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Gewinn allein genügt nicht: Warum Hotels ihre Liquidität neu denken müssen

Ein neuer Praxisleitfaden des Hotel-Finanzspezialisten profitize zeigt, weshalb wirtschaftlicher Erfolg weit mehr ist als ein positives Jahresergebnis. Im Mittelpunkt steht eine in vielen Hotelbetrieben unterschätzte Erkenntnis: Gewinn und Liquidität sind zwei grundverschiedene Grössen – und nur wer beide konsequent steuert, sichert den unternehmerischen Handlungsspielraum. Hotel Inside hat den Leitfaden analysiert und interpretiert.

Die Bücher sehen gut aus, die Auslastung stimmt, die Gäste sind zufrieden – und dennoch gerät das Bankkonto unter Druck. Was zunächst widersprüchlich erscheint, gehört für viele Hotels zum betrieblichen Alltag. Zwischen einem positiven Betriebsergebnis und ausreichender Liquidität liegen nicht selten Wochen oder sogar Monate. Genau diesem Spannungsfeld widmet sich ein neuer Praxisleitfaden, den die Österreichische Hotelvereinigung (ÖHV) gemeinsam mit dem spezialisierten Finanz- und Controlling-Unternehmen profitize über ihre Website veröffentlicht hat. Er richtet sich insbesondere an eigentümergeführte Hotels sowie an Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer und kaufmännisch Verantwortliche.

Liquidität entscheidet über den Handlungsspielraum

Die Gewinn- und Verlustrechnung zeigt, ob ein Geschäftsmodell grundsätzlich funktioniert. Sie beantwortet jedoch nicht die im Alltag oft entscheidendere Frage: Steht zum richtigen Zeitpunkt genügend Geld zur Verfügung? Gerade in der Hotellerie klaffen Ergebnis und Zahlungsströme häufig auseinander. Umsätze können längst verbucht sein, während der entsprechende Betrag noch nicht auf dem Konto eingegangen ist.

Die Ursachen sind vielfältig: Anzahlungen wirken zu anderen Zeitpunkten als der eigentliche Aufenthalt, Firmenkunden arbeiten mit Zahlungszielen, Provisionsabrechnungen werden zeitversetzt fällig und saisonale Investitionen belasten das Konto punktuell stark. Daraus entsteht ein gefährlicher Trugschluss. Ein gutes Geschäftsjahr vermittelt Sicherheit, obwohl Investitionen, Lohnzahlungen oder Kreditverpflichtungen den finanziellen Spielraum gleichzeitig immer weiter einschränken können.

Die Hotellerie folgt eigenen wirtschaftlichen Regeln

Hotels unterscheiden sich in ihrer Finanzstruktur deutlich von vielen anderen Branchen. Hohe Fixkosten treffen auf eine schwankende Nachfrage. Saisonale Spitzen wechseln sich mit ruhigeren Monaten ab, während Aufwendungen für Personal, Infrastruktur, Energie und Finanzierung grösstenteils konstant bleiben. Schon geringe Veränderungen bei der Auslastung können deshalb überproportionale Auswirkungen auf Ergebnis und Liquidität haben.

Hinzu kommt, dass die einzelnen Bereiche eines Hotels sehr unterschiedliche Ergebnisbeiträge leisten. Der Beherbergungsbereich erwirtschaftet oftmals den grössten Deckungsbeitrag. Gastronomie oder Spa können – abhängig von ihrer jeweiligen Kostenstruktur – das Gesamtergebnis jedoch erheblich beeinflussen. Wer ausschliesslich auf den Gesamtumsatz blickt, erkennt daher häufig nicht, welche Bereiche tatsächlich Wert schaffen und an welchen Stellen Margen verloren gehen.

Fünf Kennzahlen statt Bauchgefühl

Der Praxisleitfaden plädiert dafür, finanzielle Entscheidungen konsequent auf wenige, aber aussagekräftige Kennzahlen zu stützen. Neben der klassischen Gewinn- und Verlustrechnung rücken fünf Grössen in den Mittelpunkt: Cashflow, Working Capital, die Deckungsbeiträge der einzelnen Abteilungen, der Break-even-Punkt sowie die Kapitaldienstfähigkeit, international als Debt Service Coverage Ratio bezeichnet.

