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b-smart: Wie ein Liechtensteiner Modell kleine Hotels neu erfindet

Kleine Hotels auf dem Land stehen europaweit unter Druck: steigende Personalkosten, Fachkräftemangel und immer komplexere digitale Anforderungen treffen auf begrenzte Umsätze. Das Liechtensteiner Unternehmen b-smart hat früh erkannt, dass klassische Strukturen hier an ihre Grenzen stoßen – und daraus ein Geschäftsmodell entwickelt, das heute als Blaupause für die Zukunft vieler kleiner Betriebe gelten könnte.

b smart Hotel in Bendern.

Der Ursprung von b-smart reicht zurück ins Jahr 2010 – und beginnt nicht in einem Strategiemeeting, sondern in einer Liechtensteiner Kneipe. Unternehmer Marco Weishaupt, damals branchenfremd, stand gemeinsam mit einem Geschäftspartner vor der Aufgabe, eine gewerbliche Immobilie zu entwickeln. Schnell entstand die Idee eines Hotels, denn, wie Weishaupt sagt: «Ich konnte meine Kunden und Geschäftspartner nicht adäquat unterbringen, weil ein gutes Businesshotel in Liechtenstein gefehlt hatte.»

Die Reaktionen aus der Branche waren jedoch ernüchternd. Ein Hotel mit 100 Zimmern sei notwendig, um wirtschaftlich arbeiten zu können – doch weder hätte der Markt diese Größe hergegeben noch wäre ein solcher Bau finanzierbar gewesen. Für Weishaupt war das kein Grund, die Idee zu verwerfen, sondern ein Anstoß, das klassische Hotelmodell grundlegend zu hinterfragen.

b Smart-Manager: Bernhard Zindel (CEO Services), Peter Ritsch (Sales Manager) und Marco Weishaupt.

Warum kleine Hotels oft scheitern

Weishaupt analysierte die Kostenstrukturen kleiner Betriebe und kam zu einem klaren Ergebnis: Der Anteil der Personalkosten ist überproportional hoch – insbesondere für die Rezeption. Entweder rechnen sich diese Kosten nicht, oder die Betreiberfamilie steht selbst von morgens bis abends am Tresen.

Die Lösung: ein konsequenter Verzicht auf die klassische Rezeption und der vollständige Einsatz von Self-Check-in. «Ausschließlich auf Self-Check-in zu setzen, und das bei einem Hotel gehobener Qualität, war damals neu», sagt Weishaupt. Zwar habe es bereits vereinzelte Self-Check-in-Lösungen gegeben, meist jedoch nur als Ergänzung und im unteren Segment.

Self-Check-in-Rezeption im b Smart Hotel Menziken.

Der Prototyp in Sevelen

Bevor das geplante Hotel in Liechtenstein realisiert wurde, testete b-smart das Konzept in der Schweiz. Im 5.000-Einwohner-Ort Sevelen, nahe der liechtensteinischen Grenze, entstand am 1. Mai 2014 im Dachgeschoss eines Büro- und Geschäftshauses ein Prototyp mit acht Zimmern. Der Erfolg kam schneller als erwartet: Das Haus war vom ersten Monat an profitabel.

2016 folgte schließlich das ursprünglich geplante b-smart Hotel in Liechtenstein – der Startpunkt für eine Entwicklung, die sich über Ländergrenzen hinweg fortsetzen sollte.

25 eigene Hotels – und ein wachsendes Partnernetzwerk

Heute betreibt b-smart als Pächter 25 Hotels in der Schweiz, in Liechtenstein und in Österreich. Die meisten Häuser verfügen über acht bis 50 Zimmer, einige wenige über 60 bis 70 Zimmer. Charakteristisch ist die Lage: überwiegend ländlich, oft außerhalb klassischer touristischer Hotspots. Rund die Hälfte der Häuser sind Neubauten, die anderen sind bestehende Hotels mit teils langer Geschichte.

Alle Betriebe werden zentral gesteuert – ein Umstand, der den nächsten Schritt nahelegte: das Know-how auch anderen Hoteliers zur Verfügung zu stellen. Aktuell zählen 47 Partnerbetriebe zum Netzwerk, die weiterhin unter eigenem Namen auftreten, technologisch als auch operativ jedoch in vielen Bereichen auf b-smart setzen.

Self-Check-in-Rezeption im b Smart Hotel Arbon.

Die Rezeption ist immer besetzt – nur nicht vor Ort

Für die Partner übernimmt b-smart zentrale Aufgaben, wie sie auch bei den eigenen Hotels anfallen. Dazu gehört eine rund um die Uhr besetzte Rezeption, die Gästefragen beantwortet, Buchungskanäle verwaltet, Revenue Management betreibt, Housekeeping koordiniert sowie Zahlungsabwicklung, Rechnungsstellung und Inkasso übernimmt.

Für den Gast bleibt der Service präsent – nur die physische Rezeption verschwindet. Für viele kleine Hotels ist dies der entscheidende Hebel, um wirtschaftlich zu bleiben.

