Ein Fachbeitrag zur Matratzenhygiene in Hotels hat eine kontroverse Debatte ausgelöst. Werner Dietz reagierte mit einem pointierten Leserbrief auf einen Bericht von Jens Rosenbaum, Journalist, Schlafkomfortexperte und Fachautor von Hotel Inside. Dietz wirft dem Beitrag mangelnde Wissenschaftlichkeit und Produktnähe vor. Rosenbaum wiederum weist die Kritik entschieden zurück und verweist auf neue Standards und fundierte Recherche.
Die Kritik von Werner Dietz – zentrale Punkte
In seinem «Leserbrief» äußert sich Werner Dietz kritisch zu dem ursprünglichen Fachbeitrag von Jens Rosenbaum. Er spricht dem Artikel den Charakter einer neutralen Hygieneaufklärung ab und bezeichnet ihn als interessengeleitete Darstellung.
Dietz kritisiert unter anderem, Rosenbaum stütze sich auf «eine Untersuchung aus dem Jahr 1999» und nutze diese als dramatisierenden Beleg für aktuelle hygienische Missstände. Dies sei, so Dietz sinngemäß, wissenschaftlich nicht haltbar und diene eher der Angstmache als der sachlichen Information.
Besonders deutlich wird Dietz bei der Behandlung von Encasings. Die pauschale Kritik an Schutzbezügen widerspreche, so Dietz, dem aktuellen Stand allergologischer und hygienischer Empfehlungen. Er bemängelt, es würden keine belastbaren Studien oder Vergleichsdaten angeführt, sondern lediglich Behauptungen aufgestellt. Aussagen zu angeblichem «Schwitzeffekt» oder Geräuschentwicklung träfen seiner Ansicht nach nicht auf moderne, hochwertige Encasings zu.

Auch die Thematisierung der PFAS-Problematik sei zwar grundsätzlich berechtigt, werde im Beitrag jedoch instrumentalisiert. Dietz argumentiert, dass neue Richtlinien längst atmungsaktive und PFAS-freie Alternativen vorsehen, die im Artikel unerwähnt blieben.
In Bezug auf das professionelle Saugen von Matratzen wirft Dietz dem Autor technische Vereinfachung vor. Moderne Tiefensaugsysteme mit HEPA-Filtern, UV-C-Technik und Vibration würden keine Gewebeschäden verursachen, wie suggeriert werde.

Schließlich stellt Dietz die Darstellung des Waschens von Matratzenkernen als praktikable Standardlösung infrage. Aspekte wie Materialbelastung, Verklebungen, Schaumstruktur oder Brandschutz würden nicht thematisiert. Auch die Bezugnahme auf DEHOGA und hotelstars.eu wertet Dietz als irreführend, da es keinen verpflichtenden Hygienestandard gebe, der andere Verfahren pauschal diskreditiere.
Sein Fazit: Der Beitrag sei weniger wissenschaftliche Aufklärung als vielmehr ein «verkaufsnahes Narrativ», das Alternativen gezielt abwerte, um eine bestimmte Lösung zu positionieren.

Stellungnahme von Jens Rosenbaum –Bettenexperte und Hoteltester
Sehr geehrter Herr Dietz
Gerne nehmen wir zu Ihrem Schreiben vom 23.12.2025 Stellung. Vorab, die Emotionalität und Ausführlichkeit Ihres Kommentars lassen eine persönliche Betroffenheit vermuten. Liegen wir daher richtig mit der Annahme, dass Sie mit dem professionellen Saugen von Matratzen Ihr Geld verdienen?
Gute journalistische Arbeit besteht darin, seine Leserschaft objektiv über Entwicklungen zu informieren und über neue Erkenntnisse aufzuklären. Und so wie einst das Saugen von Matratzen neu war, ist es nun das Waschen. Der Fortschritt bleibt eben nicht stehen. Aufklärung bedeutet auch, über Vor- und Nachteile bestimmter Verfahren zu berichten. Die in der Fachpresse bislang veröffentlichten Beiträge und Studien zum Thema Matratzenhygiene geben dazu eine hinreichende Fülle an Informationen. Dazu gehört auch die Recherche in der Historie, um der Leserschaft einen zeitlichen Kontext zu bieten. Und da gehört die seinerzeitige Untersuchung durch das LEFO-Institut für Lebensmittel und Umwelt GmbH in Ahrensburg (gibt es übrigens noch heute) dazu, wenn es eine gründliche Recherche sein soll.

Und gründlich recherchiert wurde auch betreffend der neuen Hygienestandards. Wir zitieren hotelstars.eu, Kriterienkatalog 2025 bis 2030, Kriterium 74, Fußnote 21:
«Das Waschen des Matratzenbezugs, der in der Regel durch einen Reißverschluss abnehmbar ist, ist jeder Form des Saugens oder Dampfens vorzuziehen. Der Matratzenkern sollte alle fünf Jahre professionell gewaschen werden.»
Ein Verband mit 21 Mitgliedsländern wird sich schon etwas dabei gedacht haben, erstmals das Waschen von Matratzenbezug und Matratzenkern in seinen Kriterienkatalog aufgenommen zu haben. Es ist die Aufgabe solcher Verbände, von seinen Mitgliedern die Umsetzung zeitgemäßer Standards zu fordern. Und das sieht offensichtlich der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) genauso.
Als Redaktion sehen wir uns verpflichtet, die Leserschaft bestmöglich über relevante Veränderungen im Markt zu unterrichten. Und Hygiene ist relevant.
So verbleiben wir mit freundlichen Grüßen,
Jens Rosenbaum
Journalist, Berater und Verleger (Fachmagazin „Schlafen Spezial“)