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Reiseanalyse Deutschland: Gute Perspektiven für Ferien 2025

Die Reiseanalyse 2025 der „Deutschen Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen“ kommt zum Schluss:  Die Deutschen wollen im laufenden Jahr mehr reisen als 2024 – trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten. Reisen und Ferien kommen, nach der Ernährung (Lebensmittel), bereits an zweiter Stelle der aktuellen Bedürfnisse der Deutschen.

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Trotz mieser Konsumlaune, leichter Rezession, Krise in der Autoindustrie und politischer Instabilität: Für 2025 sind die Vorzeichen in der Reisewelt insgesamt positiv, betont Prof. Martin Lohmann von der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR), dem Träger der jährlichen Reiseanalyse, die jetzt vor der Eröffnung der ITB Berlin 2025 (4. bis 6. März) erschienen ist. Das Verreisen sei den Deutschen eine „liebgewonnene Gewohnheit“, so Professor Lohmann. Zwar gebe es Unsicherheiten wegen der weltpolitischen Lage und der schwachen Konjunktur. „Auf der Nachfrageseite sind Zukunftssorgen aber nicht grundsätzlich ein Hindernis für Urlaubsreisen“, sagt Lohmann. 

Höheres Volumen als vor Corona erwartet

Das Gesamtbild der Urlaubsreisen werde wieder ähnlich sein wie vor der Corona-Pandemie, im Volumen voraussichtlich sogar noch darüber liegen. Die FUR rechnet für 2025 auf Basis einer repräsentativen Umfrage im November mit einem Volumen von etwa 72 Mio. Urlaubsreisen von mindestens fünf Tagen der deutschsprachigen Bevölkerung. Dies liegt über dem Niveau von 2023 mit 65 Mio. Urlaubsreisen und von 2024 mit 71 Mio. Urlaubsreisen. 2019, also vor der Pandemie, wurden 71 Mio. Urlaubsreisen getätigt.

Zwar hat der Umsatz der Reisebranche längst wieder das Volumen von vor der Pandemie erreicht, aber dies wurde vor allem von den deutlichen Preiserhöhungen getragen. Zudem sparen die Menschen offenbar an Kurzreisen zu Gunsten der Haupturlaubsreisen: So ermittelte die Reiseanalyse für 2024 rund 81 Mio. Reisen von zwei bis vier Tagen. Das sind zwar mehr als 2023 (77,1 Mio.) aber noch deutlich weniger als 2019 (91,7 Mio.).

Die Reiseanalyse schöpft ihren Optimismus auch aus dem Befragungsergebnis, dass sich im November bereits mehr als vier von fünf Deutschen (82 Prozent) gedanklich mit Urlaubsreisen beschäftigt haben. Ob jemand tatsächlich eine Reise antrete, so Lohmann, sei dann eine Frage des Könnens (Zeit und Geld) und des Wollens (Urlaubslust). Die Urlaubslust ist mit 57 Prozent ebenso auf einem hohen Stand wie der Faktor Faktor Zeit (68 Prozent).

Anders sieht es laut Lohmann beim Geld aus: Zwar ist sich eine Mehrheit von 59 Prozent sicher, dass das Geld für Urlaub auch 2025 vorhanden ist, aber 20 Prozent haben Zweifel, dass sie sich 2025 eine Urlaubsreise werden leisten können. Nach konkreten Reiseabsichten gefragt, planen bereits 76 Prozent der Bevölkerung eine oder mehrere Urlaubsreisen. Nur acht Prozent haben laut der Analyse keinerlei Reiseabsicht. Gegenüber dem Vorjahr haben damit deutlich mehr Befragte Urlaubsreisepläne für 2025.

Die Urlauber bleiben laut Lohmann „multi-optional“, ihnen sagen verschiedene touristische Angebot zu: „Sie haben mehr Wünsche und Interessen als sie in einem Jahr in eine Reise umsetzen können. Das sichert die Nachfrage grundsätzlich, erhöht aber den Wettbewerb in der Branche.“ Ein Zeichen für die Flexibilität der Nachfrage sei, dass 52 Prozent (Vorjahr 45 Prozent) planen, in diesem Jahr ein Ziel zu besuchen, in dem sie noch nicht gewesen sind. 

