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Inside-Porträt. Sacher-Hotelchef Matthias Winkler: Der Modernisierer des Mythos

Am 17. September 2026 tritt Matthias Winkler, CEO der Sacher Hotels, an der Hotel Independent Show in München auf. Seine Keynote trägt den programmatischen Titel «Wie aus Tradition ein innovatives Luxushotel entsteht». Kaum ein europäischer Hotelier könnte dieses Thema glaubwürdiger vertreten: Winkler hat den Mythos Sacher nicht entstaubt, indem er die Vergangenheit entsorgte, sondern indem er sie in eine zeitgemässe Form von Luxus, Führung und Unternehmertum übersetzte. Ein Inside-Porträt von Hans R. Amrein.

Das Sacher. Schon die Grammatik verrät den Rang: Der Name steht nicht einfach für ein Hotel, sondern für eine Institution. Für die Original Sacher-Torte, für Wien, Opernball und Staatsbesuche, für rote Samtstoffe, diskrete Separees und jene Form kultivierter Gastlichkeit, die nicht laut werden muss, um Eindruck zu hinterlassen.

Eine solche Marke zu führen, ist ein Privileg – und eine Zumutung. Denn je grösser der Mythos, desto enger kann das Korsett werden. Traditionshäuser leben von Wiedererkennbarkeit, doch sie sterben an Selbstwiederholung. Sie müssen ihren Gästen das Gefühl geben, etwas Zeitloses zu betreten, und gleichzeitig beweisen, dass sie die Gegenwart verstehen. Genau in diesem Spannungsfeld liegt Matthias Winklers eigentliche Leistung.

Matthias Winkler, Andrea Kracht (Baur au Lac Zürich) und Markus Granelli (The Dolder Grand Zürich).

Noch vor wenigen Jahren haftete Sacher, bei aller Berühmtheit, auch ein Image des sehr Traditionellen, Konventionellen und bisweilen Musealen an. Winkler hat diese Wahrnehmung nicht mit einem spektakulären Bruch korrigiert. Er wählte den schwierigeren Weg: Er liess die Identität intakt und veränderte die Art, wie sie gelebt, geführt und vermarktet wird. Sacher blieb Sacher – aber es begann wieder, neugierig zu machen.

Tradition mit Innovation heisst für mich Respekt für die Vergangenheit, Begeisterung für die Zukunft.

Matthias Winkler

Dieser Satz ist mehr als eine gefällige Formel für eine Bühne. Er beschreibt Winklers Managementprinzip präzise. Respekt ist bei ihm keine Ausrede für Stillstand; Zukunftsbegeisterung kein Vorwand für modische Beliebigkeit. Was er modernisiert, soll die Herkunft schärfer erkennbar machen. Was er bewahrt, muss auch morgen noch wirtschaftlich, kulturell und emotional relevant sein.

Familie Gürtler mit Matthias Winkler.

Der Blick von aussen als Wettbewerbsvorteil

Matthias Winkler kam nicht über den klassischen Weg einer Hotelfachschule und einer linearen Karriere durch internationale Häuser an die Spitze der Sacher-Gruppe. Der 1969 geborene Politologe startete als Trainee bei McDonald’s, arbeitete später als Pressesprecher und Kabinettschef im österreichischen Finanzministerium, übernahm Kommunikationsverantwortung beim Wettanbieter bwin und gründete eine Beratungsboutique. Diese Biografie wirkt auf den ersten Blick untypisch. Für ein Traditionsunternehmen, das sich neu erfinden musste, war sie vermutlich genau richtig.

Aus der Politik brachte er ein Gespür für Interessen, Öffentlichkeit und Timing mit. Aus dem Konzernumfeld die Erfahrung, wie Marken skaliert und digitale Geschäftsmodelle gedacht werden. Aus der Beratung die Fähigkeit, Organisationen nicht nur zu verwalten, sondern zu diagnostizieren. Und aus seinem ersten Traineeprogramm wohl auch die Einsicht, dass selbst eine globale Marke im Alltag an Prozessen, Standards und Menschen entscheidet.

