Er ist keiner, der laut auftritt. Keiner, der Macht demonstriert oder Status zelebriert. Sascha Spiegel begegnet Menschen auf Augenhöhe – Gästen wie Mitarbeitenden. Seit dem 3. November 2025 steht der gebürtige Berner als General Manager an der operativen Spitze des Hotel Schweizerhof Bern. Und vieles deutet darauf hin, dass er genau der Richtige ist für dieses traditionsreiche Fünf-Sterne-Haus im Zentrum der Bundesstadt. Ein Hotel Inside-Talk.

Für Sascha Spiegel ist der Schweizerhof in Bern kein unbekanntes Terrain. Hier begann einst seine berufliche Laufbahn. Als junger Servicelehrling lernte er in der Jack’s Brasserie die Grundlagen des Gastgeberseins – Servietten falten, Kaffee perfektionieren, Gäste lesen. Noch heute arbeiten dort Mitarbeitende, die ihn damals ausgebildet haben. Diese Rückkehr ist für ihn mehr als ein Karriereschritt – sie ist ein persönlicher Kreis, der sich schliesst.
Hans R. Amrein sprach mit Sascha Spiegel über seine Karriere, seine Visionen und Ziele im Schweizerhof Bern und die Zukunft des Tourismus in der Bundesstadt:
Vom Lehrling zum internationalen Hotelmanager
Spiegels Werdegang widerspricht dem gängigen Klischee der Luxushotellerie. Keine klassische Elitekarriere, kein geradliniger Weg über renommierte Kaderschmieden. Stattdessen: eine fundierte Servicelehre, jahrelange operative Erfahrung und der unbedingte Wille, zu lernen und Verantwortung zu übernehmen.
Nach Stationen in der Schweiz zog es ihn früh ins Ausland. In Vietnam, Thailand, Myanmar und Spanien arbeitete er für internationale Luxushotelgruppen wie Belmond, Kempinski oder InterContinental. Sein Schwerpunkt: Food & Beverage – jenes Herzstück der Hotellerie, in dem Servicekultur, Organisation und Emotion unmittelbar aufeinandertreffen.

Führung mit Empathie
Sascha Spiegel ist kein Direktor alter Schule. Er sieht sich nicht als Big Boss, sondern als Teil des Teams. Als Coach, als Kollege, als Ermöglicher. Chefallüren sind ihm fremd. Sein Führungsverständnis ist geprägt von Respekt, Vertrauen und klaren Erwartungen.
In einem Interview mit der Berner Wochenzeitung «Berner Bär» beschreibt er seine ersten Wochen im Amt als intensiv, inspirierend und sehr positiv. Besonders hebt er die Offenheit und Motivation des Teams hervor sowie die hervorragenden Strukturen, die sein Vorgänger (Maximilian von Reden) hinterlassen habe.

Service als Haltung – nicht als Floskel
Dass Sascha Spiegel seine Karriere im Service begonnen hat, prägt ihn bis heute. Service ist für ihn keine Abteilung, sondern eine Haltung. Er weiss, was es bedeutet, an der Front zu stehen – im Frühstücksservice ebenso wie im Fine Dining. Diese Erfahrung macht ihn glaubwürdig.
Sein Ziel ist klar: noch professionellerer, empathischerer Service. Dafür will er sein Team kontinuierlich trainieren, fördern und fordern. Nicht über Druck, sondern über Motivation, Perspektiven und gemeinsame Ziele.

Bern als unterschätzte Destination
Spiegel denkt nicht nur im Kosmos seines Hotels. Er denkt in Destinationen. Bern, davon ist er überzeugt, hat enormes touristisches Potenzial – als Bundesstadt, als Kulturort, als urbane Alternative zu Zürich, Genf oder Luzern.
Im Berner Bär und im Inside-Talk (vgl. Video) betont er, dass die Nachfrage stetig steige – nicht nur bei Übernachtungen, sondern auch in Gastronomie, Bar und Spa. Der Schweizerhof wolle aktiv dazu beitragen, Bern als attraktiven City-Resort-Standort weiter zu positionieren.

Tradition bewahren, Zukunft gestalten
Sascha Spiegel steht für behutsame Weiterentwicklung. Historische Eleganz, persönlicher Service und hohe Qualitätsstandards sollen bewahrt bleiben. Gleichzeitig will er neue Akzente setzen: mehr Lifestyle, zeitgemässe Erlebnisse, moderne Gastronomie- und Spa-Konzepte sowie digitale Services.
Seine Vision ist klar formuliert: Der Schweizerhof Bern soll das führende City-Resort der Stadt sein – ein Ort, an dem Tradition und Moderne, internationale Gäste und lokale Bevölkerung selbstverständlich aufeinandertreffen.

