Wer das Giessen Hotel & Coffeehouse in Vaduz betritt, spürt sofort, dass hier etwas anders ist als in klassischen Landhotels. Das Haus verbindet die Atmosphäre eines urbanen Coffeehouses mit der Herzlichkeit eines familiären Boutique-Hotels – und kombiniert diese analoge Gastfreundschaft konsequent mit digitalen Prozessen. Hinter dem Projekt steht Isabella Sele, die als Quereinsteigerin mit viel Idealismus, Mut und persönlicher Überzeugung eine neue Form von Gastlichkeit geschaffen hat. Ein Hotel-Inside-Porträt.

Zentraler Bestandteil des Erfolgsmodells ist die enge Zusammenarbeit mit b-smart. Das Unternehmen übernimmt für das kleine Hotel zahlreiche digitale und operative Leistungen – von der 24/7-Online-Rezeption über Self-Check-in-Prozesse bis hin zu Revenue Management und Preisstrategie. Dadurch kann sich Isabella Sele auf das konzentrieren, was das «Giessen» heute auszeichnet: Atmosphäre, Qualität, Begegnung und gelebte Gastgeberkultur.

Ein traditionsreiches Haus erfindet sich neu
Die Geschichte des heutigen Giessen Hotel & Coffeehouse beginnt lange vor der Wiedereröffnung im Januar 2025. Das ehemalige «Landhaus am Giessen» beziehungsweise «Landhaus Prasch» gehört seit Jahrzehnten zur Hotelgeschichte von Vaduz. Bereits früh entwickelte sich das Haus zu einem familiären Businesshotel mit persönlicher Atmosphäre. Über viele Jahre wurde es von Hanni Sele, der Mutter von Isabella Sele, geführt und kontinuierlich modernisiert.
In den vergangenen Jahren stand jedoch fest: Das Gebäude musste grundlegend saniert und neu positioniert werden. Die Gemeinde Vaduz als Eigentümerin der Liegenschaft investierte massiv in die Zukunft des Hauses. Die Sanierung umfasste unter anderem neue Elektroinstallationen, neue Nasszellen in den Zimmern, energetische Optimierungen, eine Photovoltaikanlage sowie den Erweiterungsbau für das heutige Coffeehouse.
Besonders prägend war dabei die Entscheidung, den ehemaligen Wohnhaus-Anbau nicht in zusätzliche Hotelzimmer umzuwandeln, sondern einen öffentlichen Begegnungsort zu schaffen. Genau darin lag die Vision von Isabella Sele. Sie wollte keinen anonymen Hotelbetrieb entwickeln, sondern einen Ort mit Seele, regionaler Verankerung und urbanem Charakter.

Die Initialzündung: Eine Erkenntnis aus der Naturheilpraxis
Die eigentliche Idee zum heutigen Konzept entstand laut Isabella Sele während der Weihnachtsferien 2021. Ein alter Zettel aus dem Jahr 2007 brachte sie zum Nachdenken. Darauf notiert war eine zentrale Erkenntnis aus ihrer Arbeit als Naturheilpraktikerin: Das Umfeld, die Ernährung, die Körperpflege und alltägliche Gewohnheiten beeinflussen Gesundheit und Wohlbefinden entscheidend.
«Ich stellte mir die Frage, wie ich diese Erkenntnisse vielen Menschen zugänglich machen könnte, ohne missionarisch zu wirken», sagt Isabella Sele zu Hotel Inside. Die Antwort fand sie direkt vor ihrer Haustür – im damaligen Landhaus am Giessen, wo sich ihre Praxis befand.

Sie begann, ihre Vorstellungen für ein modernes Hotelkonzept aufzuschreiben: biologische Produkte, gefiltertes Wasser, harmonisierte Elektrosmog-Bereiche, hochwertige Pflegeprodukte, gemütliches Design und ein Coffeehouse als sozialer Treffpunkt. Ihre Erfahrungen aus zehn Jahren in den USA prägten diese Ideen stark. Vor allem die amerikanische Coffeehouse-Kultur faszinierte sie nachhaltig.
«Coffeehouses sind mehr als Gastronomie. Sie sind soziale Räume, Inspirationsquellen und Treffpunkte zugleich“, erklärt sie. Genau diesen Vibe wollte sie nach Vaduz bringen.

