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Budget-Hotellerie: Meininger setzt auf starkes Wachstum in ganz Europa

Von „easy to clean“ zu softer Atmosphäre: Die Gruppe Meininger Hotels wurde 1999 in Berlin gegründet und ist inzwischen zu einem europäischen Aushängeschild für Budget-Hotellerie geworden. COO Thomas Hagemann will weiter expandieren und berichtet im Interview mit Rolf Westermann über den Weg vom robusten Konzept zu einem einladenden Übernachtungsort für viele unterschiedliche Zielgruppen.

Kurzfassung

  • Meininger Hotels wachsen international. Jedes Jahr sind drei bis vier Eröffnungen geplant. Deutschland bleibt im Fokus, auch die Schweiz und Österreich sind attraktiv.
  • Ein gut gefülltes Eventjahr 2026 mit Sport- und Musikacts hilft Meininger bei der Hotelbelegung.
  • Ziel ist es, das Reisen bezahlbar zu machen. Die Durchschnittsrate pro Bett liegt bei 39 Euro, pro Zimmer sind es 105 Euro. Der Jahresumsatz von mehr als 200 Millionen Euro soll in diesem Finanzjahr übertroffen werden
  • Das Gästespektrum ist groß. Rund zwei Drittel sind Individualreisende, davon entfällt ein Fünftel auf Familien. Gruppen kommen auf 20 bis 25 Prozent, Backpacker stellen rund zehn Prozent
  • Aus Gründen der Nachhaltigkeit prüft Meininger große Rahmenverträge und setzt mehr auf lokale Lieferanten. „Es muss nicht alles von den Big Playern kommen, Brauereien gibt es in jeder Stadt.“
Meininger-COO Thomas Hagemann.

Inside-Interview mit Meininger-COO Thomas Hagemann

Thomas Hagemann, Meininger legt ein schnelles Wachstumstempo vor. Geplant sind neue Häuser in Barcelona (2026), Edinburgh (2026), Tel Aviv (2026), Straßburg (2027), Madrid (2027), Dublin (2028), Porto (2028) und Kiel (2028). Welche Herausforderungen bringt diese Internationalisierung?

Wir sind schon in zehn Ländern, bald kommt noch Spanien hinzu. Dabei machen wir die Erfahrung, dass eine Eröffnung auch innerhalb eines Landes unterschiedlich verläuft, in Barcelona gibt es andere Dinge zu beachten, als in Madrid – und Zürich unterscheidet sich von Genf. Deshalb haben wir eine neue Funktion geschaffen, die die interne Kommunikation und Abläufe zwischen den verschiedenen Abteilungen koordiniert und optimiert.

Rezeption im Meininger Hotel am HBF Berlin.

Worin liegt denn die große Herausforderung, neue Hotels zu eröffnen?

Neue Hotelprojekte erfolgreich zu eröffnen, ist heute in der Tat ein komplexer Prozess. Sobald das Gebäude fertiggestellt ist, sollen die operativen Abläufe möglichst sofort starten, damit Umsatz generiert werden kann. Vorher müssen aber verschiedenste Abnahmen erfolgt sein, einige Versicherungen und Lizenzen müssen vorliegen, und es gibt viele Verträge mit Lieferanten, die vorab ausgehandelt sein müssen. Auch die technischen und vertrieblichen Grundlagen müssen frühzeitig stehen: Das Reservierungssystem, das Kassensystem, die Website sowie weitere Vertriebskanäle müssen in verschiedenen Sprachen weit vor der Eröffnung eingerichtet sein. Dies alles erfordert ein eng abgestimmtes Zusammenspiel zwischen vielen Stabsabteilungen und natürlich auch eine gute Koordination mit dem operativen Team. So können wir drei bis vier Openings im Jahr stemmen.

Meininger Hotel am HBF Berlin.

In Deutschland betreibt Meininger 15 Hotels. Die Expansion ist international geplant. Ist der einheimische Markt gesättigt?

