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Inside-Report: Warum die SGH für die Schweizer KMU-Hotellerie unverzichtbar ist

Die Schweizerische Gesellschaft für Hotelkredit (SGH) gehört zu den wichtigsten, aber zugleich am wenigsten beachteten Förderinstrumenten der Schweizer Tourismuspolitik. Während Banken aufgrund verschärfter Regulierung zurückhaltender finanzieren und viele alpine Hotelbetriebe mit steigenden Kosten, Fachkräftemangel und Investitionsdruck kämpfen, übernimmt die SGH eine Rolle, die weit über klassische Finanzierung hinausgeht. Sie ist Kreditgeberin, Kompetenzzentrum, Projektprüferin, Netzwerkerin und strukturpolitisches Instrument zugleich. Gerade für kleine und mittlere Hotelbetriebe in Bergregionen ist sie oft der entscheidende Faktor dafür, ob ein Betrieb modernisiert, weitergeführt oder überhaupt erhalten werden kann. Ein Hotel Inside-Hintergrundreport.

Wenn in der Schweizer Hotellerie über Finanzierung gesprochen wird, dominieren meist die Namen grosser Banken. Die SGH hingegen arbeitet im Hintergrund – effizient, diskret und mit erstaunlicher Wirkung. Genau darin liegt eine gewisse Ironie: Kaum eine Institution hat in den vergangenen Jahren so konstant zur Modernisierung der Beherbergungswirtschaft beigetragen, und kaum eine erhält dafür so wenig öffentliche Aufmerksamkeit.

Der von Hotel Inside analysierte Geschäftsbericht 2025 zeigt eindrücklich, wie wichtig die SGH gerade jetzt für die Branche geworden ist. Das Bewilligungsvolumen erreichte 2025 rund 37,4 Millionen Franken, ein Plus von fast 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das mitfinanzierte Investitionsvolumen stieg sogar auf knapp 210 Millionen Franken. Diese Zahlen sind kein Zufall, sondern Ausdruck einer Entwicklung, die viele Hoteliers spüren: Die Finanzierung von Investitionen wird schwieriger.

Peter Gloor. Direktor SGH.

Basel III verändert die Finanzierung der Hotellerie

Der eigentliche Hintergrund der steigenden Bedeutung der SGH liegt in der Bankenregulierung. Seit Anfang 2025 gelten verschärfte Eigenkapitalanforderungen im Rahmen von Basel III. Banken müssen für Hypothekarkredite mehr Eigenkapital hinterlegen. Gleichzeitig hat die Zinsentwicklung dazu geführt, dass klassische Refinanzierungsgeschäfte weniger attraktiv geworden sind. Die Folge ist klar: Kredite für Hotelbetriebe werden restriktiver vergeben, teurer oder in gewissen Fällen gar nicht mehr gesprochen. Besonders betroffen sind Saisonbetriebe und kleinere Familienhotels in Bergregionen – also genau jene Betriebe, die für die touristische Identität der Schweiz entscheidend sind.

Hier greift die SGH subsidiär ein. Sie ersetzt nicht die Banken, sondern ergänzt sie dort, wo Finanzierungslücken entstehen. Genau diese subsidiäre Funktion ist gesetzlich verankert. Die SGH gewährt Darlehen zur Förderung der Beherbergungswirtschaft mit dem Ziel, Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit zu stärken. Gleichzeitig verfolgt sie keinen Erwerbszweck. Damit unterscheidet sie sich fundamental von kommerziellen Finanzierungsakteuren.

Verwaltung der SGH.

Warum die alpine KMU-Hotellerie die SGH braucht

Die Schweizer Hotellerie besteht mehrheitlich aus kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Besonders in alpinen Regionen sind Hotels häufig familiengeführt, saisonabhängig und stark von regionalen Wertschöpfungsketten abhängig. Viele dieser Betriebe verfügen zwar über ein funktionierendes Geschäftsmodell, aber nicht über die notwendige Eigenkapitalbasis, um grössere Investitionen alleine stemmen zu können.