Ein Coffeehouse wie in einer Grossstadt – mitten in Vaduz
Heute zeigt sich, wie konsequent diese Vision umgesetzt wurde. Das Giessen Hotel & Coffeehouse unterscheidet sich bewusst von klassischen Hotelcafés oder Bäckerei-Cafés in der Region. Das Coffeehouse ist als eigenständige Marke innerhalb des Hauses positioniert und an sieben Tagen pro Woche geöffnet.
Die Atmosphäre ist urban, lebendig und gleichzeitig gemütlich. Geschäftsleute sitzen mit dem Laptop neben Studenten, Familien neben Wanderern, Stammgäste neben internationalen Hotelgästen. Genau diese Mischung macht den Ort einzigartig.

Isabella Sele beschreibt das Konzept als bewusst hybrides Modell: Boutiquehotel, Coffeehouse, Meeting-Lounge und lokaler Treffpunkt zugleich. Besonders stark ist die regionale Verankerung. Viele Gäste stammen aus Liechtenstein oder der angrenzenden Schweiz, gleichzeitig reisen Besucher aus Deutschland, Österreich, den USA, Kanada und der ganzen Welt an.

Das gastronomische Angebot ist dabei ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Serviert werden Spezialitätenkaffee vom lokalen Röster, Matcha-Kreationen, hausgemachte Smoothies, Kombucha, New-York-Style-Bagels, Frühstücksgerichte, Salate und Lunch-Angebote. Seit Februar verstärkt zudem der regional bekannte Koch Marco Pedroni das Mittagsangebot mit frischen Risottos und weiteren Lunch-Specials.

Das Frühstück als Statement
Besonders grossen Wert legt Isabella Sele auf das Frühstückserlebnis. Statt eines klassischen Hotelbuffets setzt das Giessen Hotel & Coffeehouse auf ein «Buffet-à-la-carte»-Konzept. Die Gäste wählen individuell aus, was sie möchten. Brot und Früchte stehen frei zur Verfügung, während hochwertige Produkte auf Etageren direkt an den Tisch serviert werden. Viele Produkte stammen aus biologischer Produktion.

Der Kaffee wird von Baristas auf einer traditionellen La-Marzocco-Siebträgermaschine zubereitet – ein bewusster Gegensatz zu anonymen Vollautomaten, wie sie in vielen Hotels üblich sind. Dazu kommt eine eigens kuratierte Musikplaylist, die Isabella Sele gemeinsam mit ihrem Mann zusammenstellt.
«Der Gast soll spüren, dass wir hier mit Herz arbeiten», sagt sie.

Die grosse Stärke: Digitalisierung ohne Verlust der Gastlichkeit
Der vielleicht spannendste Aspekt der Erfolgsgeschichte liegt jedoch in der Kombination aus persönlicher Atmosphäre und konsequenter Digitalisierung. Während viele kleine Hotels digitale Prozesse eher zögerlich einführen, hat Isabella Sele diesen Weg bewusst gewählt.
Kernpartner dabei ist das Unternehmen b-smart, mit dem das Giessen Hotel & Coffeehouse eng zusammenarbeitet. Für Isabella Sele war früh klar, dass sie das Projekt nur gemeinsam mit einem professionellen Digital- und Servicepartner realisieren wollte.
«Durch die Zusammenarbeit mit b-smart konnte ich meine fehlenden Fachkenntnisse kompensieren und gleichzeitig die Freiräume schaffen, um mich auf das Coffeehouse und die Gäste konzentrieren zu können“, erklärt sie gegenüber Hotel Inside.
Die Leistungen von b-smart gehen dabei weit über ein gewöhnliches Self-Check-in-System hinaus.

