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Exklusiv-Interview mit Barbara Muckermann: Was steckt hinter der DNA von Kempinski?

Seit fast zwei Jahren führt Barbara Muckermann die Luxushotelgruppe Kempinski. Sie ist die erste Frau an der Spitze und will ein einzigartiges Hotelunternehmen formen, das für „The Good Life“ steht. Was hat sie bisher erreicht? Und: Was steckt hinter der (neuen?) DNA von Kempinski?

Im exklusiven Inside-Interview mit Rolf Westermann gibt Barbara Muckermann Einblicke in ihre Strategie „Kempinski der Zukunft“. Es geht um Immobilienkäufe, den geplanten US-Markteintritt sowie das Versprechen der Luxus-DNA im Vergleich zu anderen Luxus-Marken. Muckermann erklärt, wie sie ihre ambitionierten Ziele erreichen will und welche Expansion sie plant. Ihr Versprechen lautet: „Weitere Ankündigungen werden in Kürze folgen.“

Kempinski St. Moritz.

Barbara Muckermann, als Sie vor fast zwei Jahren Ihr Amt antraten, kündigten Sie an, dass alle Hotels überprüft würden. Zu welchen Ergebnissen hat dieser Prozess geführt?

Wir überprüfen derzeit aktiv unser weltweites Hotelportfolio, um festzustellen, welche Häuser „Kempinski der Zukunft“ am besten verkörpern. Dieser Prozess ist jedoch noch nicht vollständig abgeschlossen und wird es vielleicht auch nie sein. Wir prüfen jedes einzelne Hotel sorgfältig und beurteilen, ob es unseren Standards entspricht. Für uns haben Qualität und die langfristige Umsetzung unserer Marke eindeutig Vorrang vor Quantität.

Wie viele Hotels haben Sie denn bereits veräußert, und wie viele neue Häuser sind im Gegenzug hinzugekommen?

Die Pipeline ist nach wie vor sehr aktiv. Während meiner Amtszeit haben wir einige Häuser in Europa und China aus dem Portfolio genommen. Gleichzeitig haben wir Verträge für die Kempinski Royal Residence Nymphenburg und die Kempinski Residences in Mekka unterzeichnet. Vor kurzem haben wir das Augustine Hotel in Prag erworben und arbeiten weiter an unserer Strategie, den Immobilienanteil zu erhöhen. Darüber hinaus haben wir eine beträchtliche Anzahl von Projekten in fortgeschrittenen Planungsphasen – weitere Ankündigungen werden in Kürze folgen.

Kempinski Hotel Augustine Prag.

Wie gerade erwähnt, vor kurzem haben Sie das Hotel Augustine in Prag erworben, das dem russischen Investor Alexander Klyachin gehörte. Dies war der erste Immobilienkauf seit mehr als 50 Jahren. Bislang war das Vier Jahreszeiten in München die einzige Immobilie im Besitz des Unternehmens. Was bedeutet dieser Schritt?

Prag ist der erste konkrete Schritt, um das Konzept „Kempinski der Zukunft“ greifbar zu machen. Das Augustine wird zunächst als White-Label-Hotel betrieben, bis wir die designorientierten Renovierungsarbeiten abgeschlossen und unsere Markenmerkmale sowie Betriebsstandards integriert haben. Anfang 2027, sobald alle Änderungen umgesetzt sind, wird es als Hotel der Marke Kempinski neu geflaggt.

Kempinski Vier Jahreszeiten München.

Die meisten Hotelunternehmen setzen auf eine Asset-Light-Strategie. Warum setzen Sie auf eine Asset-Heavy-Strategie, und wie weit wollen Sie dabei gehen?

Unsere Strategie, ein wirklich einzigartiges Portfolio aufzubauen, wird niemals Erfolg haben, wenn sie ausschließlich auf Hotelmanagement-Verträgen basiert. Nur durch einen Asset-Heavy-Ansatz, der den direkten Eigentumsbesitz ermöglicht, können wir das Gästeerlebnis von Anfang bis Ende vollständig kontrollieren. Wir werden weiterhin Möglichkeiten in wichtigen geografischen Märkten prüfen und entscheiden, was für uns sinnvoll ist.

Der Erwerb von Immobilien erfordert aber deutlich mehr Kapital. Wie wird dies finanziert?

Wir prüfen verschiedene Finanzinstrumente für Akquisitionen. Aufgrund der Art der Transaktionen können wir keine weiteren Details nennen.

Kempinski Hotel Adlon Berlin.

Viele warten auf Ankündigungen zu neuen Kempinski-Hotels. Was ist in Planung?

Es stehen noch viele weitere Ankündigungen an – sie kommen bald, und wir hoffen, der gesamten Branche regelmäßig gute Nachrichten liefern zu können.