Gerade in Bergregionen entscheidet jedoch die Qualität der Infrastruktur über die Zukunftsfähigkeit. Gäste erwarten heute moderne Zimmer, attraktive Wellnessbereiche, Digitalisierung, nachhaltige Energiekonzepte und qualitativ hochstehende Gastronomie. Wer diese Investitionen nicht tätigen kann, verliert im internationalen Wettbewerb rasch an Boden. Die SGH verhindert genau diesen schleichenden Substanzverlust.

Der Direktor der SGH, Peter Gloor, betont, dass Förderung kein Alleingang sei. Er beschreibt die SGH als nationales Kompetenzzentrum für die Beherbergungsförderung, das unterschiedliche Finanzierungsinstrumente zusammenführt. Banken, Kantone, Berghilfe und weitere Förderstellen greifen dabei oft auf die Expertise der SGH zurück. Erst das Zusammenspiel verschiedener Instrumente ermögliche vielfach eine wirtschaftlich tragbare Finanzierung.

Berghotel Mettmen im Glarnerland.

Das Beispiel Berghotel Mettmen

Wie zentral die Rolle der SGH konkret sein kann, zeigt das Beispiel des Berghotels Mettmen im Glarnerland. Das ehemalige Berggasthaus wurde umfassend saniert und später erweitert. Die Finanzierung erfolgte durch eine Kombination aus Eigenkapital, Bankfinanzierung, SGH-Darlehen sowie Beiträgen der Schweizer Berghilfe und des Kantons Glarus. Laut Peter Gloor zeigt dieses Beispiel exemplarisch, dass nachhaltige Hotelprojekte oftmals nur dank einer intelligenten Kombination verschiedener Förderinstrumente realisiert werden können.

Zimmer im Berghotel Mettmen.

Besonders wichtig sei dabei die Tragbarkeit der Finanzierung. Fördergelder würden nicht wahllos verteilt, sondern nur dort eingesetzt, wo ein langfristig tragfähiges Geschäftsmodell vorhanden sei. Genau dieser Punkt ist zentral: Die SGH finanziert keine Illusionen, sondern unterstützt wirtschaftlich nachhaltige Projekte mit regionaler Wertschöpfung.

Berghotel Alpenruhe Wengen.

Die SGH als Kompetenzzentrum

Die Bedeutung der SGH geht längst über die reine Kreditvergabe hinaus. Die Institution erstellt Gutachten, bewertet Projekte und berät Hoteliers, Banken, Investoren sowie die öffentliche Hand. Im Jahr 2025 wurden 89 Gutachten erstellt. Das begutachtete Investitionsvolumen belief sich auf mehr als 1,17 Milliarden Franken. Diese Zahlen machen deutlich: Die SGH ist faktisch das bedeutendste Kompetenzzentrum für Hotelbewertungen und touristische Investitionsprojekte in der Schweiz.

Gerade Banken stützen sich bei komplexen Hotelprojekten häufig auf die Expertise der SGH ab. Damit übernimmt die Institution eine systemrelevante Funktion im touristischen Finanzierungsmarkt. Sie schafft Vertrauen, reduziert Risiken und verbessert die Qualität von Investitionsentscheiden.

Berghotel Obersteinberg (Berner Oberland).

Rekordtourismus bedeutet nicht automatisch gesunde Erträge

Die Tourismuszahlen der Schweiz sehen auf den ersten Blick hervorragend aus. 43,9 Millionen Logiernächte im Jahr 2025 markieren erneut einen Rekord. Dennoch warnt SGH-Präsident Alois Vinzens zurecht vor falscher Selbstzufriedenheit. Hohe Auslastungen bedeuten noch lange keine stabile Rentabilität.

Personalkosten, Energiepreise, Digitalisierung und steigende Unterhaltskosten setzen viele Betriebe massiv unter Druck. Besonders Saisonhotels kämpfen trotz guter Nachfrage mit geringen Margen. Genau deshalb steigt der Investitionsdruck weiter an. Wer heute nicht modernisiert, verliert morgen seine Marktposition. Die SGH hilft dabei, diesen Strukturwandel zu bewältigen, ohne dass ganze Regionen touristisch abgehängt werden.

