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Machtwechsel bei den «101 Besten»: Warum übergibt Carsten K. Rath an Hotelier Thomas Mächler?

Die Jubiläumsausgabe der «101 Soirée» auf dem Bürgenstock bot am Wochenende nicht nur Glanz, Rankings und prominente Namen. Hinter den Kulissen markierte der Anlass vor allem eines: den Beginn einer neuen Ära. Denn Initiator Carsten K. Rath zieht sich offenbar operativ zurück. Die Verantwortung für die Plattform «101 Best Hotels» geht an Thomas Mächler über. Ein Schritt, der strategisch weit über eine klassische Nachfolgeregelung hinausgeht. Hotel Inside-Autor Thommy Karl war vor Ort und kennt die Hintergründe.

Thomas Maechler und Carsten K. Rath.

Offiziell blieb der Führungswechsel am Sonntagabend fast beiläufig. Rath, der das Ranking 2019 gegründet und in kurzer Zeit zu einer relevanten Marke im deutschsprachigen Raum entwickelt hat, inszenierte den Übergang bewusst zurückhaltend. Kein Bruch, kein lauter Abschied, vielmehr ein kontrollierter Staffelstab-Wechsel. Insider sprechen jedoch von einem klaren strategischen Entscheid: Die «101 Besten» sollen international skaliert werden. Dafür braucht es andere Strukturen sowie ein anderes operatives Setup. Mit Thomas Mächler übernimmt nun ein Manager, der die Schweizer Hospitality-DNA mitbringt und gleichzeitig über ein breites Netzwerk verfügt, das weit über die Landesgrenzen hinausreicht. Genau diese Kombination dürfte entscheidend sein.

Carsten K. Rath auf der Bürgenstock-Bühne (April 2026).

Ein Ranking wird zur Plattform

Was einst als Auszeichnung begann, entwickelt sich zunehmend zu einem Ökosystem: Ranking, Executive Summit, Netzwerkplattform. Der Event auf dem Bürgenstock zeigte deutlich, wohin die Reise geht.

Rund 250 bis 300 geladene Gäste, darunter Branchengrössen wie Reto Wittwer, der auch für sein Lebenswerk vor Ort ausgezeichnet wurde, unterstreichen den Anspruch: Hier geht es längst nicht mehr nur um Ranglisten, sondern vielmehr um Deutungshoheit in der Luxushotellerie. Dass parallel zur Preisverleihung ein «Executive Summit» mit gesellschaftspolitischen Debatten stattfand, passt durchaus ins Bild. Themen wie Diversity, Generationenkonflikte oder politische Haltung von Hoteliers zeigen: Die Plattform will somit auch Diskursraum sein, nicht nur einfach eine Bühne.

Zwischen Haltung und Geschäft

Die Diskussionen im Vorfeld offenbarten dabei eine Branche im Spannungsfeld: Wie politisch darf oder muss ein Hotel tatsächlich sein? Während Stimmen wie jene von Simone Müller Zurückhaltung fordern, bezeichnete Bürgenstock-Manager Chris Franzen seine Rolle offen als diplomatisch in einem hochpolitischen Umfeld. Dietmar Müller-Elmau plädierte für mehr Reibung, während Mag. Matthias Winkler von den Sacher Hotels betonte, dass gesellschaftliche Polarisierung oft medial überzeichnet sei. Diese Ambivalenz ist kein Nebenschauplatz, sie wird vielmehr zunehmend zum Kern der Branche. 

Thomas Maechler mit Monoplan-Mitgründer Daniel Schenider.

Die Preisträger: Erwartbare Exzellenz

Inhaltlich brachte das Ranking wenig Überraschungen. Dafür eine gewisse Kontinuität: Das The Dolder Grand bleibt das «Mass aller Dinge» im Business-Segment. Das Hotel steht exemplarisch für die Stabilität der Schweizer Luxushotellerie und deren internationale Strahlkraft. Das Gleiche gilt auch für die anderen ausgezeichneten Hotels, zu denen unter anderem der Veranstaltungsort selbst gehört. 

Der eigentliche Gewinner: die Marke selbst

Der vielleicht wichtigste «Preisträger» des Abends war ohnehin nicht ein Hotel – sondern die Marke «101 Best Hotels» selbst.

Mit dem Führungswechsel zu Thomas Mächler beginnt eine Phase der Professionalisierung und Internationalisierung. Rath bleibt als Impulsgeber erhalten, zieht sich aber aus dem operativen Zentrum zurück. Ein klassisches Unternehmermodell: Der Gründer schafft die Vision, der Nachfolger skaliert das System.

Carsten K. Rath.

