In Arosa ist ein neues New Generation Hotel entstanden. Es nennt sich «Aves Homebase». Es bietet 87 stylisch und trendig eingerichtete Zimmer und 11 Apartments. Vieles im Haus ist digitalisiert. Der Gast checkt selbst ein und aus, auf tägliche Zimmerreinigung wird verzichtet. Motto: Bezahlt wird nur das, was der Gast wünscht oder braucht. Wer steckt hinter dem neuartigen Aves-Hotelprojekt, das in vielen Bereichen an die Revier Hotels erinnert?
Hotel Inside-Publizist Hans R. Amrein sprach mit Martin Küttel von der AVES Management AG über das AVES-Hotelkonzept, mögliche Wachstumspläne und die Frage: Entsteht aus «AVES» eine neue Schweizer Hotelgruppe?
Martin Küttel, wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen. ein Hotel in der Art des AVES in Arosa zu entwickeln?
Urs Hoffmann von der Baulink AG hatte diese Idee zusammen mit Hansueli Schläppi und Manfred Feigl vor über zehn Jahren. Der Slogan damals war: Ein Hotel in den Bergen zum Preis einer Seilbahn… Also das, was es heute noch immer sein soll: flächeneffizient und personaleffizient. Eigentlich erstaunlich, denn die Berghotellerie hätte es ja schon damals und heute sein müssen, um schlanke und effiziente Konzepte zu entwickeln. War es aber nicht! Die Stadthotels mit 365 Öffnungstagen waren Vorreiter.

Das AVES in Arosa wurde im Dezember 2022 eröffnet. Wie läuft der Betrieb nach rund zwei Monaten?
Sehr gut, danke – wir sind gut gestartet: fantastische Gäste, grossartige Mitarbeitercrew unter der Führung von Nik Theodoracakis und Andi Natzer, großartige Partys, gute Akzeptanz bei der lokalen Bevölkerung für das Produkt und das Restaurant – aber auch, so wie überall: Es drängen sich nun Korrekturen und Anpassungen für Verbesserungen auf, technisch, betrieblich und kommunikativ.
Sie setzen auf eine hohe Digitalisierung im Hotel. Motto: Der Gast macht fast alles selbst… er checkt digital ein und aus, informiert sich über digitale Kanäle usw. Was alles umfasst das digitale Angebot im AVES Hotel konkret?
Eigentlich die ganze Customer Journey: diverse Infos bei der Buchung, vor der Anreise, beim Pre-Check-in… Wir haben den digitalen Schlüssel, die Plattform Webapp mit diversen Infos während dem Aufenthalt, digitaler Check-Out, Post-Stay-Infos und vieles mehr. Allerdings: Die Idee, nur Kreditkarten/Twint – also kein Bargeld – als Zahlungsmittel anzunehmen, haben wir (noch) nicht umgesetzt.
Ziel einer möglichst hohen Digitalisierung und Automatisierung ist u.a., den Personalaufwand möglichst gering zu halten. Wie viele Mitarbeitende beschäftigen Sie im Hotel in Arosa und in welchem Bereich liegen die Personalkosten (in Prozent)?
Was Sie sagen, ist korrekt. Wir beschäftigen derzeit rund 30 Mitarbeitende.
Der Gast bezahlt nur das, was er wirklich will oder braucht, lautet Ihr Motto. Wie reagieren die ersten Gäste darauf?
Die Gäste, die es verstehen: top! Aber: Wenn wir hochpreisig fahren – aufgrund des Marktes in Arosa – gibt es auch Rückmeldungen, dass dann das Frühstück schon hätte inbegriffen sein sollen. Oder es wird übersehen, dass das Zimmer während des Aufenthaltes nach vier Nächten gereinigt oder – falls gewünscht – gegen eine Reinigungsgebühr täglich gereinigt wird.
