Food & Beverage

Hotel Inside Essay: Warum die Hotellerie Zigarrenraucher endlich ernst nehmen sollte

Ich rauche gerne ab und zu eine Zigarre. Keine Zigaretten, kein hektischer Konsum – sondern eine Havanna, vielleicht eine Montecristo oder eine Davidoff. Eine Zigarre ist für mich kein Laster, sondern ein Ritual. Ein bewusst gewählter Moment der Ruhe. Und genau deshalb irritiert es mich zunehmend, wie schwer es in der DACH-Region – insbesondere in Österreich – geworden ist, diesen Genuss in würdiger Atmosphäre zu pflegen. Nicht, weil es rechtlich unmöglich wäre. Sondern weil es am Mut der Hoteliers fehlt.

Zigarre aus Kuba.

Rechtslage in Deutschland, Österreich und der Schweiz: Der Spielraum ist da

In Deutschland regeln die sogenannten «Landesnichtraucherschutz-Gesetze» den Umgang mit Rauchverboten. Grundsätzlich gilt ein Rauchverbot in der Gastronomie. Gleichzeitig erlauben nahezu alle Bundesländer baulich getrennte Raucherräume. Diese müssen klar gekennzeichnet sein, dürfen keine Durchgangsräume darstellen und benötigen eine eigene Lüftung. Mitarbeitende dürfen nicht verpflichtet werden, dauerhaft dort zu arbeiten. Das Gesetz schafft also einen klar definierten, praktikablen Rahmen.

In der Schweiz ist die Rechtslage noch eindeutiger. Das «Bundesgesetz zum Schutz vor Passivrauchen» erlaubt ausdrücklich bediente Fumoirs, sofern diese baulich getrennt und technisch belüftet sind. Zahlreiche Fünfsternehotels nutzen diesen Spielraum und führen stilvolle Cigar Lounges als selbstverständlichen Bestandteil ihres Angebots.

In Österreich gilt seit 2019 ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie. Doch auch hier sind in Hotels separate, baulich geschlossene Raucherräume rechtlich möglich. Das Gesetz verbietet nicht das Fumoir – es verlangt lediglich klare bauliche Trennung. Und dennoch existiert zum Beispiel in Wien faktisch keine nennenswerte Cigar-Lounge-Kultur im Luxushotelsegment mehr. Das Problem ist also nicht juristischer Natur. Es ist eine Frage der Haltung.

Zigarrenfachfrau im Fumoir eines Luxushotels.

Zigarrenraucher: Eine unterschätzte Premium-Zielgruppe

Der europäische Premium-Zigarrenmarkt bewegt sich im Milliardenbereich. Premiumzigarren – also handgerollte Produkte aus Kuba oder der Dominikanischen Republik – kosten im Schnitt zwischen 20 und 80 Euro pro Stück, Spitzenformate auch deutlich mehr. Wer solche Produkte konsumiert, gehört statistisch überdurchschnittlich häufig zu einkommensstarken Bevölkerungsgruppen.

Branchenerhebungen und Studien internationaler Premiumanbieter (z.B. Davidoff) zeigen: Zigarrenkonsumenten sind überdurchschnittlich oft Unternehmer, Top-Manager, leitende Angestellte oder Selbständige. Sie reisen viel, buchen hochwertige Hotels, konsumieren Premiumweine, Fine Dining und Luxusprodukte. Sie sind in der Regel nicht preissensibel – sondern qualitätsorientiert.

Über 95 Prozent der Zigarrenraucher rauchen keine Zigaretten. Die Zigarre ist kein Alltagskonsumprodukt, sondern ein bewusst gewähltes Genussmittel. Sie wird nicht inhaliert, sondern degustiert. Sie ist sozialer Anlass, Gesprächsbegleiter, Ritual. Ja, sie ist gesundheitlich nicht förderlich – doch sie ist kulturell und konsumtiv in keiner Weise mit dem täglichen Zigarettenkonsum gleichzusetzen.

Edle Smokers Lounge im Park Hyatt Wien (heute wird hier ein Coiffeursalon betrieben).

Eine Wiener Szene – und ein betriebswirtschaftliches Armutszeugnis

Ein Gast – selbst Unternehmer und passionierter Zigarrenraucher – wohnte kürzlich in einem renommierten Wiener Luxushotel im 1. Bezirk. Suiten-Preis: knapp 1000 Euro pro Nacht. Zwei Nächte Aufenthalt: rund 2’000 Euro Logisumsatz.

Am Abend investierte er mit Begleitung fast 800 Euro in ein Dinner im hauseigenen Restaurant. Dazu eine Flasche Bordeaux für 465 Euro. Gesamtumsatz an diesem einen Abend: deutlich über 1’200 Euro.

Nach dem Dessert fragte er den Restaurantleiter höflich, wo er nun in angenehmer Atmosphäre eine Cohiba – Stückpreis 85 Euro – geniessen könne. Die Antwort: «Tut mir leid, das müssen Sie draussen auf der Terrasse tun. Wir dürfen hier leider keine rauchenden Gäste bedienen.»

Draussen bei Regen und Kälte…

Draussen minus fünf Grad. Schneefall. Wind. Wer raucht bei solchen Bedingungen eine 85-Euro-Zigarre eine Stunde lang? Wer friert sich dabei die Hände ab und spricht dabei von Genuss und Luxus?

