Der US-Hotelmarkt hat im zweiten Quartal 2026 bei Nachfrage, Auslastung und Zimmerpreisen zugelegt. Doch hinter dem RevPAR-Plus von 5,7 Prozent steht kein breit abgestützter Boom: Inflationsbereinigt fällt das Wachstum deutlich kleiner aus, die Vorkrisenniveaus sind operativ noch nicht überall erreicht und die Preissetzungsmacht konzentriert sich auf die oberen Segmente (Luxus & Premium). Für den DACH-Raum ist das ein wichtiger Referenzpunkt. Deutschland, Österreich und die Schweiz zeigen im ersten Halbjahr 2026 zwar robuste Basisdaten, aber eine deutlich stärkere Abhängigkeit von Herkunftsmärkten, Kalender- und Eventeffekten sowie eine ausgeprägte Spreizung zwischen Standorten und Produkten. Zu diesem Schluss kommt die jüngste Hotelmarktstudie für das 2. Quartal 2026 von CBRE.

Kurzfassung
Der US-Hotelmarkt legte im zweiten Quartal 2026 bei Nachfrage, Auslastung und Zimmerpreisen zu. Das RevPAR-Plus von 5,7 Prozent war jedoch stark preisgetrieben; inflationsbereinigt blieb das Wachstum deutlich geringer und das reale Vorkrisenniveau noch unerreicht.
Für den DACH-Raum zeigt sich ein robustes, aber uneinheitliches Bild. Deutschland profitiert von stabiler Inlandsnachfrage, Österreich von internationalen Gästen und starken Stadtmärkten, während die Schweiz durch schwächere Auslandsnachfrage gebremst wird. Kalender-, Event- und Herkunftseffekte prägen die Ergebnisse stärker als ein allgemeiner Markttrend.
Für Hoteliers und Investoren zählt deshalb vor allem die Qualität des Wachstums: Preissetzungsmacht, Gästemix, Kostenkontrolle und Standortprofil sind wichtiger als nominale Umsatzsteigerungen. Erfolgreich sind jene Häuser, die Raten oberhalb der Kosteninflation durchsetzen und ihre Nachfrage breit diversifizieren können.

Ausführliche Textfassung
Die Kernbotschaft des CBRE-Berichts zum US-Hotelmarkt ist zunächst eindeutig: Die Nachfrage stieg im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahr um 1,7 Prozent, während das Angebot nur um 0,4 Prozent zunahm. Damit erhöhte sich die Auslastung um 0,8 Prozent. Gleichzeitig legte die durchschnittliche Tagesrate (ADR) um 4,4 Prozent zu, wodurch der Umsatz pro verfügbares Zimmer (RevPAR) um 5,7 Prozent wuchs.
Entscheidend ist jedoch die zweite Lesart. CBRE weist darauf hin, dass der reale, also inflationsbereinigte RevPAR lediglich um 1,8 Prozent zulegte. Gegenüber 2019 lag er weiterhin 6,6 Prozent tiefer. Der nominelle RevPAR erreichte zwar 122 Prozent des Niveaus von 2019, real waren es nur rund 93 Prozent. Für Betreiber und Investoren heisst das: Umsatzwachstum ist nicht automatisch Ergebniswachstum. Wer die Entwicklung nur nominal betrachtet, überschätzt die operative Erholung und möglicherweise auch die Tragfähigkeit höherer Pachten, Management Fees oder Kaufpreise.
Auch die Auslastung erzählt eine Geschichte der unvollständigen Normalisierung. Sämtliche Lagetypen blieben unter dem Niveau des zweiten Quartals 2019. Resorts lagen am weitesten zurück, während verkehrsnahe Interstate-Standorte der vollständigen Erholung am nächsten kamen. Das ist bemerkenswert, weil Freizeitdestinationen in den ersten Jahren nach der Pandemie als Gewinner galten. 2026 verschiebt sich die Dynamik: Städtische Lagen verbuchten den stärksten Zuwachs gegenüber dem Vorjahr. Die Nachfrage wird damit wieder ausgewogener, aber nicht automatisch stabiler.
Preissetzungsmacht wird zur Segmentfrage
Die stärkste Aussage des US-Datensatzes liegt in der Spreizung nach Segmenten. Luxury-Hotels steigerten ihre ADR im Quartal um 7,8 Prozent, im Juni sogar um 12,2 Prozent. Im Economy-Segment betrug das Plus dagegen nur 0,4 Prozent beziehungsweise 1,8 Prozent im Juni. Zwischen diesen Polen lagen Upper Upscale, Upscale und Midscale mit deutlich moderateren Zuwächsen.
