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Kunst im Grünen: Wie die «Art Garten Hotels» die Schweizer Hotellerie neu denken

Mit der Lancierung der «Art Garten Hotels 2026» entsteht in der Schweiz ein in dieser Form einzigartiges Kulturtourismusprojekt: 21 Hotels verwandeln ihre Gärten in öffentlich zugängliche Freiluftgalerien. Hinter der Initiative steht der Verein Garten Hotels Schweiz, der seit 2016 eine klare Vision verfolgt – den Garten als zentrales Differenzierungsmerkmal in der Hotellerie zu etablieren. Was zunächst poetisch klingt, ist am Ende eine strategische Antwort auf eine der zentralen Fragen der Branche: Wie schafft man heute Relevanz, Sichtbarkeit und Wertschöpfung?

Die Idee, den Garten oder Park eines Hotels nicht nur als dekoratives Beiwerk, sondern als identitätsstiftenden Kern des Angebots zu verstehen, ist vergleichsweise jung. Die Garten Hotels Schweiz, ein Zusammenschluss von heute 21 ausgewählten Betrieben in allen Landesteilen, haben sich genau dieser Perspektive verschrieben. Seit der Gründung im Jahr 2016 verfolgen sie das Ziel, die individuellen Gartenanlagen als Erlebnisräume zu inszenieren und damit einen klar erkennbaren USP zu schaffen.

Der Garten wird damit vom stillen Hintergrund zum aktiven Bestandteil der Gästereise. Er prägt Atmosphäre, Aufenthaltsqualität und Differenzierung gleichermassen. In einer Situation, in der sich viele Hotels über austauschbare Standards definieren, liegt genau hier ein entscheidender Wettbewerbsvorteil: Authentizität, Ruhe, Natur und ein erlebbarer Ort mit eigener Handschrift.

Garten Hotel-Präsident Fabian Weidmann mit Hans R. Amrein (Hotel Inside) im Schlosspark Hünigen.

Hotel Inside-Chefredaktor Hans R. Amrein leitete an der Vernissage der «Art Garten Hotels» im Schlosspark von Hünigen (Konolfingen) nicht nur die Podiumsdiskussion zum Thema «Wirtschaftlicher Impact von Kunst im Tourismus», sondern führte auch ein Video-Gespräch mit Fabian Weidmann, Präsident der Garten Hotels Schweiz:

DIE LANCERUNG DER «ART GARTEN HOTELS 2026»

Mit der Initiative «Art Garten Hotels 2026» geht der Verein nun einen konsequenten nächsten Schritt. Zwischen April und November 2026 werden über 100 Werke von 30 Schweizer Künstlerinnen und Künstlern in den Gärten von 21 Hotels ausgestellt.

Die Kunstwerke wurden eigens für die jeweiligen Orte kuratiert und treten in einen direkten Dialog mit der Natur. Jeder Garten wird so zur individuellen Freiluftgalerie, die nicht nur Hotelgästen, sondern auch der breiten Öffentlichkeit offensteht.

Kunst (Skulpturen) im Schlossgarten Hünigen.

Das Projekt verbindet mehrere Ebenen: Es schafft kulturelle Begegnungsräume, stärkt die regionale Vernetzung und erweitert das klassische Hotelangebot um einen kuratierten, kulturellen Mehrwert. Gleichzeitig entsteht eine neue Form der touristischen Bewegung: Besucherinnen und Besucher können unterschiedliche Standorte miteinander kombinieren und individuelle Routen durch verschiedene Regionen, Gärten und Kunstformen entwickeln.

Podiumsdiskussion zum Thema «Kunst, Garten und Hotellerie» im Schlosspark Hünigen (24.4.).

VERNISSAGEN, DISKURS UND ERLEBNIS

Die offizielle Lancierung wird von einer Reihe von Veranstaltungen begleitet. So wurde die zweite Eröffnungsfeier Ende Aprilim Boutique-Hotel Schloss Hünigen in Konolfingen bewusst als Plattform für Austausch und Inszenierung konzipiert.