Rechnen wir nüchtern: Dieser Gast generierte bei zwei Nächten Aufenthalt inklusive Dinner rund 3’200 Euro Umsatz. Kommt er drei- bis viermal im Jahr, sprechen wir von 10’000 bis 12’000 Euro Jahresumsatz – von einem einzigen Gast. Eine kleine, hochwertig ausgestattete Smokers Lounge kostet das Hotel – je nach Grösse und Lüftungstechnik – vielleicht 80’000 bis 150’000 Euro. Verliert man zehn solcher Gäste pro Jahr, ist die Investition rein rechnerisch bereits amortisiert.

Und das ist nur die direkte Rechnung. Nicht eingerechnet sind Empfehlungen, Geschäftsessen, Stammkundeneffekte, Online-Bewertungen und Image. Der erwähnte Gast wird dieses Hotel nicht mehr buchen. Und er wird darüber sprechen.

Neue Smokers Lounge im Basler Luxushotel «Les Trois Rois”, entworfen von den Stararchitekten Herzog & de Meuron.

Ein Appell an Wiens Luxushotels – und an die DACH-Region

Sehr geehrte Hoteliers in Wien: Es geht nicht um Ideologie. Es geht um unternehmerische Weitsicht. Das Gesetz erlaubt Ihnen separate, klar definierte Raucherräume. Niemand verlangt Rauchen im Restaurant oder in den Zimmern. Niemand verlangt eine Rückkehr in die 1990er-Jahre. Aber Luxus bedeutet Differenzierung.

Wer sich im Premiumsegment positioniert, muss Premiumbedürfnisse ernst nehmen. Wer Suiten für 1’000 Euro verkauft, darf seine Gäste nicht bei minus fünf Grad auf die Terrasse oder vor die Tür schicken.

Und auch an die übrigen Häuser in Deutschland und der Schweiz, die das Thema aus Bequemlichkeit meiden: Sie verzichten freiwillig auf ein kaufkräftiges, genussorientiertes Segment. Sie verlieren Gäste nicht wegen des Gesetzes – sondern wegen fehlender Kreativität.

Edle, handgerollte Zigarren aus Kuba.

Genuss ist kein Verbrechen. Die Zigarre ist kein Massenprodukt. Sie ist Ausdruck von Kultur, Ritual und Gespräch. Wer Luxus verspricht, muss auch Raum für diesen Genuss schaffen – im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten, mit Respekt gegenüber Nichtrauchern und Mitarbeitenden, aber ohne ängstliche Selbstbeschränkung.

Die Alternative ist klar: Man lässt seine besten Gäste im Regen stehen – und wundert sich später über sinkende Loyalität.

Cigar Lounge aus Kuba (The Alpina Gstaad).

Fumoirs & Cigar Lounges: Wo Zigarrenkultur in der DACH-Hotellerie gelebt wird

In einer Zeit, in der viele Hotels das Thema Zigarrengenuss meiden, setzen einige Häuser in der Schweiz, in Deutschland und vereinzelt auch in Österreich ein klares Zeichen: Sie schaffen stilvolle, technisch einwandfreie Räume für kultivierten Genuss. Diese Hotels zeigen, dass Cigar Lounges Bestandteil moderner Premium-Hospitality sind.

Einige Beispiele in der Schweiz

Grand Resort Bad Ragaz – Elegantes Fumoir mit hochwertigem Humidor.

Victoria-Jungfrau Grand Hotel & Spa, Interlaken – Klassische Cigar Lounge von Davidoff.

The Chedi Andermatt – Luxuriöse Smokers Lounge mit internationaler Auswahl.

Hotel Schweizerhof Bern & Spa – Stilvolle Cigar Lounge mit Pairings.

Grand Hotel Les Trois Rois, Basel – Traditionshaus mit diskreter Lounge-Atmosphäre (von Herzog & de Meuron gestaltet).

Lenkerhof Gourmet Spa Resort – Alpine Cigar Lounge im Resort-Kontext.

Grand Hotel Kronenhof Pontresina – stilvolle, zum Haus passende Cigar Lounge.

Badrutt’s Palace Hotel St. Moritz – Die “alte» Bar gilt als Smokers Lounge.

Gstaad Palace Hotel – schöne Cigar Lounge mit Sicht auf das Dorf und in die Hotelhalle.

The Alpina Hotel Gstaad – Original-Cigar Lounge aus Kuba.

Bürgenstock Resort – Smokers Lounge mit traumhafter Sicht auf See und Berge.

Beispiele in Deutschland

Hotel Adlon Kempinski Berlin – Renommierte Cigar Lounge mit exklusiver Auswahl.

Kempinski Vier Jahreszeiten München – Hochwertiges Fumoir in Kooperation mit Zechbauer.

Der Öschberghof, Schwarzwald – Modernes, architektonisch gelungenes Design-Fumoir.

Hotel Conrad Hamburg – Integration hochwertiger Zigarren im Bar-Konzept.

Hotel Atlantic Hamburg – Traditionshaus mit Zigarrenkompetenz (Stammgast Udo Lindenberg).

Bellevue Rheinhotel Boppard – Klassisches «Le Fumoir».

Hotel Europäischer Hof, Heidelberg – kleines, aber gemütliches Fumoir.

Beispiele in Österreich

Schlosshotel Fiss – SHF Cigar Lounge mit alpinem Ambiente.

Burg Vital Resort, Lech – Exklusive Lounge mit kubanischer Note.

Natur- und Wellnesshotel Höflehner – Cigar Lounge mit Kaminatmosphäre.

Sporthotel Ideal Obergurgl – Separate Smoking- und Cigar Lounge.

Diese Hotels beweisen: Mit klarer Architektur, leistungsfähiger Lüftung und professionellem Service lassen sich stilvolle Genussräume schaffen, die kaufkräftige Gäste binden und das Premiumprofil stärken.

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