Mit der Eröffnung des neuen Suvretta Spa erweitert das Suvretta House in St. Moritz sein historisches Ensemble um einen architektonisch eigenständigen Wellnessbereich. Nach mehreren Jahren der Planung und rund acht Monaten Bauzeit wurde zur Wintersaison 2025/26 ein Spa realisiert, der sich über mehrere Ebenen erstreckt und sowohl gestalterisch als auch räumlich auf die alpine Umgebung reagiert.

Der neue Spa-Bereich wurde als Um- und Neubau konzipiert und fügt sich in die bestehende Struktur des Hotels ein, ohne diese zu imitieren. Verantwortlich für Planung und Umsetzung zeichnet das Architekturbüro Ritter & Schumacher AG. Ziel war es, einen eigenständigen Baukörper zu schaffen, der funktional klar gegliedert ist und dennoch den historischen Kontext respektiert. Der Spa erstreckt sich über mehrere Ebenen und nutzt die Hanglage, um Räume mit unterschiedlichen Licht- und Aussichtssituationen zu schaffen.

Materialität und Lichtführung
Das Design des Spa ist geprägt von einer reduzierten Materialpalette. Holz, Naturstein und Glas dominieren die Innenräume. Die Materialien sind bewusst zurückhaltend eingesetzt und lassen Oberflächen, Proportionen und Lichtwirkung in den Vordergrund treten. Großzügige Fensterfronten öffnen den Blick auf die Engadiner Berglandschaft und binden die Umgebung als visuelles Element in das Raumkonzept ein. Natürliches Licht wird gezielt geführt und durch eine dezente künstliche Beleuchtung ergänzt.

Räumliche Organisation und Nutzung
Die innere Organisation folgt einer klaren funktionalen Logik. Ruhebereiche, Saunen, Wasserzonen und Behandlungsräume sind räumlich voneinander getrennt, gleichzeitig jedoch über kurze Wege miteinander verbunden. Aufenthaltszonen sind großzügig dimensioniert und bewusst reduziert möbliert. Die Architektur unterstützt damit einen fließenden Wechsel zwischen Aktivität und Rückzug.

Design als Rahmen, nicht als Inszenierung
Im Gegensatz zu stark thematisierten Spa-Konzepten setzt der neue Suvretta Spa auf Zurückhaltung. Das Design versteht sich als Rahmen für Nutzung und Wahrnehmung, nicht als eigenständige Inszenierung. Formale Klarheit, akustische Dämpfung und visuelle Ordnung prägen die Atmosphäre. Der Spa positioniert sich damit weniger als Erlebnisarchitektur, sondern als funktional durchdachter Rückzugsort innerhalb eines Grandhotels.

Ein neuer Baustein im Gesamtgefüge
Mit dem neuen Spa ergänzt das Suvretta House seine bauliche Infrastruktur um einen zeitgemäßen Wellnessbereich, der architektonisch eigenständig bleibt und zugleich das Gesamtgefüge des Hauses stärkt. Der Spa ist Teil einer umfassenden Neustrukturierung und markiert einen weiteren Entwicklungsschritt in der Geschichte des Hotels.













Hotel Inside Background: Die Geschichte eines Grandhotels
Das Suvretta House in St. Moritz gehört zu den prägenden Hotelbauten der alpinen Luxushotellerie. Seine Geschichte ist eng mit der touristischen Entwicklung des Engadins, dem Aufstieg von St. Moritz zum internationalen Kur- und Wintersportort sowie dem Wandel der Schweizer Grandhotellerie verbunden.

Die Anfänge des Suvretta House reichen in die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts zurück. Eröffnet wurde das Hotel im Jahr 1912 auf einer Anhöhe oberhalb von St. Moritz-Bad. Initiator und Bauherr war der Hotelpionier Anton Bon, der bereits zuvor maßgeblich an der Entwicklung des alpinen Tourismus beteiligt gewesen war. Bon erkannte früh das Potenzial von St. Moritz als ganzjähriger Destination und setzte mit dem Suvretta House bewusst auf ein Hotel, das sich durch Größe, Lage und architektonischen Anspruch von bestehenden Häusern abhob.

Der Bau des Hotels fiel in eine Phase wirtschaftlichen Optimismus. Das Suvretta House wurde von Beginn an als Grandhotel konzipiert – mit großzügigen Gesellschaftsräumen, moderner Infrastruktur und einer Architektur, die Repräsentation und Komfort verband. Die exponierte Lage ermöglichte freie Sicht auf die Engadiner Bergwelt und unterschied das Haus deutlich von den Hotels im Ortszentrum.
Bereits wenige Jahre nach der Eröffnung wurde das Hotel zu einem Treffpunkt der internationalen Gesellschaft. Die Gäste kamen aus ganz Europa, insbesondere aus Deutschland, Großbritannien und Russland. Der Erste Weltkrieg brachte jedoch, wie für viele Grandhotels jener Zeit, einen tiefen Einschnitt. Der internationale Reiseverkehr kam weitgehend zum Erliegen, und der Hotelbetrieb war stark eingeschränkt.
In der Zwischenkriegszeit und insbesondere ab den 1920er-Jahren erlebte das Suvretta House erneut eine Phase des Aufschwungs. Der Wintersport gewann zunehmend an Bedeutung, und St. Moritz etablierte sich als einer der führenden Wintersportorte Europas. Das Suvretta House profitierte von dieser Entwicklung und baute sein Angebot kontinuierlich aus. Technische Neuerungen und bauliche Anpassungen hielten Einzug, ohne den Charakter des Hauses grundlegend zu verändern.
Der Zweite Weltkrieg stellte das Hotel erneut vor große Herausforderungen. In den Kriegsjahren war der Betrieb stark reduziert, internationale Gäste blieben aus. Nach 1945 begann eine Phase der Neuorientierung. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der Nachkriegszeit kehrten auch die internationalen Gäste zurück, und das Suvretta House konnte an seine Vorkriegstradition anknüpfen.

