Food & Beverage

F&B Report (Teil 3): Wie essen und trinken wir im Jahr 2045?

Was kommt in 20 Jahren auf den Teller und wie funktionieren Restaurants in der Zukunft? Visionäre Thesen von Trendforscher Pierre Nierhaus:

Blick auf 2045 – die Welt in 20 Jahren. Zwischen Datenbrillen, Fast-Trains, Medizintechnik im Alltag und smartem Lebensstil wächst die Sehnsucht nach Verbindlichkeit. Und genau hier spielt Gastronomie ihre neue Rolle – als adaptives System, das mehr kann als nur satt machen. Die Zukunft des Restaurants ist gekommen. Und sie ist schneller, smarter, wärmer als gedacht.

Das klassische Restaurant, wie wir es kennen, ist nur noch eine Variante unter vielen. Die Gesellschaft isst mobil, hybrid, ständig. Wer heute unterwegs ist, möchte versorgt sein – in Verkehrshubs, Office-Arealen, Freizeitmeilen oder auf Reisen. Die Gastronomie folgt – nicht hinterher, sondern vorausdenkend. 

Das Frühstück ist 2045 der neue Star

Snack-Formate sind omnipräsent: digital vorbestellt, individuell konfiguriert, ressourcenschonend verpackt. Künstlich gezüchtete Proteine, kultivierter Fisch und fermentierte Lebensmittel sind etabliert. Transparente Herkunft und personalisierte Nährstoffprofile sind Standard. Damit verschmelzen Effizienz, Nachhaltigkeit und Individualisierung zu einem neuen gastronomischen Alltag.

Gleichzeitig gewinnen internationale Esskulturen an Bedeutung. Indien, Äthiopien, Libanon, Indonesien –Länder, in denen pflanzenbasierte Küche tief verwurzelt ist, prägen mit ihren Texturen, Gewürzen und Kochtechniken die Speisekarten und Küchen von morgen.

Was mittags als schneller, gesunder Energiekick beginnt, verwandelt sich morgens in eine neue Hauptmahlzeit: Das Frühstück ist 2045 der neue Star – mit Platten zum Teilen, komplexen Aromen, funktionalen Komponenten und dem bewussten Innehalten. Man frühstückt, um sich zu verbinden. Nicht nur mit Menschen, sondern mit sich selbst.

Doch das Abendessen bleibt. Restaurants inszenieren es als bewusst gestaltete Begegnung: Licht, Akustik, Raum und Service sind Teil einer ganzheitlichen Dramaturgie. Mit Signature Dishes als Konstante, für die man Wege auf sich nimmt. Hier ist Tradition keine Bremse, sondern Bühne. Die Sehnsucht nach Klassik führt zu Restaurants, die aussehen wie aus der Jetztzeit, aber im Hintergrund KI, Robotik, Energie- und Ressourcenmanagement auf Weltklasse-Niveau einsetzen. Der Wirt ist wieder da – nicht als Befehlsempfänger, sondern als Gastgeber. 

Technologie wird zum Werkzeug des Handwerks

Die Küche der Zukunft vereint Automatisierung und Handwerk. Der Küchenchef ist Visionär, Mentor und Kurator. Er entwickelt Gerichte, koordiniert Robotertechnik und führt ein qualifiziertes, kleines Team. Standardisierte Tätigkeiten werden von Maschinen übernommen. So entsteht Raum und Zeit für Persönlichkeit, für sensorische Feinarbeit, Kreativität und Storytelling. Robotik und KI ermöglichen Präzision und Konstanz, ohne den individuellen Stil zu verdrängen. Technologie wird zum Werkzeug des Handwerks – nicht zu dessen Ersatz.

Reservierungen, Menüplanung, Allergeneingaben, sogar der Lichteinfall – alles läuft automatisiert. Doch während im Backend Warenwirtschaft, Energieverbrauch, Personalbedarf und Abfall digital kontrolliert werden, erleben die Gäste vor Ort das Gegenteil: Wärme. Aufmerksamkeit und Gastfreundschaft. Datensteuerung schafft Effizienz, Nachhaltigkeit und Raum für das Wesentliche. Gastlichkeit wird wieder zur Kernkompetenz, nicht zur Nebensache.

Restaurants, die sich auf regionale Küchen, klassische Abläufe, echtes Handwerk stützen – und das mit modernster Technologie kombinieren – gelten als Leuchttürme der Branche. Sie zeigen: Tradition ist kein Widerspruch zur Zukunft, sondern deren Tiefenstruktur. Menschen wollen erkennen, woher etwas kommt und warum es ihnen guttut. Sie wollen Herkunft und Sinn spüren.

Die Gastronomie der Zukunft ist klug, individuell und gezielt. Sie ist technologisch hochentwickelt, aber nicht anonym. Sie ist digital gesteuert, aber sozial orientiert. Der Einsatz intelligenter Systeme reduziert Routine und schafft Freiraum für persönliche Interaktion.

Die klassische Hilfsarbeit verschwindet, die Gastgeberrolle kehrt zurück. Das Restaurant wird wieder zu einem Ort echter Begegnung und lebendiger Rituale – geprägt von Effizienz, Qualität und Empathie. Was bleibt, ist das gemeinsame Essen als soziale Konstante und kulturelle Grundlage – in einer ständig sich verändernden Welt.

Quellen: ahgz, Hotel Inside, Dezember 2025

Hinweis: Alle in diesem Report publizierten Bilder wurden von KI generiert (ChatGPT).

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