Was b-smart konkret übernimmt
b-smart fungiert für das Giessen Hotel & Coffeehouse als umfassender Service- und Technologiepartner. Das Unternehmen übernimmt sämtliche Rezeptionsarbeiten – und das rund um die Uhr.
Zu den zentralen Leistungen gehören:
• Betrieb und Betreuung des digitalen Self-Check-in-Systems
• 24/7-Online-Rezeption per Telefon und E-Mail
• Komplette Übernahme aller Gruppenanreisen und komplexen Reservierungen
• Betreuung der digitalen Gästeprozesse
• Unterstützung im Revenue Management
• Dynamische Preisgestaltung
• Operative Hotelprozesse
• Technische Hotelprozesse und Systemintegration
• Beratung bei Planung, Umbau und Infrastruktur
• Integration digitaler Zugangssysteme und Badges
• Unterstützung bei Prozessoptimierung und Digitalisierung
Gerade für ein kleines Boutique-Hotel mit begrenzten personellen Ressourcen ist diese Zusammenarbeit von enormer Bedeutung. Eine klassische Vollzeitrezeption wäre wirtschaftlich kaum tragbar. Durch b-smart steht dennoch jederzeit professionelle Unterstützung zur Verfügung.
Die Gäste können rund um die Uhr einchecken, erhalten digitale Unterstützung und profitieren gleichzeitig von klaren, einfach verständlichen Abläufen. Isabella Sele formuliert es mit einem Augenzwinkern: «Wenn du lesen kannst, kannst du einchecken.»

Der Mehrwert für den Betrieb ist enorm. Die digitale Infrastruktur reduziert Personalkosten, schafft Flexibilität und ermöglicht gleichzeitig eine hohe Servicequalität. Besonders entscheidend ist jedoch der strategische Vorteil: Isabella Sele kann ihre Energie auf die Entwicklung des Hauses, die Gästeerlebnisse und das Coffeehouse konzentrieren, während b-smart zahlreiche technische und operative Prozesse professionell abwickelt.
Auch im Bereich Revenue Management spielt b-smart eine wichtige Rolle. Durch dynamische Preisgestaltung konnte der Umsatz optimiert werden. Gerade in einem kleinen Haus mit begrenzter Zimmerzahl ist eine professionelle Preisstrategie ein zentraler wirtschaftlicher Faktor.
Hinzu kommt die laufende Weiterentwicklung der Systeme. Isabella Sele profitiert davon, Teil eines professionellen Netzwerks zu sein, das permanent an Innovationen arbeitet. Für ein unabhängiges Einzelhotel wäre dies allein kaum realisierbar.

Digitalisierung als Teil des Gesamtkonzepts
Digitalisierung wird im Giessen Hotel & Coffeehouse jedoch nicht als kalte Technologie verstanden, sondern als Mittel zur Entlastung und Qualitätssteigerung. Der gesamte Check-in-Prozess läuft digital. Zugangskarten und Badge-Systeme sind integriert organisiert. Zusätzlich erhalten Gäste eine digitale Gästemappe per QR-Code.
Bemerkenswert ist dabei die Balance zwischen Technologie und persönlicher Nähe. Obwohl das Hotel auf Self-Check-in setzt, fühlen sich viele Gäste keineswegs allein gelassen. Das liegt vor allem daran, dass das Coffeehouse tagsüber belebt ist und Mitarbeitende jederzeit ansprechbar sind.
Baristas, Küche, Housekeeping und Isabella Sele selbst helfen bei Fragen unkompliziert weiter. Dadurch entstehen genau jene Synergien, die das Konzept wirtschaftlich und atmosphärisch so interessant machen.
Das Coffeehouse schliesst gleichzeitig eine klassische Schwäche vieler Self-Check-in-Hotels: die emotionale Leere. Während andere digitale Hotels oft anonym wirken, herrscht im Giessen tagsüber Leben, Begegnung und soziale Dynamik.

