Die weltweite Hotelentwicklung sendet 2026 ein klares Signal: Während die Pipeline auf dem amerikanischen Kontinent schrumpft, wächst sie in Europa weiter. Die jüngsten Zahlen von CoStar zeigen, dass Investoren, Entwickler und Hotelgesellschaften dem europäischen Markt unverändert großes Vertrauen entgegenbringen. Hotel Inside publiziert im folgenden Report exklusive Zahlen und Fakten zum globalen Hotelmarkt.

Besonders Deutschland behauptet seine Stellung als einer der wichtigsten Hotelbaumärkte Europas. Auch Österreich und die Schweiz profitieren von langfristigen Investitionen, hochwertiger Nachfrage und einer zunehmenden Konzentration auf nachhaltige und zukunftsfähige Hotelkonzepte.
Doch hinter den Zahlen verbirgt sich mehr als eine reine Baukonjunktur. Die von Hotel Inside und CoStar erhobenen Daten zeigen, welche Hoteltypen künftig gefragt sein werden, welche Märkte Kapital anziehen und wie sich die Hospitality-Branche in den kommenden Jahren verändern dürfte.

Ein Weltmarkt im Wandel
Die internationale Hotellerie befindet sich in einer Phase struktureller Veränderungen. Nach der Pandemie stand zunächst die Rückkehr der Nachfrage im Mittelpunkt. Heute beschäftigen die Branche andere Themen: steigende Baukosten, ESG-Vorgaben, Fachkräftemangel, Digitalisierung, neue Reiseformen und veränderte Erwartungen der Gäste.
Dennoch bleibt der langfristige Optimismus bemerkenswert. Weltweit entstehen neue Hotels, Resorts, Serviced Apartments und Mixed-Use-Projekte. Investoren investieren selektiver als früher, konzentrieren sich aber auf Standorte mit hoher Nachfrage und langfristigem Wachstumspotenzial.
Genau hier profitiert Europa. Der Kontinent bietet politische Stabilität, eine starke touristische Infrastruktur, hohe internationale Sichtbarkeit und zahlreiche urbane sowie touristische Destinationen mit langfristiger Attraktivität.

Europa entwickelt sich zum Stabilitätsanker
Laut CoStar befinden sich derzeit 185.419 Zimmer in Europa im Bau. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Plus von 6,6 Prozent. Noch dynamischer entwickelt sich die frühe Planungsphase mit 193.351 Zimmern und einem Wachstum von 9,7 Prozent.
Insgesamt umfasst die europäische Pipeline inzwischen 456.023 Zimmer. Diese Entwicklung ist bemerkenswert, weil sie in einem Umfeld steigender Finanzierungskosten stattfindet. Investoren bleiben dennoch aktiv und betrachten Europa als langfristig attraktiven Markt.
Besonders gefragt sind Projekte in internationalen Gateway-Städten, Freizeitdestinationen und Regionen mit stabiler touristischer Nachfrage. Gleichzeitig gewinnen Konzepte an Bedeutung, die flexibel auf neue Gästebedürfnisse reagieren können.

Deutschland bleibt Europas Schlüsselmarkt
Mit 23.748 Zimmern in Bau befindet sich Deutschland europaweit auf Platz zwei hinter dem Vereinigten Königreich. Für internationale Hotelgesellschaften bleibt der deutsche Markt attraktiv.
Dafür gibt es mehrere Gründe. Deutschland verfügt über eine einzigartige Mischung aus Geschäftsreiseverkehr, Messewirtschaft, Städtetourismus und Freizeitdestinationen. Hinzu kommt die wirtschaftliche Bedeutung vieler Regionen. Selbst in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten bleibt die Nachfrage vergleichsweise stabil.
Internationale Marken wie Marriott, Hilton, Accor, Hyatt, IHG oder Radisson verfolgen ihre Expansionsstrategien in Deutschland weiterhin konsequent. Parallel dazu wachsen neue Betreibersegmente wie Serviced Apartments, Long-Stay-Anbieter und hybride Hospitality-Konzepte.

Die DACH-Region profitiert von Qualität statt Masse
Österreich und die Schweiz erscheinen in der CoStar-Analyse zwar nicht als separate Schwerpunktmärkte, dennoch profitieren beide Länder von denselben Investitionsströmen.
Österreich punktet mit einer starken Position im alpinen Tourismus. Investoren setzen zunehmend auf Ganzjahreskonzepte, hochwertige Resorts, Wellnesshotels und nachhaltige Ferienanlagen. Der Trend geht weg von reinen Wintersportkonzepten hin zu ganzjährigen Erlebnisangeboten.
Die Schweiz bleibt einer der prestigeträchtigsten Hotelmärkte Europas. Luxusresorts, urbane Lifestyle-Hotels und internationale Markeninvestitionen prägen die Entwicklung. Besonders gefragt sind Konzepte mit hoher Servicequalität und klarer Positionierung im Premiumsegment.

