Das Beste aus der DACH-Region: Tim Moitzi hat früher für Althoff Hotels in Deutschland gearbeitet und ist seit 2019 Managing Director des Campus Hotels Hertenstein am Vierwaldstätter See in der Zentralschweiz. Dahinter steckt die Stiftung des österreichischen Unternehmers Peter Pühringer. Dem Investor, der u.a. auch das Parkhotel Vitznau und das Palais Coburg in Wien besitzt, geht es um hohe Werte und Kultur. Hotel Inside-Publizist Rolf Westermann über die Hintergründe des Campus am See.
Das Campus Hotel Hertenstein gehört zu einem kleinen Hospitality-Dorf in Weggis am Vierwaldstättersee. Direkt daneben hat sich die Cereneo-Klinik für Neurologie und Rehabilitation niedergelassen. Außerdem gibt es Apartments, Mitarbeiterwohnungen, eine Tiefgarage für 130 Autos sowie Restaurants. Die 13 Gebäude stehen auf einem 33.000 Quadratmeter großen Grundstück mit verschlungenen Wegen direkt am Wasser mit Blick auf den Hausberg Rigi, den Pilatus und den Bürgenstock.

Vier Hotels – vier essenzielle Werte
Tim Moitzi leitet das Hotel mit 62 Zimmern seit 2019. Moitzi ist auch Mitglied der Geschäftsleitung der Dachgesellschaft Hospitality Visions Lake Lucerne AG (HVLL). Sie betreibt insgesamt drei Hotels, darunter auch das renommierte Park Hotel Vitznau, das von 2009 bis 2013 für rund 220 Mio. CHF (rund 236 Mio. Euro) saniert wurde, und das Palais Coburg Residenz in Wien, ein prächtiger Palast aus dem Jahr 1844.
Das Besondere an der Konstruktion: Die HVLL gehört zur Pühringer Foundation Group des österreichischen Investors Peter Pühringer und seiner Frau Karla. Die Stiftung setzt sich seit mehr als 25 Jahren für Forschung, Aus- und Weiterbildung in den Kernbereichen Gesundheit und Wohlstand, Entrepreneurship und Hospitality ein. Da Pühringer Probleme des Stiftungsrechts in Österreich befürchtete, suchte er stabile Bedingungen für seine Aktivitäten in der Schweiz.

Interview mit Hotelmanager Tim Moitzi
Tim Moitzi, wie funktioniert die Zusammenarbeit der Hotelgesellschaft mit der Pühringer-Stiftung?
Wir sind sehr froh darüber, zur Pühringer Foundation Group zu gehören. Sie ist auf drei Säulen aufgebaut: Health, Wealth und Datenmanagement. Wir sind die Drehscheibe, die diese Stiftungsthemen widerspiegelt.
Wie sieht das genau aus?
Wir bieten als Campus-Hotel Hertenstein eine Plattform für Seminare und Weiterbildung, sind aber auch offen für Leisure-Gäste. Dabei sind wir eng verzahnt mit der Cereneo Klinik für Neurologie und Rehabilitation, die auch zur Stiftung gehört und unter anderem Schlaganfallpatienten betreut. Wir bereiten die Speisen für die in der Hauptküche zu 80 Prozent vor, diese werden dann in der Klinikküche im 4. Obergeschoss fertiggestellt. Angehörige der Patienten wohnen bei uns im Hotel oder in Longstay-Apartments. So entsteht eine interdisziplinäre Zusammenarbeit.
Wer am Ufer entlang läuft, bekommt einen Eindruck von der Verzahnung: Dort liegen Badegäste auf der Wiese am Strand, dahinter werden in einem Klinikteil im Erdgeschoss Patienten betreut und darüber finden im 1. Stock Seminare statt.
Finanzieren die Hotels die Stiftung?
Wir führen einen Anteil des Umsatzes als Miete und Pacht an die Immobilieneigentümer ab und leisten so unseren Beitrag. Aber es sind auch andere Erträge vorhanden. Der Stiftung ist es wichtig, dass wir Sorge tragen für unser Produkt und es auf dem neuesten Stand halten. Deshalb investieren wir auch regelmäßig und haben erst im Jahr 2025 das Haus mit einem Aufwand von rund 3,5 Mio. Euro verbessert und dabei alle Zimmer renoviert.