Digitalisierung als Dauerprozess

Ein zweites zentrales Standbein von b-smart ist die Digitalisierung der Betriebe. Eigene Software entwickelt das Unternehmen nicht, vielmehr orchestriert es bestehende Systeme, kümmert sich um Schnittstellen, Updates und Weiterentwicklung. «Wir haben gesehen, dass ein einziges System nicht die Lösung darstellt», sagt Bernhard Zindel, Geschäftsführer von b-smart Services.

Aktuell arbeitet b-smart mit acht Systemen, darunter Apaleo, Straiv, Hotel Spider und Roompricegenie. Die Auswahl ist bewusst dynamisch angelegt. «Was heute aktuell ist, kann morgen schon überholt sein», betont Weishaupt.

Viele Hoteliers scheuen den Wechsel funktionierender Software – selbst dann, wenn bessere Lösungen verfügbar sind. Diese Sorge nimmt b-smart den Partnern ab. «Wir evaluieren den Markt laufend, welche Technologien in der Kombination am besten passen», erklärt Zindel. Systeme werden ausgetauscht, wenn es sinnvoll ist – inklusive strukturierter Migrationen. Beim letzten Wechsel reduzierte sich die Umstellungszeit von ursprünglich 14 Stunden auf rund zwei Stunden, sodass der reale Wechsel zwischen Check-out und Check-in nahezu reibungslos erfolgen konnte.

Der Hotelier wird zum Gastgeber – oder zum Koordinator

Für die Betreiber verändert sich die Rolle grundlegend. Der eigentliche Hotelier kümmert sich nur noch um Housekeeping, Wartung und Reparaturen, gegebenenfalls um Frühstück oder Gastronomie, den Kontakt zu lokalen Großkunden sowie die Buchhaltung.

Wie diese Freiräume genutzt werden, ist unterschiedlich. Manche Eigentümer – etwa Immobilieninvestoren – vergeben auch diese Aufgaben an externe Dienstleister und fungieren nur noch als Koordinatoren. Weishaupt berichtet von Investoren, die so statt vier bis fünf Prozent Pacht-Rendite zehn bis 15 Prozent erzielen wollen.

In anderen, gehobenen Partnerhotels wiederum ist der Hotelier zu bestimmten Zeiten weiterhin präsent – jedoch nicht mehr als Abwickler, sondern als Gastgeber. Die Check-in-Formalitäten erledigen die Gäste selbst.

Expansion nach Deutschland

Mit der Servicesparte hat b-smart inzwischen den Schritt nach Deutschland gewagt. Ein Hotel in Berlin ist bereits aktiv angebunden, zwei weitere befinden sich in der Onboarding-Phase. Für den Einstieg fallen rund 15.000 Euro Onboarding-Kosten an, hinzu kommen Softwarekosten.

Als Großabnehmer erhält b-smart etwa 20 Prozent Rabatt bei den Systemanbietern – ein Vorteil, den das Unternehmen vollständig an die Partner weitergibt. Im laufenden Betrieb erhebt b-smart eine Servicegebühr von neun Prozent des Nettoumsatzes.

Warum sich das Modell rechnet

Für kleine Hotels ist das Modell meist günstiger als eine eigene Rezeption. Bei größeren Häusern wird es zur Rechenfrage. Weishaupt weist jedoch auf einen oft unterschätzten Faktor hin: fehlendes Revenue Management. «Viele kleinere Hotels machen um 18 oder 19 Uhr Feierabend», sagt er.

Je nach Lage entgehen so fünf bis zehn Prozent Buchungsvolumen, das erst später am Abend entsteht. «Bei uns kann der Gast um 1 Uhr nachts ins Hotel gehen und sich am Check-in-Automaten ein Zimmer buchen», ergänzt Zindel.

Ein Modell mit Signalwirkung

b-smart zeigt, dass Digitalisierung nicht zwangsläufig Entmenschlichung bedeutet. Im Gegenteil: Indem operative Routineaufgaben zentralisiert und automatisiert werden, entsteht vor Ort Raum für echte Gastgeberrolle – oder für eine wirtschaftlich tragfähige Betriebsführung.

Gerade für kleine Landhotels, die unter strukturellem Druck stehen, könnte das Liechtensteiner Modell zu einem entscheidenden Baustein für die Zukunft werden.

Quellen: Hotel Inside, b-smart, ahgz

www.b-smarts.net

Marco Weishaupt.

Marco Weishaupt: Unternehmer, Vordenker und Hotelpionier

Marco Weishaupt gehört zu jener Generation von Unternehmern, die nicht aus der klassischen Hotellerie kommen – und gerade deshalb neue Denkweisen in die Branche gebracht haben. Als Gründer und treibende Kraft hinter b-smart hat er ein Modell entwickelt, das kleinen Hotels wirtschaftliche Perspektiven eröffnet und Digitalisierung nicht als Selbstzweck, sondern als strategisches Werkzeug versteht.

