Technologie & Infrastruktur

Green Sleeping Award 2026 für Hof Weissbad: Nachhaltigkeit beginnt im Bett

Das Resort Hof Weissbad im Appenzell erhält als erstes Schweizer Hotel den «Green Sleeping Award 2026». Ausgezeichnet wird damit nicht nur ein komfortables Bett, sondern ein Ansatz, der mitten ins Kerngeschäft der Hotellerie führt: Matratzen werden gewaschen, länger genutzt und am Ende ihres Lebenszyklus in einen Materialkreislauf zurückgeführt. Hotel Inside hat das System bereits 2025 vor Ort beleuchtet. Der aktuelle Award ist deshalb ein guter Anlass für eine grössere Frage: Wird Nachhaltigkeit in der Hotellerie endlich dort konkret, wo eingekauft, betrieben, gewaschen, ersetzt und entsorgt wird?

Resort Hof Weissbad im Appenzell.

Der Green Sleeping Award 2026 powered by Swissfeel geht erstmals in die Schweiz. Das Resort Hof Weissbad aus Appenzell Innerrhoden wurde im Rahmen der Abendgala eines Branchenevents der HSMA Deutschland ausgezeichnet. Der mit 2’000 Franken dotierte Förderpreis würdigt Hotels, die Nachhaltigkeit im Bereich Schlaf und Bett konsequent umsetzen. Vor allem diese Fokussierung macht den Preis interessant: Er richtet den Blick nicht auf ein spektakuläres Solardach oder eine auffällige Nachhaltigkeitskampagne, sondern auf ein Ausstattungsprodukt, das in jedem Hotelzimmer steht und gleichzeitig Komfort-, Hygiene-, Kosten- und Ressourcenfragen berührt.

Der Award ist ein von Swissfeel getragener Branchenpreis und kein unabhängiges Umweltzertifikat. Das sollte man bei der Einordnung nicht ausblenden. Seine Relevanz liegt weniger in der Frage, ob ein Hotel damit nun als «grün» gilt, sondern darin, ein oft unterschätztes Feld sichtbar zu machen: die nachhaltige Beschaffung und den Lebenszyklus von Produkten. Genau hier entscheidet sich, ob ökologische Verantwortung über gute Absichten hinausgeht.

Hof Weissbad setzt seit 2014 auf waschbare Matratzen

Für Hof Weissbad ist das Thema nicht neu. Hotel Inside berichtete bereits im September 2025 ausführlich über das Schlafkonzept des 4-Sterne-Superior-Resorts. Schon 2014 entschied sich die damalige Hotelleitung für vollständig waschbare Matratzen des Schweizer Herstellers Swissfeel. Etappenweise wurden rund 250 Matratzen angeschafft. Sie kommen heute in den 90 Zimmern des Haupthauses und in den 30 Zimmern der Weissbad Lodge zum Einsatz.

Hoteldirektor Elias Leu und Hauswirtschaftsleiterin Sanna Kehl.

Die Idee dahinter ist einfach, hat aber weitreichende Folgen: Eine herkömmliche Matratze wird im Hotel nach einigen Jahren aus hygienischen oder qualitativen Gründen ersetzt. Bei dem in Weissbad eingesetzten System lassen sich Bezug und Matratzenkern professionell waschen. Dadurch soll die Matratze hygienisch aufgefrischt und länger im Betrieb gehalten werden können. Am Ende der verlängerten Nutzungsdauer nimmt Swissfeel die Matratzen zurück und führt das Material nach eigenen Angaben wieder in einen Recyclingprozess. Der Hersteller bezeichnet sein SWISSFEEL-2-CYCLE-Modell als europaweit einzigartiges doppeltes Kreislaufsystem.

