Die Energiepreise in der Schweiz mögen sich derzeit vergleichsweise stabil entwickeln. Doch diese Ruhe darf die Hotellerie nicht in falscher Sicherheit wiegen. Wer Margen, Investitionen und Immobilienwerte sichern will, muss Energie-Resilienz heute zur strategischen Priorität machen – mit Effizienz, intelligenter Steuerung, erneuerbarer Eigenversorgung und einer klugen Beschaffung. Ein Gast-Kommentar von Accor-Managerin Cristina De Oliveira Frewen.

Schwankende Energiepreise infolge globaler Unsicherheiten sind vielen Hoteleigentümerinnen und -eigentümern nur allzu vertraut. Zahlreiche Betriebe haben nach der Pandemie wieder an Dynamik gewonnen und den energiebedingten Kostenschub weitgehend aufgefangen. Damit ist das Problem aber nicht verschwunden. Die Entwicklung der Energiekosten bleibt ein Unsicherheitsfaktor – und sie verlangt mehr als kurzfristige Reaktionen.
Geopolitische Spannungen, die Entwicklung der Energiemärkte, regulatorische Rahmenbedingungen und die Infrastruktur spielen dabei eine entscheidende Rolle. Sie werden den Hotelmarkt auch künftig prägen. Das gilt ebenso für die Schweiz: Obwohl sich die Energiepreise hier zuletzt vergleichsweise stabil entwickelt haben, rückt die langfristige Planbarkeit der Energiekosten zunehmend in den Fokus. Gerade eine Phase relativer Stabilität darf deshalb nicht mit dauerhafter Sicherheit verwechselt werden.
Eigentümerinnen und Eigentümer sind dieser Entwicklung keineswegs machtlos ausgeliefert. Im Gegenteil: Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass langfristige Resilienz zu einer zentralen Priorität werden muss. Wer erst handelt, wenn die nächste Preisspitze eintritt, handelt zu spät.

Volatilität ist das neue Normal
Hotels sind von Natur aus energieintensive Betriebe. Sie arbeiten rund um die Uhr – von Heizung und Kühlung über Beleuchtung und Wasserversorgung bis hin zu Gastronomie und Freizeitangeboten. Steigen die Energiepreise, geraten die Margen deshalb schnell unter Druck.
Vor allem in Phasen des Wandels ist die Versuchung gross, Kostenschübe als vorübergehende Erscheinung abzutun. Doch vieles spricht dafür, dass nicht die Stabilität, sondern die Volatilität selbst zum neuen Normal wird. Für Eigentümerinnen und Eigentümer stellt sich daher nicht mehr nur die Frage, wie sich der nächste Preisanstieg kurzfristig bewältigen lässt. Entscheidend ist vielmehr, wie Investitionen und Assets langfristig gegen künftige Schwankungen abgesichert werden können.

Der wirksamste Hebel liegt im eigenen Haus
Die gute Nachricht lautet: Es gibt zahlreiche Stellhebel, die im direkten Einflussbereich der Hotels liegen. Energieeffizienz ist der naheliegendste und zugleich wirtschaftlich sinnvollste Ausgangspunkt. Viele Häuser haben hier bereits wichtige Fortschritte erzielt. Trotzdem besteht in zahlreichen Bereichen weiteres Potenzial.
Dazu gehören eine bessere Dämmung und Verglasung ebenso wie Investitionen in moderne HVAC-Systeme, Wärmepumpen und eine flächendeckende LED-Beleuchtung. Solche Massnahmen senken nicht nur den Energieverbrauch. Sie erhöhen zugleich die Planbarkeit der Kosten – und genau diese Planbarkeit wird in einem volatilen Umfeld zum strategischen Wert.
Ein weiterer Schlüssel ist das intelligente Gebäudemanagement. Moderne Systeme ermöglichen Echtzeitüberwachung, automatisierte Steuerung und eine datenbasierte Optimierung des Energieeinsatzes. Belegungssensoren oder Keycard-Systeme können Heizung, Kühlung und Licht automatisch an die tatsächliche Nutzung anpassen. Leere Zimmer verbrauchen keine unnötige Energie, während der Komfort für die Gäste jederzeit gewährleistet bleibt – ohne zusätzlichen operativen Aufwand.

Eigenversorgung, Beschaffung und Verhalten gehören zusammen
Auch die Eigenversorgung mit erneuerbaren Energien gewinnt an Bedeutung. Photovoltaik-Anlagen sind nicht für jedes Hotel die optimale Lösung. Bei vielen Objekten können sie jedoch die Abhängigkeit von externen Energiepreisen spürbar reduzieren und gleichzeitig die Nachhaltigkeitsbilanz verbessern. Gleiches gilt für Energiespeicherlösungen.
Technik allein reicht allerdings nicht. Ebenso wichtig ist die Beschaffungsstrategie. Langfristige Energieverträge, eine Diversifizierung der Anbieter sowie eine engere Abstimmung mit Betreibern bei Prognosen und Verbrauchssteuerung können Risiken abfedern und die Planungssicherheit erhöhen.
Hinzu kommt ein Hebel, der häufig unterschätzt wird: die Mitarbeitenden. Gezielte Schulungen können einen wertvollen Beitrag dazu leisten, Energie effizient einzusetzen – ohne das Gästeerlebnis zu beeinträchtigen. Resilienz entsteht dann, wenn Investitionen, Systeme, Beschaffung und tägliches Verhalten ineinandergreifen.

Resilienz schützt nicht nur Margen, sondern Immobilienwerte
Resilienz bedeutet mehr als reine Kostenkontrolle. Zunehmend geht es auch um die Zukunftssicherheit von Immobilienwerten. Investoren, Finanzierer und Partner achten stärker denn je auf Energieeffizienz und Nachhaltigkeitsstandards.
Hotels mit hohem Energieverbrauch, grosser Preisabhängigkeit oder regulatorischen Risiken geraten langfristig ins Hintertreffen. Häuser dagegen, die frühzeitig in ihre Widerstandsfähigkeit investieren, profitieren von besseren Finanzierungsmöglichkeiten und stärkeren Marktchancen. Energie-Resilienz ist deshalb kein technisches Nebenthema. Sie wird zu einem handfesten Wettbewerbsvorteil.

Warten ist keine Strategie
Natürlich bleibt auch die Politik gefordert. Klare Rahmenbedingungen, verlässliche Regulierung und Investitionen in die Infrastruktur sind unerlässlich. Doch auf ideale externe Bedingungen zu warten, ist für Hoteleigentümerinnen und -eigentümer keine Option.
Wer heute proaktiv handelt und Risiken gezielt reduziert, wird künftige Energiepreisschocks deutlich besser bewältigen können. Investitionen in Nachhaltigkeit sind damit nicht nur eine Frage der Verantwortung. Sie sind zunehmend eine wirtschaftlich rationale Entscheidung – und ein entscheidender Schlüssel für langfristigen Erfolg.
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