Trotz geopolitischer Unsicherheiten, steigender Kosten und struktureller Herausforderungen bleibt Europas Hotellerie auf Expansionskurs. Stefan Bezold, Senior Vice President Commercial bei FutureLog, analysiert die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, benennt Risiken – und sieht in Digitalisierung, Automatisierung und strategischem Einkauf die entscheidenden Hebel für nachhaltigen Erfolg. Ein Hotel Inside-Gespräch.
Hotel Inside-Chefredaktor Hans R. Amrein traf Stefan Bezold vor wenigen Tagen an der Fachmesse Intergastra in Stuttgart. Pezold gilt als intimer Kenner der Hospitality-Industrie in der DACH-Region und auch weltweit. Der FC Bayern-Fan und Betriebswirtschafter entstammt einer fränkischen Hoteliersfamilie und war von Kindesbeinen an von der Branche fasziniert. Seit Ende 2021 ist er bei Futurelog tätig und verantwortet als Vice President Sales International das globale Wachstum, den Vertrieb sowie die Zusammenarbeit mit Lieferanten und Partnern.

Hans R. Amrein sprach mit Stefan Bezold am Messestand von «Hilding Anders» über die Lage der Hotellerie in Deutschland und der übrigen DACH-Region, Perspektiven für die Branche und Prognosen 2026 bis 2028:
Stefan Bezold über Trends und Entwicklungen in der internationalen Hotellerie

Die Auslastung und die Raten in der europäischen Hotellerie hätten nach dem Einbruch während der Pandemie wieder das Niveau der Zeit vor dem Ukrainekrieg erreicht oder sogar übertroffen, analysiert Bezold in einem Gast-Beitrag, der auf «Cost & Logis» erstmals publiziert wurde. Die Nachfrage bleibe hoch, doch die Gäste reagierten zunehmend preissensibler. Wesentliche Probleme blieben die gestiegenen Kosten für Arbeit, Wareneinsatz, Energie und Distribution, die auf die Margen drückten.
Für die Jahre 2027 und 2028 rechne er mit moderatem Wachstum, einer forcierteren Erholung internationaler Fernmärkte – insbesondere Asiens – sowie einer Normalisierung geschäftlicher Reisen. Für die Jahre 2029 und 2030 werde es jedoch eher eine neue Normalität geben – mit stärker automatisierten, nachhaltigeren und technologisch integrierten Hotelbetrieben. «Hotels, die bis dahin nicht optimiert haben, verlieren an Wettbewerbsfähigkeit», so Stefan Bezold.

Der Einkauf als strategischer Hebel
Die Erwartungen der Gäste würden sich bis 2030 deutlich verändern. Das Bewusstsein für ein angemessenes Verhältnis von Preis und Leistung wachse, Nachhaltigkeit werde zur Pflicht. Service, Qualität und Long-Stay-Unterkünfte gewännen Marktanteile. Die Kombination aus Reisen, Arbeiten und Wohnen – «Workation» – werde sukzessive bedeutsamer. Gäste bevorzugten zunehmend starke Marken und Hotels mit digitaler Customer Journey.
Der Ukrainekrieg habe die Hotellerie in Europa durch hohe Energiekosten, Inflation und Lieferkettenproblematik massiv beeinflusst. Gleichzeitig habe sich gezeigt, dass Hotels mit höherer Unsicherheit besser umgehen könnten, wenn sie über digitale und resiliente Strukturen verfügten. Lieferkettenrisiken führten zu regionaleren und resilienteren Einkaufsstrategien, betont Pezold.
Trotz hoher Nachfrage seien die Margen 2027 unter Druck. Energie- und Lohnkosten blieben langfristig hoch. Die Kosten für Renovierung und Finanzierung stiegen. «Kosteneinsparungen durch Digitalisierung und Automatisierung sind daher essenziell», so Stefan Pezold. Ab 2028 verbessere sich die Profitabilität für Hotels, die ihr Energie-Management professionalisieren und Prozesse automatisieren.
Der Einkauf entwickle sich damit vom operativen zum strategischen Schlüsselbereich. ESG- und EU-Regulierungen verpflichteten zu nachhaltigen Lieferketten. Die Digitalisierung des Einkaufs – mit E-Procurement und KI-Tools – schreite voran. Supply-Chain-Resilienz werde zur Kernaufgabe, etwa durch Zweitlieferanten, Regionalität und transparente Lebenszykluskosten anstelle reiner Preissicht.

