohne das Raumerlebnis klein werden zu lassen.
Diese Effizienz setzt sich in der Kostenstruktur fort. Es gibt keinen personalintensiven Rezeptionsbetrieb, die Prozesse sind weitgehend digital, das Housekeeping ist im Bern-City ausgelagert, und viele Leistungen werden bedarfsgerecht statt permanent vorgehalten. Der Gast holt sich seinen Kaffee selbst, nutzt die Küche eigenständig und gestaltet seinen Aufenthalt nach dem eigenen Rhythmus. Das senkt Komplexität und fixe Betriebskosten, ohne den wahrgenommenen Nutzen zu reduzieren. Im Gegenteil: Für die Zielgruppe ist die Selbstbestimmung Teil des Produkts.

Community ist hier kein Marketingwort
Besonders überzeugend fand ich den Community-Gedanken. In «The Flat» wird gekocht, gearbeitet, gelesen, Kaffee getrunken oder einfach geredet. Der lange Tisch kann morgens Arbeitsplatz, mittags Essplatz und abends Begegnungsort sein. Gäste bereiten ihr Essen selbst zu, bedienen die Kaffeemaschine wie zu Hause und kommen dabei zwanglos miteinander ins Gespräch. Community wird nicht durch ein Pflichtprogramm inszeniert; sie entsteht, weil der Raum Begegnung ermöglicht.
Darin liegt eine zeitgemässe Form von Hospitality. Der Gast wird nicht permanent bedient, sondern ernst genommen. Er bekommt Freiheit, gute Gestaltung, verlässliche Technik und bei Bedarf einen kompetenten Menschen. Ich hatte in Bern-City nie den Eindruck, in einem «abgespeckten Hotel» zu wohnen. Vielmehr erlebte ich eine andere Definition von Hotel: weniger Apparat, mehr Eigenständigkeit; weniger Formalität, mehr Wohngefühl; weniger standardisierte Servicechoreografie, mehr relevante Gastlichkeit.

Fünf Häuser – und ein Modell für weitere Stadtlagen
Heute betreibt Stay KooooK fünf Häuser: drei in der Schweiz und zwei in Deutschland. Nach Bern-Wankdorf folgten Bern-City, Genf, Leipzig und München. Als nächster konkreter Schritt ist für Sommer 2027 ein Haus an der Mönckebergstrasse in Hamburg vorgesehen; der Bau ist bereits weit fortgeschritten. Dass die Expansion nicht im maximalen Tempo erfolgt, ist kein Schwächezeichen. Nach dem Wachstum von 24 auf 32 Hotels innerhalb des Jahres 2025 nutzt SV Hotel das Jahr 2026 bewusst zur Integration der neuen Betriebe. Für Stay KooooK gilt nachhaltiges, statt hektisches Wachstum.

Gerade als Eigenmarke hat Stay KooooK einen strategischen Vorteil: Das Konzept ist flexibler als viele internationale Franchiseprodukte. Es kann auch dort eingesetzt werden, wo eine attraktive Innenstadtimmobilie zu klein, zu speziell oder für starre Markenstandards ungeeignet ist (Beispiel München). Bestandsgebäude und Umnutzungen werden damit zu Chancen. Für Eigentümer sind die effiziente Flächennutzung und die schlanke Betriebsstruktur attraktiv; für Betreiber entsteht ein Produkt, das auf den Fachkräftemangel und steigende Kosten nicht nur mit Sparmassnahmen, sondern mit einem anderen System antwortet.

Meine Stay KooooK-Zwischenbilanz
Der Erfolg von Stay KooooK lässt sich nicht allein an der Zahl der eröffneten Häuser messen. Entscheidend ist, dass die Marke nach rund sechs Jahren eine klare, wiedererkennbare und wirtschaftlich nachvollziehbare Antwort auf veränderte Gästebedürfnisse gibt. Das Konzept ist digital, ohne kalt zu wirken. Es ist effizient, ohne billig zu erscheinen. Es schafft Gemeinschaft, ohne sie zu erzwingen. Und es reduziert klassische Hotelleistungen dort, wo sie aus Sicht vieler Gäste keinen echten Mehrwert mehr bieten.
Natürlich ist Stay KooooK kein Universalrezept für jeden Gast und jede Destination. Die Technik muss jederzeit funktionieren, die Hosts müssen echte Gastgeber bleiben, und mit jeder Expansion wächst die Gefahr, dass aus einer glaubwürdigen Community-Idee eine standardisierte Kulisse wird. Genau aus diesem Grund ist das angekündigte nachhaltige Wachstum richtig. Die Marke sollte nicht möglichst schnell möglichst gross werden, sondern ihre konzeptionelle Konsequenz bewahren.
Mein Fazit nach dem Aufenthalt in Bern-City ist eindeutig: Stay KooooK gehört zu den schlüssigsten urbanen Hospitality-Konzepten, die derzeit in Europa skalierbar sind. Hier wurde nicht bloss ein Hotel digitalisiert. Hier wurde die Logik des Hotels neu geordnet. Wenn SV Hotel diese Klarheit hält, die Hosts stärkt und bei der Auswahl der Immobilien weiterhin so klug vorgeht, dürfte die bisherige Erfolgsstory erst ihr erstes Kapitel geschrieben haben.
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