Diese Kennzahlen sind keineswegs nur für Banken oder Investoren relevant. Vor allem schaffen sie Transparenz für die operative Unternehmensführung. Sie machen sichtbar, wie viel Liquidität das laufende Geschäft tatsächlich erzeugt, wie stark kurzfristig gebundenes Kapital den Spielraum beeinflusst, welche Abteilungen wirtschaftlich tragen, ab welchem Umsatzniveau der Betrieb seine Kosten deckt und ob Zins- und Tilgungsverpflichtungen aus eigener Kraft bedient werden können. So lassen sich Entwicklungen frühzeitig erkennen, bevor aus einer Abweichung ein Liquiditätsengpass wird.

Regelmässiges Reporting schafft Frühwarnzeit

Kennzahlen entfalten ihren Nutzen allerdings nur, wenn sie regelmässig und zeitnah ausgewertet werden. Der Leitfaden empfiehlt deshalb klare Reporting-Routinen: wöchentliche Liquiditätsübersichten, monatliche Analysen der einzelnen Geschäftsbereiche und strategische Quartalsplanungen. Auf diese Weise stützen sich Entscheidungen nicht auf ein diffuses Bauchgefühl oder auf einen Monatsabschluss, der die Lage erst mit Verzögerung abbildet, sondern auf aktuelle Daten.

Für Eigentümer und Management entsteht damit ein verlässlicheres Frühwarnsystem. Abweichungen werden schneller sichtbar, Gegenmassnahmen können früher eingeleitet und Investitionen, Personalbedarf oder Finanzierungsfragen fundierter geplant werden. Gerade in einem Geschäft mit ausgeprägten saisonalen Schwankungen wird diese zusätzliche Reaktionszeit zum entscheidenden Vorteil.

Digitalisierung vereinfacht die Steuerung

Moderne Controlling-Lösungen können einen grossen Teil dieser Aufgaben heute automatisiert übernehmen. Daten aus Property-Management-Systemen, Buchhaltung, Personalwesen und Kassensystemen lassen sich zusammenführen und in aussagekräftige Kennzahlen übersetzen. Dadurch entsteht ein wesentlich aktuelleres Bild der wirtschaftlichen Situation als bei klassischen Monatsabschlüssen, die häufig erst Wochen später vorliegen.

Der im Leitfaden vorgestellte Ansatz von profitize verfolgt genau dieses Ziel: Finanzdaten sollen nicht nur dokumentiert, sondern als konkrete Entscheidungsgrundlage für Eigentümer und Management nutzbar gemacht werden. Digitalisierung ersetzt dabei nicht die unternehmerische Beurteilung. Sie sorgt jedoch dafür, dass diese Beurteilung auf konsistenten, zeitnahen und miteinander verknüpften Informationen beruht.

Zukunftsfähigkeit beginnt auf dem Bankkonto

Die wirtschaftlichen Herausforderungen für Hotels dürften angesichts steigender Kosten, höherer Finanzierungskosten und volatiler Nachfrage eher zunehmen. Umso wichtiger wird eine Steuerung, die über Umsatz, Auslastung und Jahresgewinn hinausgeht. Ein positives Ergebnis bleibt wesentlich – doch es genügt nicht, wenn das Geld nicht dann verfügbar ist, wenn Rechnungen, Löhne, Investitionen oder Kredite bezahlt werden müssen.

Der gemeinsam von ÖHV und profitize veröffentlichte Praxisleitfaden liefert dazu zahlreiche Denkanstösse und konkrete Handlungsempfehlungen. Seine zentrale Botschaft ist klar: Wer Liquidität, Cashflow und Kapitaldienstfähigkeit kontinuierlich im Blick behält, schafft eine belastbare Grundlage für unternehmerische Entscheidungen und stärkt zugleich die Zukunftsfähigkeit des eigenen Hotels.

Hier der Praxisleitfaden als PDF

Weiterführender Link: Praxisleitfaden von ÖHV und profitize

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