KI, Konsolidierung und klare Gewinner
Bis 2030 würden laut Bezold KI im Revenue Management und Forecasting, automatisierte Bestellprozesse, Self-Service-Lösungen im Housekeeping und digitale Prozesse entlang der gesamten Guest Journey zum Standard gehören. «Hotels ohne Digitalisierung haben dauerhaft höhere Betriebskosten», so Pezold.
Wachstumsstarke Zielregionen sehen Pezold und sein Team in Südeuropa sowie in Teilen Osteuropas. Wachstumsmärkte außerhalb Europas bleiben die USA, China, Indien und ausgewählte ASEAN-Regionen. Bezold: «Europa bleibt weltweit die attraktivste Multi-Destination-Region.»
Zentrale Risiken sind laut Stefan Bezold volatile Energiepreise, geopolitische Konflikte, ESG-Regulierungsdruck, Arbeitskräftemangel sowie zunehmender Wettbewerb durch alternative Unterkunftsformen. Entscheidend werde die Digitalisierung bleiben. Der europäische Hotelmarkt bleibe bis 2030 ein Wachstumsmarkt – mit klaren Gewinnern und Verlierern. Gewinner seien digitalisierte Hotels, energieeffiziente Betriebe, resiliente Lieferketten und Mixed-Use- oder Long-Stay-Konzepte. Verlierer hingegen seien Häuser ohne Modernisierung, mit veralteter Energietechnik oder ohne klare strategische Positionierung. «Der Einkauf wird dabei zur zentralen Stellschraube für Kosten, Nachhaltigkeit und strategische Steuerung.»

Über Stefan Bezold
Stefan Bezold entstammt einer fränkischen Hoteliersfamilie und war von Kindesbeinen an von der Branche fasziniert. Seit Ende 2021 ist er bei Futurelog tätig und verantwortet als Vice President Sales International das globale Wachstum, den Vertrieb sowie die Zusammenarbeit mit Lieferanten und Partnern.
Er studierte Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Informatik, Organisation und Steuern an der Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule in Nürnberg und schloss mit Prädikat als Diplom-Betriebswirt (FH) ab. Seine Karriere begann bei hogatex Software GmbH und führte ihn über Amadeus Hospitality zu Infor Hospitality, wo er als Executive Sales Director für die DACH-Region sowie Mittel- und Osteuropa verantwortlich war.

Über Futurelog AG
Die Futurelog AG wurde 1999 gegründet und ist spezialisiert auf digitale Procure-to-Pay (P2P)-Lösungen für die Hotellerie und Gastronomie. Ihre cloud-basierten Systeme optimieren den gesamten Einkaufsprozess – von der Beschaffung über die Lagerverwaltung bis hin zur Rechnungsbearbeitung.
Mit Hauptsitz in der Schweiz und Standorten in Böblingen bei Stuttgart, Paris, Bangkok, Singapur, Sydney, Dubai sowie neu in Tokio betreut Futurelog mehr als 3000 Hotels und Gastronomiebetriebe weltweit. Das Unternehmen bietet nahtlose, sichere Konnektivität und unterstützt Kunden dabei, ihre P2P-Prozesse effizient zu digitalisieren und zu automatisieren. Futurelog beschäftigt mehr als 220 Mitarbeitende und ist Teil der Mövenpick-Holding. CEO ist Frank Dierberger.
