Mitarbeitende sind in Hotellerie und Gastronomie begehrter denn je. Umso entscheidender ist die Frage, was Menschen an einen Betrieb bindet – oder sie vertreibt. Für Coach Bernhard Patter liegt ein zentraler Hebel im persönlichen Führungsstil: Wer Vertrauen, Respekt, Beteiligung und echte Entwicklung ermöglicht, schafft nicht nur eine bessere Unternehmenskultur, sondern auch jenen Team-Spirit, der Betriebe gerade in hektischen Zeiten stärker und widerstandsfähiger macht.
Es war 1988, als mein damaliger Küchenchef mir mit erhobener Pfanne und wurfbereitem Messer in der Küche gegenüberstand. Was heisst gegenüber – er war noch vier Meter entfernt und brüllte mich an. Damals galt: Wer schnell genug in Deckung ging, war in Sicherheit.
Ich übertreibe nicht. Gott sei Dank hat dieser diktatorische, autokratische Führungsstil in Hotellerie und Gastronomie heute nahezu ausgedient. Dass wir in einem solchen Umfeld nicht mehr von einer echten Unternehmens-Kultur sprechen können, versteht sich von selbst. Und dass sich daraus kein positiver Team-Spirit entwickelt, ebenso.
Schauen wir uns deshalb die Wechselwirkung zwischen Führungsstil und Team-Spirit genauer an. Denn meines Erachtens geht in vielen Betrieben noch deutlich mehr – und angesichts der aktuellen Mitarbeiter-Misere wäre das wichtiger denn je. Unsere Mitarbeitenden sind so begehrt wie nie zuvor. Die entscheidende Frage lautet deshalb: Was können wir tun, um sie zu halten und mit Lust und Laune an unseren Betrieb zu binden?

Kooperation statt Kommando
Wenn wir zuerst auf die Führungsstile schauen, kommen wir bei positiver Führungsarbeit am kooperativen und demokratischen Führungsstil kaum vorbei. Beide stellen die Zusammenarbeit mit den Menschen – also den Mitarbeitenden – in den Mittelpunkt.
Mitarbeitende werden in Entscheidungen einbezogen. Sie werden nicht nur gefordert, sondern auch gefördert. Ihre Ideen werden wahrgenommen, qualifiziert bearbeitet und ausdrücklich gewünscht. In einem solchen Führungsumfeld entstehen Vertrauen, Respekt und vor allem ein echtes Zugehörigkeitsgefühl.
Und das Wichtigste: Mitarbeitende, Teams und Organisationen entwickeln sich. Echte Entwicklung findet statt. Im besten Fall – und das ist durchaus schaffbar – identifizieren sich Mitarbeitende mit dem gesamten Unternehmen. Spass, Freude und wertschätzende Teamarbeit prägen dann das Miteinander.
Klare Ansagen sind kein Widerspruch
Ist dieses Klima im Betrieb einmal erreicht, können durchaus auch andere Elemente von Führungsstilen zum Einsatz kommen, ohne dass dies gleich Nachteile mit sich bringt. Eine klare Ansage des Vorgesetzten wird dann akzeptiert. Selbst eine punktuell autoritäre Führungsaktion muss das Teamgefühl nicht ins Wanken bringen.
Entscheidend ist allerdings, dass ein solches Vorgehen für die Mitarbeitenden transparent und nachvollziehbar erklärt wird. Denn wer grundsätzlich auf Vertrauen und Beteiligung setzt, kann in Situationen, die schnelle oder eindeutige Entscheidungen verlangen, auch einmal klar führen – ohne damit die gewachsene Kultur zu beschädigen.
Aus Führungsstil wird Unternehmenskultur
Wenn Sie diese Führungskultur in Ihrem Unternehmen verankern und vor allem selbst vorleben, braucht es gar nicht so viel mehr, um eine gute, gelebte Unternehmenskultur zu schaffen. Ergänzen lässt sich diese Basis beispielsweise durch eine moderne Unternehmensphilosophie – gewissermassen die DNA des Betriebs – sowie durch zeitgemässe Spiel- oder Hausregeln, die gemeinsam mit den Mitarbeitenden entwickelt oder zumindest mit ihnen modernisiert wurden.
In Unternehmen, in denen eine solche Kultur definiert und tatsächlich umgesetzt wird, erleben Sie geringere Krankheitsstände und eine geringere Fluktuation. Gleichzeitig steigt die Identifikation der Mitarbeitenden mit dem Unternehmen und mit dessen – womöglich sogar gemeinsam definierten – Unternehmenszielen. Ein höherer Output beziehungsweise eine grössere Produktivität ist garantiert.
Team-Spirit: schwer messbar, aber im Alltag spürbar
Was sich oft weniger leicht greifen lässt, ist der Team-Spirit: dieser Geist, der durch einen Betrieb „weht“, von den bestehenden Mitarbeitenden ausgeht und neue Kolleginnen und Kollegen schnell erfasst.