Hauptsitz der SGH in Zürich.

Ein Public-Private-Partnership-Modell mit Vorbildcharakter

Die SGH ist ein seltenes Beispiel dafür, wie staatliche Förderung effizient und marktnah funktionieren kann. Sie arbeitet subsidiär, partnerschaftlich und mit klaren wirtschaftlichen Kriterien. Banken bleiben zentrale Partner, ebenso Kantone, Branchenverbände und Förderinstitutionen. Gleichzeitig übernimmt die SGH dort Verantwortung, wo der Markt allein nicht mehr ausreichend funktioniert.

Die SGH-Generalversammlung 2026 in Bern zeigte eindrücklich, wie breit dieses Netzwerk abgestützt ist. Die SGH versteht sich als Bindeglied zwischen Hoteliers, Banken, Investoren und öffentlicher Hand. Dieses Zusammenspiel ist gerade in der föderalistischen Schweiz entscheidend.

Generalversammlung 2026 der SGH in Bern.

Die Gesetzesrevision ist entscheidend

Besondere Aufmerksamkeit verdient die laufende Totalrevision des SGH-Gesetzes. Die Vernehmlassung wurde 2024 abgeschlossen, die Botschaft des Bundesrates 2025 ans Parlament überwiesen. Derzeit beschäftigt sich die Wirtschaftskommission des Nationalrates mit dem Geschäft. Die Inkraftsetzung wird frühestens 2027 erwartet.

Diese Revision darf keinesfalls zu einer Schwächung der SGH führen. Im Gegenteil: Angesichts des steigenden Finanzierungsdrucks braucht die Branche eine starke, flexible und handlungsfähige SGH. Wer glaubt, die KMU-Hotellerie könne die Herausforderungen der nächsten Jahre ohne ein solches Förderinstrument bewältigen, verkennt die Realität in den alpinen Regionen.

Die SGH ist kein bürokratisches Anhängsel des Bundes. Sie ist ein wirtschaftspolitisches Instrument zur Sicherung touristischer Infrastruktur, regionaler Arbeitsplätze und internationaler Wettbewerbsfähigkeit.

Peter Gloor, Direktor SGH.

Die stille Leistung einer kleinen Organisation

Erstaunlich ist auch die Effizienz der Institution. Mit lediglich 14 Mitarbeitenden bewirtschaftet die SGH einen Darlehensbestand von rund 220 Millionen Franken, begleitet Investitionsprojekte in Milliardenhöhe und arbeitet gleichzeitig kostendeckend. Das Jahresergebnis 2025 lag bei knapp drei Millionen Franken, die Eigenkapitalbasis wurde weiter gestärkt.

Diese Zahlen zeigen: Die SGH ist keine schwerfällige Subventionsmaschine, sondern ein professionell geführtes Kompetenzzentrum mit hoher Wirkung und bemerkenswerter Effizienz.

Mehr als ein Nischeninstrument

Die Schweizerische Gesellschaft für Hotelkredit ist weit mehr als ein Nischeninstrument der Tourismuspolitik. Sie ist ein zentraler Pfeiler der Schweizer Beherbergungswirtschaft – insbesondere für die alpine KMU-Hotellerie. Ohne die SGH würden zahlreiche Investitionen nicht realisiert, Modernisierungen verzögert und Nachfolgelösungen erschwert.

In einer (unsicheren) Zeit, in der Banken vorsichtiger finanzieren, Kosten steigen und der internationale Wettbewerb härter wird, braucht die Schweizer Hotellerie ein starkes staatliches Förderinstrument. Die SGH erfüllt diese Aufgabe seit Jahrzehnten mit Kompetenz, Augenmass und wirtschaftlicher Vernunft.

Die Branche täte gut daran, die Bedeutung dieser Institution stärker zu würdigen – und sich aktiv dafür einzusetzen, dass die SGH auch in Zukunft über die notwendigen Mittel und Kompetenzen verfügt. Denn was die SGH mit einem kleinen Team in Zürich für die touristischen Bergregionen der Schweiz leistet, ist strukturpolitisch von enormem Wert.

www.sgh.ch

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