Die Rolle des Teams
Trotz aller Digitalisierung bleibt der Mensch zentral. Isabella Sele betont mehrfach, wie wichtig ihr Team für den Erfolg des Hauses ist. Housekeeping, Küche und Coffeehouse-Mitarbeitende arbeiten eng zusammen und helfen sich gegenseitig. Gerade diese flexible Nutzung von Ressourcen macht das kleine Haus wirtschaftlich effizient.
Wenn im Coffeehouse viel Betrieb herrscht, unterstützt beispielsweise kurzfristig jemand aus dem Housekeeping. Umgekehrt helfen Servicekräfte auch in anderen Bereichen mit.
Isabella Sele verzichtet bewusst auf übermässigen Kostendruck. Zimmerreinigungen erfolgen ohne starre Zeitlimits. Qualität und Sauberkeit haben Vorrang vor maximaler Effizienz. «Ich entscheide mich bewusst gegen gewisse Einsparungen», erklärt sie. Genau diese Haltung prägt das Haus.

Ein neuer Typus von Gastgeberin
Die Geschichte von Isabella Sele zeigt, wie Quereinsteiger neue Impulse in die Hotellerie bringen können. Gerade weil sie nicht klassisch aus der Branche stammt, denkt sie anders. Sie verbindet Naturheilkunde, Designverständnis, Coffeehouse-Kultur, Regionalität und moderne Digitalisierung zu einem eigenständigen Gesamtkonzept.
Gleichzeitig weiss sie um die Bedeutung professioneller Partner. «Umgib dich mit Fachpersonen in Bereichen, in denen du selbst nicht Expertin bist», lautet eines ihrer wichtigsten Prinzipien. Diese Offenheit gegenüber Kooperationen – insbesondere mit b-smart – dürfte einer der zentralen Gründe für den bisherigen Erfolg sein.

Eine Erfolgsgeschichte mit Vorbildcharakter
Nach rund eineinhalb Jahren Zwischenbilanz zeigt sich: Das Konzept funktioniert. Die Buchungslage ist gut, die Mundpropaganda stark und auch viele Einheimische nutzen das Haus inzwischen aktiv – sei es für Übernachtungen von Geschäftspartnern, Meetings oder als Coffeehouse.
Das Giessen Hotel & Coffeehouse steht beispielhaft für eine neue Generation kleiner Hotelbetriebe im Alpenraum: persönlich, regional verankert, designorientiert und gleichzeitig hochdigitalisiert.
Besonders erwähnenswert ist dabei die Verbindung scheinbarer Gegensätze. Hier trifft Self-Check-in auf Herzlichkeit, Digitalisierung auf Menschlichkeit, Boutique-Hotel auf urbanes Coffeehouse und wirtschaftliche Effizienz auf Idealismus.
Isabella Sele hat damit in Vaduz weit mehr geschaffen als ein kleines Hotel mit Café. Sie hat einen Ort entwickelt, der Identität stiftet – für Gäste, Einheimische und die Region selbst. Oder wie sie selbst sagt: «Ich wollte einfach einen Ort schaffen, an dem sich Menschen wohlfühlen, inspirieren lassen und gerne wiederkommen.»

Inside-Fragen an Isabella Sele
1. Wie würden Sie die Positionierung Ihre Landhotels kurz umschreiben?
Das Giessen Hotel & Coffeehouse ist bewusst als hybrides Konzept positioniert – als Self-Check-in-Boutiquehotel kombiniert mit einem lebendigen Coffeehouse, welches an 7 Tagen geöffnet hat. Wir sind ein Ort der Begegnung – wo sich internationale Gäste sowie Einheimische gleichermassen wohl fühlen. Das Coffeehouse ist vom Angebot und Design her ein Ort, den man auch in einer Grossstadt finden könnte. Das macht uns hier in der Region auch einzigartig (im Vergleich zu den meisten Cafés, die zu einer Bäckerei gehören) und unterscheidet uns von den Mitbewerbern.
Das Giessen Hotel & Coffeehouse ist zudem einzigartig, weil es stark persönlich geprägt ist und viel Herzblut darin steckt: es ist eine Kombination meiner Erfahrungswerte aus meiner langjährigen Praxistätigkeit als Naturheilpraktikerin, kombiniert mit meinen Erfahrungen aus meinem 10-jährigen Aufenthalt in den USA. Schon während meines Studiums in Boston habe ich viel Zeit im Coffeehouse verbracht (deshalb heisst es auch Coffeehouse und nicht Café) – Orte, die für mich mehr sind als «nur» Gastronomie. Sie sind soziale Räume, Inspirationsquellen und Treffpunkte zugleich.

