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60 Jahre ITB Berlin: Was bietet Messechefin Deborah Rothe der Hospitality-Branche?

Die weltgrößte Reisemesse ITB Berlin (3. bis 5. März) gehört zu den Fachevents mit der größten internationalen Beteiligung und feiert in diesem Jahr ihr 60-jähriges Bestehen. Exhibition Director Deborah Rothe erklärt im Interview mit Rolf Westermann, welche Signale die Reise- und Hospitality-Branche erwarten kann.

Hauptgebäude der ITB Berlin.

Zahlen & Fakten zur ITB 2026

  • Die ITB ist fast ausgebucht und erwartet einen moderaten Anstieg bei den Besucherzahlen und der internationalen Beteiligung
  • Trotz weltweiter Krisen bleibt der Tourismus auf Wachstumskurs. Starke Dynamik gibt es in den Bereichen Travel Technology, Medical & Health Tourism und Adventure Travel
  • Besondere Bedeutung haben die DACH-Länder Deutschland, Österreich und die Schweiz mit zusammen 776 Ausstellern und einem Anteil an den Fachbesuchern von rund einem Drittel
  • Airbnb ist erstmals Premium Partner. Die Messe will die Vielfalt des globalen Tourismus in der gesamten Bandbreite abbilden
  • Internationale Hotelketten wie BWH-Hotels, Accor, Wyndham Hotels & Resorts, Titanic Hotels und Radisson bleiben auf der Messe. Marken wie Hilton, Marriott, InterContinental oder Meliá sind bei ihren Destinationen über das Gelände verteilt
  • Neuer Schwerpunkt ist Afrika mit dem Gastland Angola. Dort wird ein Anstieg des Tourismus erwartet. Das südostasiatische Thailand ist der größte Aussteller
  • Die ITB ist global aufgestellt mit Messen in Berlin, Indien, Singapur, Schanghai und in diesem Jahr erstmals mit der ITB Americas in Mexiko (10. bis 12. November)
Auf der ITB-Treppe: Deborah Rothe.

Interview mit Messechefin Deborah Rothe

Deborah Rothe, die ITB Berlin begeht ihr 60-jähriges Jubiläum. Wie feiern Sie diesen Anlass?

Unter dem Motto „Discover the stories behind 60 years of legacy“ feiern wir das Jubiläum der ITB Berlin mit einer Mischung aus Business sowie Networking- und Community-Formaten. Den Auftakt bildet die offizielle Afterwork-Party „Cheers to 60 Years of Legacy“ mit dem ITB-Gastland Angola und einem ITB Signature Drink. Über alle Messetage hinweg schaffen wir mit kreativen Mitmachaktionen – vom Vintage-Fotospot im VW Bulli über die „Back to the Future“-Zeitmaschine bis hin zu interaktiven Formaten wie „Launch the Future – die ITB-Rakete“ – besondere Momente. Wir bringen die Berliner Kiezkultur mit dem neuen ITB-Späti für „kieziges Networking“ auf das Messegelände in die Halle 7.2c. Damit bieten wir einen entspannten Treffpunkt für Networking, Guided Tours, Präsentationen ausgewählter Aussteller, Happy Hours und eine tägliche Runde Bingo. 

Was wird anders und was ist neu in diesem Jahr?

Die ITB Berlin 2026 ist mit über 160 teilnehmenden Ländern nahezu ausgebucht – viele Anfragen können aktuell nicht mehr in den bevorzugten Hallen berücksichtigt werden. In diesem Jahr präsentiert die Messe viele spannende Neuerungen: Neu ist der African Travel Hub in Halle 21 – mit seinen Mini-Countern wird er zur zentralen Anlaufstelle für afrikanische Aussteller. Außerdem gibt es erstmals einen Start-up-Bereich des VIR, in dem deutsche Travel-Tech-Start-ups ihre innovativen Ideen und Lösungen vorstellen. Ein weiteres Highlight ist die Premiere von Airbnb als Premium Partner. Peru ist dieses Jahr erstmals Adventure Travel Partner und zeigt nachhaltige und abenteuerliche Reiseerlebnisse.

