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Gravity (Hongkong) statt VZB: Grand Metropolitan zieht Schlussstrich unter das VZB-Joint-Venture

Das Joint Venture zwischen Kingstone Capital Schweiz und dem Versorgungswerk der Zahnärzte Berlin (VZB) ist beendet. Gravity Capital aus Hongkong übernimmt über eine Gesellschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten die bisherige indirekte 70,3-Prozent-Beteiligung an der niederländischen Beteiligungsplattform. Entscheidend ist jedoch die Abgrenzung: Die Transaktion betrifft nicht die Grand Metropolitan Hotels Group und auch nicht deren weltweite Markenrechte. Diese bleiben im Umfeld der Schweizer Kingstone Capital. Für Grand Metropolitan beginnt damit eine neue Phase: weniger gesellschaftsrechtliche Verflechtung, dafür ein noch stärkerer Fokus auf Asset-Light-Wachstum, Hotelmanagement, Marken, Affiliation und digitale Hospitality-Lösungen. Hotel Inside kennt die Hintergründe.

Die Medieninformation vom 10. August 2026 spricht pointiert von einem neuen Eigentümer: Gravity Capital Hong Kong. Juristisch und strategisch ist die Situation allerdings differenzierter. Zum 30. Juni 2026 übernahm Gravity Capital die Kingstone-Capital-Tochtergesellschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Über diese Gesellschaft gelangt Gravity mittelbar an die bisherige 70,3-prozentige Beteiligung an der niederländischen Beteiligungsgesellschaft des früheren Joint Ventures mit dem Versorgungswerk der Zahnärzte Berlin, kurz VZB. Kingstone Capital Schweiz zieht sich damit vollständig aus dieser bisherigen Joint-Venture-Struktur zurück.

Das ist mehr als eine formale Verschiebung im Gesellschafterregister. Gleichzeitig traten zum 30. Juni die Direktoren der ehemaligen Grand Metropolitan Hotels Holding B.V. sowie der Aufsichtsrat zurück. Zudem wurde der niederländischen Gesellschaft die Nutzung der Namensrechte „Grand Metropolitan“ entzogen. Sie soll künftig unter dem Namen Gravity Capital Hospitality beziehungsweise Gravity Hospitality Holding auftreten; zudem wurde zugleich ein neues Management bestellt.

Damit wird eine Trennlinie gezogen, die für die Einordnung wesentlich ist: Gravity Capital übernimmt die Beteiligungsplattform des früheren Joint Ventures, nicht aber die Grand Metropolitan Hotels Group als internationale Hotelmanagement- und Markengruppe. Auch die weltweiten Markenrechte wechseln nicht mit. Diese liegen nach Unternehmensangaben bei der Grand Metropolitan 1931 AG, einer hundertprozentigen Tochter der Kingstone Capital AG Schweiz. Diese Gesellschaft hat der niederländischen Joint-Venture-Gesellschaft die weitere Nutzung der Marke Grand Metropolitan Hotels gekündigt.

Grand Metropolitan bleibt bei Kingstone Capital

Die Kingstone Capital Holding AG in der Schweiz bleibt nach Darstellung des Unternehmens strategischer Investor der Grand Metropolitan Hotels Group. Im Unternehmensporträt wird die Gruppe als Teil der Schweizer Familienholding Kingstone Capital bezeichnet. Das internationale Wachstum von Grand Metropolitan soll deshalb künftig ausserhalb der bisherigen Joint-Venture-Struktur weitergeführt und weiterhin durch Investitionen der Schweizer Holding unterstützt werden.

Für die Hotelgruppe ist die Transaktion damit vor allem ein Entflechtungsschritt. Statt eine gemeinsame Beteiligung mit einem institutionellen Partner weiterzuführen, konzentriert sich Grand Metropolitan nun auf das eigene Hotelmanagement- und Markengeschäft. Die strategische Linie ändert sich laut Unternehmen nicht: Grand Metropolitan verfolgt weiterhin ein Asset-Light-Modell und will vor allem über Managementverträge, Branding, Franchise, Affiliation und digitale Lösungen wachsen, also ohne den Schwerpunkt auf den Besitz eigener Hotelimmobilien zu legen.