Mehr Flugreisen über Veranstalter

Es werde in diesem Jahr eher frühzeitig gebucht und es gebe eine „wachsende Neigung zu Reisebüro-Buchungen und Veranstalter-Reisen“. Dies hängt damit zusammen, dass mehr Flugreisen ans Mittelmeer und in Ferndestinationen geplant sind, die stärker organisiert gebucht werden als die zumeist individuell geplanten Autoreisen.

Unter den Zielgebieten bleibt Deutschland Nummer eins, das Interesse steigt laut der Reiseanalyse 2025 wieder. Leichte Zuwächse beim Interesse ermittelt die Reiseanalyse für die Alpen und Fernreisen. Deutlich mehr Interesse zeigten die Befragten für Städte- und für Wellnessreisen. Es würden aber weiter der Entspannungs-, Familien- und Strandurlaub dominieren. 

Nachhaltigkeit wird abermals wichtiger

Die Einsicht, dass Tourismusprodukte nachhaltig sein müssen, um zukunftsfähig zu sein, sei mittlerweile sehr verbreitet, so die Reiseanalyse. Immer mehr Befragte sind der Ansicht, ihr Urlaub solle möglichst ökologisch verträglich, ressourcenschonend und umweltfreundlich sein (48 Prozent Zustimmung), aber auch sozialverträglich (62 Prozent Zustimmung). 

Ökologische Nachhaltigkeit für 52 Prozent der Bevölkerung unwichtig

Allerdings bedeuteten die Zahlen auch, dass die ökologische Nachhaltigkeit einer Reise einer Mehrheit von 52 Prozent der Bevölkerung nicht wichtig ist. „Will man im Tourismus bei der Nachhaltigkeit rasch vorankommen, müssen nachhaltige Produkte sehr eng an den Bedürfnissen aller Gäste ausgerichtet sein, auch solchen Reisenden, denen Nachhaltigkeit egal ist“, meint Lohmann.

Quelle: Dieser Text erschien zuerst auf www.fvw.de.

Reise Analyse (PDF)

Deutscher Tourismusverband mahnt

Der Präsident des Deutschen Tourismusverbands (DTV), Reinhard Meyer, mahnt: „Die Politik sieht die Zahlen und denkt, dem Tourismus in Deutschland geht es doch gut, da müssen wir ja gar nicht viel tun.“ Aber man müsse auf die Margen gucken. Wegen der gestiegenen Lebensmittel- und Energiepreise seien die Gewinnspannen insbesondere in der Hotellerie und der Gastronomie nicht auf dem Level der Vor-Pandemie-Jahre. „In vielen touristischen Betrieben bleibt nicht mehr so viel übrig wie früher“, sagt Meyer.

Der frühere Tourismusminister von Mecklenburg-Vorpommern blickt optimistisch auf 2025, doch das Konsumverhalten der deutschen Urlauberinnen und Urlauber sei nur schwer einzuschätzen. Während der Pandemie hätten viele Menschen in Deutschland Urlaub gemacht. „Das verzerrt das Bild ein bisschen, denn der Trend geht jetzt wieder Richtung Mittelmeer“, sagte Meyer. Deshalb müsse der Tourismusstandort Deutschland attraktiver werden, etwa durch kulturelle Highlights wie Konzerte und Museen.

Quellen: dpa, FUR Reiseanalyse 2025

Die Basis der FUR-Analyse

Die FUR hat im November 2024 eine aktuelle Online-Umfrage repräsentativ für die deutschsprachige Wohnbevölkerung von 14 bis 75 Jahre mit 2557 Teilnehmern durchgeführt. Zudem wurden die Zeitreihen der Reiseanalyse ausgewertet, bei der 2024 7288 Menschen repräsentativ für die deutschsprachige Wohnbevölkerung persönlich befragt wurden.

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