2014 übernahm Winkler die Geschäftsführung der Sacher-Gruppe; 2015 wurde der Generationenwechsel im Familienunternehmen formell sichtbar. Die familiäre Verbindung – Winkler ist mit Alexandra Winkler, der Tochter von Elisabeth Gürtler, verheiratet – wird in biografischen Notizen gern an prominenter Stelle genannt. Für die Bewertung seiner Arbeit ist sie jedoch nebensächlich. Eine Verwandtschaft kann eine Tür öffnen; sie kann weder strategische Klarheit noch Führungsstärke, Krisenfestigkeit oder internationale Anerkennung ersetzen. Winklers Bilanz steht für sich.

Das gilt auch deshalb, weil er nicht wie ein Hotelier auftritt, der die Marke als Kulisse für die eigene Person benutzt. Das Handelsblatt beschrieb einst, wie Eigentümerin Alexandra Winkler und Geschäftsführer Matthias Winkler in einem nur rund zehn Quadratmeter grossen Büro an der Wiedereröffnung des Wiener Hauses arbeiteten. Das Bild passt: konzentriert, nah am Betrieb, ohne demonstrative Distanz. Winkler versteht Repräsentation, aber er verwechselt sie nicht mit Führung.

Lobby im Hotel Sacher Wien.

Sacher neu gedacht – ohne Sacher neu zu erfinden

Unter Winklers Führung wurde die Gruppe Schritt für Schritt auf Gegenwart getrimmt: mit konsequenter Markenpflege, Digitalisierung, neuen gastronomischen Formaten, internationaler Präsenz und einer klareren Positionierung der Häuser in Wien, Salzburg und Seefeld in Tirol. Die Expansion blieb dabei kontrolliert. Sacher wurde nicht zur austauschbaren Kette, die ihren Namen möglichst häufig an Fassaden montiert. Die Marke suchte stattdessen Orte und Anlässe, an denen ihre Herkunft einen Mehrwert erzeugt.

Dazu gehören internationale Pop-up-Cafés, die Wiener Kaffeehauskultur nach Mailand, Lugano, London oder Kopenhagen tragen. Dazu gehört das Caffè Sacher in Triest, das erste dauerhafte Café ausserhalb Österreichs. Und dazu gehört das Alpin Resort Sacher Seefeld-Tirol, das den städtischen Mythos in eine alpine Luxuserfahrung überträgt. Solche Schritte sind mehr als Vertrieb. Sie machen aus einem berühmten Hotelnamen eine kulturell lesbare Hospitality-Marke.

Der Erfolg ist sichtbar. 2025 wurde das Hotel Sacher Wien in die Liste «The World’s 50 Best Hotels» aufgenommen – als einziges Haus der DACH-Region. Im Jahr 2026 feiert das Wiener Stammhaus sein 150-jähriges Bestehen. Ein Jubiläum dieser Grössenordnung kann zur nostalgischen Selbstfeier verführen. Winkler nutzt es als Beweis dafür, dass Langlebigkeit nur dort entsteht, wo Veränderung zur Tradition gehört.

Frankfurter Allgemeine Zeitung: «Das Wiener Sacher ist eine Hotel-Ikone.»

Falstaff: «Nur wenige Luxushotels in Europa haben einen solch legendären Ruf wie das Sacher.»

Trend: «Heute steht das Haus moderner und wirtschaftlich solider da als je zuvor.»

Diese Pressestimmen beschreiben zwei Seiten derselben Entwicklung: den unangetasteten legendären Ruf und die erneuerte unternehmerische Substanz. Genau darin liegt Winklers Rang. Viele Manager können modernisieren, indem sie Bestehendes austauschen. Wenige können eine Ikone erneuern, ohne ihren Zauber zu beschädigen.