Sie haben als Managing Director viele Stationen in Privathotels gehabt. Was ist der Unterschied, für eine Stiftung zu arbeiten?
Bei uns steckt ein potenter Investor dahinter. Wir haben Spielraum, Dinge auszuprobieren. Und es arbeitet sich besser mit Tochterfirmen statt mit externen Anbietern.
Die Dachgesellschaft Hospitality Vision Lake Lucerne AG hat ein dezidiertes Leitbild für die Themenfelder Innovation, Kommunikation, Leidenschaft und Wertschätzung erarbeitet. Was steckt dahinter?
Wir haben uns nach dem ersten Lockdown im Jahr 2020 eingesperrt in einem Zürcher Hotel und zunächst 22 Werte gesammelt. Mit Hilfe einer Mentorin haben wir daraus vier entscheidende Werte herausdestilliert: Innovation, Kommunikation, Leidenschaft, Wertschätzung. Das hilft uns sehr bei der Akquise von Mitarbeitenden, wir können alle Positionen besetzen.

Wie beschreiben Sie die einzelnen Felder?
Mit unseren Werten unterschieden wir uns von anderen Unternehmen, das macht uns als Arbeitgeber attraktiv.
Innovation bedeutet, über den Tellerrand hinauszuschauen, die Mitarbeitenden aktiv einzubinden und ihren Ideen Raum zu geben. Wenn man etwas Neues einführt, gelingt es nicht immer sofort. Wenn es gleich funktionieren würde, wäre es vielleicht gar nicht neu. Jedenfalls brauchen wir dazu eine positive Herangehensweise und ein gewisses Durchhaltevermögen.
Die Kommunikation mit den Gästen ist professionell geregelt. Bei der internen Kommunikation ist es uns wichtig, auch in schwierigen Zeiten ehrlich und offen zu kommunizieren. Außerdem haben wir die Du-Kultur eingeführt bis zum CEO. Das erleichtert die Ansprache und senkt die Hemmschwellen.
Leidenschaft: Es gibt keine schönere Branche als unser People-Business. Für das leben wir und wir bekommen täglich unser Feedback. Dazu braucht es Leidenschaft.
Wertschätzung: Die Branche ist noch oft sehr hierarchisch aufgestellt. Wer am lautesten schreit, hat Recht. Bei uns läuft es so, dass wir bei einem Bewerber oder einer Bewerberin schon beim ersten Kontakt unsere Werte schicken und im Vorstellungsgespräch das Du anbieten. Bei der Einstellung erhält der Mitarbeitende ein goldenes Couvert mit einer Tageskarte für die Schifffahrt auf dem Lake Lucerne. Wir haben die beste Kantine für unsere Beschäftigten, bieten großartige Uniformen, Personalzimmer und Equipment. Dafür erwarten wir im Gegenzug aber auch, dass sich die Mitarbeitenden einbringen und positiv an ihre Aufgaben herangehen.
Wo sehen Sie die Hotellerie beim modernen Personalmarketing?
Beim Employer Branding ist unsere Branche noch im Rückstand. Insgesamt steht die Branche an einem Scheideweg. Einerseits gibt es die Systemgastronomie, wo jeder genau weiß, was er machen soll und alles messbar ist. Bei der klassischen Hotellerie stehen wir noch am Anfang, weil wir die Branche mit Wertschätzung aufwerten müssen. Das bedeutet nicht 4-Tage-Woche, sondern unter anderem Sicherheit in der Dienst- und Ferienplanung. Vor allem müssen wir unseren Mitarbeitenden genau zuhören und mit ihnen einen Karriereplan erarbeiten.

Große Historie erzählt schöne Geschichten
Das Gelände in Hertenstein ist hügelig, ein mächtiger Felsen ragt hinauf, dort wo einst im 14. Jahrhundert die Burg der Ritter von Hertenstein stand. Nach dem Besuch der englischen Königin 1868 wurde das Gesteinsmassiv Victoria-Felsen genannt, da sie dort Aquarelle von dem gegenüberliegenden Bürgenstock gemalt hat. Die künstlerisch begabte Monarchin war rund einen Monat in der Schweiz und fertigte 59 Skizzen und Bilder an, die in der Royal Collection in London erhalten sind. Viele Prominente fanden Gefallen an der Halbinsel zwischen Wasser und Bergen.
Bayernkönig Ludwig II. wollte in Hertenstein ein Prunkschloss mit Lustgarten bauen. Als der damalige Besitzer einige uralte Bäume fällen ließ, nahm der König aus Protest Abstand von seinem Projekt.
1921 zog Kaiser Karl I., der letzte Herrscher von Österreich mit seinem Hofstaat von 100 Personen auf der Halbinsel vorübergehend ins Exil.
Der russische Meisterpianist und Komponist Sergej Rachmaninow fand 1931 in seiner Hertensteiner Villa Ruhe und Stille. Und im Sommer 1897 besuchte der amerikanische Schriftsteller Mark Twain Weggis und schrieb: „Das ist der lieblichste Flecken Erde, auf dem ich je geruht habe.“