Auch bei den Länderauftritten gibt es viele Neuerungen: Bhutan ist nach 2019 zurück, Benin nach seiner letzten Teilnahme 2014. Besonders hervorzuheben ist das offizielle Gastland Angola, das zuletzt 2015 dabei war: Es eröffnet die Messe bereits einen Tag vor dem offiziellen Start im Rahmen der ITB Opening Gala und präsentiert sich in Halle 21 unter dem Motto ‚Visit Angola – The Rhythm of Life‘ als kulturell vielfältige Destination mit landschaftlicher Schönheit, Naturschutzprojekten und urbanen Entwicklungen. Nach einer Pause im vergangenen Jahr kehren außerdem Martinique, Trinidad & Tobago und Nicaragua zurück.

ITB-Kongress.

Das wirtschaftliche Umfeld ist schwierig. Welches Signal soll von der weltweit größten Tourismusmesse ausgehen?

Als einzige B2B-Plattform, die das gesamte globale Branchenspektrum jährlich in Berlin vereint, gibt die ITB Berlin Orientierung und konkrete Handlungsperspektiven – von Destinationen über Technologie bis hin zu gesellschaftlicher Verantwortung. Unter dem Leitmotiv „Leading Tourism into Balance“ diskutieren über 400 Expertinnen und Experten in mehr als 200 Sessions in 17 Themen-Tracks aktuelle Herausforderungen wie Nachhaltigkeit, Resilienz und Innovation und geben Impulse, wie der Tourismus wirtschaftlich erfolgreich und zugleich nachhaltig gestaltet werden kann. Die hohe Nachfrage und nahezu vollständige Auslastung der Messe zeigen eindrucksvoll: Trotz globaler Unsicherheiten bleibt der Tourismus eine wachstumsstarke, anpassungsfähige und zukunftsorientierte Branche – das hat sie auch in den vergangenen Jahren immer wieder unter Beweis gestellt.

Sehen Sie Gefahren durch eine um sich greifende Abschottungspolitik?

Reisen ist ein Wachstumsmarkt. Die Reiselust ist groß, gleichzeitig entstehen vielfältige neue Trends, die die Branche bewegen. Travel Tech und Künstliche Intelligenz eröffnen branchenübergreifend neue Möglichkeiten für personalisierte und effiziente Angebote. Gäste suchen heute verstärkt nach intensiven, gesundheitsbewussten Erlebnissen – sei es durch Experiential Travel, Longevity-Angebote oder Reisen mit und für Haustiere. Gleichzeitig wird nachhaltiges, bewusstes Reisen immer wichtiger: Sinnhaftigkeit, Qualität und Verantwortung rücken stärker in den Fokus und prägen zunehmend die Produktentwicklung. Der Markt bleibt zugleich dynamisch: Geopolitische Entwicklungen, Krisen oder Naturereignisse haben einen starken Einfluss, temporäre Rückgänge sehen wir vor allem dort, wo Destinationen von Konflikten, politischen Unruhen oder Naturkatastrophen betroffen sind, während andere Märkte parallel stark wachsen oder sich schnell erholen.

Deborah Rothe bei einem Interview (2025).

Wer ist eigentlich der größte Aussteller? Und rechnen Sie wieder mit Aussteller- und Besucherzahlen wie im Vorjahr?

Thailand ist in diesem Jahr größter Aussteller und in Halle 26 verortet. Die Nachfrage entwickelt sich insgesamt sehr positiv: Der Ticketverkauf liegt aktuell leicht über dem Vorjahresniveau, sodass wir von einem moderaten Anstieg bei Besucherzahlen und internationaler Beteiligung ausgehen. Besonders der ITB Buyers Circle der führenden internationalen Einkäufern mit großem Einkaufsvolumen, der eine exklusive Mitgliedschaft bietet, verzeichnet deutlich mehr Interesse als im Vorjahr. Rund 35 Prozent der Mitglieder sind neu dabei. Gleichzeitig nutzen auch viele weitere Fachbesucher, die nicht im Buyers Circle sind, die ITB Berlin, um Trends zu verfolgen, Kontakte zu knüpfen und ihre Einkaufsentscheidungen vorzubereiten – zahlreiche von ihnen verfügen ebenfalls über hohe Investitionskraft und entscheidenden Einfluss in der Branche

Ein ITB-Slogan lautet in diesem Jahr: „Leading Tourism into Balance“ Ist der Tourismus aus dem Gleichgewicht geraten?