Matthias Winkler als «Mann des Jahres» auf dem Cover des Magazins «Edition».

Luxus beginnt mit Haltung

So überzeugend Matthias Winkler über Marken, Digitalisierung und internationale Positionierung sprechen kann, so deutlich wird in seinen Aussagen, dass er den Kern des Hotelgeschäfts nicht in Strategiefolien sucht. Er findet ihn bei den Menschen. Seine schärfste These richtet sich gegen jene Betriebe, die den Fachkräftemangel ausschliesslich als äusseres Schicksal beklagen.

Auf die Frage, ob Unternehmer, die keine Mitarbeitenden finden, häufig selbst schuld seien, antwortete er: «Genauso und noch drei Rufzeichen dahinter setzen.» Dann folgt der Satz, der seine Haltung auf den Punkt bringt: «Nicht der Koch bewirbt sich bei uns, sondern wir beim Koch.» Wer weiterhin glaube, junge Menschen müssten dankbar sein, überhaupt in einem Betrieb arbeiten zu dürfen, sei «völlig fehlgeleitet» und habe «die letzten fünfzehn Jahre verschlafen».

Familie Gürtler-Winkler an einem VIP-Anlass in Zürich.

Das ist keine gefällige Arbeitgeberkommunikation. Winkler koppelt Wertschätzung an klare Erwartungen. Die Sacher-Gruppe entwickelte gemeinsam mit ihren Mitarbeitenden eine Charta, die festhält, was das Unternehmen für sie tut – und was es von ihnen verlangt. Flexibilität bedeutet für ihn nicht Beliebigkeit. Wer 30 Stunden arbeiten will, soll eine Aufgabe vorfinden, die in 30 Stunden sinnvoll machbar ist. Wer nur einen Tag zur Verfügung hat, soll in einem System arbeiten können, das diesen Beitrag produktiv macht. Führung besteht hier nicht darin, über veränderte Lebensentwürfe zu klagen, sondern Organisation neu zu gestalten.

Unsere Mitarbeitenden sind für mich neben dem Geheimrezept unserer Original Sacher-Torte das eigentliche Erfolgsgeheimnis.

Matthias Winkler

Bemerkenswert ist auch, wie konsequent Winkler Sprache als Ausdruck von Haltung begreift. «Am schlimmsten finde ich das Wort Personal», sagt er. Es reduziere Menschen auf eine historische Verwaltungskategorie, die allzu oft mit schlechter Behandlung verbunden gewesen sei. Die Ausbildung bei Sacher solle deshalb «den Menschen in seiner Gesamtheit» sehen – nicht nur die Arbeitskraft. Stadtführungen, soziale Aktivitäten, Allgemeinbildung und Markenverständnis gehören ebenso dazu wie Fachkompetenz.

Portier im Hotel Sacher.

Die 2016 gegründete Sacher School of Excellence gibt diesem Anspruch eine Struktur. Sie richtet sich vom Lehrling bis zur Führungskraft an alle Ebenen des Unternehmens. Der Ansatz ist klassisch und modern zugleich: höchste fachliche Standards, aber kein enges Menschenbild. Ein Koch soll nicht nur besser kochen. Er soll verstehen, wofür Sacher steht, in welcher Stadt er arbeitet, welche Geschichte er weitererzählt und welche Verantwortung ein prominentes Haus in seiner Umgebung trägt.

Winklers Beispiele sind oft konkret und deshalb rhetorisch stark. Wenn Sacher sieben oder acht Freiwillige suche, um in der Wiener Gruft für obdachlose Menschen zu kochen, sei das «schneller ausgebucht als das Justin-Bieber-Konzert». Hinter dem pointierten Vergleich steht eine ernste Überzeugung: Exzellenz entsteht nicht durch Dressur, sondern durch Zugehörigkeit, Sinn und freiwilliges Engagement.

Hotel Sacher Salzburg.