Hoteldirektor Elias Leu zieht nach mehr als einem Jahrzehnt Praxiserfahrung eine klare Bilanz. Gegenüber Hotel Inside sagte er: «Das System bewährt sich in jeder Hinsicht – ökologisch, hygienisch und wirtschaftlich.» Auch die Reaktionen der Gäste seien «nur positiv». Hauswirtschaftsleiterin Sanna Kehl hob im damaligen Inside-Gespräch vor allem die Hygiene und das unkomplizierte Handling hervor. Diese Langzeiterfahrung ist für die Bewertung wichtiger als jedes Nachhaltigkeitsversprechen auf einer Produktbroschüre: Hof Weissbadkann beurteilen, wie sich das System im laufenden Hotelbetrieb tatsächlich verhält.

Nachhaltigkeit wird vom Imagefaktor zur Betriebsfrage

Der Award fällt in eine Phase, in der sich das ökologische Bewusstsein im Tourismus deutlich verändert. Nachhaltigkeit ist kein Nischenthema mehr, das sich auf den Verzicht auf die tägliche Zimmerreinigung oder den Hinweis «Handtuch nochmals benutzen» reduzieren lässt. Gäste achten stärker auf Energie, Mobilität, regionale Wertschöpfung, Lebensmittelverschwendung und glaubwürdige Umweltstandards. Eine weltweite Booking-Erhebung unter 32’500 Reisenden in 35 Ländern kam 2026 zum Ergebnis, dass 85 Prozent nachhaltigeres Reisen für wichtig oder sehr wichtig halten. Solche Umfragen stammen zwar aus der Branche und sind nicht mit einer neutralen amtlichen Statistik gleichzusetzen. Sie zeigen aber, wie stark das Thema inzwischen im Erwartungshorizont der Gäste angekommen ist.

Auch in der Schweiz ist Nachhaltigkeit längst institutionell verankert. Schweiz Tourismus hat seine Nachhaltigkeitsstrategie bis 2030 weiterentwickelt; Ende 2025 beteiligten sich 2’398 Betriebe und 16 Destinationen am Programm Swisstainable. Hof Weissbad ist selbst Teil davon: Das Hotel wird mit Level 2 «engaged», die Lodge mit Level 1 «committed» geführt. Entscheidend ist dabei nicht das Label allein, sondern die Übersetzung in den Betrieb.

Gerade Hof Weissbad zeigt, wie breit diese Übersetzung verstanden werden kann. Das Resort nennt regionale und saisonale Produkte, kurze Lieferketten, Lebensmittelabfälle zur Biogasproduktion, Erdsonden und Photovoltaik sowie die Förderung der Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Das Bett ist damit kein isoliertes «grünes» Projekt, sondern ein Baustein einer umfassenderen Strategie.

Matratzenwaschanlage von Swissfeel.

Der unterschätzte Hebel: Beschaffung und Lebensdauer

Ökologische Hotellerie wird häufig über den laufenden Energie- und Wasserverbrauch diskutiert. Das ist richtig, aber unvollständig. Ein grosser Teil der Umweltwirkung entsteht bereits vor dem Einsatz eines Produktes: bei Rohstoffen, Produktion, Transport, Austausch und Entsorgung. Genau deshalb rückt die Beschaffung stärker in den Fokus. HotellerieSuisse hat eigens einen Leitfaden zur Kreislaufwirtschaft in der Beherbergung entwickelt, der Hoteliers bei ressourceneffizienter und kreislauffähiger Beschaffung unterstützen soll.

Für ein Hotel verändert sich damit die Logik des Einkaufs. Die billigste Anschaffung ist nicht automatisch die wirtschaftlichste oder ökologischste Lösung. Entscheidend wird der gesamte Lebenszyklus: Wie lange hält ein Produkt? Kann es repariert, gereinigt oder wiederaufbereitet werden? Was kostet der Betrieb? Wie oft muss es ersetzt werden? Was passiert am Ende mit den Materialien?

Das Matratzenmodell von Swissfeel passt genau in diese Denkweise. Die Investition in ein hochwertiges Produkt ist zunächst höher als bei einem einfachen Standardmodell. Wenn eine Matratze durch Waschen länger genutzt wird und später in einen Rücknahme- und Recyclingprozess gelangt, kann sich die Rechnung über die Jahre jedoch verändern. Für Hoteliers ist das klassische «Total Cost of Ownership»-Denken deshalb mindestens so wichtig wie der Einkaufspreis.