Balance steht für das Zusammenspiel von Wachstum und Nachhaltigkeit, von Mensch und Technologie sowie von Wirtschaftlichkeit und gesellschaftlicher Verantwortung. Der Tourismus bewegt sich heute stärker denn je in diesem Spannungsfeld. Künstliche Intelligenz, digitale Assistenten, E‑Commerce, Besucherlenkung, Longevity-Angebote und neue Formen des Experiential Travel spielen dabei eine zentrale Rolle. Unser Ziel ist es, Orientierung zu geben und zu zeigen, wie sich der Tourismus der Zukunft wirtschaftlich erfolgreich und gleichzeitig werteorientiert gestalten lässt.

Welche Trends sehen Sie?

Wir sehen eine besonders starke Dynamik in den Bereichen Travel Technology, Medical & Health Tourism und Adventure Travel. Vor allem der Travel-Tech-Sektor wächst deutlich und ist auf der ITB Berlin mit sechs Hallen größer und internationaler denn je. Unternehmen wie Travelsoft, Amadeus und GIATA zeigen ihre Lösungen, ergänzt durch Hotelsoftware, Management- und Housekeeping-Tools sowie Payment- und Finanzinnovationen. Themen wie Digitalisierung, Automatisierung und Effizienzsteigerung im Hotelbetrieb stehen dabei im Fokus. Auch der Hospitality-Bereich ist stark nachgefragt: Die Hallen 7.1c, 8.1 und 9 sind ausgebucht, mit Hotelketten, Plattformen wie booking.com, Airbnb und Expedia sowie Autovermietern. Im Cruise-Segment präsentieren AIDA, Disney Cruise Line, Costa, MSC, NCL und Hurtigruten ihre Angebote, ergänzt durch Flusskreuzfahrtanbieter am Stand von River Cruises Europe. Insgesamt prägen Digitalisierung, neue Payment-Lösungen sowie Erlebnis- und Gesundheitsreisen Messe und Kongressprogramm gleichermaßen.

Dieses Mal ist Airbnb der Premiumpartner. Was erwarten SIe davon und zeigt das den verschobenen Schwerpunkt der Messe?

Mit Airbnb als Premiumpartner rücken wir ein Marktsegment in den Fokus, das sich weltweit fest etabliert hat und in vielen Destinationen eine feste Rolle innerhalb der touristischen Wertschöpfungskette spielt. Gerade im Jubiläumsjahr möchten wir die Vielfalt und Dynamik des globalen Tourismus sichtbar machen und unseren Anspruch, die gesamte Bandbreite des internationalen Tourismus abzubilden, unterstreichen. Auf der ITB Berlin 2026 wird Airbnb unter anderem das Potenzial des Naturtourismus thematisieren – mit dem Ziel, Tourismusströme bewusster zu lenken und ländliche Regionen als Chancenräume zu stärken. Das kann klassische Hotspots entlasten und in strukturschwächeren Regionen überhaupt erst touristische Entwicklung ermöglichen. Auch Themen wie Familienreisen und die Förderung des ländlichen Raums stehen im Mittelpunkt.

Was wird von der einst üppigen Hotelhalle übrigbleiben?

Die Hotellerie ist 2026 auf der ITB Berlin stark vertreten – sowohl durch Hotelgruppen und Destinationen als auch durch Anbieter aus den Bereichen Technologie und Dienstleistungen, die aktuell zentrale Herausforderungen der Branche adressieren. In Halle 9 präsentieren sich große internationale Hotelketten wie BWH-Hotels, Accor, Wyndham Hotels & Resorts, Titanic Hotels und Radisson. Weitere Marken – darunter Hilton, Marriott, InterContinental oder Meliá – präsentieren sich bei ihren jeweiligen Destinationen und sind damit über das gesamte ITB Berlin-Gelände verteilt.

