Schnelle Expansion, hohe Verluste und schließlich der Schulterschluss mit Marriott: Die Geschichte von «Sonder» ist ein Lehrstück für die Chancen und Risiken digitaler Hospitality-Konzepte. Ganz anders «Limehome» – das deutsche Serviced-Apartment-Unternehmen wächst profitabel und kontrolliert. Welche Lehren kann Europas Hospitality-Tech-Szene daraus ziehen?

Als Sonder 2014 in Montreal gegründet wurde, galt das Unternehmen als Pionier einer neuen Nische: digitale, designorientierte Serviced Apartments und Boutique-Hotels, gesteuert über eine App. Mit schnellem Wachstum, der Expansion in 40 Städte und einem Börsengang 2021 schien die Erfolgsgeschichte vorgezeichnet. Doch die Realität holte das Unternehmen ein: Allein 2022 und 2023 summierten sich die Nettoverluste auf rund 250 Millionen US-Dollar. Hohe Mietverpflichtungen, mangelnde Profitabilität und die wachsende Skepsis der Investoren führten zu drastischen Kostensenkungen und schließlich in eine Partnerschaft mit Marriott, dem grössten Hotelkonzern der Welt.
Diese Kooperation verschafft Sonder zwar Stabilität, geht aber zulasten der Eigenständigkeit: Neue Projekte müssen Marriott angeboten werden, Lizenzgebühren und Exklusivitätsklauseln engen den Handlungsspielraum ein. Die Gefahr: Sonder verliert seine Identität und damit seine Kernzielgruppe.

Ganz anders präsentiert sich Limehome. Das 2018 in Deutschland gegründete Unternehmen expandierte während der Pandemie, als kontaktlose Konzepte gefragt waren, und setzte auf kontrolliertes Wachstum. Heute hat Limehome 5.250 Apartments in über 80 deutschen Städten unter Vertrag, betreibt rund 90 aktive Standorte und expandiert nach Spanien. Die Marke punktet mit hoher Profitabilität, über 90 Prozent Auslastung und einer schlanken Struktur, die tausende Einheiten mit wenig Personal ermöglicht.

Der Unterschied liegt in der Strategie: Sonder drängte aggressiv in teure Großstadtlagen, Limehome setzt auch auf B- und C-Städte. Sonder jagte Marktanteilen hinterher, Limehome wählte Partnerschaften und nachhaltige Umsätze. Während Sonder trotz hoher Umsätze defizitär blieb, arbeitet Limehome profitabel mit soliden Margen.
Beide Modelle zeigen aber auch Grenzen. Sonder leidet unter der Abhängigkeit von Marriott, Limehome unter den Risiken einer rein digitalen Gästebetreuung – von Technikpannen bis hin zu Kritik an Sauberkeit und fehlender Barrierefreiheit. Zudem erschwert die Umwandlung von Nicht-Hotelimmobilien den weiteren Ausbau. Rund 40 Prozent der geprüften Objekte gelten als ungeeignet.

Das Fazit: Sonder steht für die Risiken zu schneller, kapitallastiger Expansion. Limehome beweist, dass kontrolliertes, profitables Wachstum im Serviced Apartment-Segment möglich ist – wenn auch nicht ohne operative Herausforderungen. Für Europas Hospitality-Tech-Szene bedeutet das: Erfolgreich wird, wer digitale Effizienz mit Verlässlichkeit, Anpassungsfähigkeit und echter Gästezufriedenheit kombiniert.

Sonder & Limehome: Zwei unterschiedliche Wege im Segment der Serviced Apartments
Zwei Unternehmen, zwei Strategien: Während Sonder als Pionier digitaler Serviced Apartment- und Designunterkünfte mit rasantem Wachstum an seine Grenzen stieß, setzt Limehome auf kontrollierte Expansion und profitables Wachstum (vgl. Bericht oben). Ein Blick auf zwei unterschiedliche Modelle, die Europas Hospitality-Szene prägen.

Sonder – vom Pionier zum Partner von Marriott
Gegründet 2014 in Montreal von Francis Davidson und Lucas Pellan, startete Sonder als Innovator zwischen Privatunterkünften und klassischen Hotels. Das Konzept: designorientierte Apartments und Boutique-Hotels, betrieben über eine eigene Technologieplattform und App, inklusive digitalem Check-in und Gästekommunikation.

Schnell expandierte Sonder in über 40 Städte weltweit, vor allem in Nordamerika, und wagte 2021 den Börsengang. Doch die Realität holte das Unternehmen bald ein: In den Jahren 2022 und 2023 verzeichnete Sonder Nettoverluste von rund 250 Millionen US-Dollar. Hohe Mietverpflichtungen, verzögerte Finanzberichte und wachsende Skepsis seitens der Investoren setzten das Unternehmen unter Druck.

Die Rettung kam in Form einer Partnerschaft mit Marriott im Jahr 2024. Diese sichert zwar Zugang zu Marriotts globaler Infrastruktur und Kundschaft, kostet aber Eigenständigkeit. Neue Projekte müssen Marriott angeboten werden, zudem sind Lizenzgebühren und Exklusivitätsklauseln fällig. Die Gefahr: Sonder verliert sein eigenständiges Profil – und damit die ursprüngliche Kernzielgruppe.

Limehome – kontrolliertes Wachstum mit digitalem Fokus
Limehome wurde 2018 in Deutschland von Lars Stäbe und Dr. Josef Vollmayr gegründet. Ihre Idee: Serviced Apartments mit voll digitalisiertem, kontaktlosem Betrieb – komfortabel, effizient und skalierbar. Besonders während der Pandemie bewährte sich das Modell, als Reisende nach sicheren, flexiblen Alternativen zu klassischen Hotels suchten.

Das Unternehmen nutzte die Gelegenheit und expandierte stark. Heute verfügt Limehome über 5.250 Apartments in über 80 Städten in Deutschland und in der Schweiz, betreibt rund 90 aktive Standorte und expandiert zudem international, etwa nach Spanien. Besonders hervorzuheben ist die Auslastung von über 90 Prozent sowie die Fähigkeit, tausende Einheiten mit schlanken Teams kosteneffizient zu betreiben.

Im Gegensatz zu Sonder verfolgt Limehome eine partnerschaftliche, marktselektive Strategie. Das Unternehmen erschließt gezielt B- und C-Städte, sichert sich frühzeitig Marktanteile und vermeidet unprofitable Prestigeprojekte. Die Folge: nachhaltiges, profitables Wachstum und hohe Mietdeckungsquoten.

Doch auch Limehome stößt an Grenzen: Kritik gibt es an der rein digitalen Gästebetreuung, etwa bei Technikproblemen oder fehlender persönlicher Betreuung. Auch die Umwandlung von Nicht-Hotelimmobilien ist operativ komplex – rund 40 Prozent der geprüften Objekte gelten als ungeeignet. Zudem wächst mit der Expansion der regulatorische Druck.

Alles in allem: Die beiden Unternehmen zeigen exemplarisch, wie unterschiedlich der Weg in der digitalen Hospitality-Welt aussehen kann. Sonder steht für die Risiken aggressiver Expansion und hoher Verluste, Limehome für nachhaltiges, wenn auch nicht fehlerfreies Wachstum. Für die Zukunft wird entscheidend sein, wer digitale Effizienz mit echter Gästezufriedenheit und Anpassungsfähigkeit verbinden kann.
Hinweis: Vergleiche Teil 1 des Hotel Inside Reports zum Thema Serviced Apartments.









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