Der strenge Optimist

Winkler ist kein Romantiker der neuen Arbeitswelt. Er akzeptiert veränderte Erwartungen, ohne die wirtschaftliche Realität weichzuzeichnen. «Die Wahrheit ist: Wir werden mehr und länger arbeiten müssen», sagt er. Vermutlich auch «härter, klüger und mit der KI». Entscheidend ist für ihn, das Thema nicht als Generationenkonflikt zu missbrauchen. Die Arbeitsfrage betreffe 60-Jährige ebenso wie 20-Jährige; sie sei ein gesellschaftliches Problem, kein Defekt der Gen Z.

Diese Mischung aus Anpassungsfähigkeit und Anspruch prägt auch seine Auswahl von Nachwuchskräften. Fachliche Fertigkeiten seien beim Einstieg weniger entscheidend als der innere Antrieb. Bewerberinnen und Bewerber sollten «etwas wollen» und nicht gleichgültig durchs Leben gehen. Dabei verlangt er von jungen Menschen keinen fertigen Karriereplan. Die angehende DJ oder der junge Pianist, die vorerst eine Lehre im Sacher machen, sind ihm lieber als jemand ohne Neugier. «Es geht nicht darum, dass man mit 20 wissen muss, was man mit 30 sein will», sagt er. Es gehe darum, eine Idee zu haben.

Auch Schulnoten behandelt er mit wohltuender Nüchternheit. Er selbst habe «ganz selten gute Noten gehabt». Lesen und Schreiben seien wichtig, aber Noten kein verlässliches «Qualitätskriterium für Karriere oder Erfolg». Der Satz passt zu einem Manager, dessen eigener Weg nicht aus einem Lehrbuch der Hotellerie stammt. Winkler sucht offenbar weniger makellose Lebensläufe als Charakter, Lernfähigkeit und Energie.

Anna Sacher.

Von Anna Sacher lernen

Für ein Haus mit 150-jähriger Geschichte ist die Frage nach Vorbildern unvermeidlich. Matthias Winkler verweist ausgerechnet auf die Frauen der Sacher-Geschichte. Von Anna Sacher habe er mehr mitgenommen als von den Männern. Sein erstes Learning: Sie habe in einer Zeit, in der dies keineswegs selbstverständlich war, besonders auf ihre Mitarbeitenden geachtet. Das zweite: «Ein starker Charakter ist notwendig.»

Damit stellt Winkler die Vergangenheit nicht als dekorative Folklore aus. Er liest sie als Führungswissen. Anna Sachers Zigarren, ihre Bulldoggen und ihr strenges Regiment sind Teil der Legende; relevanter ist für ihn die Verbindung von Fürsorge und Durchsetzungsfähigkeit. Tradition wird so zur Ressource: nicht, weil früher alles besser gewesen wäre, sondern weil sich aus historischen Erfahrungen Prinzipien ableiten lassen.

Auch seine eigene Erscheinung verkörpert diese Übersetzungsleistung. Matthias Winkler besitzt jene österreichische Eleganz, die an die gesellschaftliche Kultur der k.u.k. Zeit erinnert: Höflichkeit, Formbewusstsein, die Fähigkeit, Menschen Raum zu geben. Aber bei ihm gerinnt Stil nicht zur Pose. Hinter den guten Umgangsformen arbeitet ein moderner Unternehmer, der Daten, Markenarchitektur, digitale Vertriebskanäle, Arbeitsmodelle und internationale Netzwerke ernst nimmt. Er trägt die Geschichte nicht wie ein Kostüm, sondern wie eine Verantwortung.

Der internationale Markenbotschafter

Matthias Winklers Wirkung reicht über die eigenen Häuser hinaus. Als Mitglied des Executive Committee von The Leading Hotels of the World arbeitet er in einem der wichtigsten Netzwerke der internationalen Luxushotellerie mit. In Branchenkreisen gilt er dort als gewichtige Stimme – nicht zuletzt, weil er die Perspektive eines unabhängigen Familienunternehmens mit Erfahrungen aus Politik, Konzernwelt und Markenführung verbindet.