Kurz und gut: Der Abend auf dem Bürgenstock war mehr als eine Preisverleihung. Er war, wie man so sagt, ein strategischer Wendepunkt. Die «101 Besten» stehen vor der Transformation von einem prestigeträchtigen Ranking hin zu einer global relevanten Hospitality-Plattform. Ob dieser Schritt gelingt, wird weniger von glänzenden Galas abhängen, sondern eher von der Fähigkeit, Relevanz im Alltag der Branche zu schaffen. Thomas Mächler hat nun die operative Verantwortung. Damit übernimmt ein in der Branche anerkannter Hotelier und Unternehmer. 

Thomas Maechler.

Hotel Inside Background: Von Giata, Maechler, Rath & Co.

Bereits im Januar 2026 wurde die Neuigkeit kommuniziert: Das Hotelranking «Die 101 Besten» stellt sich strategisch neu auf und erhält mit  mit dem Berliner Travel-Tech-Unternehmen Giata einen starken Technologiepartner. Gleichzeitig hat der Hotelier Thomas Maechler (56) per Februar 2026 die operative Führung als CEO übernommen. Die offizielle Stabsübergabe fand nun am Sonntagabend auf dem Bürgenstock statt (vgl. Text oben). Die Hintergründe:

Die Berliner Traveltech-Firma Giata beteiligt sich also an der 101-Muttergesellschaft Institute for Service- and Leadership Excellence AG (Isle AG) und steigt damit als strategischer Partner ein. Ziel ist es, das bislang stark im deutschsprachigen Raum verankerte Ranking technologisch weiterzuentwickeln und international zu skalieren, wie es offiziell heisst.

Im Zuge dieser Neuausrichtung kam es zu einem Wechsel an der operativen Spitze. Mitgründer Carsten K. Rath zog sich aus dem Tagesgeschäft zurück und übergab die Geschäftsführung im Februar 2026 an Thomas Maechler. Rath bleibe dem Unternehmen als «Chairman» erhalten und werde die strategische Weiterentwicklung weiterhin begleiten, hiess es in einer Medienmitteilung.

Mit dem Einstieg von Giata soll «Die 101 besten Hotels» stärker datenbasiert, digitaler und internationaler positioniert werden. Neben dem etablierten Ranking und den bekannten Auszeichnungen sind neue digitale Produkte und Formate geplant, die eine grössere Transparenz und Vergleichbarkeit im globalen Luxushotelmarkt ermöglichen sollen. Giata bringt dafür eine der weltweit umfangreichsten Hoteldatenbanken sowie langjährige Erfahrung als Technologiepartner der internationalen Reiseindustrie ein.

Wer ist Thomas Maechler?

«Während meinen Schulferien durfte ich regelmäßig Manfred Hörger, dem Direktor des Hotel Savoy Baur en Ville in Zürich, zur Hand gehen. Er ist mein Ziehvater, der mich auf den Geschmack brachte.»

Thomas Maechler wurde am 27. Januar 1969 geboren. Sein Vater war Unternehmer und CEO des Transport-, Logistik- und Luftfrachtunternehmens Welti-Furrer AG in Zürich. Welti-Furrer gehört heute zur Knecht Holding AG des früheren McKinsey-Schweiz-Chefs Thomas Knecht.

Lastwagen der Welti-Furrer AG.

Mächler machte vorerst eine KV-Lehre bei der Bank von Tobel. Im Militär bekleidet er den Rang eines Oberleutnants der Panzertruppen. Von 1992 bis 1996 absolvierte er die Hotelfachschule Lausanne (EHL) und arbeitete dann im Rahmen eines Management-Programms in verschiedenen Positionen für die kanadische Luxushotelgruppe Four Seasons in New York (The Pierre Hotel, 1996 bis 2000). «Ich habe fast alles gemacht, war Housekeeping-Chef, Nachtportier, Barchef und vieles mehr.»

Grand Hotel Beau-Rivage Neuenburg.

Im Jahr 2000 wirkte Mächler bei der Schweizerischen Gesellschaft für Hotelkredit (SGH) als Wirtschaftsprüfer. 2004 wurde er General Manager im Beau-Rivage Hotel Neuenburg. Im Januar 2010 kaufte er das Hotel am Neuenburger See. Er führte das Haus während 18 Jahren. 2019 verkaufte er das Beau-Rivage einem „Stammgast“. Ab September 2020 war Mächler General Manager im La Réserve Eden au Lac Zürich. Zudem engagierte er sich in Branchenorganisationen wie Swiss Deluxe Hotels und Relais & Châteaux.

Yves G. Piaget (links), Schwiegervater von Thomas Maechler, mit Andy Warhol (1979).

Thomas Mächler ist verheiratet mit Sibylle (Tochter des Uhrenunternehmers Yves Piaget) und Vater von drei Kindern (zwei Mädchen, ein Sohn).

Bildlegende Hauptfoto: Stabsübergabe auf dem Bürgenstock: Carsten K. Rath übergibt Thomas Maechler einen symbolischen Schlüssel in Form einer 101-Tafel.

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