Michael Widmann prägt seit mehr als drei Jahrzehnten die internationale Hospitality-Beratung. Als Global CEO der PKF Hospitality Group verbindet er operative Branchenerfahrung, akademisches Fundament und internationales Netzwerk zu einer seltenen Kombination aus strategischer Tiefe und praktischer Nähe. Hotel Inside sprach mit Widmann im Rahmen des Events «196+ Forum» in Wien über die aktuelle Lage der Hotellerie in der DACH-Region.

Widmann begann seine Laufbahn 1990 bei PKF München, wo er die Hotelberatungspraxis aufbaute. 2003 verlegte er seinen Standort nach Wien und gründete die heutige PKF Hospitality Group. Seine beruflichen Wurzeln liegen nicht im Hörsaal, sondern im Hotelalltag: Er arbeitete als Tellerwäscher, Housekeeper, Kellner und Rezeptionist – Erfahrungen, die seine Beratung bis heute prägen. Sein Management-Traineeprogramm führte ihn zu Mandarin Oriental in Singapur und Bangkok, weitere Stationen waren das Hotel Vier Jahreszeiten München, das Renaissance Seattle Hotel und das traditionsreiche Claridge’s in London.

Hotel Inside-Publizist Hans R. Amrein sprach mit Michael Widmann im Rahmen des Fachevents «196+ Forum» im Park Hyatt in Wien über das auslaufende Jahr 2025 und die Aussichten 2026:
Zusammenfassung Inside-Video-Gespräch: Michael Widmann über die Hospitality 2025/26
Im Hotel Inside-Interview beim 196+ Forum in Wien sprach PKF-Global-CEO Michael Widmann über die wirtschaftlichen Entwicklungen 2025, die Herausforderungen der Branche und die strategischen Weichenstellungen für die kommenden Jahre. Seine Einschätzungen reichen von Investmenttrends über die Zukunft des Mittelpreissegments bis hin zu radikalen Veränderungen im Hotelbetrieb.

Ein Tourismusboom – aber nicht grenzenlos
Widmann betont im Hotel Inside-Gespräch (vgl. Video-Talk), dass Reisen längst ein Grundbedürfnis geworden ist. Dennoch müsse Europa zwischen quantitativem und qualitativem Wachstum unterscheiden. Wachstum sei wichtig, aber nicht um jeden Preis: «Wir müssen lernen, Wachstum gesund zu gestalten – im Interesse der Gäste, aber auch der lokalen Bevölkerung.»
2025: Ein Jahr der gegensätzlichen Entwicklungen
Die Hotellerie erzielte starke operative Ergebnisse und näherte sich vielerorts wieder dem Niveau von 2019. Gleichzeitig geriet die Immobilien-Entwicklerbranche in massive Turbulenzen. Hohe Zinsen, gestiegene Baukosten und mehrere Insolvenzen – darunter prominente Fälle – prägten die Jahre 2023 bis 2025. Erst seit wenigen Monaten zeigen sich laut Widmann wieder erste Erholungszeichen.

Hotelimmobilien im Aufwind
Während Büro- und Retail-Immobilien an Attraktivität verloren haben, erlebt Hospitality eine regelrechte Sonderkonjunktur. Investoren suchten Alternativen – und fanden diese zunehmend im Hotelbereich. Besonders populär: Conversions von Büros oder Shoppingflächen zu Hotels. Gleichzeitig beginnt die Branche wieder, über Greenfield-Projekte nachzudenken, vor allem in der boomenden Ferienhotellerie.
Brands versus Familienhotels
Der Anteil gebrandeter Hotels steigt kontinuierlich. In der Schweiz liegt er bereits bei 32 Prozent (Zimmerkapazitäten) – in 20 Jahren könnten es 60 Prozent sein. Widmann betont aber, dass familiengeführte Hotels nicht verdrängt werden müssen. Entscheidend seien klare Positionierung, kooperative Modelle oder der Zukauf eines Markenlabels. «Ohne Brand-Strategie geht es künftig nicht mehr.»

Kostendruck erzwingt Digitalisierung
Die explodierenden Betriebs- und Personalkosten machen ein Umdenken nötig. Viele Leistungen sollten laut Widmann nicht mehr als Standard gelten – etwa die tägliche Zimmerreinigung. Der Check-in-Prozess könne vollständig digitalisiert werden, Keycards seien überholt. Gleichzeitig bleibe menschlicher Kontakt wichtig: statt Rezeption brauche es Gastgeber, die Mehrwert bieten, etwa als Concierge.
Erfolgssegmente: Budget, Lifestyle & «Serviced Living»
Während Luxushotellerie selten hohe Renditen erzielt, sind Budget- und Economy-Modelle sowie Lifestyle-Konzepte besonders profitabel. Als wachsendes Feld beschreibt Widmann die Schnittstelle zwischen Wohnen und Hospitality: Serviced Apartments, Co-Living, Student Housing, Senior Living und Branded Residences – Formate mit hoher Innovationskraft und oft digitalem Betrieb.

Die Schweiz im DACH-Vergleich
Die Schweiz ist wirtschaftlich robust, aber in der Innovation hinkt sie laut Widmann hinterher. Südtirol sei im Ferienhotelsegment deutlich kreativer. Während Deutschland wirtschaftlich schwächelt und der Geschäftstourismus leidet, bleibt die Schweiz dank Pharma- und Finanzsektor resilient. Doch Widmann mahnt: «Das Land muss mutiger und experimentierfreudiger werden.»
Ausblick 2026: Boom bei Investments – Herausforderungen im Betrieb
Widmann erwartet eine starke Wachstumsphase bei Hospitality-Investments: zwei bis drei Jahre Sonderkonjunktur. Für Betreiber bleibe die Lage schwieriger, da Kosten hoch bleiben und Preissteigerungen begrenzt sind. Seine Warnung: Europa dürfe nicht zu einem reinen «Tourismus-Disneyland» werden – Industrie und Wertschöpfung seien essenziell.