Vom strategischen Bündnis zum „Deadlock“

Warum die Partnerschaft mit dem VZB endete, beschreibt die Grand Metropolitan Group und Kingstone Capital deutlich. Gründer Martin R. Smura erklärt, man sei bei Gründung des Joint Ventures davon ausgegangen, mit dem VZB einen verlässlichen und langfristigen Partner gefunden zu haben. Die Entwicklungen der vergangenen Monate hätten jedoch gezeigt, dass eine Fortsetzung der Zusammenarbeit nicht mehr möglich gewesen sei.

Nach Insider-Informationen befand sich das Joint Venture über einen längeren Zeitraum in einer Patt-Situation, einem sogenannten „Deadlock“. Mehrere Lösungsansätze seien nicht umgesetzt worden. Dazu hätten Angebote gehört, wonach die Gesellschafter jeweils die Beteiligung der anderen Seite hätten erwerben können, ebenso Vorschläge für eine Kapitalerhöhung. Darüber hinaus seien mehrere wesentliche Beschlüsse innerhalb der Gesellschaft nicht zustande gekommen.

Smura bedauert die Entwicklung und verweist auf das ursprüngliche Ziel einer langfristigen Weiterentwicklung der Beteiligung. Nachdem aus Sicht des Unternehmens keine tragfähige Grundlage für die weitere Zusammenarbeit mehr vorhanden gewesen sei, sei die Trennung die konsequente Lösung gewesen.

Offen bleibt die Finanzierung der früheren Joint-Venture-Struktur

Ein Punkt bleibt trotz der vollzogenen Transaktion ungeklärt: die künftige Finanzierung der Beteiligungsstruktur. Die Medienmitteilung vom 10. August 2026 erklärt, Kingstone Capital Schweiz habe die Finanzierung zuletzt aufgrund von Schwierigkeiten des VZB allein getragen. Wie die Finanzierung künftig zwischen den neuen Partnern geregelt wird, sei offen.

Gerade dieser Aspekt zeigt, dass mit dem Eigentümerwechsel zwar die Trennung von Kingstone und VZB vollzogen ist, aber nicht alle Fragen rund um die frühere Beteiligungsplattform automatisch beantwortet sind. Für Grand Metropolitan selbst soll diese offene Flanke jedoch keine strategische Rolle mehr spielen: Die Gruppe betrachtet die Trennung mit Abschluss der Transaktion als beendet und richtet den Blick nach vorne.

Gravity Capital bringt Technologie- und Plattformfokus ein

Der neue Mehrheitseigner der früheren Joint-Venture-Beteiligungsplattform, Gravity Capital Limited, wird als international ausgerichtete Investmentgesellschaft beschrieben. Der Fokus liegt auf technologiegetriebenen Unternehmen, geistigem Eigentum und Softwarelösungen sowie Beteiligungen in Tourismus, Medical, Real Estate und Hospitality. Darüber hinaus nennt das Unternehmen Wachstumsfelder wie künstliche Intelligenz, Biotechnologie, Medical Services und die Entwicklung digitaler Plattformen.

Im Hospitality-Bereich will Gravity nach eigener Positionierung technologische Kompetenz mit einem internationalen Netzwerk verbinden, um Marken weiterzuentwickeln, zu digitalisieren und zu skalieren. Im Rahmen der Transaktion wurden insbesondere die Mehrheitsbeteiligungen an den Hospitality-Technologieunternehmen Genesis AI, Room Hub und Xenios übernommen. Damit fällt Gravity nicht nur eine gesellschaftsrechtliche Beteiligung zu, sondern auch ein Paket an Technologie-Assets, das für die weitere Ausrichtung der neu firmierenden Gravity Hospitality Holding relevant werden dürfte.

