Das Video-Gespräch von Hotel Inside mit ÖHV-Kommunikationschef Martin Stanits bildet den Ausgangspunkt dieses Reports. Stanits beschreibt eine Branche, die nach außen stabil erscheint, intern jedoch unter massivem Druck steht. Die Jahre 2025 und der Beginn von 2026 zeigen eine österreichische Hotellerie, die von hoher Nachfrage profitiert, gleichzeitig aber mit sinkender Profitabilität, steigenden Kosten und wachsender regulatorischer Belastung kämpft.

Hotel Inside-Chefredaktor Hans R. Amrein sprach am Hauptsitz der ÖHV in Wien mit Martin Stanits, Kommunikationschef der Hotelvereinigung, über die aktuelle Lage der Hospitality-Branche in Österreich:
Mit rund 151 Millionen Nächtigungen im Jahr 2025 bestätigt Österreich seine Rolle als eine der führenden Tourismusdestinationen Europas. Doch die Kennzahlen erzählen nur die halbe Wahrheit. Während Auslastung und Nachfrage stabil bleiben, verschlechtert sich die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe spürbar.
Der Trendreport 2026 von Prodinger hält dazu fest: „Die Nachfrage entwickelt sich stabil, die Ertragskraft der Betriebe steht jedoch zunehmend unter Druck.“ Die durchschnittlichen Zimmerpreise konnten zwar gesteigert werden, doch die Kostenentwicklung übersteigt diese Dynamik deutlich. Die Folge ist eine schleichende Erosion der Margen.

Kostendruck als strukturelle Dauerbelastung
Die Kostenentwicklung ist der zentrale Belastungsfaktor der Branche. Laut WKO sind die Betriebskosten in der Hotellerie Österreichs seit 2019 um über 30 Prozent gestiegen. Energie, Lebensmittel und insbesondere Personal treiben die Kosten nach oben. Der Prodinger-Report stellt fest: „Viele Betriebe können die gestiegenen Kosten nicht mehr vollständig an den Gast weitergeben.“ Die Personalkostenquote liegt in vielen Häusern mittlerweile bei über 40 Prozent des Umsatzes – ein Wert, der die wirtschaftliche Stabilität zunehmend gefährdet.

Fachkräftemangel und Produktivitätsdruck
Der Arbeitsmarkt bleibt angespannt. Trotz leichter Entspannung fehlen weiterhin tausende Fachkräfte. Die WKO spricht von einem „strukturellen Arbeitskräftemangel, der die gesamte Branche nachhaltig verändert“. Hotels reagieren mit Effizienzsteigerungen, Digitalisierung und Reduktion von Services. Doch diese Massnahmen haben Grenzen – insbesondere im Premiumsegment, wo Servicequalität ein entscheidender Wettbewerbsfaktor bleibt.

Abhängigkeit von Kernmärkten als Risiko
Ein zentrales Risiko für die österreichische Alpenhotellerie bleibt die starke Abhängigkeit vom deutschen Markt. In Regionen wie Tirol stammt mehr als die Hälfte der Gäste aus Deutschland. Der Prodinger-Trendreport warnt: „Die hohe Konzentration auf wenige Herkunftsmärkte erhöht die Anfälligkeit gegenüber konjunkturellen Schwankungen.“ Die aktuelle wirtschaftliche Schwäche Deutschlands wirkt sich bereits 2026 auf Buchungen aus, insbesondere im mittleren Preissegment.

Regulatorischer Druck und Bürokratie
Hoteliers sehen sich mit einer zunehmenden regulatorischen Komplexität konfrontiert. Arbeitsrecht, Umweltauflagen und Berichtspflichten führen zu wachsendem administrativem Aufwand. Branchenvertreter kritisieren, dass „die Bürokratiebelastung kontinuierlich zunimmt und betriebliche Ressourcen bindet“. Gleichzeitig sorgen Diskussionen über neue Abgaben und Steuererhöhungen für zusätzliche Unsicherheit.

Investitionsdruck und Finanzierung
Die Anforderungen an Investitionen steigen. Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Digitalisierung sind keine Optionen mehr, sondern Pflicht. Doch steigende Zinsen und restriktivere Kreditvergaben erschweren die Finanzierung. Der Prodinger-Report konstatiert: „Investitionen werden selektiver, Projekte verzögert oder reduziert.“ Dies könnte langfristig die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen.

Strukturwandel und Polarisierung
Die österreichische Hotelbranche befindet sich in einem strukturellen Wandel. Große, kapitalstarke Betriebe gewinnen an Marktanteil, während kleinere Häuser unter Druck geraten. Die Polarisierung nimmt zu. Erfolgreich sind vor allem Betriebe mit klarer Positionierung, starker Marke und professionellem Management. Standardisierte Angebote ohne Differenzierung verlieren zunehmend an Bedeutung.