Nein, der Markt ist nicht gesättigt. Wir haben Projekte in Berlin, Köln und Hamburg auf dem Tisch liegen und würden auch München nehmen. Es gibt eine ganze Liste von Targets in Deutschland.

Wie attraktiv sind denn Österreich und die Schweiz für Meininger?

Sehr attraktiv. In Wien haben wir bereits zwei Häuser und wir würden auch gerne noch ein drittes Hotel eröffnen. In der Schweiz, wo wir zwei Hotels haben, könnten wir uns zusätzlich noch Basel vorstellen. Da wir die Immobilien pachten, sind die Kosten allerdings sehr hoch.

Die Aussichten für die Hotellerie in Deutschland sind gemischt. Was erwarten Sie für 2026?

Wir gehen nicht von einem Riesen-Wachstum aus. Die Ergebnisse des vergangenen Jahres wollen wir natürlich übertreffen und das werden wir auch schaffen. Wir haben lange in München renoviert, das Hotel im Zentrum ist wieder voll im Betrieb. In Barcelona starten wir im Mai, in Edinburgh geht es im Sommer los. In beiden neuen Destinationen ist der RevPAR besonders hoch. So erwarten wir eine Ergebnisverbesserung.

Außerdem hilft uns, dass 2026 wieder zahlreiche große Konzerte anstehen, gefühlt ist fast jeder Top-Act auf Tour: Harry Styles, The Weeknd, Rosalía, Foo Fighters, Metallica, Guns N‘ Roses, Bruno Mars und viele mehr quer durch alle Genres. Darüber hinaus gibt es weitere Highlights, die für uns interessant sind: die Handball-WM 2027 in Deutschland, die noch in unser Finanzjahr fällt, das bis Ende März 2027 läuft, sowie die Rugby-Spiele der Six Nations 2026.

Die Wirtschaftswoche schreibt in einem Meininger-Bericht vom „Ryanair der Hotellerie“. Was ist damit gemeint?

Der Vergleich kommt nicht von mir und trifft eigentlich auch nicht zu. Bei der Fluggesellschaft Ryanair zahlt man für jedwede Zusatzleistung extra. Das gibt es bei uns so nicht. Wir verkaufen unsere Zimmer und Zusatzangebote wie jedes andere Hotel auch. Natürlich können Gäste entscheiden, ob sie beispielsweise Frühstück dazubuchen oder einen Late Check-out in Anspruch nehmen möchten. Der einzige Unterschied liegt darin, dass man bei uns – zu einem relativ günstigen Preis – auch ein Bett im Schlafsaal reservieren kann. Alternativ stehen selbstverständlich auch private Doppel- oder Mehrbettzimmer zur Verfügung.

Beliebt ist Ryanair nicht unbedingt

…Ryanair ist günstig und wird von vielen genutzt. Da ist nichts schlecht daran. Extrakosten für Gepäck und Sitzplatzreservierung haben wir natürlich nicht.

Meininger Hotel Krakow.

Meininger bietet 5.700 Zimmer und mehr als 20.000 Betten, im Durchschnitt also 4 Betten pro Zimmer. Soll das Verhältnis so bleiben oder gibt es einen Trend zur Individualität?

Das Konzept werden wir nicht aufweichen. Hier stimmen Flexibilität und Rentabilität. Wir legen inzwischen mehr Wert auf unsere öffentlichen Bereiche und die Zimmerausstattung. Hier spielen Akustik, gutes Licht und eine softe Atmosphäre eine größere Rolle. Früher war es mehr „easy to clean“. Unsere neuesten Hotels in Köln und Krakau haben ein anderes Flair.

Verkauft Meininger Zimmer oder jedes Bett einzeln?

Das kann der Gast auf der Webseite entscheiden. Dort beantwortet er zuerst die Frage, ob er ein Bett im Mehrbettzimmer oder ein privates Zimmer möchte.

Meininger Hotel Zürich Green City.
Lobby im Meininger Hotel Zürich.

Welche Kundengruppe hat Meininger?