Tim Moitzi, ist die Historie eher eine Bürde oder ein Vorteil?
Das sind schöne Geschichten, mit denen wir werben können. Mark Twain hat auch berichtet, wie er die Rigi bestiegen hat. Das kommt bei den US-Touristen sehr gut an. Die Leute verbinden Hertenstein mit etwas Gastlichem, auch für die normale Bevölkerung. Denn das frühere Hotel Hertenstein hatte die erste Schwimmhalle im Kanton Luzern. Das ist keineswegs eine Bürde.
Schwierige Verhandlungen für den Neubau
Das Campus-Hotel Hertenstein wurde 2013 nach langen Diskussionen als Neubau auf der Grundlage des Vorgängerhotels eröffnet. Zuvor waren sieben Architektenentwürfe gescheitert, die ein kleines Manhattan ans Wasser stellen wollten. „Mutlosigkeit, Ratlosigkeit und Zorn auf beiden Seiten prägten das Verhältnis zwischen Bauherrn und Gemeinde“, heißt es in einer Dokumentationsschrift dazu. In dieser Eiszeit kaufte die Stiftung das Park Hotel Vitznau und wollte die 2008 erworbene Halbinsel Hertenstein sogar wieder veräußern. Doch ein avisierter Käufer konnte die Summe nicht belegen, damit war der Verkauf gescheitert. Darüber sind heutzutage alle Beteiligten froh.
Das Hotel wird in seiner attraktiven Alleinlage gern auch als Event-Location genutzt. Die Veranstaltungsräume fassen bis zu 170 Personen. Die Gastronomie Il Ristorante bietet eine kulinarische Reise durch Italien, das Café Vienna ist ein Selbstbedienungsrestaurant vor allem für Kaffee und Kuchen.
Sachlich, praktisch und modern
Die Einrichtung des Campus-Hotels Hertenstein ist sachlich, praktisch und modern gehalten. Helles Holz, gerade Linien, hoher Schlafkomfort. Der spektakuläre Seeblick steht im Vordergrund. Nun soll im Restaurant etwas mehr Gemütlichkeit einziehen.
Tim Moitzi: „Im März wird das überarbeitete Restaurant wiedereröffnet, mit neuem Beleuchtungskonzept, schönen cozy Ecken und Raumteilern. Dafür investieren wir rund 300.000 Franken. Weitere 200.000 Franken fließen in die Aufwertung der Seminarräume.“
Wie geht es im benachbarten Hotel „Das Morgen“ weiter?
Tim Moitzi: Hier gibt es eine Konzeptanpassung, das Hotel wird künftig zur Cereneo Klinik gehören. Genaueres teilen wir im weiteren Verlauf des Jahres mit.
Die Hotellerie ist am See groß vertreten. Auf der sieben Kilometer langen Strecke von Hertenstein nach Vitznau sind Dutzende Hotels in unterschiedlichen Kategorien zu finden. Hinzu kommen die bekannten 5-Sterne Superior-Häuser, von Bürgenstock über Mandarin Oriental Luzern bis zum Parkhotel Vitznau. Wie kann das Campus-Hotel Hertenstein in diesem Wettbewerb bestehen?
Wir haben 33.000 Quadratmeter private Fläche auf der Halbinsel. Mit Hilfe der Stiftung können wir das Produkt up-to-date halten. Mit den Bereichen Seminar, Klinik und Hotel haben wir drei stabile Standbeine.
Die Halbinsel soll durch nachhaltigen Tourismus aufgewertet werden. Wie nachhaltig ist das Hotel?
Den Großteil unserer Energie beziehen wir aus zwei Seewasserpumpen in 80 Metern Tiefe und aus Photovoltaik. Nun lassen wir unser Hotel nach den strengen Regeln von Green Globe zertifizieren.