Was bietet die ITB den Hoteliers? Die üblichen Hotelthemen oder auch Innovationen?

Inhaltlich stehen vor allem Themen im Fokus, die den Hotelalltag konkret prägen: KI, Distribution, Hospitality Software, operative Effizienz und Guest Experience. Diese Entwicklungen spiegeln sich nicht nur in den Hallen wider, sondern auch im ITB Berlin Kongress mit dem Hospitality Track und dem Hospitality Tech Track. Dort diskutieren Branchenexpertinnen und -experten unter anderem, wie Künstliche Intelligenz Buchungen verändert, welche Skills künftig gefragt sind und welche Technologien die Branche nachhaltig transformieren.

Ergänzt wird das Angebot durch Guided Tours wie „Hotel Tech Ecosystem: Solutions Across the Value Chain“ für praxisnahe Einblicke in innovative Technologien entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Hotellerie.

Insgesamt zeigt die ITB Berlin die Hotellerie nicht als isoliertes Segment, sondern als zentralen, eng mit Technologie und Markttrends vernetzten Bestandteil der touristischen Wertschöpfungskette – eng verzahnt mit Technologie, aktuellen Markttrends und starken internationalen Marken und ergänzt durch praxisnahe Einblicke sowie strategische Orientierung.

Stabsübergabe im Januar 2023: Deborah Rothe übernimmt von ihrem Vorgänger David Ruetz die Messeleitung.

Der Auftritt der Gastländer ist oft beeindruckend. In diesem Jahr ist es Angola. Wie können Sie diese Rolle nachhaltiger gestalten, so dass auch in den Folgejahren mehr von dem Renommee wahrgenommen wird?

Wir freuen uns sehr, dass das diesjährige ITB-Gastland Angola diese internationale Plattform nutzt, um seine besonderen Potenziale sichtbar zu machen: Das Land rückt dabei vor allem seine kulturelle Vielfalt – von Musik, Tanz und Kunst bis hin zu Kulinarik und Herzlichkeit – in den Mittelpunkt. Um diese Gastland-Rolle nachhaltig zu gestalten, stehen wir als Plattformgeber in engem Austausch mit den Gastländern. So können wir sicherstellen, dass die Präsentation nicht nur in diesem Jahr wirkt, sondern die Sichtbarkeit auch in den Folgejahren hoch bleibt. Die ITB Berlin dient dabei nicht nur als Bühne, sondern als Startpunkt für langfristige Entwicklungen und Partnerschaften, die über die Messe hinaus langfristig Wirkung zeigen. Erfahrungen aus früheren Gastland-Partnerschaften zeigen diese Wirkung: Das ITB-Gastland 2025, Albanien, verzeichnete beispielsweise in den ersten Monaten 2025 einen Anstieg der internationalen Touristenankünfte um 136 % und lag damit bereits im ersten Quartal an erster Stelle in Europa. 2025 besuchten über 12 Millionen internationale Touristen das Land, was einem Zuwachs von rund 7 % gegenüber 2024 entspricht. Dieses Beispiel zeigt, wie ein Gastlandauftritt auf der ITB Berlin internationale Aufmerksamkeit erzeugt und wichtige Impulse für die weitere touristische Entwicklung setzen kann.

Die ITB hat einen Anteil internationaler Fachbesucher von 87 Prozent. Wie wichtig sind Aussteller und Besucher aus Deutschland, der Schweiz und aus Österreich?

Die deutschsprachigen Regionen sind auf der ITB Berlin auch 2026 mit einer starken und vielfältigen Präsenz vertreten. Der Hub27 bleibt die Heimat der DACH-Länder und damit der zentrale Treffpunkt für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Österreich ist mit einem 900 m² großen Stand prominent vertreten, die Schweiz mit 42 Partnern auf 220 m² sichtbar. Zahlreiche Bundesländer präsentieren sich gebündelt am Stand der DZT, während Berlin, Brandenburg, Bremen, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen eigene Stände haben. Bayern und Hamburg haben ihre Präsenz sogar erweitert. Insgesamt kommen über 776 Aussteller aus dem DACH-Raum.