Ein solcher Spirit lässt Schwierigkeiten, die im oft hektischen Alltag eines Betriebs entstehen, kleiner erscheinen. Krisen werden leichter durchschritten. Mitarbeiterausfälle durch Krankheit oder Urlaub lassen sich wesentlich souveräner kompensieren. Das Miteinander und das Aufeinanderzugehen zwischen Mitarbeitenden und Führungskräften beziehungsweise der Unternehmensleitung – und umgekehrt – werden gefördert. So entsteht ein abteilungs- und hierarchieübergreifendes Miteinander. Und genau dann haben Sie jenen Team-Spirit, mit dem sich Aussergewöhnliches schaffen lässt.
Am Anfang steht Ihr persönlicher Führungsstil
Was ist einer der Ausgangspunkte für diese Entwicklung? Ganz klar: Ihr persönlicher Führungsstil. Und Ihr persönliches Wertesystem, mit dem Sie Menschen führen möchten. Wie heisst es so schön: „Wie man in den Wald hineinruft, schallt es zurück!“
Wer ist Bernhard Patter?
Bernhard Patter gehört zu jenen Hospitality-Persönlichkeiten, deren beruflicher Weg nahezu alle zentralen Bereiche der Branche berührt. Seine Laufbahn führte ihn vom klassischen Hotelbetrieb über Touristik, Einkauf, Controlling und Vertrieb bis in leitende Managementfunktionen und schliesslich in die unternehmerische Verantwortung. Heute ist er geschäftsführender Gesellschafter von diavendo. Die Grundlage für diesen vielseitigen Werdegang legte er an den Tourismus-Schulen in Bad Gleichenberg in Österreich, wo er das Studium zum Touristikkaufmann absolvierte. Damit verband er früh eine fundierte touristische Ausbildung mit einer klaren Ausrichtung auf die Praxis.
Seine ersten prägenden Berufserfahrungen sammelte Patter im Crest Hotel Frankfurt. Dort lernte er den Hotelbetrieb aus unterschiedlichen Perspektiven kennen: Er arbeitete als Empfangssekretär, war im Night Audit tätig, übernahm Aufgaben als Night Manager und absolvierte zudem ein F&B-Traineeprogramm. Diese Station vermittelte ihm ein breites Verständnis für die operativen Abläufe eines Hotels.
Im Anschluss wechselte Patter in die Touristik. Bei RDT Touristik in Hattersheim übernahm er Aufgaben im Bereich Purchasing & Cost Controlling. Damit verlagerte sich sein Tätigkeitsfeld von der operativen Leistungserbringung im Hotel hin zu Einkauf, Wirtschaftlichkeit und Kostensteuerung. Bei KTT Touristik in Langen folgte der nächste Karriereschritt: Als Sales Manager konzentrierte er sich auf Vertrieb, Marktbearbeitung und Kundenbeziehungen. Aus dem operativen Hotelpraktiker entwickelte sich zunehmend ein Vertriebs- und Managementexperte mit einem umfassenden Blick auf die touristische Wertschöpfungskette.
Eine weitere bedeutende Etappe war seine Tätigkeit bei der Scandic Hotels Deutschland GmbH in Koblenz. Als Gebietsverkaufsleiter verantwortete Bernhard Patter die Märkte Hessen und Baden-Württemberg. Bei Pullman/Sofitel Hotels in Eschborn weitete sich sein Verantwortungsbereich nochmals deutlich aus. Als Verkaufsleiter Touristik für Deutschland, Österreich und die Schweiz war er für den touristischen Vertrieb im gesamten deutschsprachigen Raum zuständig.
Den nächsten Abschnitt seiner Karriere prägte das IFH®-Institut für Hotelmanagement GmbH. Dort übernahm Bernhard Patter als Prokurist eine verantwortungsvolle Managementfunktion. Die Position erweiterte sein Tätigkeitsfeld um Unternehmenssteuerung, Organisation und die Begleitung von Entwicklungsprozessen in der Hotellerie. Parallel dazu absolvierte er bei TACK Training International in London eine professionelle Trainerausbildung. Dieser Schritt war für seine weitere Laufbahn von besonderer Bedeutung: Patter ergänzte seine fachlichen und kaufmännischen Erfahrungen um methodische Kompetenzen in Training, Kommunikation und Personalentwicklung. Damit konnte er sein Wissen nicht nur anwenden, sondern auch strukturiert vermitteln und Führungskräfte sowie Mitarbeitende in Veränderungs- und Entwicklungsprozessen begleiten.
Sein Weg in die unternehmerische Verantwortung setzte sich bei der IFH®-Marketing Support GmbH fort, wo er geschäftsführender Gesellschafter wurde. Aus dem angestellten Manager wurde damit ein Unternehmer, der Marktchancen, Kundenbedürfnisse und wirtschaftliche Risiken selbst beurteilen und verantworten musste. Bei der IFH® Aktiengesellschaft übernahm er anschliessend als Vorstand und Mitinhaber eine noch umfassendere Rolle.
Heute bündelt Bernhard Patter seine langjährige Erfahrung als geschäftsführender Gesellschafter von diavendo. Seine Biografie zeigt eine konsequente Entwicklung: vom praktischen Einstieg im Hotel über spezialisierte Aufgaben in Einkauf, Controlling und Vertrieb bis hin zu Führungs-, Trainings- und Unternehmerfunktionen. Patter kennt die Hotellerie sowohl aus Sicht des operativen Betriebs als auch aus der Perspektive von Verkauf, Wirtschaftlichkeit, Management und Unternehmensentwicklung.
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