Wer ist Tim Moitzi?
Tim Moitzi (40) hat eine eindrucksvolle Karriere in der DACH-Region durchlaufen. Geboren wurde er in dem kleinen Örtchen Mürzzuschlag in der Steiermark. Sein erstes Praktikum absolvierte er schon mit 14 Jahren im Gourmetrestaurant Gasthof Holzer in Neuberg an der Mürtz (Steiermark) und brachte es bis zum Commis de rang im Parkhotel Schönbrunn in der österreichischen Hauptstadt, dem einstigen Gästehaus von Kaiser Franz Joseph (2002-2003).
Dann wechselte er 2005 in die Schweiz und arbeitete als im 5-Sterne-Ferienhotel Castello del Sole in Ascona direkt am Lago Maggiore. 2006 kam er als F&B Assistent ins Schloss Bensberg der Althoff Collection und wurde 2009 im Ameron Hotel Flora in Luzern F&B-Manager.
Bei den Cresta Hotels in Davos übernahm er 2012 die Position des Executive Managers, bevor er 2015 wieder nach Luzern zurückkehrte und General Manager im damals frisch renovierten Hotel Chateau Gütsch wurde, einem Wahrzeichen von Luzern. Seit 2020 arbeitet er im Campus Hotel Hertenstein, zunächst als Resident Manager und seit September 2023 als Managing Director und Mitglied der Geschäftsleitung der Hospitality Vision Lake Lucerne AG. Moitzi ist verheiratet und hat zwei Kinder. Sein Leitspruch lautet: Der einzig einfache Tag war gestern. Dienstleistung braucht Leidenschaft und Engagement.

Hospitality Vision Lake Lucerne AG
Die Hospitality Visions Lake Lucerne AG betreibt zwei Hotels am Vierwaldstättersee: Das Park Hotel Vitznau (5 Sterne superior) und das Campus Hotel Hertenstein (4 Sterne) in Weggis. Hinzu kommt die Palais Coburg Residenz im Herzen von Wien, ein prächtiger Palast aus dem Jahr 1844, der 2003 in ein Hotel umgebaut wurde. CEO der Dachgesellschaft ist Urs Langenegger, der frühere GM des 5-Sterne-Hotels Park Hotel Vitznau. Mit in der Geschäftsführung ist auch Tim Moitzi.

Campus Hotel Hertenstein
Das Campus Hotel Hertenstein (vier Sterne) wurde 2013 nach langer Diskussion auf Grundlager seines Vorgängerhotels fertiggestellt und liegt malerisch auf einer Halbinsel im Vierwaldstättersee, die der amerikanische Schriftsteller Mark Twain einmal als „schönsten Flecken der Erde“ bezeichnet hat. Nach einer Renovierung mit einem Aufwand von 3,5 Mio. Schweizer Franken wurde das Hotel im April 2025 wiedereröffnet. Das Areal umfasst rund 30.000 Quadratmeter und es gibt 62 Zimmer mit spektakulärer Aussicht. Das Hotel wird in seiner attraktiven Alleinlage gern auch als Event-Location genutzt. Die Veranstaltungsräume fassen bis zu 170 Personen. Die Gastronomie Il Ristorante bietet eine kulinarische Reise durch Italien, das Café Vienna ist ein Selbstbedienungsrestaurant vor allem für Kaffee und Kuchen.
www.campus-hotel-hertenstein.ch

Zahlen & Fakten
- Logisumsatz: 5 Mio. CHF
Auslastung: 70 Prozent, davon etwa die Hälfte OTA Buchunge - Aufenthaltsdauer: 2,7 Tage im Durchschnitt
- Gästestruktur: Werktags Seminargäste (ca. 40 Prozent), Wochenende Freizeitgäste (ca. 40 Prozent, Hochzeiten und andere Events), Longstay (ca. 10 Prozent)
- Ca. 250 Mitarbeitende, davon 120 Saisonkräfte


Pühringer Foundation Group
Die Pühringer Foundation wurde vom österreichischen Investor Peter Pühringer und seiner Frau Karla gegründet. Das Ehepaar setzt sich mehr als 25 Jahren für Forschung, Aus- und Weiterbildung in den Kernbereichen Health & Wealth, Entrepreneurship und Hospitality ein.
Die Pühringer Foundation Group (PFG) umfasst die Stiftungen und deren Tochterunternehmungen. Dabei wird der Stifterwille im Namen der Familie Pühringer umgesetzt, dies sowohl philanthropisch (vor allem durch Förderung von Forschung) sowie unternehmerisch, nach dem Leibniz-Motto «theoria cum praxi» (Theorie mit praktischen Anwendungen verknüpfen). Ziel ist es, Lebensqualität mit Wohlbefinden (Neuro-Health) und Wohlergehen (Neuro-Wealth) zu ermöglichen. Die Pühringer Unternehmensgruppe ist auf vier Feldern tätig: Hospitality, Health, Real Estate und Health.