Mit Timm Backhaus holt Nektar Natura einen ausgewiesenen Hotelpraktiker an die Spitze des Deutschlandgeschäfts. Der Führungswechsel ist mehr als eine Personalie: Er zeigt, wie stark Anbieter von Getränkesystemen heute gefordert sind, Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und reibungslose Abläufe aus Sicht des Hotelbetriebs zusammenzudenken.
Der Weg von der Hotellobby in die Geschäftsführung eines Anbieters von Getränkesystemen wirkt auf den ersten Blick wie ein Branchenwechsel. Tatsächlich bleibt Timm Backhaus seinem bisherigen Terrain eng verbunden. Nach seiner Ausbildung zum Hotelfachmann war er unter anderem für die Chocolate on the Pillow Group und carathotels tätig. Er führte einzelne Häuser und Hotelcluster, arbeitete als General Manager und zuletzt als Senior Operations Manager. Nun übernimmt er die Leitung der Nektar Natura GmbH in Deutschland.
Der bisherige Geschäftsführer soll innerhalb der Unternehmensgruppe globale Verantwortung übernehmen. Das Familienunternehmen verbindet damit Kontinuität mit einem klaren Signal: Im deutschen Markt soll die Perspektive des operativen Hotelbetriebs stärker in Vertrieb, Produktentwicklung und Service einfliessen. Getränkelösungen werden schliesslich nicht im Prospekt, sondern im morgendlichen Frühstücksgeschäft, bei hoher Auslastung und unter knappen Personalbedingungen auf ihre Alltagstauglichkeit geprüft.
Die Perspektive aus dem Betrieb
Backhaus kennt die Reibungspunkte, an denen sich Lieferantenversprechen im Hotelalltag bewähren müssen: begrenzte Lagerflächen, steigende Kosten, Hygienevorgaben, technischer Service und Gäste, die trotz Effizienzdruck eine konstante Qualität erwarten. Seine Berufung kann deshalb als Versuch gelesen werden, die Distanz zwischen Hersteller und Hotelbetrieb zu verkleinern.
Nektar-Natura-Gründer und Gruppenchef Tomaz Lah begründet die Wahl mit Backhaus’ operativer Erfahrung, seinem unternehmerischen Denken und seinem Verständnis für nachhaltige Hospitality-Konzepte. Backhaus selbst sieht Nachhaltigkeit und Effizienz als zentrale Zukunftsthemen. Seine Aufgabe wird nun darin bestehen, diese Begriffe in konkrete Vorteile für Hotels zu übersetzen: weniger Aufwand, verlässliche Prozesse, kalkulierbare Kosten und ein Angebot, das zum Bedarf verschiedener Betriebstypen passt.
Nachhaltigkeit muss sich im Alltag rechnen
Die Personalentscheidung fällt in eine Zeit, in der Hotels ihren Ressourcenverbrauch senken müssen, ohne beim Gästeerlebnis Abstriche zu machen. Nektar Natura setzt auf Postmix- und Bag-in-Box-Systeme. Die Getränke werden erst am Ausschank mit Wasser gemischt. Nach Angaben des Unternehmens lassen sich dadurch Transport-, Lager- und Kühlaufwand sowie Verpackungsmengen, Energieverbrauch und CO₂-Emissionen reduzieren.
Für Hoteliers dürfte allerdings weniger das Nachhaltigkeitsversprechen allein entscheidend sein als dessen betriebliche Wirkung. Ein System muss auch bei hoher Frequenz einfach bedienbar, hygienisch sicher und technisch zuverlässig sein. Es muss in bestehende Abläufe passen und Einsparungen nachvollziehbar machen. Genau hier könnte Backhaus’ Erfahrung zum Vorteil werden: Er kennt die Fragen, die ein Hotelier stellt, bevor aus einem interessanten Produkt eine langfristige Investition wird.
Das Unternehmen verweist zudem auf die schrittweise Umstellung seines Fuhrparks auf Elektro- und Hybridfahrzeuge, ökologische Gase in den Dispensern sowie eine seit 2025 weiterentwickelte Bag-in-Box-Verpackung. Nektar Natura arbeitet nach eigenen Angaben ausserdem mit CDP und EcoVadis zusammen. Glaubwürdig werden solche Massnahmen vor allem dann, wenn sie transparent dokumentiert und mit messbaren Verbesserungen verbunden sind.
Mehr als eine Personalie
Nektar Natura ist nach eigenen Angaben mit mehr als 40’000 Geräten in über 40 Ländern vertreten; jährlich werden über die Systeme rund 100 Millionen Liter Getränke ausgeschenkt. Im Deutschlandgeschäft geht es somit nicht um den Aufbau eines völlig neuen Marktes, sondern um dessen gezielte Weiterentwicklung. Ein erfahrener Hotelier an der Spitze kann helfen, Produkte und Dienstleistungen näher an realen Betriebsproblemen auszurichten.
Ob der Wechsel zum Wettbewerbsvorteil wird, entscheidet sich nicht an der Personalgeschichte allein. Massgeblich sind Servicequalität, Systemverfügbarkeit, Wirtschaftlichkeit und die Fähigkeit, unterschiedliche Hotelkonzepte zu bedienen. Gelingt es Backhaus, die Sprache der Hoteliers in konkrete Produkt- und Prozessverbesserungen zu übersetzen, wäre der Schritt zum Getränkesystem kein Abschied von der Hospitality, sondern ein Perspektivwechsel innerhalb derselben Branche.
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