Dass wir aber Getränke an der Trinkbar offerieren, wird dann weniger gesehen. An dieser Bar kann man sich jederzeit fünf Kaffees, Cappuccinos, Tees, Eistees und Wasser holen. Chrome und Netflix sowie die Sauna sind ebenfalls inkludiert.
Und noch etwas: Für das Parkhaus bezahlt der Gast moderate 18 Franken. Das ist gleich teuer wie das öffentliche Parkhaus. Doch das scheint einige Gäste verwirrt zu haben. Und das verwirrt wiederum uns, denn wo gibt es noch Gratis-Parkhäuser?
Sie verfügen in Arosa über 87 Zimmer und elf Apartments. Die Zimmer sind 20 m2 gross. Rechnet sich das?
Es sind elf Apartments (sechs mit 3,5 Zimmern und fünf mit 2,5 Zimmern) sowie 87 Zimmer, also knapp 100 Einheiten. Grosszügig gestaltet ist sicherlich das Erdgeschoss mit über 800 Quadratmetern, hier sind auch drei unserer «Explorer Areas» untergebracht: Restaurant/Bar, Co-Working, Meeting. Der Skaleneffekt ist mit 100 Einheiten sicherlich gegeben, wenn auch «Motel One» als Champion der Skaleneffekte uns vormacht, dass über einer grossen Lobby noch 500 Zimmer verkauft werden können. Oder denken Sie an die Lifestyle-Hotelmarke «Citizen M» mit einer Flächeneffizienz von geschätzten 32 Quadratmetern pro Zimmer.
Welche Zielgruppen peilen Sie mit dem AVES-Konzept an?
Wenn wir schon von Zielgruppen sprechen, dann denken wir vor allem an Explorer (Entdecker) und Abenteurer. Die haben wir in einem Brandbook im Detail definiert. Wir peilen weniger Zielgruppen als vielmehr das Lebensgefühl an. Wir bieten im Hotel sechs “Explorer Areas”: Zimmer, Restaurant, Bar und Lobby, Co-Working, Wellness und Outdoor.
Sie haben es vorhin bereits erwähnt: Lifestyle- und Budget-Marken wie CitizenM, Yotel, Student oder Motel One sind fast ausschliesslich in den Städten präsent. Das sind Hotelkonzepte, die mit Flächeneffizienz, Mitarbeitereffizienz und Skaleneffekten punkten.
Es ist höchste Zeit, dass so erfolgreiche Hotelkonzepte auch in den Bergen umgesetzt werden. Die Hotellerie in den Bergen muss sich bewegen! Natürlich muss alles aufeinander abgestimmt sein und wir müssen das Interesse für ein neues Produkt wecken können.
Wer betreibt das Share Restaurant im Hotel, wo die Gäste Frühstück, Lunch und Abendessen erhalten?
Das Restaurant mit rund 90 Plätzen betreiben wir selbst.
Die Revier Hotels sind in vielen Bereichen vergleichbar mit dem AVES-Geschäftsmodell – auch die Betreiber der Revier Hotel Group setzen stark auf digitale Angebote und eine eher junge Zielgruppe. Worin differenzieren Sie sich?
Die Revier Hotels sind stark auf dem Vormarsch und haben ein gutes Produkt im Markt eingeführt. Es ist korrekt, beide Konzepte sind sehr modern. Ich gehe davon aus, dass wir in Zukunft noch weitere solche effizienten, digitalen Hotels an verschiedensten Standorten sehen werden. Wir haben, wie erwähnt, die sechs spannenden «Explorer Areas». Der Zimmerausstattung haben wir beispielsweise sehr grosse Bedeutung beigemessen. Die Zimmer sind im Standard alle 20 Quadratmeter gross, dazu gibt’s in jedem Zimmer einen Balkon. Im Zentrum steht das XXL-Bett von 2×2 Meter Grösse auf 65 Zentimeter Höhe mit zwei grossen Daunendecken und fünf Kissen. Hinzu kommen ein 65 Zoll-Fernseher mit Chromecast (für Streaming Services), Parkettboden, Tapete an den Wänden, ein Badezimmer mit Regendusche und Handbrause, Ritual-Produkte – somit kann auch ein Schlechtwettertag einmal im Bett mit einer spannenden Serie verbracht werden. Zudem kann vom Zimmer aus das Essen bestellen, im Erdgeschoss abholen und im Zimmer geniessen. Dazu kommt noch der Wellnessbereich mit Dampfbad und Sauna.
