Technologie & Infrastruktur

Matratzen-Hygiene im Hotel: „Saugst Du noch oder wäschst Du schon?“

Ein sauberes Hotelbett. Mindestens. Das ist die Minimalerwartung eines jeden Hotelgastes. Dass die Realität jedoch auch anders aussehen kann, ist nicht erst seit dem Bericht des Ahrensburger Lefo-Instituts aus dem Jahr 1999 bekannt. Dieses hatte im Rahmen einer Hygieneuntersuchung schockierende Ergebnisse zu Tage gefördert. Was kann das Hotel tun, um dem Gast saubere Betten anbieten zu können? Schutzbezüge? Oder das Saugen der Matratze?

Das Saugen der Matratze reicht nicht…

Der Schlafkomfortexperte Jens Rosenbaum kommt zum Schluss: Matratzenschutzbezüge (Encasings) und/oder das Saugen von Matratzen reichen nicht, um Verschmutzungen im Bereich des Hotelbettes zu eliminieren. Bei der erwähnten Hygieneuntersuchung des Lefo-Instituts fanden die Chemiker, neben Milben und Schimmel, auch noch andere derbe Verschmutzungen in Laken, Kissen und Matratzen, was nicht nur zu unhaltbaren Zuständen führte, sondern deshalb auch seinen Weg als Skandal über die Medien in die Wahrnehmung der breiten Öffentlichkeit fand. Der Aufschrei war entsprechend groß.

Matratzenschutzbezug (Encasing).

Daher reagierte die Hotellerie seinerzeit zügig und viele führten den Matratzenschutzbezug ein, die sogenannten Encasings. Gleichzeitig bekamen jene Dienstleister Aufwind, die durch Absaugen, Bedampfen oder chemische Behandlungen Unterstützung versprachen im Kampf gegen schmutzige Betten. Mangels Alternativen war das dann auch damals das Mittel der Wahl. Damals. Denn einerseits bleibt der technische Fortschritt beim Thema Matratzenhygiene nicht stehen und andererseits weiss man heute um die großen Defizite der bislang genutzten Hilfsmaßnahmen.

Beispiel Encasing. Zahlreiche wissenschaftliche Hygieneuntersuchungen haben belegt, dass Encasings das Thema Hygiene eher verschlimmern, statt verbessern. Denn als Schicht zwischen Gast und Matratze, meist eine Gewebe aus Polyester und Polyamid, nicht selten mit einer per- und polyfluorierten Alkylverbindung (PFAS) versehen, die als „Ewigkeitschemikalien“ verrufen ist, braucht diese ganz besondere Pflege. Aufgrund der damit verbundenen hohen Kosten unterbleibt diese jedoch zumeist, weshalb der Grad der Verschmutzung im Bett durch Encasings sogar noch ansteigt. Und selbst bei korrekter Pflege bleiben oft Nachteile wie geringe Luftdurchlässigkeit (Schwitzeffekt), störende Geräusche durch Rascheln, erhöhte Festigkeit der Liegefläche, mithin negative Effekte für den Schlafkomfort. Hinzu kommt, dass Encasings ein Verschmutzen der Matratzen, trotz sachgerechter Anwendung durch das Hotel, nicht verhindern können, wenn Gäste diese zum Beispiel aufgrund der negativen Eigenschaften beim Schlafen selbst entfernen.

Das Saugen der Matratze und des Bettes ist keine wirkliche Hilfe.