Asset-Light bleibt der Kern des Grand-Metropolitan-Modells

Grand Metropolitan Hotels wiederum positioniert sich unverändert als international tätige Hotelmanagement- und Markengruppe mit Asset-Light-Geschäftsmodell. Das Leistungsangebot richtet sich an Hotelinvestoren und Eigentümer und umfasst Branding, Hotelmanagement, Franchise und Affiliation sowie digitale Lösungen für den Hotelbetrieb. Damit liegt der Schwerpunkt nicht auf dem Erwerb möglichst vieler Immobilien, sondern auf der Entwicklung, Führung, Vermarktung und Vernetzung von Hotels und Marken.

Zum Portfolio zählt die Gruppe unter anderem TOP INTERNATIONAL Hotels, Voile d’Or Hotels & Resorts, Signature Hotels, Park Avenue Hotels, Grand Metropolitan Hotels und Private Selection Hotels sowie weitere Marken und Beteiligungen. Diese Breite zeigt, dass die Gruppe ihr Wachstum über unterschiedliche Marken- und Kooperationsmodelle organisiert. Für Eigentümer kann ein solches Modell interessant sein, wenn sie operative oder vertriebliche Unterstützung suchen, ohne zwingend in ein klassisches, stark standardisiertes Kettenmodell wechseln zu wollen.

Der nächste Expansionsschritt ist bereits in Vorbereitung

Bemerkenswert ist der Zeitpunkt der Trennung: Grand Metropolitan verbindet die Neuordnung nicht mit einem Rückzug, sondern kündigt bereits die nächste Expansionsstufe an. Nach Unternehmensangaben befindet sich die Gruppe in exklusiven Verhandlungen über die Übernahme eines weiteren Unternehmens im Bereich Hotel Affiliation. Eine entsprechende Bekanntgabe wird für September 2026 erwartet.

Damit wird deutlich, wo Grand Metropolitan nach dem Ende des Joint Ventures Prioritäten setzt. Affiliation, Markenkooperationen, Franchise und Management sollen die internationale Reichweite vergrössern, während Kingstone Capital Schweiz weiterhin als Investor im Hintergrund steht. Das passt zum Asset-Light-Ansatz, bei dem Wachstum primär über Verträge, Marken und Plattformen statt über kapitalintensive Immobilienkäufe erzielt werden soll.

Eine Trennung mit zwei unterschiedlichen Zukunftsbildern

Die Transaktion schafft letztlich zwei klarer getrennte Entwicklungspfade. Auf der einen Seite steht die bisherige niederländische Joint-Venture-Struktur, die nun von Gravity Capital kontrolliert wird, ohne die Marke Grand Metropolitan weiter nutzen zu dürfen und mit neuem Management sowie einem Technologie- und Plattformfokus weitergeführt werden soll. Auf der anderen Seite steht Grand Metropolitan Hotels unter dem Dach der Schweizer Kingstone Capital, mit den bestehenden Markenrechten, dem internationalen Hotelmanagementgeschäft und einer angekündigten weiteren Expansion.

Für die Branche ist diese Unterscheidung zentral. Ein Anteilseigner-Wechsel in einer Beteiligungsgesellschaft ist nicht gleichbedeutend mit dem Verkauf einer Hotelmarke oder einer Hotelgruppe. Genau deshalb lohnt sich bei solchen Transaktionen der Blick hinter die Schlagzeile. Im vorliegenden Fall endet ein Joint Venture nach einer offenbar länger andauernden Blockade. Gleichzeitig versucht Grand Metropolitan, die Trennung als Befreiung für die eigene Wachstumsstrategie zu nutzen, während Gravity Capital die übernommenen Beteiligungen und Hospitality-Technologien in eine neue Struktur überführt.

Ob beide Seiten aus der Entflechtung tatsächlich mehr Handlungsspielraum gewinnen, wird sich an den nächsten Schritten zeigen – bei Gravity an der künftigen Finanzierung und Skalierung der neuen Hospitality-Holding, bei Grand Metropolitan an der für September angekündigten Affiliation-Transaktion und an der Umsetzung der internationalen Asset-Light-Expansion.

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