Kreislaufwirtschaft ist mehr als Recycling

Der Begriff Kreislaufwirtschaft wird in der Branche gerne verwendet. Doch echte Zirkularität beginnt nicht erst beim Recycling. Der wichtigste Schritt ist meist, Produkte möglichst lange im Einsatz zu halten. Jede vermiedene Neuanschaffung spart Material, Produktion, Transport und Entsorgung. Erst danach kommt die Frage, wie sich die verbleibenden Materialien zurückgewinnen und erneut nutzen lassen.

Exakt darin liegt die Stärke des waschbaren Matratzenkonzepts: Es versucht zuerst, die Nutzungsdauer zu verlängern, und erst am Ende den Materialkreislauf zu schliessen. Das ist ökologisch plausibler als ein Modell, das lediglich eine schnell ausgetauschte Matratze am Ende «irgendwie» recycelt.

Trotzdem sollte auch ein Kreislaufmodell nicht unkritisch als automatisch nachhaltig gelten. Waschen benötigt Energie und Wasser, die Matratzen müssen zur Reinigung transportiert werden, und die ökologische Bilanz hängt davon ab, wie lange die Produkte tatsächlich eingesetzt werden und welche Materialien beim Recycling in welcher Qualität zurückgewonnen werden. Glaubwürdige Nachhaltigkeit verlangt deshalb Lebenszyklusdaten, nachvollziehbare Prozesse und transparente Nachweise. Swissfeel verweist unter anderem auf EcoVadis, OEKO-TEX und Service Allergie Suisse sowie auf Lebenszyklusanalysen. Für die Branche ist genau diese Nachweisbarkeit zentral: Nachhaltigkeit muss überprüfbar sein und darf nicht bei einer grünen Produktgeschichte enden.

Das Hotelbett als Kernprodukt – und als Nachhaltigkeitstest

Die Verbindung zwischen Nachhaltigkeit und Schlaf ist für die Hotellerie besonders spannend, weil sie einen scheinbaren Gegensatz auflöst. Ökologische Konzepte werden noch immer gelegentlich mit Verzicht assoziiert: weniger Komfort, weniger Service, weniger Luxus. Beim Hotelbett funktioniert diese Logik nicht. Ein Gast wird eine ökologisch vorbildliche Matratze kaum positiv bewerten, wenn er darauf schlecht schläft. Nachhaltigkeit kann sich hier nur durchsetzen, wenn sie mit Komfort und Hygiene mindestens gleichzieht.

Genau das macht das Beispiel Hof Weissbad relevant. Der Gast soll den ökologischen Kreislauf nicht als Einschränkung erleben, sondern idealerweise gar nicht bemerken – ausser durch einen hohen Schlafkomfort und ein hygienisch einwandfreies Bett. Damit wird Nachhaltigkeit zur Qualitätsstrategie statt zur Verzichtsstrategie.

Hotel Inside hat bereits im früheren Bericht darauf hingewiesen, dass das Bett die eigentliche Kernleistung eines Hotels berührt. Gäste können eine schöne Lobby bewundern, ein gutes Restaurant besuchen und einen Spa geniessen. Am Ende verbringen sie aber einen grossen Teil ihres Aufenthalts im Bett. Wer bei diesem Produkt Qualität, Hygiene, Langlebigkeit und Ressourceneffizienz zusammenbringt, arbeitet nicht an einem Nebenthema, sondern am Zentrum des Hotelprodukts.

Ökologisches Bewusstsein allein reicht nicht

Die Branche sollte sich allerdings davor hüten, aus steigenden Nachhaltigkeitswerten in Umfragen einen Automatismus abzuleiten. Gäste sagen häufig, dass ihnen ökologische Kriterien wichtig sind; bei der konkreten Buchung spielen gleichzeitig Preis, Lage, Komfort, Marke, Bewertungen und Verfügbarkeit eine enorme Rolle. Zwischen Haltung und Kaufentscheidung bleibt eine Lücke.