Das Spektrum ist groß. Rund zwei Drittel sind Individualreisende, davon entfällt ein Fünftel auf Familien. Gruppen kommen auf 20 bis 25 Prozent, Backpacker stellen rund zehn Prozent der Gäste. Hinzu kommen viele Corporate-Gäste aus den Bereichen Polizei, Technisches Hilfswerk und Handwerk sowie Handelsreisende. Schüler- und Sportgruppen übernachten im 4er-, 6er- oder im 8-Bett-Zimmer. Es gibt sowohl gemischte Dorms als auch Schlafsäle für Frauen. Transgender-Gäste können sich aussuchen, in welchen Dorms sie schlafen wollen.
Schülerreisen sind übrigens eine absolute Konstante. Der Vandalismus hat inzwischen deutlich nachgelassen.

Vandalismus?

Nach der Covid-Zeit kam es noch vor, dass Türen eingetreten oder Fernseher von den Wänden gerissen wurden, heute passiert das nur noch selten. Die Atmosphäre unterscheidet sich von anderen Hotels. Teenager sitzen im Schlafanzug und mit Haarnetz am Frühstückstisch. Bei uns geht es locker zu.

Meininger Hotel Krakow.

Wie hoch ist eigentlich die Durchschnittsrate pro Bett?

Das sind 39 Euro, pro Zimmer kommen wir auf 105 Euro.

Ende vergangenen Jahres verkauften die Meininger-Gründer Nizar Rokbani, Oskar Kan und Sascha Gechter ihre 2017 gegründeten Schulz Hotels ausgerechnet an ihren größten Konkurrenten a&o Hostels. Warum kam Meininger nicht mit den Gründern ins Geschäft?

2023 wurde a&o von neuen Eigentümern bzw. Investoren übernommen und der Schulz-Deal ist offensichtlich ein strategischer Teil des Expansionsprogramms der Eigentümer. Solche Transaktionen – man kann es auch Marktkonsolidierung nennen – gibt es in allen Industriezweigen, so auch in der Hotellerie. Da ist nix schief gegangen, wir sind in gutem freundschaftlichem Kontakt.

Zimmer im Meininger Hotel Krakow.

Meininger agiert vorbildlich bei der Diversität. Rund die Hälfte der Beschäftigten sind Frauen, insgesamt kommen die Mitarbeitenden aus 90 Nationen. Das Thema bekommt zuletzt wegen der internationalen Politik Gegenwind. Was bedeutet das für Meininger?

Vielen Dank, es freut uns, dass wir so wahrgenommen werden! Bei uns hat diese Politik keinerlei Einfluss – im Gegenteil. Der ausgewogene Anteil zwischen Frauen und Männern gilt selbstverständlich auch für Führungspositionen, in denen sogar überproportional viele weibliche Kolleginnen Verantwortung tragen. Wir arbeiten bewusst mit vielfältigen, ausgewogenen Teams, die auf Augenhöhe agieren und sich gegenseitig stärken. Dieses Werteverständnis stellt für uns ein klares Fundament dar. Wir sehen keinen Anlass, es aufgrund politischer Entwicklungen infrage zu stellen, eher fühlen wir uns darin bestärkt, konsequent weiter diesen Weg zu gehen.

Wohnbereich im Meininger Hotel Krakow.

Für 2025 hat Meininger eine aktualisierte CO2-Bilanz vorgelegt. Was sind die wesentlichen Ergebnisse?

Wichtig ist, dass wir es gemacht haben, das ist sehr aufwendig und kostet viel Arbeitszeit. Jetzt schon versorgen wir 34 von 36 Hotels mit Ökostrom. Demnächst zeigen wir unserer Klimabilanz auch auf unserer Webseite und machen damit unseren und den CO2-Fußabdruck unserer Lieferanten transparent.

Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie daraus?