Für Hoteliers ist das mehr als eine Statistik über Kategorien. Es zeigt, dass Gäste im oberen Segment weiterhin bereit sind, für Erlebnis, Lage, Marke und Exklusivität zu bezahlen, während preissensible Kundschaft stärker auf Alternativen, Aufenthaltsdauer und Nebenkosten reagiert. Für Investoren folgt daraus eine differenzierte Bewertungslogik: Ein pauschaler Aufschlag auf historische ADR-Trends ist nicht mehr plausibel. Entscheidend sind die tatsächliche Markenstärke, die Qualität des Nachfrage-Mix, die Fähigkeit zur Direktbuchung und die Frage, ob ein Haus sein Preisversprechen auch bei nachlassender Konjunktur halten kann.
Die Unterschiede zwischen einzelnen Märkten unterstreichen diese Selektivität. Memphis führte die US-Rangliste mit einem RevPAR-Plus von 20 Prozent an, vor allem getragen von einem Auslastungssprung von 14 Prozent; die ADR stieg dort um 4,6 Prozent. Savannah dagegen verlor beim RevPAR 2 Prozent, obwohl die Rate um 1,9 Prozent zunahm, weil die Auslastung um 3,8 Prozent sank. Die Lehre ist klar: Preissteigerungen können Nachfrageverluste eine Zeit lang abfedern, aber nicht beliebig kompensieren. Standort- und Ereigniseffekte bleiben stärker als der nationale Durchschnitt.
DACH-Region: Robuste Nachfrage, aber weniger synchron
Der Vergleich mit dem DACH-Raum muss mit einer methodischen Einschränkung beginnen: Der CBRE-Anhang enthält operative Kennzahlen für die USA, während für Deutschland, Österreich und die Schweiz im zweiten Quartal 2026 vor allem Übernachtungs-, Herkunfts- und Investmentdaten verfügbar sind. Die Grössen sind deshalb nicht eins zu eins vergleichbar. Dennoch lässt sich ein gemeinsames Muster erkennen: Das Nachfragefundament ist grundsätzlich stabil, doch das Wachstum ist kleinteiliger und volatiler als in der US-Gesamtsicht.
STR und Tourism Economics erwarteten Ende Mai für 31 europäische Prognosemärkte im Gesamtjahr 2026 ein RevPAR-Wachstum von 1,4 Prozent, primär getrieben durch die ADR; für die Auslastung wurde lediglich ein Plus von 0,5 Prozent prognostiziert. Verglichen mit dem US-RevPAR-Anstieg von 5,7 Prozent im zweiten Quartal deutet das auf eine deutlich geringere europäische Dynamik hin. Allerdings handelt es sich beim Europa-Wert um eine Jahresprognose und beim US-Wert um ein realisiertes Quartalsergebnis. Der Vergleich zeigt deshalb eher die Richtung als eine exakte Leistungslücke.
Im DACH-Raum kommt hinzu, dass die Märkte unterschiedlich auf internationale Nachfrage reagieren. Österreich profitierte im ersten Halbjahr von einem leichten Plus bei ausländischen Gästen. Die Schweiz wurde dagegen durch einen Rückgang der Auslandsnachfrage gebremst, während die Binnenmärkte stabilisierten. Deutschland zeigte im Mai ein ähnliches Bild: Das gesamte Übernachtungsvolumen stieg, getragen vom Inland, während die Auslandsnachfrage leicht nachgab. Aggregierte Nachfragezahlen können diese Verschiebungen verdecken – für das Revenue Management und die Bewertung von Standorten sind sie jedoch zentral.

Deutschland: Operative Stabilität, selektiver Kapitalmarkt
Deutschland startete mit moderaten Zuwächsen ins Jahr. Im Mai 2026 registrierten die Beherbergungsbetriebe 49,2 Millionen Übernachtungen, 3,8 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Die inländische Nachfrage legte um 4,6 Prozent zu, während die Übernachtungen aus dem Ausland um 0,5 Prozent zurückgingen. Der Verlauf seit Jahresbeginn war allerdings nicht linear: Auf Zuwächse in den ersten drei Monaten folgte ein schwächerer April, bevor der Mai wieder deutlich anzog. Kalenderlagen und Feiertage beeinflussen damit die Monatsvergleiche erheblich.