Auf der Bühne kommt ihm diese Vielseitigkeit zugute. Er spricht nicht wie ein Funktionär, der Erfolgsformeln verteilt, sondern wie jemand, der Spannungen aushält: Exklusivität und wachsende Nachfrage, Tradition und Digitalisierung, hohe Standards und flexible Arbeit, Familienunternehmen und professionelle Governance. Seine Pointen sind klar, seine Beispiele lebensnah, seine Botschaften argumentiert. Sympathie entsteht dabei nicht durch demonstrative Lockerheit, sondern durch die Verbindung von Kompetenz, Selbstironie und präziser Sprache.

Eine Würdigung bringt es treffend auf den Punkt: Winkler verbinde «die Bewahrung einer weltweit bekannten Marke mit der Fähigkeit, Tradition in zukunftsorientiertes Handeln zu übersetzen». Genau diese Fähigkeit macht ihn zu einem besonders glaubwürdigen Redner für die Hotel Independent Show in München.

Perfektion ohne Starrheit

«Das Sacher, das bekannteste und traditionsreichste Hotel Österreichs, hat den Anspruch, dass alles perfekt ist», schrieb Trend.at. Der Satz benennt die Stärke und das Risiko jeder Luxusikone. Perfektion kann Gäste begeistern; als interne Doktrin kann sie lähmen. Winklers Kunst besteht darin, den Anspruch hochzuhalten und die Organisation dennoch beweglich zu machen.

Das zeigt sich in den Renovierungen und neuen Formaten ebenso wie in der Ausbildung. Es zeigt sich in der Internationalisierung der Sacher-Torte und der Kaffeehauskultur, ohne dass daraus eine beliebige Lifestyle-Marke wird. Und es zeigt sich im Umgang mit Krisen. «Trend» kürte Winkler 2025 zum «Mann des Jahres» und hob hervor, er habe die Gruppe souverän durch die Corona-Jahre geführt. Gerade in solchen Phasen trennt sich repräsentative Hotellerie von unternehmerischer Führung.

Matthias Winkler hat Sacher wirtschaftlich stabiler, organisatorisch moderner und kulturell offener gemacht. Er hat verstanden, dass Luxus heute nicht allein über Material, Fläche oder Preis definiert wird. Luxus ist Aufmerksamkeit. Er ist das Gefühl, gesehen zu werden. Er ist reibungslose digitale Bequemlichkeit, ohne dass der menschliche Kontakt verschwindet. Er ist historische Tiefe, ohne historischen Staub. Und er ist ein Arbeitgeber, dessen innere Kultur so glaubwürdig sein muss wie seine Fassade.

Kein Ego-Hotelier, sondern ein Hüter mit Gestaltungswillen

Die Branche kennt charismatische Hoteliers, bei denen das Haus zur Verlängerung der eigenen Persönlichkeit wird. Winkler gehört nicht zu diesem Typus. Er kann repräsentieren, Medien bedienen und auf grossen Bühnen überzeugen. Doch die Hauptrolle bleibt bei ihm der Marke, dem Team und dem Gast. Das ist vielleicht sein stärkster Stilzug: Er ist sichtbar, ohne sich vorzudrängen.

Diese Haltung schützt ein Familienunternehmen vor zwei Gefahren. Vor dem Personenkult, der Nachfolge erschwert. Und vor der Erstarrung, die entsteht, wenn niemand Verantwortung für Veränderung übernimmt. Matthias Winkler hält beides in Balance. Er agiert als Hüter des Erbes und zugleich als dessen produktiver Störer. Er stellt Fragen, die ein Traditionshaus beantworten muss: Was ist unverhandelbar? Was ist nur Gewohnheit? Was erwarten Gäste morgen? Und wie bleibt Exzellenz auch für Mitarbeitende attraktiv?