Schön und gut, aber war läuft denn konkret?

Glauben Sie mir: Hinter den Kulissen laufen viele Initiativen, die bald bekannt gegeben werden. Was Akquisitionen und Entwicklung angeht, erfordern Geschäfte Überlegungen, Zeit und viel Arbeit. Nun, da wir das richtige Team und den Entwurf für das „Kempinski der Zukunft“ haben, gewinnen wir an Schwung, und es wird bald weitere Ankündigungen geben.

Was ist das Ziel von Kempinski hinsichtlich der Größe? Derzeit gibt es 75 Hotels – streben Sie 100 an?

Wir streben keine bestimmte Zahl für das weltweite Portfolio von Kempinski an – unser Hauptanliegen ist, dass jede unserer Immobilien Kempinski als Marktführer im Ultra-Luxus-Segment der Hotellerie repräsentiert. Wir werden weiterhin alle interessanten Möglichkeiten in wichtigen Zielmärkten prüfen.

Kempinski Palace Engelberg (Schweiz).

Vor einem Jahr übernahm Kempinski die Royal Residence im Schloss Nymphenburg in München – ohne Eigentümer der Immobilie zu sein. Die Preise für die exklusive Unterkunft beginnen bei 25.000 Euro pro Nacht. Wie wird das angenommen?

Die Kempinski Royal Residence Nymphenburg befindet sich auf dem Gelände des Schlosses Nymphenburg, daher kam ein vollständiger Erwerb der Immobilie nie in Frage. Die Leitung der Residence durch Kempinski festigt die langjährige Geschichte und Partnerschaft zwischen der Kempinski-Gruppe und der königlichen Familie von Bayern. Das Hotel Vier Jahreszeiten Kempinski München wurde 1858 von Seiner Königlichen Hoheit Prinz Luitpold von Bayerns Ururgroßvater, König Maximilian II., erbaut. Heute pflegen wir bei der Leitung der Royal Residence eine hervorragende Partnerschaft mit Prinz Luitpold und der königlichen Familie von Bayern. Auch wenn die Einstiegsschwelle recht hoch ist, ist die Royal Residence perfekt auf eine bestimmte Art von Gästen zugeschnitten – nämlich solche, die absolute Privatsphäre und Exklusivität suchen. Seit wir am 1. März 2025 die Leitung der Anlage übernommen haben, verzeichnen wir bereits große Erfolge bei einer Kundschaft, die Kulturerbe, Kunst und ein hohes Maß an Privatsphäre in einem ultraluxuriösen, zeitgemäßen Ambiente schätzt.

Kempinski Istanbul.

Unterdessen investieren viele Hotelunternehmen in das Luxussegment: Rosewood, Mandarin Oriental, Six Senses (IHG), Marriott (The Ritz-Carlton), Accor (Fairmont, Raffles). Was unterscheidet Kempinski von diesen Marken?

Der Luxushotelsektor ist ein Meer der Gleichförmigkeit – es gibt viele Logos, aber nicht so viele Marken. Um eine echte Marke zu sein, muss man wissen, wofür man steht und wer der Kunde ist – man kann nicht jeden ansprechen. Kempinskis echter Differenzierungsfaktor ist unser Erbe – 150 Jahre Geschichte kann man nicht kaufen. Wir blicken auf eine Tradition der Innovation im Gastgewerbe zurück, die 1872 begann und sich bis heute in unseren Hotels fortsetzt. Kempinski ist der Vermittler von „The Good Life“, von dem Sie im Laufe unserer Reise noch mehr erfahren werden.

Kempinski Hotel in Shanghai (China).

Ist es überhaupt realistisch, Gästen etwas völlig Neues zu bieten, das sie anderswo nicht finden können?

Es gibt heute nur sehr wenige Dinge, die völlig neu sind – das meiste hat man schon einmal gesehen oder erlebt. Was wir bieten können, ist unsere einzigartige Perspektive, betrachtet durch die Linse der Kempinski-DNA. Dazu gehört eine tiefe Verbundenheit mit dem Reiseziel und seinen Gemeinschaften – hyperlokale Erlebnisse sowohl auf dem Gelände als auch außerhalb, die man nicht in Büchern oder auf Websites findet, sondern die man wirklich erlebt. Diese Erlebnisse werden von unseren hauseigenen Kuratoren vor Ort und unseren „Insidern“ in der Stadt zum Leben erweckt; jedes einzelne Erlebnis ist auf die Gäste und ihre Vorlieben – oder vielmehr auf ihre ganz persönliche Vorstellung von „The Good Life“ – zugeschnitten.