2. Wer sind Ihre Gäste, welche Zielgruppen sprechen Sie an?
Im Hotel sprechen wir vor allem Geschäftsreisende, Kurzurlauber sowie Wanderer und Radfahrer an – wir sind ein zertifiziertes Bike-Hotel und dürfen während der wärmeren Jahreszeit viele Radfahrer und Wanderer begrüssen. Als Kleines Boutique-Hotel spreche ich Menschen an, die Wert auf ein cozy-style-Hotelambiente legen. Der cozy style ist wichtig. Das Cozy design zieht sich durch das ganze Haus und soll auch die fehlende Person an der Rezeption etwas kompensieren. Auch wenn das Self-Check-in präsent im Eingang sichtbar ist, so ist der Gast auch gleich umgeben von liebevoll eingerichtetem Interieur. Der Gast spürt, dass wir hier mit Herzen am Werk sind
Ausserdem ist das Coffeehouse im Hotel integriert und daher ist das Haus an 7 Tage die Woche belebt, zumindest bis 17.00 Uhr, wenn das Coffeehouse schliesst. Auch zeichnen wir uns durch unser Frühstückskonzept aus: kein Hotelbuffet, sondern Hotelfrühstück à la carte. So vermeiden wir Food Waste und können dafür qualitativ hochstehende Produkte – vorwiegend in Bioqualität – anbieten . Im Coffeehouse entsteht ein zusätzlicher Mix: lokale Gäste, Geschäftsleute, Familien, Freunde und Hotelgäste treffen sich hier täglich. Es entsteht eine lebendige, authentische Atmosphäre. Auch können wir immer mehr einheimische Geschäftsleute für unser Sitzungszimmer und unsere MeetingLounge begeistern – Orte mit einer entspannenden Atmosphäre, die sich vom sterilen Sitzungszimmer unterscheidet.

3. Wie lautet Ihre Zwischenbilanz nach rund 1,5 Jahren?
Nach etwa 1,5 Jahren kann ich sagen, das Konzept bringt den erwünschten Erfolg und auch die Mundpropaganda funktioniert noch sehr gut in Liechtenstein. Auch buchen immer mehr Einheimische die Hotelzimmer für ihre Freunde und Geschäftspartner bei uns, das war früher weniger der Fall.
Die gute Buchungslage ermöglicht es mir, gezielt in die Weiterentwicklung des Coffeehouse zu investieren. Insgesamt ist es ein intensiver, aber sehr stimmiger Aufbauprozess. Wichtig: Ich habe ein grossartiges Team, und privat grosse Unterstützung – mein Mann steht mir jederzeit zur Seite und hilft mir, wo er kann.
Die grösste Herausforderung ist nach wie vor die persönliche. Als Quereinsteigerin denkt man zwar ausserhalb der Box und versucht einiges, was eine Fachperson vielleicht nicht tun würde. Manchmal funktioniert es, manchmal nicht. Ich bin froh, mittlerweile eine gewisse Routine entwickelt zu haben – jedenfalls nehmen die schlaflosen Nächte ab…