Ausblick 2026: Wachstum reicht nicht mehr
Für das laufende Jahr 2026 bleibt die Nachfrage stabil, doch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben schwierig. Die zentrale Herausforderung liegt darin, Wachstum in Profitabilität zu übersetzen. Martin Staniz bringt es im Hotel Inside-Gespräch auf den Punkt: „Die Branche ist stabil, aber sie steht unter massivem Druck.“ Die kommenden Jahre werden darüber entscheiden, welche Betriebe sich erfolgreich anpassen können.

Holzfäller, Kommunikationschef, Familienmensch: Wer ist Martin Stanits?
Wer ist der ÖHV-Kommunikationschef? Eine einfache Frage, die erstaunlich viele Facetten hat. Fest steht: Martin Stanits ist «glücklichst verheiratet» – und auf diesen Superlativ legt er nach eigenen Angaben großen Wert. Vater von drei Kindern, die ihm in unterschiedlicher Geschwindigkeit buchstäblich über den Kopf wachsen, Kommunikationsprofi mit klarer Haltung – und nebenbei auch noch Holzfäller. Ja, richtig gelesen!
Familienmensch mit Superlativ
Wenn Staniz über sein Privatleben spricht oder schreibt, klingt das fast wie eine bewusst gesetzte PR-Botschaft – nur glaubwürdiger. «Glücklichst verheiratet» sei er, betont er. Seine Kinder beschreibt er als «großartig», was angesichts der Tatsache, dass der Älteste ihn längst überragt, die Mittlere gerade «maturiert» (so nennt man das in Österreich) und die Jüngste sich bereits leidenschaftlich dem Tourismus verschrieben hat, durchaus nachvollziehbar erscheint. Ein Leben, das offensichtlich funktioniert – und zwar ohne große Inszenierung.
Ein g’rader Michl in der Politik-Kommunikation
Beruflich ist Martin Stanits ein analytischer Kopf – und, wie er selbst sagt, ein «g’rader Michl». Das bedeutet: klare Worte, klare Haltung, wenig Geduld für Umwege. «Offen heraus und mit klarem Kompass» zu agieren, sei für ihn Voraussetzung, «morgens guten Gewissens in den Spiegel zu schauen». In seiner Funktion als Head of Public Affairs der ÖHV ist das nicht immer der bequemste Weg – aber offenbar der konsequenteste.

Die schwierige Beziehung zur Sprache
Als Kommunikationschef müsste er die Sprache eigentlich fest im Griff haben. Doch Stanits beschreibt die Beziehung eher als kompliziert: Er sei überzeugt, «sie lässt ihn bisweilen bewusst im Stich». Eine bemerkenswerte Aussage für jemanden, der tagtäglich Botschaften formuliert, Positionen erklärt und zwischen Politik, Medien und Branche vermittelt. Vielleicht ist genau dieses Spannungsverhältnis der Grund, warum seine Aussagen selten glattgebügelt wirken.
Missverstandene Branche, klare Botschaften

Seine Aufgabe ist es, die Interessen der Hotellerie nach außen zu vertreten – und das bedeutet oft, gegen Klischees anzureden. Staniz weist immer wieder darauf hin, dass «volle Betten nicht automatisch volle Kassen bedeuten». Auch Großereignisse seien kein Selbstläufer: Ein Song Contest in Wien ist eben nicht automatisch eine «g’mahte Wies’n». Seine Botschaft: Hinter der glänzenden Fassade des Tourismus steckt harte Arbeit, strategisches Denken und viel Durchhaltevermögen.
Wahl-Wiener mit burgenländischer Bodenhaftung
Geboren im Burgenland, lebt Stanits seit über 30 Jahren in Wien – und das mit Überzeugung. Die Stadt, so scheint es, bietet ihm genau die Mischung aus politischem Zentrum, kultureller Vielfalt und intellektueller Bühne, die er schätzt. Doch ganz losgelassen hat ihn das Burgenland nie.

Der Mann mit der Motorsäge
Während andere Wiener ihre Freizeit im Kaffeehaus oder in der Staatsoper verbringen, zieht es Stanits regelmäßig in den Wald. Dort wird aus dem Kommunikationschef ein Holzfäller – «mit Axt, Motorsäge und allem Drum und Dran», wie er betont. Eine Leidenschaft, die er nach eigenen Angaben «mit nur wenigen Wienern teilt». Man könnte sagen: Wer beruflich täglich argumentativ Holz hackt, sucht auch privat den direkten Zugriff aufs Material.
Martin Stanits ist vieles gleichzeitig: Familienmensch, Analyst, Kommunikator und Holzfäller. Ein Mann, der klare Worte schätzt, sich selbst nicht zu ernst nimmt und dennoch sehr genau weiß, wofür er steht. Oder, um es in seinen eigenen Worten zu sagen: ein «g’rader Michl» – und das ist vermutlich das treffendste Porträt von allen.