Was macht denn jetzt eigentlich die von Ihnen oft erwähnte Kempinski-DNA aus?

Die Kempinski-DNA ist das, was wir „The Good Life“ nennen. „The Good Life“ ist eine ganzheitliche Philosophie der Gastlichkeit, die auf dem Erbe der Marke und den Arbeitsprinzipien ihres Gründers, Berthold Kempinski, basiert. Seit seinen Anfängen definiert Kempinski Luxus nicht als Status oder Formalität, sondern als Großzügigkeit und Freude; es kuratiert Erlebnisse aus dem Herzen des Reiseziels und schöpft Reichtum aus dessen Kultur und Gemeinschaften. Diese Gründungsphilosophie ist nicht nur heute relevant, sondern entspricht genau dem, was der moderne Luxusreisende von einer Stadt oder einem Reiseziel erwartet – nämlich Erlebnisreisen, die Ehrfurcht und Staunen wecken.

Kempinski Hotel in Kairo (Ägypten).

Welche Hotels repräsentieren denn die Marke Kempinski am besten?

Wir verfügen über eine Reihe von Hotels, die die Marke wunderbar repräsentieren, darunter das Çirağan Palace Kempinski Istanbul, das Hotel Vier Jahreszeiten Kempinski München, das Hotel Adlon Kempinski Berlin und unser zukünftiges Kempinski-Hotel Augustine in Prag.

Kempinski hat sich stark auf die Expansion im Nahen Osten konzentriert und betreibt dort mittlerweile acht Hotels. Wie schätzen Sie die Zukunftschancen in dieser Region ein?

Ungeachtet des aktuellen geopolitischen Klimas (Iran-Krieg) sind wir weiterhin vom mittel- bis langfristigen Potenzial der Region Naher Osten überzeugt und sehen große Chancen für eine künftige Expansion im gesamten Nahen Osten und in Afrika.

Kempinski Siam Hotel Bangkok (Thailand).

Welche Expansionsziele stehen auf Ihrer Liste? Wie sieht es mit den USA aus, wo Kempinski sein erstes Wohnprojekt in Miami plant?

Europa hat für uns absolute Priorität!  Wir sind eine europäische Luxusmarke mit europäischen Wurzeln, und genau dort müssen wir stärker präsent sein. Die klare Botschaft lautet: Europa steht an erster Stelle, wenn es um neue Entwicklungsprojekte geht. Es gibt viele bestehende Objekte in Europa, die für uns geeignet sein könnten – wir müssen nicht unbedingt neue Hotels bauen. Was die Vereinigten Staaten angeht, arbeiten wir aktiv an einer Markteintrittsstrategie. Ich habe von Anfang an gesagt, dass man keine globale Luxusmarke sein kann, ohne in den USA präsent zu sein. Wir wollen mit einem europäischen Produkt in den Markt eintreten; dies erfordert jedoch eine gewisse kritische Masse. Ein einzelnes Hotel reicht nicht aus. Wir bräuchten zum Start mindestens drei Häuser. Derzeit laufen viele Gespräche.

Welche Rolle spielt die DACH-Region, und wann können wir dort mit einem neuen Kempinski-Hotel rechnen?

Die DACH-Region ist für uns von großer Bedeutung; dort hat Kempinski seinen Ursprung. Wir sind aktiv auf der Suche nach neuen Möglichkeiten in der DACH-Region, und zwar in Städten, in denen wir derzeit noch nicht vertreten sind.

Die Kempinski AG hat ihren Hauptsitz in München, Eigentümer ist die bahrainische Königsfamilie. Seit vielen Jahren hat die Tochtergesellschaft Kempinski SA ihren Hauptsitz in Genf. Es gab Pläne, den Sitz nach Dubai zu verlegen. Was ist daraus geworden, und wie ist der aktuelle Stand?

Kempinski ist ein internationales Unternehmen, und wir werden weiterhin einen Sitz in Genf unterhalten. Dubai wird jedoch in Zukunft eine größere Rolle spielen.

Frau Muckermann, vielen Dank für das Interview!

Über Kempinski

Die Marke wurde 1872 von Berthold Kempinski mit seiner Weinhandlung in Berlin gegründet. Inzwischen betreibt die „älteste Luxushotelmarke Europas“ weltweit 75 Hotels und Residenzen in 30 Ländern. Insgesamt sind rund 24.000 Mitarbeiter beschäftigt. Nach den letzten veröffentlichten Zahlen von 2019 lag der Umsatz bei 1,6 Milliarden Euro (rund 1,5 Mrd. CHF). Barbara Muckermann ist seit Juni 2024 Group Chief Executive Officer. Eigentümer ist das Königshaus in Bahrein.

www.kempinski.com

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