Auf Besucherseite liegt der Anteil der Fachbesucher aus Deutschland, Österreich und der Schweiz aktuell bei etwa einem Drittel. Im ITB Buyers Circle verzeichnen wir unter anderem starke Zuwächse aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

In diesem Jahr findet erstmals die ITB Americas statt. Warum hat die Messe Mexiko als Standort gewählt und nicht Kanada oder die USA?

Mexiko liegt geographisch ideal zwischen Nord-, Mittel- und Südamerika sowie der Karibik gelegen. Das Land zählt zu den Top 10 der meistbesuchten Reiseziele weltweit und verfügt über eine gut ausgebaute Tourismusinfrastruktur sowie einen florierenden Gastgewerbesektor. Guadalajara bietet mit dem Kongresszentrum Expo Guadalajara, moderner Infrastruktur, internationaler Anbindung ideale Voraussetzungen für eine Messe dieser Größe. Die Stadt verbindet Tradition und Innovation, ist ein Zentrum für Wirtschaft, Start-ups und Bildung und ermöglicht der ITB Americas als Tor zu 35 Ländern in Amerika Trends aufzuzeigen, Partnerschaften zu fördern und nachhaltige Entwicklungen in der Branche anzustoßen.

Welche Bedeutung hat die neue Messe? Wie laufen die Vorbereitungen und wie groß ist die Nachfrage?

Die ITB Americas ist die B2B-Tourismusmesse für den gesamtamerikanischen Kontinent und bringt damit Fachleute aus 35 Ländern Nord-, Mittel- und Südamerikas sowie der Karibik zusammen. Sie dient dabei als zentrale Plattform, um Kontakte zu knüpfen, Marktchancen zu entdecken und die Zukunft des Reisens in der Region aktiv mitzugestalten. Die Messe bietet ein dynamisches Programm aus Ausstellerpräsentationen, Panels und exklusiven Networking-Möglichkeiten – alles speziell auf die Reisebranche in den Amerikas zugeschnitten. Die Vorbereitungen laufen sehr gut – die ITB Americas wird bereits intensiv nachgefragt und verspricht, als neues Branchen-Event ein wichtiger Treffpunkt für Fachbesucher und Aussteller zu werden.

Sie sind im vierten Jahr ITB-Chefin. Gibt es etwas, worüber Sie immer noch staunen?

Ja, absolut. Ich staune zum Beispiel jedes Mal über die enorme Dynamik und Kreativität unserer Aussteller und Partner aus aller Welt. Die Vielfalt der Innovationen, die Energie auf der Messe und die Möglichkeit, Menschen aus über 160 Ländern zu vernetzen, ist immer wieder beeindruckend und nach vier Jahren immer noch inspirierend.

Deborah Rothe.

ITB-Chefin Deborah Rothe ganz privat

In einem Blog-Beitrag von Claudia Tödtmann in der «Wirtschaftswoche» beantwortet ITB-Chefin Deborah Rothe ganz private Fragen. Hotel Inside publiziert einen Auszug aus dem Frageborgen:

Womit beginnt Ihr Tag?

Gegen 6:30 Uhr gibt es schwarzen Kaffee. Dann schneide ich Gemüse oder bereite eine schnelle Stulle für mittags zu. Hauptsache, ich muss später nicht improvisieren. Wenn es zeitlich passt, läuft auch schon die Waschmaschine oder ich bringe den Müll raus.

Was unterscheidet Sie von anderen im Auftreten und im Behave im Job?

Ich lege anderen gerne persönlichen Notizen auf den Schreibtisch. Manchmal sagt ein „Ich seh euch“ mehr als jedes Danke in PowerPoint. Und: Ich räume ständig auf und wische und stelle gerne auch Meetingtische um. Ordnung gibt mir Ruhe, nasse Flecken auf der Küchenzeile muss ich direkt wegwischen.