Am Investmentmarkt zeigt sich eine andere Form der Selektivität. CBRE beziffert das Transaktionsvolumen im ersten Halbjahr 2026 auf 720,9 Millionen Euro, 23,8 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Dieser Rückgang ist jedoch nicht gleichbedeutend mit einem Einbruch des Investoreninteresses. Vielmehr gab es mehr Abschlüsse, aber weniger grossvolumige Deals. Die Aktivität verlagerte sich auf kleinere Transaktionen und Standorte ausserhalb der klassischen Investmentzentren. Gleichzeitig erhöhte sich die Spitzenrendite im zweiten Quartal um 15 Basispunkte auf 5,25 Prozent.
Für Investoren ist das ein Markt mit zwei Botschaften. Erstens bleiben Hotels als Assetklasse liquide und strategisch relevant. Zweitens verlangt der Markt höhere Risikoprämien und eine präzisere Prüfung von Lage, Betreiberstruktur, Capex und Repositionierungspotenzial. Besonders gefragt sind Konstellationen, in denen Käufer durch Betreiberwechsel, Renovation oder eine neue Markenpositionierung Wert schaffen können. Das operative Fundament hilft, aber es ersetzt keine belastbare Asset-Management-These.

Österreich: Rekorde mit Kalender- und Herkunftsrisiko
Österreich verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 76,93 Millionen Nächtigungen, 1,0 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Auslandsnachfrage stieg um 1,3 Prozent, die inländische Nachfrage blieb praktisch unverändert. Für Mai und Juni zusammen meldete Statistik Austria mit 22,35 Millionen Nächtigungen sogar die beste Sommervorsaison seit Beginn der elektronischen Aufzeichnungen. Gleichzeitig fiel der Juni allein um 5,7 Prozent zurück – vor allem, weil Pfingsten 2026 bereits im Mai lag. Das Beispiel zeigt, wie leicht Monatsdaten ohne Kalenderbereinigung fehlinterpretiert werden können.
Innerhalb Österreichs entwickelte sich Wien besonders stark. In der ersten Jahreshälfte stiegen die Nächtigungen in der Hauptstadt um 4,5 Prozent, in der Sommervorsaison um 5,3 Prozent. Damit bestätigt sich die Rolle Wiens als ganzjähriger Stadt-, Kongress- und Eventmarkt. CBRE hatte für 2025 bereits eine Auslastung von 71 Prozent, eine ADR von 123 Euro und einen RevPAR von 87 Euro ausgewiesen. Das Hoteltransaktionsvolumen in Österreich erreichte 2025 rund 550 Millionen Euro, 57 Prozent mehr als im Vorjahr.
Für die Bewertung im Jahr 2026 ist vor allem die Herkunftsstruktur relevant. Die stärkere internationale Nachfrage stützt urbane und alpine Märkte, macht sie aber auch anfälliger für Flugverbindungen, geopolitische Störungen und Wechselkurse. Gleichzeitig ist das Wachstum nicht flächendeckend: Während Wien und mehrere westliche Bundesländer zulegten, lagen einzelne Regionen unter dem Vorjahr. Österreich ist damit kein einheitlicher Wachstumsmarkt, sondern ein Portfolio unterschiedlich exponierter Destinationen.

Schweiz: Inland stabilisiert, Fernmärkte bremsen
Die Schweizer Hotellerie verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 rund 20,3 Millionen Logiernächte, 0,7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Übernachtungen ausländischer Gäste gingen um 2,0 Prozent zurück, während die inländische Nachfrage um 0,7 Prozent zunahm. Im Juni lag das Gesamtminus bei 2,2 Prozent; die ausländischen Logiernächte sanken um 4,4 Prozent, die inländischen stiegen leicht um 0,4 Prozent.
Das ist kein struktureller Nachfrageeinbruch, sondern zunächst eine Verschiebung im Mix. Die Schweiz profitiert von einer aussergewöhnlich stabilen Binnenbasis, ist in ihren internationalen Freizeit- und Luxusdestinationen jedoch stark von Fernmärkten abhängig. Wenn einzelne Herkunftsregionen ausfallen, kann das durch europäische oder amerikanische Gäste nur teilweise kompensiert werden. Genau hier liegt die Parallele zum US-Bericht: Auch dort blieb die internationale Einreise im zweiten Quartal schwach, während die gesamte Hotelnachfrage dennoch wuchs. Starke Binnenmärkte wirken als Puffer, ersetzen aber nicht die höhere Wertschöpfung vieler internationaler Gäste.
