Die Tourismusbranche steht vor einem grundlegenden Wandel. Während Digitalisierung lange vor allem mit Buchungsplattformen, Websites oder Social Media verbunden wurde, beginnt nun eine neue Phase: Daten, künstliche Intelligenz und digitale Infrastrukturen werden zunehmend zu strategischen Faktoren für Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und Produktivität. Genau diese Entwicklung stand im Zentrum der internationalen Resilient Tourism Conference 2026 in Siders (Wallis). Die dort präsentierten Forschungsarbeiten und Praxisbeispiele zeigen: Der Tourismus der Zukunft wird datengetriebener, vernetzter und technologischer – gleichzeitig aber auch komplexer. Hotel Inside fasst die wichtigsten Erkenntnisse und Thesen zusammen.

Eine der zentralen Erkenntnisse der Konferenz von Siders lautete: Der Tourismus bewegt sich weg von der klassischen Digitalisierung hin zu einer umfassenden strategischen Transformation. In den vergangenen zwei Jahrzehnten konzentrierte sich die Branche vor allem auf Websites, Online-Buchungen, digitale Vertriebskanäle oder Social Media. Heute geht es jedoch um deutlich mehr. Die eigentliche Herausforderung besteht nicht länger darin, digitale Werkzeuge zu besitzen, sondern diese intelligent in Organisationen, Prozesse und Geschäftsmodelle einzubinden. Die Studie von Professor Dr. Roland Schegg macht deutlich, dass Daten nur dann einen echten Mehrwert schaffen, wenn sie bessere Entscheidungen ermöglichen.

Daten werden zur kritischen Infrastruktur
Besonders stark betonte die Studie die Rolle von Daten als neue Infrastruktur des Tourismus. Das Projekt NaDIT – National Data Infrastructure for Tourism – zeigt, wie fragmentiert die Schweizer Tourismuslandschaft nach wie vor organisiert ist. Destinationen, Hotels, Technologieanbieter und touristische Organisationen arbeiten oft mit voneinander getrennten Systemen. Dadurch entstehen Datensilos, die den Informationsfluss erschweren und innovative Anwendungen behindern. Mit tourismdata.ch entstand ein wichtiger Schritt hin zu einem stärker vernetzten Datenökosystem.
Künstliche Intelligenz wird zum neuen Vertriebskanal
Kaum ein Thema dominierte die Konferenz stärker als künstliche Intelligenz. Vertreter von Booking.com, MSC Cruises oder Beecrowdy machten deutlich, dass KI die Experimentierphase längst verlassen hat. Immer mehr Unternehmen setzen KI bereits operativ ein – etwa für Kundenservice, Inhaltsproduktion, Prognosen, Personalisierung oder Datenanalysen. Besonders bemerkenswert ist jedoch eine andere Entwicklung: KI verändert zunehmend die Art und Weise, wie Reisende Inspiration suchen, Destinationen vergleichen und Reisen buchen.

Tourismus als komplexes und verletzliches System
Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie stark die Branche von Krisen betroffen sein kann – von Pandemien über geopolitische Spannungen bis hin zum Klimawandel. Die Forschenden betrachten Tourismus deshalb zunehmend als komplexes adaptives System, das permanent äusseren Schocks ausgesetzt ist. Mithilfe von Simulationen, Szenarioanalysen und agentenbasierten Modellen sollen Destinationen künftig Risiken besser antizipieren können.

Produktivität wird zur Schlüsselfrage
Neben Digitalisierung und KI rückte auch das Thema Produktivität stärker in den Fokus. Arbeitskräftemangel, steigende Kosten und demografischer Wandel setzen die Branche zunehmend unter Druck. Digitale Technologien können Routineaufgaben automatisieren, Self-Service ermöglichen und Mitarbeitende entlasten. Die Zukunft liegt jedoch nicht darin, Menschen vollständig durch Technologie zu ersetzen, sondern beide intelligent miteinander zu kombinieren.

Kooperation statt Insellösungen
Auffällig ist zudem, wie stark die Studie die Bedeutung von Zusammenarbeit hervorhebt. Viele der grossen Herausforderungen – von KI bis Klimaanpassung – lassen sich nicht mehr von einzelnen Unternehmen allein bewältigen. Die Resilient Tourism Initiative brachte deshalb Hochschulen, Destinationen, Technologieanbieter, Behörden und Unternehmen in einem breiten Innovationsökosystem zusammen.

Der Tourismus der Zukunft wird strategischer
Die Studie zeichnet insgesamt ein klares Bild: Die Zukunft des Tourismus entscheidet sich weniger an einzelnen Technologien als an der Fähigkeit, Wandel strategisch zu gestalten. Künstliche Intelligenz, Datenplattformen und digitale Infrastrukturen werden zu zentralen Bausteinen der Branche. Doch Resilienz bleibt letztlich eine organisatorische und menschliche Fähigkeit.

Quelle: Grundlage dieses Hotel Inside-Beitrags ist die Studie beziehungsweise die Zusammenfassung der Resilient Tourism Conference 2026 von Professor Dr. Roland Schegg und den beteiligten Forschungsinstitutionen.
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