Aber auch das Saugen, als weiteres Beispiel, ist keine wirkliche Hilfe, wenn es darum geht, eine Matratze sauber zu bekommen. Ganz im Gegenteil. Denn abgesaugt wird stets der Matratzenbezug. Und dieser ist, gleich aus welchem Material, stets ein Gewebe, welches durch das rechtwinklige Verkreuzen zweier Fadensysteme, dem Kett- und dem Schussfaden, hergestellt wird. Ab Werk weisen diese Gewebe normalerweise eine hohe Dichtigkeit aus und verhindern anfangs das Eindringen von Schmutzfeststoffen oder Milben. Mit der Zeit und der physischen Belastung arbeiten sich jedoch Schmutz & Co. durch dieses Gewebe und reichern sich darunter an. Wer nun den Sauger ansetzt, der saugt nicht nur den Schmutz an der Oberfläche und kurz darunter an, sondern vor allem auch die Kett- und Schussfäden, die damit auseinandergezogen werden, für immer! So wird die vormals relative Dichtigkeit buchstäblich durchlöchert und der Schmutz kann fortan ungehindert eindringen. Und je grösser die Sogwirkung, desto grösser die Öffnungen im Gewebe.

Ein weiteres Problem beim Saugen ist die Tatsache, dass nur lose Partikel auf diese Weise entfernt werden können. Ein Großteil der Verschmutzungen im Bett stammt aber aus der Absonderung von Körperflüssigkeiten wie Schweiß. Und alles, was mit dem Gewebe der Textilien und den Bestandteilen der Matratze flüssigkeitsbasiert verklebt ist, kann nicht durch Saugen entfernt werden. Wäre das möglich, würde es auch ausreichen, unsere Unterwäsche abzusaugen. Auch der Einsatz von Dampf hilft nur bedingt und auch nur oberflächlich, denn Matratzen mit einer Dicke von 15 bis 30 Zentimeter, wie sie in der Hotellerie üblich sind, lassen oft schon allein aus Gründen des Materialmix nicht zu, dass der Dampf in der Tiefe wirken und der Schmutz dort abgesaugt werden kann.

Matratzenwaschmaschine (Bild: Swissfeel).

Wer wissen will, wie nun Matratzen effektiv gereinigt werden können, dem sei geraten, sich am Fortschritt zu orientieren, wie es Hotelstars.eu, als größtes europäisches Klassifizierungssystem, oder der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) tun. Beide haben das Waschen von Matratzenbezug und Matratzenkern gegenüber ihren Mitgliedern zum bevorzugten Hygienestandard erklärt. Und dies ist nur logisch, denn auch alle anderen Materialien im Bett werden gewaschen, wie das Laken, Bettwäsche, Kissen oder Zudecke. Denn nur durch Waschen lassen sich rückstandslos alle jene Verschmutzungen entfernen, die ein Bett unhygienisch machen. Und eben dieser technische Fortschritt hat nun dafür gesorgt, dass die bisherige Hygienelücke im Bett, die Matratze, wie alle anderen Textilien im Bett auch, waschbar geworden ist und gleichzeitig die Technik zum Waschen mitgeliefert. Angenehme Begleiterscheinung dieses Verfahrens sind Vorteile in Sachen Gesundheit, Wirtschaftlichkeit und Umwelt. Da durch das Waschen nicht nur Milbenkot, sondern auch Milben immer wieder entfernt werden können, wird ein neues Niveau an Allergikerschutz erreicht.

Zudem verlängert sich durch das Waschen auch die Nutzungszeit einer Matratze erheblich, da es dann keinen Grund mehr gibt, diese aus hygienischen Gründen vorzeitig zu entsorgen. Und da WASCHEN günstiger ist wie neu KAUFEN, spart dieses Verfahren auch noch Geld. Wer auf diese Weise seine waschbare Matratze länger nutzt, muss im Gegenzug seltener eine neue kaufen und dafür die alte entsorgen, was wiederum Ressourcen schont und die Umwelt entlastet, zumal waschbare Matratzen voll recyclebar sind.

Kurz und gut: Saugen war gestern, Waschen ist das neue Sauber. Ein Blick zurück in die Entwicklung der Hygiene zeigt zudem, dass sich immer die Lösung durchgesetzt hat, die zu mehr Hygiene führt, denn ein Plus an Hygiene bedeutet auch stets ein Plus an Gesundheit. Und so müsste die Frage zu diesem Thema, in Abwandlung eines bekannten schwedischen Möbelproduzenten, lauten: „Saugst Du noch oder wäschst Du schon?“

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