In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich das Hotel stetig weiter. Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war geprägt von kontinuierlichen Investitionen in Infrastruktur, Zimmerkomfort und Serviceangebote. Ziel war es, den Ansprüchen eines sich wandelnden, internationaleren Publikums gerecht zu werden, ohne den Charakter eines klassischen Grandhotels aufzugeben.
Ein wichtiger Einschnitt in der jüngeren Geschichte war der Übergang in den Besitz der Familie Candrian. Unter ihrer Führung wurde das Suvretta House strategisch weiterentwickelt und behutsam modernisiert. Der Fokus lag dabei stets auf langfristiger Substanzerhaltung, auf Qualität und auf der Wahrung der historischen Identität des Hauses.
Im 21. Jahrhundert steht das Suvretta House exemplarisch für den Umgang mit historischer Hotelarchitektur in einer zeitgemäßen Luxushotellerie. Umfangreiche Renovationen, darunter die jüngste Neustrukturierung mit dem Bau des neuen Spa-Bereichs, zeigen den Anspruch, Tradition und Gegenwart miteinander zu verbinden. Das Hotel bleibt saisonal geführt und bewahrt damit ein Betriebsmodell, das in der Schweizer Grandhotellerie zunehmend selten geworden ist.
Heute blickt das Suvretta House auf über ein Jahrhundert Hotelgeschichte zurück. Von der visionären Gründung durch Anton Bon über die Herausforderungen der Weltkriege bis hin zur aktuellen Positionierung als eines der renommiertesten Grandhotels der Alpen spiegelt das Haus nicht nur die Geschichte eines Hotels wider, sondern auch die Entwicklung des alpinen Tourismus insgesamt.

Suvretta House: Zwei Hoteliers-Paare, ein Grandhotel
Die Geschichte des Suvretta House in St. Moritz ist nicht nur von Architektur und Lage geprägt, sondern auch von Persönlichkeiten, die das Haus über Jahrzehnte hinweg geführt und geprägt haben. Besonders deutlich wird dies im Übergang von Vic und Helene Jacob zu Peter und Esther Egli – zwei Hoteliers-Paare, die das Grandhotel in unterschiedlichen Zeiten verantworteten und jeweils eigene Akzente setzten.

Vic und Helene Jacob übernahmen das Suvretta House in einer Phase, in der klassische Grandhotels vor der Herausforderung standen, ihre historische Identität in eine neue Zeit zu überführen. Das Ehepaar Jacob entwickelte das Haus mit großer Kontinuität und persönlicher Präsenz weiter. Ihr Führungsstil war geprägt von Nähe zu den Gästen, internationaler Offenheit und einem ausgeprägten Gespür für die Erwartungen einer kosmopolitischen Klientel. Unter ihrer Leitung festigte das Suvretta House seinen Ruf als eines der renommiertesten Grandhotels der Alpen.
Die Jacobs standen für eine Form der Hotellerie, in der Gastgeberrolle und unternehmerische Verantwortung untrennbar miteinander verbunden waren. Viele Stammgäste verbanden das Haus unmittelbar mit den Persönlichkeiten von Vic und Helene Jacob. Ihr Wirken erstreckte sich über mehr als zwanzig Jahre und fällt in eine Zeit, in der St. Moritz sich endgültig als internationaler Luxus- und Wintersportort etablierte.
Mit der Übergabe an Peter und Esther Egli begann ein neues Kapitel in der Geschichte des Suvretta House. Das Ehepaar Egli führt das Hotel mit einem klaren Fokus auf strukturelle Weiterentwicklung, langfristige Planung und behutsame Erneuerung. Während die historische Identität des Hauses bewusst bewahrt wird, setzen sie zugleich auf zeitgemäße Infrastruktur und strategische Investitionen.

Unter ihrer Führung wurden umfangreiche Renovationen und Neustrukturierungen umgesetzt, darunter auch der jüngste Ausbau des Spa- und Wellnessbereichs. Peter und Esther Egli verstehen das Suvretta House als saisonal geführtes Grandhotel mit internationalem Anspruch, das Tradition nicht konserviert, sondern aktiv weiterentwickelt.
Gemeinsam ist beiden Hoteliers-Paaren die Überzeugung, dass ein Haus wie das Suvretta House nur durch persönliche Verantwortung, Kontinuität und klare Haltung geführt werden kann. Der Übergang von Vic und Helene Jacob zu Peter und Esther Egli markiert daher keinen Bruch, sondern eine Weiterführung – angepasst an veränderte Rahmenbedingungen, aber getragen vom gleichen Anspruch an Qualität und Gastgeberschaft.
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