Die Antwort liefert nicht ein einzelnes Designprojekt oder eine digitale Initiative. Sie liegt in der Summe: drei eigenständige Hotels, eine international aufgeladene Marke, eine Ausbildungsphilosophie, eine klare Arbeitgeberhaltung, globale Präsenz und ein Wiener Stammhaus, das im Jubiläumsjahr 2026 lebendiger wirkt als manch deutlich jüngeres Konzept.

Einer der grossen Luxushoteliers unserer Zeit

Matthias Winklers Bedeutung liegt nicht darin, dass er das Sacher von seiner Geschichte befreit hätte. Sie liegt darin, dass er diese Geschichte wieder handlungsfähig machte. Er hat gezeigt, dass Tradition kein Gegenbegriff zu Innovation ist, sondern deren anspruchsvollste Ausgangslage. Wer ein legendäres Haus erneuert, muss nicht nur wissen, was möglich ist. Er muss verstehen, was bleiben soll – und warum.

Winkler verbindet strategische Intelligenz mit kulturellem Taktgefühl, ökonomische Disziplin mit echter Aufmerksamkeit für Menschen. Er ist stilbewusst, ohne nostalgisch zu sein; pointiert, ohne zum Selbstdarsteller zu werden; fordernd, ohne Respekt mit Nachsicht zu verwechseln. Diese Kombination ist selten. Sie macht aus einem guten Manager einen prägenden Hotelier.

Wenn er am 17. September in München darüber spricht, «wie man aus Tradition ein innovatives Luxushotel macht», wird er keine theoretische Fallstudie präsentieren müssen. Er kann auf ein Unternehmen verweisen, das die Antwort jeden Tag gibt: im Wiener Stammhaus gegenüber der Staatsoper, in Salzburg, auf 1.200 Metern in Seefeld, in der Ausbildung junger Menschen und in einer Marke, die 150 Jahre nach ihrer Gründung zugleich vertraut und überraschend wirkt.

Das Sacher ist unter Matthias Winkler nicht weniger historisch geworden. Es ist zukunftsfähiger geworden. Und genau deshalb zählt sein CEO heute zu den ganz grossen Luxushoteliers unserer Zeit.

Das Hotel Sacher Wien um 1918.

Sacher: Eine kurze Geschichte des Hauses

Am Anfang war die Torte

Die Geschichte von Sacher beginnt 1832, lange vor der Eröffnung des Hotels. Fürst Metternich beauftragte den erst 16-jährigen Kochschüler Franz Sacher, für anspruchsvolle Gäste ein besonderes Dessert zu kreieren. Aus Schokolade, Marillenmarmelade und Schlagobers entstand jene Torte, die später zu einem Wahrzeichen Wiens und zum kulinarischen Markenzeichen des Hauses werden sollte.

1876–1918: Aufstieg zur gesellschaftlichen Institution

1876 eröffnete Franz Sachers Sohn Eduard im Herzen Wiens ein exklusives Luxushotel. Vier Jahre später heiratete er Anna Maria Fuchs. Anna Sacher machte das Haus zum Treffpunkt der feinen Gesellschaft und prägte seinen Mythos nachhaltig. Nach Eduards Tod 1892 führte sie das Hotel offiziell weiter – streng, eigenwillig und zugleich mit grosser Aufmerksamkeit für ihre Mitarbeitenden. Mit dem Ende der Monarchie 1918 verlor auch der gesellschaftliche Kosmos, in dem das Sacher gross geworden war, seine vertraute Ordnung.