4. Kann man mit so wenigen Zimmern und einem Coffeehouse in Vaduz wirklich gutes Geld verdienen?
Es kommt darauf an, was man mit «wirklich gutem Geld» meint. Ich verdiene gutes Geld, doch könnte ich sicher noch ein paar Fixkosten reduzieren. Ich entscheide mich aber bewusst dagegen. Ein paar Beispiele: die meisten Hotels setzten ein Zeitlimit für die Reinigung der Zimmer. Ich mache das nicht. Da die Gäste die Zimmer unterschiedlich verschmutzt hinterlassen, braucht es auch unterschiedlich viel Zeit, wenn man diese wirklich sauber haben will. Ich vertraue meinem Housekeeping, dass sie dies in meinem Sinne so umsetzen. Und wenn sie dreckige Fenster sehen oder sonst was im und ausserhalb des Hotels, dann erledigen sie das von selbst. Dann das Frühstück à la carte auf Etageren – hier sind die Personalkosten natürlich höher. Ausserdem sind meine Coffeehouse-Mitarbeiter nicht nur im Service tätig, sondern auch ausgebildete Baristas, die wissen, wie eine Siebträger-Kaffeemaschine zu bedienen ist. Jeder Kaffee wird von Hand gemacht. Ich beschäftige also eine Person in der Küche, eine im Service und eine an der Kaffeemaschine – im Vergleich zu einer Person, die «nur» für ein Hotelbuffet zuständig ist. Das kostet. Doch es sind genau diese Faktoren, die das Coffeehouse zu einem einzigartigen Ort machen und die damit einhergehenden grösseren Umsätze bescheren (hier gibt es aber noch Luft nach oben).
Dank der Zusammenarbeit mit b-smart lässt sich auch mit einem kleinen Hotel gutes Geld verdienen. Durch deren Know-how, Unterstützung und ständige Weiterentwicklung rund um das Thema Digitalisierung, können wir unsere Ressourcen optimal einsetzen und nutzen. Unser Erfolgsprinzip ist die Kombination von Hotel und b-smart als Servicepartner und das einzigartige Coffeehouse. Durch die Zusammenarbeit mit b-smart habe ich die Zeit, mich auf die Gäste und das Coffeehouse zu konzentrieren.

5. Wie würden Sie die Zusammenarbeit mit b-smart umschreiben?
Wie gesagt, ich bin Service-Partner von b-smart. Sie übernehmen die gesamten Rezeptionsarbeiten für mich und das 24/7. Ich profitiere davon, dass Experten rund um die Uhr für mich arbeiten. Vor allem bei Gruppen, die sehr zeitintensiv sein können, ist dies ein enormer Vorteil. Wir sind regelmässig in Kontakt, ich sehe was läuft und bin täglich auf dem aktuellen Stand. Ausserdem profitiere ich vom Know-how von b-smart in dynamischer Preisgestaltung, Revenue Management und generellen operativen Hotelprozessen. Sie sind mein professioneller Ansprechpartner in allen hoteltechnischen Fragen. Durch die Nähe des Hauptsitzes besteht zudem ein enger persönlicher Austausch, was mir gerade in der Phase der Neueröffnung enorm geholfen hat.
6. Digitale Check-in- und Check-out-Prozesse: Wie reagieren die Gäste?
Sie reagieren überwiegend positiv auf das einfache und verständliche Check-in-System. Natürlich wird auch mal Unmut geäussert, gerade weil eine besetzte Rezeption erwartet wird und der Hinweis, dass wir ein Self-Check-in Hotel sind, oft übersehen wird. Das muss man aushalten und verständnisvoll darauf reagieren. Dies ist ein wichtiger Faktor – das Self-Check-in System muss einfach und selbsterklärend sein, damit es auch von Menschen bedient werden kann, die das noch nie gemacht haben. Wir sind vorwiegend ein Geschäftshotel, das ist diesbezüglich sicher von Vorteil. Natürlich sind die Gäste auch sehr dankbar, wenn sie uns als Ansprechpartner im Coffeehouse vorfinden. Zusätzlich sind wir über b-smart 24/7 telefonisch und per E-Mail erreichbar. Eine klassische Vollzeit-Rezeption wäre wirtschaftlich nicht möglich.
Grundlagen und Quellen
• Interview-Antworten und Hintergrundinformationen von Isabella Sele (Hotel Inside).
• Projekt- und Umbauinformationen zur Sanierung des ehemaligen Landhauses am Giessen.
• Hintergrundmaterial zur Zusammenarbeit mit b-smart und zur digitalen Positionierung des Hauses.
• Historische Unterlagen und Medienberichte zum Landhaus am Giessen in Vaduz.
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