Die wichtigsten Investitionstrends 2026
Die Hotelentwicklung folgt heute anderen Regeln als noch vor zehn Jahren. Investoren achten zunehmend auf Resilienz, Nachhaltigkeit und flexible Nutzungsmöglichkeiten.
Besonders gefragt sind:
• Serviced Apartments
• Extended-Stay-Konzepte
• Lifestyle-Hotels
• Mixed-Use-Projekte
• Resortanlagen mit Ganzjahresbetrieb
• Nachhaltige Neubauten mit ESG-Fokus
Viele Projekte kombinieren inzwischen Wohnen, Arbeiten, Gastronomie und Hotellerie unter einem Dach. Dadurch entstehen zusätzliche Ertragsquellen und höhere Flexibilität für Betreiber.
ESG wird zum entscheidenden Faktor
Nachhaltigkeit ist längst kein Zusatzthema mehr. Banken, Fonds und institutionelle Investoren machen ESG-Kriterien zunehmend zur Voraussetzung für Finanzierungen.
Energieeffizienz, CO₂-Reduktion, nachhaltige Baustoffe und Kreislaufwirtschaft beeinflussen heute bereits die Planung vieler Hotelprojekte. Deutschland, Österreich und die Schweiz zählen in Europa zu den Vorreitern dieser Entwicklung.
Für viele Investoren sind ESG-konforme Hotels inzwischen nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich attraktiver.

Asien bleibt der Gigant des Hotelbaus
Mit 982.629 Zimmern unter Vertrag verfügt die Region Asien-Pazifik weiterhin über die weltweit größte Hotelpipeline. China bleibt mit Abstand der wichtigste Markt. Gleichzeitig gewinnen Indien und Vietnam an Bedeutung.
Die Region zeigt jedoch auch, dass Wachstum heute differenzierter betrachtet werden muss. Während die Zahl der Zimmer im Bau zurückgeht, steigt die Zahl der Projekte in der finalen Planungsphase deutlich. Dies deutet auf eine neue Investitionswelle in den kommenden Jahren hin.
Naher Osten investiert in die Zukunft des Tourismus
Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate treiben ihre touristischen Großprojekte konsequent voran – trotz Krieg in Iran und aktuellen Unsicherheiten in der Golfregion. Neue Destinationen, Luxusresorts und Business-Hubs schaffen enorme Kapazitäten.
Mit mehr als 51.000 Zimmern im Bau ist Saudi-Arabien einer der dynamischsten Hotelmärkte der Welt. Die Entwicklung zeigt, wie stark Regierungen Tourismus inzwischen als wirtschaftlichen Wachstumsmotor nutzen.
Amerika verliert an Dynamik
Im Gegensatz zu Europa verzeichnet Amerika Rückgänge in nahezu allen Pipeline-Kategorien. Die Zahl der Zimmer im Bau, in der finalen Planung und in der allgemeinen Planung ging zurück.
Die Gründe reichen von höheren Finanzierungskosten über wirtschaftliche Unsicherheiten bis hin zu vorsichtigeren Investitionsentscheidungen. Zwar bleiben die USA einer der weltweit größten Hotelmärkte, doch die Dynamik der vergangenen Jahre hat deutlich nachgelassen.

Welche Hotelkonzepte die Zukunft prägen werden
Die Pipelinezahlen zeigen auch, welche Konzepte künftig wachsen werden. Gäste suchen heute mehr als nur ein Zimmer. Gefragt sind Erlebnisse, flexible Aufenthaltsmodelle, Design, Community und Nachhaltigkeit. Daher investieren Betreiber zunehmend in hybride Konzepte, die Hotel, Wohnen, Arbeiten und Gastronomie miteinander verbinden. Gleichzeitig wächst die Bedeutung von Technologie, Personalisierung und digitalen Services.
Für die DACH-Region eröffnet dies große Chancen. Die hohe Qualitätsorientierung vieler Betreiber passt ideal zu den neuen Anforderungen des Marktes.
Die wichtigsten CoStar-Kennzahlen
Europa:
185.419 Zimmer im Bau (+6,6 %)
193.351 Zimmer in früher Planung (+9,7 %)
456.023 Zimmer insgesamt unter Vertrag (+6,7 %)
Deutschland:
23.748 Zimmer im Bau
Platz 2 in Europa
Asien-Pazifik:
982.629 Zimmer unter Vertrag
Naher Osten/Afrika:
107.653 Zimmer im Bau (+4,5 %)
Amerika:
878.114 Zimmer unter Vertrag (-5,3 %)

Fazit der CoStar-Analyse 2026
Die aktuelle CoStar-Auswertung zeigt deutlich, dass Europa zu den Gewinnern der globalen Hotelentwicklung zählt. Besonders Deutschland behauptet seine starke Stellung als einer der wichtigsten Hotelmärkte Europas. Österreich und die Schweiz profitieren von ihrer Qualitätspositionierung, ihrer touristischen Attraktivität und der hohen Nachfrage nach hochwertigen Hospitality-Produkten.
Die kommenden Jahre werden von Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Mixed-Use-Konzepten und neuen Formen des Reisens geprägt sein. Die Investoren glauben weiterhin an Europa – und die Pipelinezahlen zeigen, dass der Kontinent auch künftig eine zentrale Rolle in der internationalen Hotelentwicklung spielen dürfte.