Sie haben offensichtlich die Absicht, weitere AVES-Hotels in anderen Tourismusregionen zu eröffnen. Haben Sie so etwas wie eine Expansionsstrategie? Ist es ihr Ziel, eine Hotelgruppe zu lancieren – nach dem Vorbild von Revier Hotels?
Ja, vor allem Bergdestinationen wie Grindelwald interessieren uns. Aber auch andere Standorte. Fünf Hotels in den nächsten zehn Jahren – das ist unser Ziel.
AVES-Hotels im Ausland – Deutschland, Österreich, zum Beispiel?
Das ist aktuell kein Thema. Wir haben bereits Anfragen aus Österreich abgelehnt.
Die AVES Management AG betreibt das Hotel in Arosa. Wem gehört die Immobilie?
Sie ist im Besitz der Konge AG, einer Tochter der Generalista AG.
Auf welcher betriebswirtschaftlichen Grundlage führen Sie das Hotel: Management- oder Pachtvertrag?
Managementvertrag.
Sofern Sie Finanz- und Budgetzahlen bekannt geben: Wo liegt der Jahresumsatz in Arosa? Mit welcher Auslastung rechnen Sie? Wo liegen die durchschnittlichen Raten?
Wir geben als privat geführtes Hotel keine Zahlen bekannt.
Schlussfrage: „AVES“ heisst (übersetzt) Vögel. Warum dieser Name?
Damals vor über zehn Jahren war der Slogan: «AVES – Free as a bird». Das haben wir angepasst mit «Indoor Pleasure – Outdoor fun». Heute ist das ganze Konzept spielerisch, individuell, einfach, unkompliziert und digital.
AVES Hotel Arosa in Kürze
Mitten in Arosa, zwischen Obersee und Eisfeld, steht das neue AVES-Hotel. Im «AVES-Homebase» wird selbst ein- und ausgecheckt, man kann dies mit dem Smartphone tun. Bezahlt wird nur das, was erwünscht und gebraucht wird. Dazu gibt’s Goodies obendrauf, wie die Getränkebar mit kostenlosem Kaffee, Tee und Mineralwasser. Die 87 Zimmer sind 20 m2 gross, stylisch eingerichtet mit extra komfortablem und kuscheligem Bett, einem extra grossen Bildschirm, Balkon und gratis Netflix. Das Bad mit Regendusche ist grosszügig konzipiert. Die vierte Etage bietet sechs 3,5 Zimmer- und fünf 2,5 Zimmer-Apartments für Familien oder kleine Gruppen. Es gibt keine tägliche Zimmerreinigung, diese bestellt man sich auf Wunsch für zusätzliche CHF 20.00 pro Tag dazu. Ab dem 4. Tag erfährt das Zimmer ein Fresh-up.
Zur Homebase AVES gehören ein Spa mit Sauna und Dampfbad sowie ein Parking. Attraktiv für Gäste ist zudem der direkt zugängliche Ski- und Bike-Raum, wo zwei Waschmaschinen benutzt werden können.
Frühstück, Lunch und Abendessen gibt’s im Restaurant SHARE im Erdgeschoss. Hier existieren Empfang, Coworking Space, Bar und Restaurant. Alles zusammen bildet die so genannte «Explorer Aera».
Die Reservationen lassen sich direkt auf der Website machen; vor der Anreise erfolgt das einfache, digitale Check-in inkl. Zuweisung der Zimmernummer. Einmal in der AVES Homebase angekommen, logt macht sich kurz ein und erstellt den Zimmerschlüssel selbst.