Für Hotels folgt daraus eine klare Konsequenz: Nachhaltigkeit muss wirtschaftlich und qualitativ in das Produkt eingebaut werden. Sie darf nicht nur auf der Website erklärt werden. Ein langlebigeres Bett, weniger Lebensmittelabfall, eine effizientere Energieversorgung oder eine gute ÖV-Anbindung sind deshalb stärker als allgemeine Versprechen. Sie lassen sich betreiben, messen und verbessern.

Vor allem kleinere und inhabergeführte Hotels können hier glaubwürdig punkten, wenn sie konkrete Entscheidungen erklären: Warum wird ein Produkt gewählt? Woher kommt es? Wie lange bleibt es im Einsatz? Wie wird es gepflegt? Was passiert danach? Solche Antworten sind für Gäste verständlicher als abstrakte CO2-Versprechen und zugleich für Mitarbeitende im Alltag greifbarer.

Hof Weissbad als Beispiel für pragmatische Nachhaltigkeit

Hof Weissbad ist für diese Diskussion ein gutes Beispiel, weil das Resort Nachhaltigkeit nicht gegen Wirtschaftlichkeit ausspielt. Das Haus gehört zu den erfolgreicheren Schweizer Ferien- und Gesundheitsresorts und arbeitet mit hohen Auslastungen. Gerade dort muss jede ökologische Massnahme im Alltag funktionieren: im Housekeeping, im Einkauf, im Gästeerlebnis und in der Kostenrechnung.

Die waschbaren Matratzen haben diesen Praxistest über viele Jahre bestanden. Dass nun ein Branchenpreis folgt, ist deshalb weniger der Beginn einer Nachhaltigkeitsgeschichte als deren nachträgliche Auszeichnung. Das System läuft seit 2014. Es wurde nicht für einen Award installiert, sondern aus der Überzeugung, dass Schlafkomfort, Hygiene, Langlebigkeit und Kosten zusammen gedacht werden können.

Diese Reihenfolge ist entscheidend. Gute Nachhaltigkeit entsteht selten durch einen Preis. Ein Award kann aber sichtbar machen, was im Betrieb schon lange funktioniert.

Fazit: Die nächste Stufe der Nachhaltigkeit ist konkret

Der Green Sleeping Award für Hof Weissbad ist auf den ersten Blick eine kleine Branchennachricht. Bei genauerem Hinsehen verweist er auf einen grösseren Wandel. Ökologische Verantwortung in der Hotellerie verschiebt sich von symbolischen Massnahmen hin zu Beschaffung, Produktlebenszyklen und Kreislaufwirtschaft. Damit wird Nachhaltigkeit anspruchsvoller – aber auch unternehmerischer.

Die Frage lautet künftig nicht mehr nur: «Ist dieses Produkt nachhaltig?» Sondern: Wie lange können wir es nutzen, wie effizient betreiben wir es, wie sauber ist seine Lieferkette, und was geschieht am Ende damit? Genau an solchen Fragen wird sich zeigen, ob die Hotellerie den Schritt von der Nachhaltigkeitskommunikation zur nachhaltigen Betriebsführung schafft.

Hof Weissbad zeigt mit seinen seit Jahren eingesetzten waschbaren Matratzen, dass ökologische Verantwortung, Hygiene, Schlafkomfort und Wirtschaftlichkeit keine Gegensätze sein müssen. Der Award ist deshalb vor allem ein Signal an die Branche: Nachhaltigkeit beginnt manchmal nicht auf dem Dach und nicht auf der Speisekarte, sondern dort, wo jeder Hotelgast Nacht für Nacht liegt – im Bett.

www.swissfeel.com

Bildlegende Hauptfoto: Preisverleihung Green Sleeping Award 2026 powered by Swissfeel mit Christian-Ulf Reschke, Mitglied der Geschäftsleitung Swissfeel, Sanna Kehl, Vizedirektion Hof Weissbad, Elias Leu, Hoteldirektion Hof Weissbad und Moderatorin Darlene Schwabroch (v.l.n.r.).

zur Übersicht