Michael Widmann: Akademische Grundlage & internationale Vernetzung
Michael Widmann studierte Wirtschaftswissenschaften in München und an der Washington State University. Ergänzt wurde seine Ausbildung durch Executive Education an der Cornell University School of Hotel Administration – eine der weltweit führenden Institutionen im Hospitality-Management. Heute lehrt er selbst an mehreren Hochschulen, darunter die MODUL University Vienna und die IMC Hochschule Krems. Er sitzt in verschiedenen Beiräten, engagiert sich in der Cornell Hotel Society und übersetzte das USALI-System ins Deutsche – ein Meilenstein für die DACH-Region.
Strategischer Architekt der PKF Hospitality Group
In seiner Rolle als Global CEO führt Widmann gemeinsam mit Christian Walter ein weltweit integriertes Team und koordiniert die globalen Aktivitäten in Hotel-, Living-, Tourismus- und Leisure-Beratung. Zusätzlich leitet er das Hospitality Consulting Committee von PKF International. Seine Schwerpunkte liegen in strategischer Beratung, Konzeptentwicklung und der Gestaltung internationaler Hospitality-Projekte.

Hotel Inside Background: Was steckt hinter der PKF Hospitality Group?
Die PKF Hospitality Group gehört zu den international anerkannten Marktführern im Bereich Hospitality Consulting. Mit einem integrierten, globalen Team und fast hundertjähriger Geschichte prägt das Unternehmen die Entwicklung von Hotel-, Living-, Tourismus- und Leisure-Märkten weltweit. Die PKF versteht sich als vollständig integrierte globale Beratungsfirma – eine seltene Struktur in der internationalen Hospitality-Landschaft. Mit mehr als 100 Expertinnen und Experten in 21 Büros weltweit arbeitet das Unternehmen nahtlos über Länder- und Kontinentalgrenzen hinweg. Projekte werden stets mit interdisziplinären, grenzüberschreitenden Teams besetzt, die sich präzise an den Bedürfnissen der Auftraggeber orientieren. Die Organisation ist partnergeführt; aktuell zählt sie zehn Partner, die aktiv im Management mitwirken. Die beiden Global CEOs, Michael Widmann und Christian Walter, fungieren zugleich als Hauptgesellschafter.
Vier Sektoren, achtzehn Leistungen
Inhaltlich deckt PKF vier zentrale Hospitality-Sektoren ab: Hotel, Living, sowie die Bereiche Tourismus & Leisure. Das Leistungsportfolio umfasst 18 definierte Service Lines und begleitet Immobilien über ihren gesamten Lebenszyklus – von der ersten Konzeption über Entwicklungs- und Finanzierungsprozesse bis hin zu Betrieb, Benchmarking und Transaktionsunterstützung. Diese Breite macht PKF zu einem bevorzugten Partner für Investoren, Betreiber, Entwickler und Tourismusorganisationen.
97 Jahre Branchenprägung
Die Wurzeln der Organisation reichen fast hundert Jahre zurück. 1927 war William J. Forster, einer der Gründer von Pannell Kerr Forster, maßgeblich an der Einführung des Uniform System of Accounts for the Lodging Industry (USALI) beteiligt – bis heute der weltweite Standard im Hotel-Accounting. Damit ist PKF historisch nicht nur Beraterin, sondern auch Architektin zentraler Branchenstrukturen. Seit 2022 agieren alle PKF-Hospitality-Firmen unter einem gemeinsamen Dach, was die internationale Schlagkraft weiter stärkte.

196+ forum: Europas Bühne für Hospitality-Innovation
Die 196+ forum-Reihe der PKF Hospitality Group gilt als einer der wichtigsten Treffpunkte für die europäische Hotel- und Immobilienbranche. In Wien, München und weiteren Städten bringt das Format Investoren, Betreiber, Entwickler und Start-ups zusammen — und setzt mit Awards und Innovationsformaten starke Akzente.
Ein Treffpunkt für Entscheider
Die 196+ forums sind hochkarätige Branchenevents, die Trends im Hospitality- und Real-Estate-Sektor beleuchten. Panels, Keynotes und Masterclasses bieten Einblicke in Themen wie Hotelentwicklung, Nachhaltigkeit, Technologie und neue Geschäftsmodelle. Der Name „196+“ verweist auf die globalen Ambitionen: 196 Staaten plus neue Perspektiven.

Formate in Wien und München
Das 196+ forum Vienna fokussiert auf Hospitality-Investment und den Austausch zwischen Tourismus, Kultur und Hotellerie.
In München liegt der Schwerpunkt stärker auf Immobilien und Projektentwicklung — ergänzt durch Networking-Formate, Stadtführungen und Gala-Abende.
Awards als Höhepunkt
Ein Highlight ist der Hotel Property Award, einer der renommiertesten Preise für Hotelimmobilien in Europa. Zudem zeichnet der Hospitality UPGRADE Award innovative Start-ups aus, die Lösungen für die Zukunft der Hotellerie entwickeln. Weitere Ableger wie das 196+ forum Milan vergeben Design- und Innovationspreise.

Warum das Forum relevant bleibt
Die 196+ Events bieten Orientierung in einer Branche, die sich rasant verändert. Sie verbinden Marktanalysen, Austausch und Kreativität – und schaffen eine Plattform, auf der Zukunftsthemen sichtbar und diskutierbar werden.
