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Hotel-Insider wissen: Waldhaus Flims soll jetzt verkauft werden

Das Waldhaus Hotel & Resort in Flims kommt nicht zur Ruhe: Vergangene Woche gab das Hotel-Management bekannt, das 150-jährige Resort für zwei Monate zu schliessen. Offizieller Grund: schlechte Auslastung, steigende Energie- und Wartungskosten. Wie Hotel Inside jetzt erfahren hat, soll das Resort verkauft werden. Seit 2015 gehört das Waldhaus der US-Investment-Gesellschaft Z Capital Group (ZCG). Das Problem der ZCG: Kein Investor ist derzeit bereit, den «viel zu hohen Kaufpreis von über 100 Mio. Franken» (Insider) zu zahlen.

Hotel-Management, Medien und die Gemeinde Flims sprechen von einer «vorübergehenden Schliessung» des Waldhaus Resorts. Man glaubt dem Hotelmanagement, das behauptet: «Das Waldhaus Flims leitet den Konsultationsprozess, der voraussichtlich mehrere Wochen dauern wird, als Reaktion auf den finanziellen Gegenwind ein, der unter anderem durch eine deutlich geringere Auslastung und steigende Energie- und Wartungskosten entsteht“ (Medienmitteilung vom 26.7.). Das Resort habe bislang verschiedene Sparmaßnahmen ergriffen, um das Tagesgeschäft aufrechtzuerhalten. Der Konsultationsprozess stehe im Einklang mit den fortgesetzten Bemühungen, „das Resort für den Erfolg zu positionieren.“

Hoteldirektor Bosko Grozdanic sagt: „Die Entscheidung, das Hotel für zwei Monate zu schließen, ist uns sehr schwergefallen, ist aber leider notwendig, um die Liquidität des Unternehmens zu sichern.“ 

Der aktuelle Waldhaus-Hoteldirektor Bosko Grozdanic.

„Das sind nur schöne Worte! Sie sollen die schwierige Lage und die Dauerprobleme des Resorts rechtfertigen“, sagt ein Kenner der Bündner Hotelszene zu Hotel Inside. „Tatsache ist, dass das Waldhaus Flims schon seit Monaten auf dem Markt angeboten wird.“ Die Z Capital Group suche über Agenturen mögliche Käufer und Investoren – „leider ohne Erfolg, denn der Kaufpreis von über 100 Millionen Franken ist unrealistisch und folglich viel zu hoch.“ Und: „Kein vernünftiger und wirtschaftlich denkender Investor oder Unternehmer bezahlt eine solche Summe.“

Laut Insider-Informationen lassen sich 100 Millionen plus zusätzliche Betreiber- und Unterhaltskosten „in keiner Weise finanzieren.“ Kommt hinzu, dass das aktuelle Waldhaus „nicht richtig positioniert“ ist. „Schöne Sterne- und Gourmet-Restaurants sowie Wellnessangebote findet der Gast in vielen Hotels im Bündnerland. So gesehen ist das Waldhaus Flims einer von vielen Mitbewerbern am Markt.“ Ein weiterer Nachteil, wenn es um Kauf oder Betrieb eines Luxusresorts geht: „Flims ist nicht St. Moritz. Flims ist keine Luxusdestination, deshalb lässt sich ein Fünfsterne-Produkt hier auch nicht erfolgreich vermarkten.“

Und trotzdem sehen Hotel- und Tourismusexperten eine Chance für das Waldhaus: „Würde man das Resort klar im Medical Wellness- und Gesundheitssegment positionieren, hätte man eine Perspektive. Zwar gibt es bereits erfolgreiche Medical-Spa-Produkte wie das Grand Resort Bad Ragaz, der Lanserhof in Österreich oder das Bürgenstock Resort, aber in der Region Flims existiert aktuell kein wirklich klar positioniertes Medical-Wellnessangebot.“

Wie geht es weiter im Waldhaus Flims? Wie Hotel Inside erfahren hat, haben bereits mehrere vertrauliche Gespräche mit möglichen Interessenten stattgefunden. Darunter auch Investoren aus China und den Golfstaaten. Die Exponenten der amerikanischen Z Capital Group äußern sich derzeit nicht zu „irgendwelchen Kauf- oder Verkaufsabsichten“. Was der vom Hotelmanagement lancierte und rechtlich notwendige Konsultationsprozess ergibt, ist offen. Auch offen ist, ob es zu einem Stellenabbau kommt.

Wie soeben bekannt wurde, zieht sich die Kommunikationsagentur „Esther Beck PR“ kurzfristig zurück und setzt ihr Waldhaus-Mandat per sofort aus. Tatsache ist: Die Berner PR-Agentur wurde vergangene Woche über die offizielle Medienmitteilung vom 26. Juli 2023 über die Maßnahmen im Waldhaus Flims informiert…

Hintergrund

Die Geschichte des Waldhaus Flims begann im Jahr 1869, als zwei Churer Bürger von der Gemeinde die Erlaubnis zum Bau eines Heilbades erhielten. Im Jahr 1877 folgte ein Hotel und eine Tradition kultivierter Gastlichkeit wurde geboren, die ihre Gäste durch die Zeiten der Belle Epoque, die Goldenen Zwanziger und das neue Jahrtausend hindurch. Seit 2015 ist das Waldhaus Flims in amerikanischen Händen. Die Investmentgesellschaft Z Capital Group (ZCG) kaufte das damals in Konkurs gegangene Schweizer Traditionshaus für 40 Millionen Franken, und investierte weitere 40 Millionen in die Renovation des fast 150-jährigen Hotels.

Später trat das Waldhaus Flims der «Autograph Collection» von Marriott bei. Doch nach knapp zwei Jahren entschied das Management des Hotels, auf die Kooperation mit Marriott zu verzichten. Insider gehen davon aus, dass der Brand «Autograph Collection» dem Waldhaus im Bündnerland «ganz einfach zu wenig Buchungen brachte». Insider gehen aber auch davon aus, dass der Marriott-Konzern das Waldhaus nicht einfach so ziehen lässt. Man spricht von Folgekosten in Millionenhöhe.

Damit nicht genug: Dem Waldhaus Flims laufen offensichtlich die Mitarbeitenden davon. Und das seit vielen Monaten. Im Frühjahr dieses Jahres erklärte das Hotelmanagement: „Das Waldhaus hat in der Tat Probleme, gute Leute zu halten.“

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