Für Schweizer Hotels bedeutet dies, dass die reine Auslastungssteuerung zu kurz greift. Entscheidend sind Aufenthaltsdauer, Zimmerkategorie, Nebenumsätze und Distributionskosten je Herkunftsmarkt. Ein Prozentpunkt weniger Auslastung kann wirtschaftlich verkraftbar sein, wenn der verbleibende Mix hochwertiger ist. Umgekehrt kann eine stabile Belegung bei ungünstigerem Gästemix zu einem schwächeren Ergebnis führen.
Kosten, Personal und die Illusion des Umsatzwachstums
Die US-Zahlen liefern auch für DACH eine wichtige Warnung auf der Kostenseite. Die Löhne im US-Hotelgewerbe stiegen im zweiten Quartal um 4,6 Prozent und damit stärker als die gesamtwirtschaftlichen Löhne und die Inflation. Gleichzeitig sank die Zahl der offenen Stellen pro Hotel auf rund 14, 13 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Arbeitsmarkt entspannt sich also mengenmässig, ohne dass der Kostendruck verschwindet.
Für DACH-Betriebe ist dieses Muster besonders relevant. Hotels bleiben personalintensive Unternehmen, und die Produktivität lässt sich nur begrenzt durch Preissteigerungen kompensieren. Ein RevPAR-Plus ist deshalb erst dann wertvoll, wenn es nach Löhnen, Energie, Vertrieb, Instandhaltung und Finanzierung auch im GOP und im Cashflow ankommt. Betreiber sollten nicht nur ADR und Auslastung berichten, sondern den realen RevPAR, die Personalkostenquote, den Anteil provisionspflichtiger Buchungen und den Gewinn pro verfügbares Zimmer.
Auch für Investoren ist die Unterscheidung zwischen Umsatz- und Ergebniswachstum zentral. Höhere Raten können die Bewertung stützen, aber nur, wenn sie nicht vollständig von Kosten absorbiert werden. In einem Umfeld höherer Renditen und selektiver Finanzierung gewinnt die Qualität des operativen Cashflows gegenüber der reinen Topline nochmals an Bedeutung.
Was Hoteliers und Investoren daraus ableiten sollten
Für Hoteliers lautet die wichtigste Konsequenz: Segmentierung vor Durchschnitt. Nationale oder regionale Mittelwerte helfen bei der Einordnung, ersetzen aber keine Analyse nach Wochentag, Saison, Herkunft, Buchungskanal und Zimmerkategorie. Die US-Zahlen zeigen, wie stark sich Luxury und Economy auseinanderentwickeln. Die DACH-Daten zeigen, wie stark Kalender- und Herkunftseffekte die Nachfrage verschieben. Wer diese Unterschiede früh erkennt, kann Preise präziser setzen, Marketingbudgets fokussieren und Personal flexibler planen.
Für Investoren ist 2026 ein Jahr der aktiven Auswahl. Die operative Nachfrage ist grundsätzlich belastbar, doch nicht jeder Umsatzanstieg ist real, nicht jeder Standort profitiert gleich und nicht jedes Transaktionsminus signalisiert Schwäche. Deutschland zeigt, dass eine geringere Deal-Summe mit höherer Zahl an Abschlüssen einhergehen kann. Österreich zeigt, wie urbane Events und internationale Nachfrage Wert schaffen. Die Schweiz zeigt, wie wichtig die Resilienz des Binnenmarkts ist – und wie schnell Fernmärkte die Performance verändern können.
Der gemeinsame Nenner lautet deshalb nicht Wachstum um jeden Preis, sondern Qualität des Wachstums. Entscheidend ist, ob ein Hotel seine Raten oberhalb der Kosteninflation steigern kann, ob die Nachfrage breit genug diversifiziert ist und ob das Produkt in seinem Segment tatsächlich Preissetzungsmacht besitzt. Genau dort trennt sich im zweiten Quartal 2026 die robuste Hotelimmobilie vom bloss nominell wachsenden Betrieb.
Quellen & Hinweis: Der CBRE-Report behandelt den US-Hotelmarkt im zweiten Quartal 2026. Die DACH-Einordnung wurde mit aktuellen amtlichen Tourismusdaten sowie Marktberichten von CBRE und STR/CoStar ergänzt. Wo Quartals-KPIs wie ADR oder RevPAR für DACH nicht in vergleichbarer Form vorlagen, wurden keine entsprechenden Werte geschätzt.
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