Unternehmerischer Hintergrund

Wie gesagt, Marco Weishaupt ist Unternehmer. Bevor er sich der Hotellerie zuwandte, war er branchenfremd tätig und sammelte unternehmerische Erfahrung außerhalb des Hospitality-Sektors. Diese Distanz zur Branche prägte seinen späteren Zugang zur Hotellerie entscheidend: weniger von Traditionen geleitet, dafür stärker von Kostenstrukturen, Prozessen und Skalierbarkeit.

Die Geburtsstunde von b-smart

Der Einstieg in die Hotellerie erfolgte nicht aus Leidenschaft für Betten und Frühstücksbuffets, sondern aus einem konkreten Bedarf heraus. Weishaupt erkannte, dass es in Liechtenstein an einem zeitgemäßen Businesshotel fehlte, um Geschäftspartner und Kunden adäquat unterzubringen. Aus einer geplanten Immobilienentwicklung entstand die Idee, selbst ein Hotel zu realisieren.

Branchenexperten rieten davon ab. Das Projekt sei zu klein, um wirtschaftlich betrieben zu werden. Weishaupt nahm diese Skepsis zum Anlass, das klassische Hotelmodell zu analysieren – mit besonderem Fokus auf die Personalkosten.

Der strategische Bruch mit der klassischen Rezeption

Seine zentrale Erkenntnis: In kleinen Hotels stehen die Kosten für die Rezeption oft in keinem Verhältnis zum Umsatz. Anstatt das Problem zu akzeptieren, suchte Weishaupt nach einer strukturellen Lösung. Die Antwort war radikal – und zur damaligen Zeit ungewöhnlich: konsequenter Self-Check-in, zentrale Steuerung und der Verzicht auf eine dauerhaft besetzte Rezeption vor Ort.

Zum Zeitpunkt der Idee 2010 gehörte dieser Ansatz selbst im internationalen Vergleich zu den Ausnahmen, insbesondere im Segment gehobener Qualität. Weishaupt entschied sich bewusst für diesen Weg – nicht als Sparmaßnahme, sondern als Grundlage für ein neues Betriebsmodell.

Unternehmerischer Beweis durch Praxis

Bevor das geplante Hotel in Liechtenstein realisiert wurde, testete Weishaupt das Konzept in der Schweiz. In Sevelen entstand 2014 ein kleiner Prototyp mit nur acht Zimmern. Der Betrieb war vom ersten Monat an profitabel und lieferte den unternehmerischen Beweis, dass das Modell auch in der Praxis funktioniert.
2016 folgte das erste b-smart Hotel in Liechtenstein. Damit war der Grundstein für eine Expansion gelegt, die sich schrittweise über die Schweiz und Österreich ausdehnte.

Aufbau einer Hotelgruppe und eines Dienstleistungsmodells

Unter Weishaupts Führung entwickelte sich b-smart zu einer Hotelbetreibergruppe mit heute 26 eigenen Hotels in der Schweiz, Liechtenstein und Österreich. Parallel dazu entstand eine Servicesparte, die das operative Know-how auch anderen Hoteliers zugänglich macht.

Das Modell basiert auf einer zentralen, rund um die Uhr besetzten digitalen Rezeption, kombiniert mit umfassendem Revenue Management, Buchungskanalsteuerung, Zahlungsabwicklung und technischer Systemintegration (vgl. Text oben).

Digitalisierung als Mittel, nicht als Zweck

Wie bereits erwähnt: Marco Weishaupt versteht Digitalisierung nicht als Selbstzweck, sondern als Instrument zur Entlastung der Betriebe. b-smart entwickelt keine eigene Software, sondern orchestriert marktgängige Systeme und passt diese laufend an neue technologische Entwicklungen an. Diese pragmatische Haltung spiegelt Weishaupts unternehmerischen Ansatz wider: Lösungen müssen funktionieren, nicht beeindrucken.

Die Rolle des Hoteliers neu gedacht

Ein zentrales Anliegen von Marco Weishaupt ist die Neudefinition der Rolle des Hoteliers. Durch die Auslagerung operativer Routinen gewinnen Betreiber entweder unternehmerische Freiheit oder Zeit für echte Gastgeberrolle. Gerade für kleine Betriebe im ländlichen Raum sieht er darin eine realistische Zukunftsperspektive.

Expansion und Blick nach vorne

Mit der Öffnung der Servicesparte für den deutschen Markt verfolgt Weishaupt eine kontrollierte Expansion. Der Fokus liegt nicht auf schnellem Wachstum, sondern auf Skalierbarkeit, Prozessstabilität und nachhaltiger Wirtschaftlichkeit.
Marco Weishaupt steht damit für eine Form von Unternehmertum, die leise wirkt, aber strukturell tiefgreifend ist: Er verändert nicht das Hotel als Ort – sondern die Art, wie es betrieben wird.

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