Zahlen & Fakten zur Hotellerie in Österreich
Gesamtnachfrage und Nächtigungen
Österreich verzeichnete im Jahr 2025 rund 151 Millionen Nächtigungen. Damit bewegt sich die Branche weiterhin auf einem historisch hohen Niveau. Der Wintertourismus bleibt die stärkste Saison, während der Sommertourismus kontinuierlich an Bedeutung gewinnt.
Herkunftsmärkte
Deutschland ist in der alpinen Hotellerie mit Abstand der wichtigste Herkunftsmarkt und steht für rund 35–40 % aller Nächtigungen. In einzelnen Bundesländern wie Tirol liegt der Anteil teilweise über 50 %. Der Inlandstourismus macht etwa 25 % der Nächtigungen aus.
Preisentwicklung
Die durchschnittlichen Zimmerpreise (ADR) sind in den letzten Jahren gestiegen, konnten jedoch die Kostensteigerungen nicht vollständig kompensieren. In vielen Regionen liegt das Wachstum der Preise unterhalb der Inflationsrate.
Kostenentwicklung
Die Betriebskosten in der Hotellerie sind laut WKO seit 2019 um mehr als 30 % gestiegen. Besonders betroffen:
– Energie: zeitweise Verdoppelung der Kosten
– Lebensmittel: deutlich über Vorkrisenniveau
– Personal: stärkster Kostenblock
Personalkosten
Die Personalkostenquote liegt in vielen Betrieben bei über 40 % des Umsatzes. Gleichzeitig fehlen weiterhin tausende Fachkräfte in der Branche.
Ertragslage
Die EBITDA-Margen sind laut Branchenanalysen (u. a. Prodinger) rückläufig. Viele Betriebe liegen unter dem Niveau vor der Pandemie.
Investitionen
Investitionen konzentrieren sich auf:
– Energieeffizienz
– Nachhaltigkeit
– Digitalisierung
Gleichzeitig erschweren steigende Zinsen die Finanzierung.
Strukturwandel
Zunehmende Polarisierung der Branche:
– Wachstum bei großen Betrieben und Ketten
– Druck auf kleinere, familiengeführte Hotels
Marktrisiken
– Hohe Abhängigkeit vom deutschen Markt
– Konjunkturelle Schwäche Deutschlands wirkt sich direkt aus
– Steigende Preissensibilität bei Gästen
Arbeitsmarkt
– Anhaltender Fachkräftemangel
– Steigende Löhne durch Kollektivverträge
– Produktivitätsdruck durch Personalknappheit
Regulatorische Rahmenbedingungen
– Zunehmende Bürokratie
– Mehr Berichtspflichten und Auflagen
– Diskussionen über mögliche Steuererhöhungen
Ausblick 2026
– Nachfrage bleibt stabil
– Wirtschaftliche Lage bleibt angespannt
– Fokus auf Effizienz, Positionierung und Kostenkontrolle

Die Österreichische Hotelvereinigung (ÖHV)
Die Österreichische Hotelvereinigung (ÖHV) ist die größte freiwillige und parteiunabhängige Interessenvertretung der heimischen Hotellerie. Sie vertritt mehr als 1.700 führende Hotelbetriebe aus der Stadt-, Ferien- und Konzernhotellerie und gilt damit als eine der zentralen Stimmen des Tourismus in Österreich.
Die Mitgliedsbetriebe der ÖHV stehen für einen wesentlichen Teil der touristischen Wertschöpfung des Landes. Sie repräsentieren rund zwei Drittel der 4- und 5-Sterne-Betten in Österreich und beschäftigen mehr als 40.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Damit nimmt die Organisation eine Schlüsselrolle innerhalb der Branche ein.

Im Zentrum der Arbeit der ÖHV steht die aktive Interessenvertretung gegenüber Politik, Behörden und Öffentlichkeit. Ziel ist es, die wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen für die Hotellerie nachhaltig zu verbessern. Dazu bringt sich der Verband in politische Entscheidungsprozesse ein, entwickelt Strategien für den Tourismusstandort und setzt sich für wettbewerbsfähige Bedingungen ein.
Gleichzeitig versteht sich die ÖHV als Service- und Kompetenzzentrum für ihre Mitglieder. Sie bietet Weiterbildungsprogramme, Know-how-Transfer, Branchenanalysen sowie Plattformen für Austausch und Vernetzung. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung innovativer Arbeits- und Betriebsmodelle, um die Zukunftsfähigkeit der Branche zu sichern.

Die interessenpolitische Arbeit wird seit vielen Jahren professionell geführt. Unter der Leitung des Public-Affairs-Teams rund um Martin Staniz werden zentrale Themen strategisch aufbereitet und aktiv kommuniziert. Dabei geht es nicht nur um klassische Lobbyarbeit, sondern auch um die Positionierung der Branche in Medien und Öffentlichkeit.
Die ÖHV engagiert sich zudem in zentralen Zukunftsthemen wie Fachkräftesicherung, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Österreich. Sie versteht sich dabei als Impulsgeber und Gestalter einer modernen Tourismuspolitik.
Quellen
Prodinger Tourismusberatung: Trendreport 2026
Statistik Austria: Tourismuszahlen 2025
Wirtschaftskammer Österreich (WKO): Branchenberichte Hotellerie 2025/2026
Österreichische Hotelvereinigung (ÖHV): Branchenstatements und Interviews
Biografie Martin Stanits, ÖHV, März 2026