Management

Essay von Hans R. Amrein: Menschen stärken statt verschleißen

Die Hotellerie und die Gastronomie zählen zu den wichtigsten, aber auch belastendsten Branchen der Dienstleistungswirtschaft. Gerade deshalb ist die Frage, was einen attraktiven Arbeitgeber in der Hotellerie auszeichnet (vgl. Interview mit Prof. Sandra Rochnowski), mehr als nur eine Personalstrategie – sie ist ein zentraler Zukunftsfaktor. Denn wer heute Menschen für sich gewinnen will, muss sie nicht nur beschäftigen, sondern wertschätzen, motivieren und entwickeln.

Gute Arbeitgeber bieten mehr als einen Lohnzettel. Sie schaffen ein Umfeld, in dem Menschen gerne arbeiten, sich weiterentwickeln können und ernst genommen werden. In einer Branche, die stark von persönlichen Begegnungen, Stress-Situationen und engem Teamwork geprägt ist, sind wertschätzende Führung, Verlässlichkeit und echte Beteiligung kein Luxus, sondern Notwendigkeit.

Warum ist es so wichtig, sich den Mitarbeitenden anzunehmen? Weil ohne sie nichts läuft. Keine Rezeption, kein Frühstücksbuffet, kein sauber gemachtes Zimmer. Mitarbeitende im Gastgewerbe leisten oft emotional aufgeladene Arbeit, mit ständig wechselnden Gästen, unter Zeitdruck und häufig zu ungünstigen Zeiten. Wer sie nicht fördert, sondern nur funktionieren lässt, riskiert Frustration, hohe Fluktuation und Fachkräftemangel.

Gute Führung bedeutet, Mitarbeitende nicht nur zu fordern, sondern ihnen auch die Mittel zu geben, um zu wachsen. Das beginnt bei planbaren Arbeitszeiten und endet nicht bei Schulungen oder Karrierepfaden. Es geht darum, den Menschen hinter der Uniform zu sehen.

Warum scheitern viele Führungskräfte, gerade im Gastgewerbe, daran? Ein Teil des Problems liegt in der fehlenden Führungsausbildung. Viele Vorgesetzte im Gastgewerbe sind fachlich top, aber menschlich und kommunikativ überfordert. Sie agieren autoritär, ohne zuzuhören, oder lassen Entscheidungen einfach schleifen. Statt Klarheit herrscht Chaos, statt Vertrauen entsteht Kontrolle. Mitarbeitende fühlen sich nicht mitgenommen, sondern verwaltet – oder schlimmer: ignoriert.

Ein weiterer Fehler: Viele Chefs glauben, dass harte Führung Effizienz schafft. Doch das Gegenteil ist der Fall. Wer nicht zuhört, verliert das Vertrauen. Wer nur kritisiert, zerstört Motivation. Und wer sich nie zeigt, wird auch nicht respektiert.

Fazit: Die Attraktivität eines Arbeitgebers misst sich heute nicht mehr nur an Gehalt oder Titel, sondern an der Art und Weise, wie geführt wird. Wertschätzung, klare Kommunikation, Entwicklungsmöglichkeiten und ein echtes Miteinander sind keine weichgespülten Begriffe – sie sind die Basis einer widerstandsfähigen und zukunftsfähigen Unternehmenskultur.

Die Hotellerie braucht keine Chefs, die mit der Stoppuhr führen, sondern Menschen, die Menschen führen können. Wer das begreift, wird nicht nur seine Mitarbeitenden halten – er wird auch Gäste gewinnen, die den Unterschied spüren.

Hinweis: Hotel Inside sorgt für eine weitere Schweizer Premiere: Am 16. November 2025 werden im Rahmen der Fachmesse Igeho 2025 in Basel erstmals die attraktivsten Arbeitgeber(innen) der Schweizer Hotellerie und Gastronomie ausgezeichnet. Der neue Award basiert auf einer wissenschaftlichen Studie, welche die Hotel Inside-Denkfabrik in Auftrag gegeben hat.
Hintergründe dazu und ein Video-Gespräch mit Studienleiterin Prof. Dr. Sandra Rochnowski.

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