Sascha Spiegel ist der lebende Beweis dafür, dass Karrieren in der Luxushotellerie auch anders verlaufen können. Dass Talent, Haltung und Empathie wichtiger sind als Titel und Bachelor-Diplome. Dass ein ehemaliger Lehrling ein Fünf-Sterne-Superior-Haus führen kann – erfolgreich und glaubwürdig. Und dass ein ehemaliger Thuner Hotelfachschüler später sogar einen Doktor-Titel tragen kann.
Er ist kein Selbstdarsteller. Kein Hotelier, der sich in Szene setzt. Er stellt andere in den Mittelpunkt – sein Team, seine Gäste, seine Stadt. Und genau darin liegt seine Stärke.

Sascha Spiegel: Vom Service-Lehrling zum General Manager
Sascha Spiegel bringt mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung aus führenden Positionen in der Luxushotellerie mit. Seine Karriere begann er mit einer Ausbildung zum Restaurantfachmann (Lehre). Anschliessend absolvierte er einen Master in Business Administration an der AIB im australischen Adelaide sowie ein Doktoratsstudium in Business Administration an der SMC University.
Nach seiner Ausbildung in Bern sammelte Spiegel erste Erfahrungen im Hotel Schweizerhof Bern & Spa, bevor er seine Karriere rund um den Globus fortsetzte. Stationen führten ihn nach Thailand und Myanmar, wo er für Belmond Hotels und Resorts in leitenden Funktionen tätig war, sowie nach Spanien, wo er für Kempinski arbeitete.
Zurück in der Schweiz übernahm er Führungspositionen im «Intercontinental Davos» und im Victoria Jungfrau Grandhotel & Spa in Interlaken, wo er als Director of Food & Beverage und später als Hotel Manager wirkte.

Tradition, Brüche und Neuanfang: Der Schweizerhof Bern und seine bewegte Geschichte
Kaum ein Hotel in der Schweiz spiegelt den Wandel der Luxushotellerie so eindrücklich wider wie das Hotel Schweizerhof Bern. Direkt gegenüber dem Hauptbahnhof gelegen, war das Haus über mehr als ein Jahrhundert hinweg Spiegel gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und touristischer Entwicklungen – geprägt von starken Persönlichkeiten, mutigen Entscheidungen und einem der spektakulärsten Hotelumbauten des Landes.

Die Anfänge eines Grandhotels
Der Schweizerhof Bern wurde im Jahr 1857 eröffnet – zu einer Zeit, als Bern sich zunehmend als politisches und gesellschaftliches Zentrum der jungen Eidgenossenschaft etablierte. Das Hotel bestand am Anfang aus dem «Hotel Fetzer» und dem «Zähringerhof». Beide Häuser wurden 1859 vom damaligen Besitzer Daniel Vogel zusammengeführt. Das Hotel entwickelte sich rasch zu einer der ersten Adressen der Stadt. Seine Lage, sein Serviceverständnis und seine elegante Architektur machten den Schweizerhof früh zu einem Treffpunkt für Politiker, Diplomaten, Kulturschaffende und internationale Gäste. 1911 wurde das damalige Hotelgebäude abgerissen und durch den heutigen Bau ersetzt. Neueröffnung war im Juli 1913.

Die Ära der Familie Gauer
Über Jahrzehnte hinweg war der Schweizerhof untrennbar mit dem Namen Gauer verbunden. Allen voran Jack Gauer, der legendäre Patron des Hauses, prägte das Hotel mit unternehmerischer Klarheit, persönlicher Präsenz und einem kompromisslosen Qualitätsanspruch. Jack Gauer übernahm das Hotel 1939. Gemeinsam mit seiner Frau Annemarie Gauer führte er den Schweizerhof als echtes Familienhotel im besten Sinne – mit Nähe zu Gästen und Mitarbeitenden. In den 1950er-Jahren erlebte das Hotel eine Blütezeit. Prominente Gäste wie Grace Kelly, Elizabeth Taylor, Peter Ustinov und Albert Schweizer prägten das Gästebuch des Hauses.