Im Zentrum standen unter anderem künstlerische Interventionen wie der «Klanggarten» von Pius Morger, der Natur, Klang und Bewegung zu einem multisensorischen Erlebnis verbindet, sowie die Skulpturen von Jürg Ruess, die den Aussenraum neu interpretieren.

Gleichzeitig zeigt sich die strategische Tiefe des Projekts in Formaten wie der Podiumsdiskussion zum Thema wirtschaftlicher Impact von Kunst im Tourismus. Die zentrale Erkenntnis: Kulturtouristische Initiativen schaffen nicht nur emotionale Mehrwerte, sondern können auch messbare Wertschöpfung generieren – vorausgesetzt, sie sind langfristig gedacht und klar positioniert.

Der kulinarische Ausklang eines solchen Abends, etwa mit einem Apéro im Schlosspark, verdeutlicht zudem, wie stark sich Genuss, Gastlichkeit und Kultur miteinander verweben lassen.

Kunstwerk «Akrobatin» von Jürg Reuss (Schlosspark Hünigen).

KUNST ALS WIRTSCHAFTSFAKTOR

Die Verbindung von Kunst, Natur und Hotellerie ist weit mehr als ein ästhetisches Konzept, wie Studien belegen. Sie ist ein ökonomisches Modell. Projekte wie die «Art Garten Hotels» zeigen beispielhaft, wie sich durch gezielte kuratorische Arbeit neue Zielgruppen erschliessen lassen: kulturinteressierte Reisende, Tagesgäste aus der Region oder auch internationale Besucher mit Interesse an authentischen Erlebnissen.

Hinzu kommt die Verlängerung der Aufenthaltsdauer und die Steigerung der Aufenthaltsqualität. Wer nicht nur übernachtet, sondern entdeckt, verweilt länger. Wer nicht nur konsumiert, sondern erlebt, erinnert sich stärker. Genau hier entsteht Wertschöpfung.

Romantik Garten Hotel Bären Dürrenroth (Emmental).

DER GARTEN ALS USP DER ZUKUNFT

Die zentrale Frage für viele, vor allem privat geführte Hotels lautet: Wie wird ein Ort unverwechselbar? Die Antwort der Garten Hotels ist ebenso einfach wie anspruchsvoll: durch Konsequenz. Der Garten wird nicht als Zusatz gedacht, sondern als Ausgangspunkt.

Ein Hotelgarten kann vieles sein – Rückzugsort, Bühne, Lernraum, sozialer Treffpunkt oder eben Kunstgalerie. Entscheidend ist, dass er bewusst gestaltet und in die Gesamtstrategie integriert wird. Angebote wie Führungen, Workshops, künstlerische Interventionen oder kulinarische Inszenierungen schaffen zusätzliche Ebenen der Nutzung.

Die «Art Garten Hotels» zeigen eindrücklich, wie aus einem physischen Raum ein narratives Konzept wird. Der Garten erzählt Geschichten, verbindet Menschen und schafft Erlebnisse, die über den klassischen Hotelaufenthalt hinausgehen.

Villa Carona im Tessin.

Kurz und gut: Mit der Lancierung der «Art Garten Hotels 2026» gelingt den Garten Hotels Schweiz ein bemerkenswerter Schritt: Sie verbinden eine klare inhaltliche Positionierung mit einem konkreten, sichtbaren Projekt. Gleichzeitig liefern sie eine Antwort auf eine zentrale Herausforderung der Branche – die Suche nach echter Differenzierung.

Der Garten wird dabei zum Symbol einer neuen Haltung: weniger Standard, mehr Charakter; weniger Austauschbarkeit, mehr Identität. Und vielleicht ist genau das die grösste Kunst in der aktuellen Hotellerie, wo mehrheitlich austauschbare Betriebe den Markt prägen.

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