… und was würden Ihre Mitarbeiter darauf antworten?

Zu meinem Sauberkeits-/Ordnungsdrang: „Debbie war wieder unterwegs. Sie weiß bestimmt, wo die Flyer liegen”. Und dass ich die einzige Chefin bin, die in stressigen Phasen mit den Mitarbeitern im Büro tanzt. In der Corona-Zeit haben wir das einmal wöchentlich im Team eingebaut. Ein Song und dann ging es wieder an die Arbeit.

Tee oder Kaffee?

Kaffee. Kaffee. Und noch einen Kaffee.

Ihr Spitzname ist…?

Debbie

Verraten Sie eine Marotte.

Mein Büro sieht aus wie ein Wohnzimmer, mit kitschiger Leselampe, Bilderrahmen und Blumendeko. Für mich ist die Arbeitszeit auch inspirierende und bereichernde Lebenszeit, die man auch in schöner Umgebung verbringen kann.

Ich glaube an stille Kompetenzen: Wenn jemand zum dritten Mal still in einem Meeting sitzt, schreibe ich ihm später: „Ist alles okay bei dir? Hattest du einen Gedanken, der unterging?“

Was bringt Sie in Harnisch?

Socken auf dem Sofa und offenstehende Schranktüren. Und: Unzuverlässigkeit, zum Beispiel, wenn jemand immer zu spät kommt. Das hat für mich mit Respekt gegenüber der Zeit des anderen zu tun.

…und was bringt andere an Ihnen in Harnisch?

Meine Sturheit.

Was möchten Sie gerne in Rente machen?

Ich möchte lange Reisen machen, vielleicht mit einem Camper quer durch Australien oder Südamerika. Es wäre auch schön, mit meiner Familie nach Spanien umzuziehen auf eine urige Finca. Und ich möchte brasilianisches Portugiesisch lernen.

Auf welche drei Dinge könnten Sie niemals verzichten?

Meinen To-go-Kaffeebecher. Meine Noise-Cancelling-Kopfhörer, mit denen ich am Flughafen, in der Bahn oder auf dem Weg ins Büro Musik oder Podcasts höre. Und meine Brille, ohne die komme ich nicht einmal die Treppen runter.

Was war Ihr peinlichster Moment?

Bei einem Termin mit einem Tourismusminister und einer unerwartet großen Delegation gingen mir die Visitenkarten aus. Ausgerechnet für den Minister hatte ich keine mehr.

Welche Eigenschaft haben Sie von Ihrer Mutter übernommen?

Meinen Pragmatismus.

Wenn Sie für einen Tag den Job von jemand anderem übernehmen könnten – welcher wäre das?

Ich würde gerne für einen Tag die Arbeit in einer Wildtierstation in Costa Rica übernehmen und speziell mit Faultieren oder Chamäleons arbeiten. Das wäre der komplette Kontrast zu meinem Alltag.

Quelle & Copyright: Claudia Tödtmann, Wirtschaftswoche, August 2025

Hier der LINK zum Original-Fragebogen in der Wirtschaftswoche:

ITB Berlin

Was 1966 mit neun Ausstellern begann, ist heutzutage die weltweit größte Reisemesse. In diesem Jahr feiert die Fachmesse ITB Berlin ihr 60-jähriges Jubiläum mit dem Motto „Discover the stories behind 60 years of legacy“. In diesem Jahr werden wieder rund 5800 Aussteller aus 170 Ländern erwartet sowie rund 100.000 Fachbesucher. Auf dem ITB Berlin Kongress diskutieren rund 400 Top-Speaker aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik über die Branchen-Herausforderungen. Die ITB mit dem weiteren Slogan „Leading Tourism into Balance“ bietet mit ihren Ablegern in Indien, Singapur, Schanghai und Mexiko inzwischen eine ganzjährige Plattform. Seit 2023 ist Deborah Rothe Exhibition Director.
 

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