1975 übernahm Jean-Jacques Gauer, der Sohn von Jack Gauer, den Schweizerhof. JJ Gauer kam damals mehr oder weniger direkt von der Hotelfachschule Lausanne, als sein Vater starb. Er führte den Schweizerhof und modernisierte ihn. Das Leading-Hotel war jahrelang die erste Adresse der Bundesstadt – Treffpunkt der Prominenz aus Politik, Diplomatie und Wirtschaft. 1980 wurde der «Jaylin’s Club» im Schweizerhof eröffnet – ein renommierter Jazzclub. Bekannt war das Luxushaus auch für seine Feste und Bälle im Saal Trianon. Und legendär war der damalige Restaurateur und Gastgeber in der «Schultheissenstube», Fritz Niklaus. Das Lokal gehörte in den 1980er- und 1990er-Jahren zu den besten Gourmetrestaurants der Schweiz.

Unter JJ Gauers Ägide war der Schweizerhof also ein Ort klassischer Grandhotellerie, tief verankert in der Stadt Bern und ihrer Gesellschaft. Jean-Jacques Gauer galt als «Hoteltalent» – eine Persönlichkeit mit Charisma und hoher Professionalität. Er wirkte später auch als Präsident der internationalen Hotelvereinigung «The Leading Hotels of the World». Und er entwickelte – nach der Schweizerhof-Ära – das «Lausanne Palace» zu einem der führenden Stadthotels der Schweiz, bevor er sich nach Cully an den Genfersee zurückzog.
Ein Bruch – Verkauf, Schliessung und Stillstand
Nach dem Rückzug der Familie Gauer im Jahr 2000 folgte eine Phase der Unsicherheit. Die Richemont Hèritage Gruppe übernahm den Schweizerhof kurzfristig, doch eine nachhaltige Perspektive konnte nicht etabliert werden. In der Folge wurde das Haus geschlossen – für rund fünf Jahre blieben die Türen eines der bekanntesten Hotels der Schweiz verschlossen. Nur die «Jack’s Brasserie», die noch heute an Jack Gauer erinnert, blieb offen.
Diese Zeit markierte einen tiefen Einschnitt in der Geschichte des Hauses. Der Schweizerhof verschwand vorübergehend aus dem touristischen Leben der Stadt und wurde zum Symbol für die Herausforderungen traditionsreicher Stadthotels im 21. Jahrhundert.

Katara Hospitality und der grosse Umbau
Der Wendepunkt kam mit dem Einstieg von Katara Hospitality, einem Staatsfonds aus Katar, im Jahr 2008. Die neue Eigentümerschaft, die auch das Bürgenstock Resort und das Royal Savoy Hotel Lausanne kaufte, bekannte sich klar zur Zukunft des Schweizerhofs und investierte rund 60 Millionen Franken in eine umfassende Totalsanierung.
Das historische Gebäude aus dem Jahr 1913 wurde von Grund auf erneuert: Zimmer, öffentliche Bereiche, Gastronomie, Spa und technische Infrastruktur wurden auf internationales Fünf-Sterne- Niveau gebracht. Ziel war es, den Schweizerhof nicht nur zu erhalten, sondern ihn als modernes City Resort neu zu positionieren.

Die Wiedereröffnung und neue Führungsgenerationen
Die Wiedereröffnung 2011 erfolgte unter der Leitung von Hotelier Michael Thomann, der das Haus zurück auf die touristische Landkarte brachte und den operativen Neustart prägte. An der grossen Wiedereröffnungs-Party am 24. Juni 2011 nahmen mehr als 700 Personen teil – darunter viel Prominenz. Nach Thomann folgte Iris Flückiger als General Managerin, die den Schweizerhof weiter stabilisierte und im Markt positionierte.


Ab 2019 übernahm Maximilian von Reden die operative Führung. In seine Amtszeit fielen die Konsolidierung des Hauses als führendes Luxushotel der Stadt sowie die Herausforderungen der Pandemie. Im Herbst 2025 verliess von Reden den Schweizerhof, um ein Rocco Forte-Luxushaus in Brüssel zu übernehmen.

Seit dem 3. November 2025 wird der Schweizerhof Bern von Sascha Spiegel geführt – einem gebürtigen Berner, der seine Karriere einst im Haus selbst begonnen hatte. Mit seiner Rückkehr schliesst sich ein Kreis.
Heute steht der Schweizerhof Bern mit 99 Zimmern und Suiten für eine Verbindung aus historischer Eleganz, zeitgemässem Luxus und einem Fokus auf Servicequalität und Teamkultur. Die Geschichte des Hauses ist geprägt von Wandel – und genau darin liegt seine Stärke. Der Schweizerhof war nie ein statisches Monument, sondern immer ein lebendiger Ort, der sich mit der Stadt, ihren Menschen und ihren Gästen weiterentwickelt hat.
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