Wir schauen uns die Lieferketten an. Müssen wir Käse und Bier nach Spanien transportieren? Bei uns gilt das Motto „Think global, act local“. Wir diskutieren, ob wir aus großen Rahmenverträgen aussteigen und mehr lokal einkaufen. Es muss nicht alles von den Big Playern kommen, Brauereien gibt es in jeder Stadt.

Meininger Hotel Edinburgh Haymarket. Copyright © 3dreid.com.

Renovierungen sind ein Dauerthema. Im vergangenen Jahr wurden Hotels in Berlin, München, Wien, Paris und Hamburg saniert. Was ist in diesem Jahr geplant?

Wir machen große Fortschritte in unserem Frankfurter Flughafen-Hotel, unserem zweiten Haus in Wien und auch in Salzburg geht es gut voran. In Berlin werden wir eines unserer wichtigsten Häuser mit über 800 Betten am Hauptbahnhof renovieren. Das bleibt eine Daueraufgabe.

Haben Sie noch Probleme, Mitarbeitende zu finden?

Das hat sich normalisiert. Bei uns bringen Teams oft Leute aus dem Freundeskreis mit. Das ist eine besondere Gruppendynamik.

Rezeption im Meininger Hotel Edinburgh Haymarket. Copyright © 3dreid.com.

Bei der ITB 2026 war die Hotelhalle 9 ist nicht mehr so stark gefüllt wie früher. Was bringt Ihnen die Messe?

Die ITB ist eine Traditionsmesse. Wir als Berliner fühlen uns zugehörig. Hotellerie ist People’s Business und hier können wir uns persönlich treffen.

Wie finden Sie, dass Airbnb neuerdings Hauptpartner der ITB ist? Sehen Sie die Plattform als Konkurrenz?

Airbnb gehört zur Hospitality dazu. Wichtig sind Regulierungen, wenn es um den Wohnungsmarkt geht und dass es gleiche Regeln für alle gibt. Ich habe Airbnb auch schon genutzt. Es ist ein mittlerweile etabliertes Konzept.

Thomas Hagemann, vielen Dank für das Interview!

Meininger Hotel Barcelona.

Über Meininger Hotels

Ein Hostel in der Meininger Straße 10 in Berlin-Schöneberg war 1999 der Grundstein für die Budgetgruppe Meininger Hotels. Inzwischen betreibt das Unternehmen 36 Hotels an 20 Standorten in 10 Ländern, darunter zwei in der Schweiz (Genf, Zürich) und vier in Österreich (2x Wien, Salzburg, Innsbruck). Der Umsatz hat 2025 die Marke von 200 Millionen Euro (mehr als 180 Millionen CHF) überschritten. Auf 5.700 Zimmer kommen 20.500 Betten. Rund 4,5 Millionen Übernachtungen zählte Meininger im Jahr 2025. Die Auslastung erreichte fast 80 Prozent.

Eigentümer von Meininger ist die britische Touristik-Gruppe Holidaybreak Limited mit Sitz in London. Thomas Hagemann wurde im August 2018 als Chief Operating Officer in das Executive Committee von Meininger Hotels berufen. Er ist verantwortlich für die operative Strategie. 

www.meininger-hotels.com

Wer ist Thomas Hagemann?

Thomas Hagemann wurde im August 2018 als Chief Operating Officer in das Executive Committee von MEININGER Hotels berufen. Er ist verantwortlich für die operative Strategie und stellt sicher, dass die Eröffnung und der Betrieb neuer Hotels reibungslos verlaufen. Thomas bringt umfassende internationale Erfahrung aus der Zusammenarbeit mit Marriott, Starwood und der Radisson Hotel Group in leitenden Unternehmens- und Betriebsfunktionen mit. Er leitete Hoteleinführungen in über 30 Ländern und ist zertifizierter Project Management Professional (PMI) mit Spezialisierung auf Pre-Openings. 

Bei MEININGER konzentriert sich Thomas auf die Optimierung der operativen Exzellenz, die Unterstützung der Wachstumsstrategie und die Implementierung effizienter Prozesse in neuen und bestehenden Hotels.

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