1930–1949: Krise, Eigentümerwechsel und Besatzungszeit

Anna Sacher starb 1930 in ihrem Zimmer im Hotel; zehntausende Wiener erwiesen ihr auf dem letzten Weg die Ehre. 1934 übernahmen Hans und Poldi Gürtler gemeinsam mit der Familie Siller das traditionsreiche Haus und sanierten es. Der Zweite Weltkrieg beendete den Tourismus erneut. Nach 1945 befand sich das Hotel zunächst unter russischer, später unter britischer Kontrolle. Erst Jahre danach erhielten die Eigentümerfamilien das Sacher zurück und renovierten es abermals.

Szene aus der TV-Serie «Hallo Hotel Sacher, Portier» (1973).

1950–1994: Ausbau, Familienkontinuität und Salzburg

Ab 1950 wurde das Wiener Haus erweitert; ungenutzte Lichthöfe wurden verbaut und Veranstaltungsräume geschaffen. 1962 ging das Hotel vollständig in den Besitz der Familie Gürtler über. Nach mehreren familiären Schicksalsschlägen übernahm Peter Gürtler Verantwortung und leitete 1988 mit dem Erwerb des Österreichischen Hofs in Salzburg die Expansion ein. Seit 1994 gehören die Sacher Hotels zu The Leading Hotels of the World.

1999–2012: Modernisierung einer Ikone

Mit eigenständigen Cafés in Innsbruck und Graz, der Umbenennung des Salzburger Hauses zum Hotel Sacher Salzburg und neuen Gastronomieformaten gewann die Marke zusätzliche Präsenz. 2004 wurde das Wiener Hotel erstmals in seiner Geschichte für zehn Wochen geschlossen und umfassend modernisiert; unter anderem entstanden 52 zusätzliche Zimmer. 2005 eröffnete Sacher als erstes Wiener Luxushotel ein Spa. Bis 2012 wurden 86 Zimmer und 63 Suiten erneuert, neue Penthouse- und Dachterrassenbereiche vollendeten die mehrjährige Sanierung.

2015–2026: Generationenwechsel und internationale Öffnung

2015 übergab Elisabeth Gürtler die Verantwortung an ihre Kinder Georg Gürtler und Alexandra Winkler; Matthias Winkler und Michael Mauthner übernahmen geschäftsführende Aufgaben. Ein Jahr später entstand die Sacher School of Excellence als gruppenweites Aus- und Weiterbildungsprogramm. Weitere Zimmer, Suiten, Restaurants und Cafés wurden neu gestaltet – stets mit dem Anspruch, die historische Substanz zu bewahren und zugleich zeitgemässen Komfort zu schaffen.

2022 wurde das traditionsreiche Astoria Resort in Seefeld zum Alpin Resort Sacher Seefeld-Tirol und damit zum dritten Sacher Hotel. 2023 eröffnete in Triest das erste Café Sacher ausserhalb Österreichs. Internationale Pop-ups brachten die Wiener Kaffeehauskultur nach Mailand, Lugano und später nach London, Sorrent und Kopenhagen. 2025 wurde das Hotel Sacher Wien in «The World’s 50 Best Hotels» aufgenommen. 2026 feiert das Stammhaus sein 150-jähriges Bestehen – als Familienunternehmen, Hotelikone und moderne Luxusmarke.

Über die Independent Hotel Show Munich

Die Independent Hotel Show Munich, veranstaltet von der international renommierten Montgomery Group,
ist eine ganzheitliche Business-Veranstaltung für die unabhängige Hotellerie. Inspirierende und praktische Seminare befassen sich mit den Anliegen der Branche und den spannenden Entwicklungen, die Hoteliers in diesem sich schnell verändernden Sektor vorantreiben können. Die Messe präsentiert eine sorgfältig zusammengestellte Ausstellung von über 200 Partnern, die die innovativsten Ideen, Produkte und Dienstleistungen vorstellen, die in dieser kreativen und attraktiven Branche florieren. Die Independent Hotel Show Munich 2026 wird am 16. und 17. September im MOC München stattfinden. Weitere Informationen zur Registrierung, zu Ausstellern, Programm und Besuchsplanung finden sich unter:

https://www.independenthotels.de/

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